Libanonkrieg – Netanyahu und J-Post stecken zurück – Machtwort von Chief of Staff Eizenkot?

Die israelische Führung spielt „Good Cop, Bad Cop“ mit den imperialen Stakeholdern in ME.

Vorab: Seit dem Spätsommer 2011, dem Zeitpunkt, da Killary Clinton propagandistisch und in Vorbereitung des später „Rat-Line“ getauften Transfers von Waffen, Al Qaida-Kommandeuren und Jihadis von Libyen nach Syrien klar stellte, sie und die Generäle und Geheimdienstler, auf die sie sich stützte, würden ein neuerliches Versanden des Angriffs auf Syrien nicht zulassen, hat sich Gadi Eizenkot, damals Oberkommandierenden der „Nordfront“, mit unentwegten ultimaten Drohungen gegen den Libanon (die sog. „Dahiya – Option“) in diese Front eingereiht. Auf der anderen Seite der Grenze formierte Jeffrey Feltman, Assistant Secretary of State for Near Eastern Affairs, die „Future-Bewegung“ unter dem nach Saudi Arabien exilierten Saad Hariri, Fuad Siniora und dem Ex-Terrorkommandeur in israelischen Diensten, Samir Geagea, zu einer Bürgerkriegspartei gegen die Regierung Mikati und die  March 8 Alliance, welche sie, anfangs mit Erfolg, nötigte, den über Beirut und Tripoli geführten Angriff auf das syrische Homs zu dulden. Die Hezbollah beteiligte sich erst ab Mai 2013 offiziell und mit größeren Kampftruppen auf Seiten der Verteidiger am Syrienkrieg und schloß die „Rat-Line“ über Al Qsair. Inoffiziell, mit Freiwilligentruppen, dürften Hezbollah-Kämpfer seit dem Massaker von Al Hula auf syrischer Seite in den Krieg eingetreten sein, das von bestens ausgerüsteten Todesschwadronen verübt wurde, die vermutlich aus der Türkei nach Syrien infiltriert wurden. Zum selben Zeitpunkt entfernte Obama Feltman vom Kriegsschauplatz, indem er ihn auf den Posten eines stellvertretenden UN-Generalsekretärs berief. Ich habe gute Gründe, anzunehmen, daß Hezbollah-Chef Nasrallah damals, aus dem Weißen Haus nahestehenden Kreisen, eine Garantie gegen einen israelischen Angriff auf den Libanon erhielt. So viel zu möglichen Mißverständnissen über Person und historische Rolle des israelischen Generals.

Israel sei nicht an einem Krieg interessiert, habe Netanyahu heute der Kabinettsrunde vor einem „Briefing“ des Chief of Staff versichert und dem Armeechef vorab „volles Vertrauen“ ausgesprochen, berichtet die J-Post. Letzteres ist keine Routine. Eizenkot hat sich im Verlauf von etwa eineinhalb Jahren wiederholt öffentlich gegen den Radikalismus seines Dienstherren, der ihn stützenden Siedlerbewegung und anderer jüdischer Rassisten und Faschisten gestellt. Netanyahu hatte reagiert, indem er Eizenkot mit Avigdor Lieberman einen der ausgesprochensten Radikalen der Koalition als Kriegsminister vor die Nase setzte. Dieser „Schachzug“ hatte einen breiteren Bezugsrahmen, als Meinungsverschiedenheiten im Rahmen kollegialer Flügelkämpfe. Lieberman ist der erste israelische Kriegsminister ohne Armeekarriere. Seine Familie immigrierte 1978 aus dem sowjetischen Moldawien, als er zwanzig Jahre alt war, worauf Avigdor sich mit Verweis auf seinen Wehrdienst in der Roten Armee zwei von drei Dienstjahren in der IDF erlassen ließ. Im obligatorischen Reservedienst brachte er es zum Rang eines Stabsgefreiten (Corporal). Mit seiner Berufung diktierte Netanyahu das Novum eines Primates der politischen Führung Israels über die aktive Militärführung, die überdies als eine Antwort auf Meutereien des ehemaligen Chief of Staff Gabi Ashkenazi und einiger Geheimdienstchefs zu lesen ist, die nach Ende ihrer Dienstzeit behaupteten, 2011 und 2012 geplante Angriffe des Kabinetts Netanyahu / Barak auf den Libanon und Iran vereitelt zu haben. Ex-Staatspräsident Peres hat posthum für sich dasselbe in Anspruch genommen, für einen 2013 geplanten Angriff.
Diese Kleinigkeiten muß man wissen, um einen Vorgang wägen zu können, der, für sich genommen, wie ein taktisches Spielchen erscheinen könnte und müßte,  denn Netanyahu hatte erst Stunden zuvor seine Gründe für einen „Präventiv“krieg hinreichend spezifisch vorgestellt und nahm jetzt mit dem Bekenntnis zur „Verteidigungsbereitschaft“ nichts davon zurück.

Näheres erfahren wir in einem weiteren, ungewöhnlich ausführlichen J-Post Artikel:
HERE’S HOW ISRAEL IS CHANGING ITS TUNE ON LEBANON.
Um den Hauptpunkt vorweg zu nehmen: Der Autor Charles Bybelezer hat die Botschaft seines in „The Media Line“ schon am 1. Februar erschienenen Artikels im Originaltitel ausgeliefert: Israel On Lebanon: Between Diplomatic & Military Offensives.

Two age-old adages come to mind that seemingly encapsulate Israel’s policy, the first being ancient military strategist Sun Tzu’s assertion that, „the supreme art of war is to subdue the enemy without fighting.“ While this aptly describes the attempt to deter Iran and Hezbollah via a diplomatic offensive, no amount of rhetoric can substitute for active preparation.

Man dürfte schwerlich fehl gehen, in diesem Schlußabsatz den semioffiziellen Standpunkt der Armeeführung formuliert zu sehen.
Ein Blick auf die Details ist dennoch erforderlich:

According to Maj. Gen. (ret.) Giora Eiland, a former head of Israel’s National Security Council, Jerusalem’s actions are motivated by a concern over the prospect of a future war being fought on two fronts. „As far as Israel is concerned, it does not want to fight a war in Lebanon and Syria simultaneously,“ he explained to The Media Line, „and at least today there is no significant Iranian presence in the Golan Heights. As such, even if a war broke out in Lebanon, the Syrian theater might stay closed. But in five years, this could be different and Israel could have to face Hezbollah and Hezbollah 2.0 along separate borders.“

Indem Eiland, stellvertretend für die Armeeführung, die propagandistischen Lügen zur syrischen Front richtig stellt, die Netanyahus Seilschaft unentwegt in die Welt blasen läßt, stellt er sich gleichwohl hinter dasjenige unter deren Zielen, das aktuell die besten Aussichten auf Durchsetzung hat: Eine ausgedehnte israelische „Sicherheitszone“ jenseits des besetzten Golan, in der eine Regierung in Damaskus, wer immer sie stelle, weder militärisch noch politisch eine Rolle habe. Denn es ist in der Tat praktisch auszuschließen, daß eine künftige Regierung in Damaskus, und handele es sich auch um europäische oder amerikanische Proconsuln, den teritorialen Anspruch auf den Golan und die angrenzenden Gebiete aufgeben würde und könnte.
Ansonsten verweist der Artikel mit einer Reihe von Anekdoten, darunter ausgerechnet die von J-Post in entgegengesetzter Absicht aufgebrachte Burgas-Geschichte, auf Widerstände in den USA und Europa gegen die Libanon-Kriegspläne der Likud-Regierung.

Einen Tag vor Bybelezer hatte sich Ben Caspit für Al Monitor ähnlich, allerdings unpräzise vernehmen lassen.

If (the diplomatic offensive) fails, Israel will be forced to make a very difficult decision. Should it launch a preventive strike in Lebanon and Syria and risk a catastrophe, or should it show self-restraint and flow with events, just like it did in 1973? The question isn’t which option is better, but which is less bad.

Das Bild bliebe unvollständiger, als es sein muß, wenn ich hier die Stellungnahmen in Press TV und Al Manar ausließe.

Le coup de bluff israélien

Die Autoren berufen sich vornehmlich auf den Militärkorrespondenten der „Maariv„, einer israelischen Zeitung, die sich bis 2012 dem politischen „Zentrum“ zurechnete, bevor sie, nach Darstellung der Haaretz, in Reaktion auf die Radikalisierung des Likud-Blocks „weiter nach links“ rückte. Um zu ermessen, was „zentristisch“ in Israel heißt, sollte man einen Blick auf die nominelle Zentrumspartei werfen, Kadima, die kein anderer, als Ariel Scharon 1 gründete, weil ihm der jüdische Faschismus seiner Likud-Kollegen auf den Nerv ging. „Friedenstauben“ nisten woanders.
Doch andererseits ist zu beachten, daß selbiger Korrespondent, Yossi Melman, im Novembe 2017 einen Artikel im MEE veröffentlichte, in dem er der „israelischen Demokratie“ einen doppelten Kapitalschaden bescheinigte. Der eine sei das Besatzungsregime im Westjordanland, das andere der „intransparente“ Militärisch -industrielle Komplex“. Das ist nicht nicht weit entfernt von dem Befund eures bescheidenen Antisemiten vom Dienst, der ewig von der Herrschaft einer Kriegerkaste, der Despotie einer Militäraristokratie spricht. Wohl kaum zufällig wurde gerade gestern eine deutsche Übersetzung des Artikels veröffentlicht.

Yossi Melman weist die Behauptungen des IDF-Kumpanen Netanyahus, Ronen Maneli, zurück, die Hezbollah habe mit dem Bau einer iranischen Fabrik für Präzisionsraketen begonnen:

« Ce n’est pas le moment opportun pour une confrontation avec le Hezbollah, car Israël sait que l’Iran n’a pas pratiquement lancé les travaux pour la construction d’une usine de fabrication de missiles au Liban. Israël et le Hezbollah sont encore loin d’une confrontation militaire et Tel-Aviv sait bien que le Hezbollah n’a donné jusqu’à présent le coup d’envoi de la construction d’aucune usine de fabrication de missiles.

In Tel Aviv wisse man sehr wohl, daß Hezbollah über den möglichen Bau einer Raketenfabrik noch keine Entscheidung getroffen habe.

Israël dispose d’informations sur l’intention de l’Iran de construire au Liban une usine de fabrication de missiles pour le Hezbollah et il sait très bien que l’objectif de Téhéran en est d’empêcher les frappes israéliennes sur la Syrie et les dépôts d’armes du Hezbollah

Ebensogut wisse man in Tel Aviv, das Angebot aus Teheran an die Hezbollah – seitens der Revolutionsgarden, es gibt für sowas keine andere Adresse! – sei in defensiver Absicht ergangen, zur Abschreckung laufender israelischer (Luft-)Angriffe in Syrien und künftiger im Libanon. Melman bezichtigt Netanyahu und Lieberman im Klartext der Lüge:

Les menaces proférées par Israël de mener une attaque globale contre le gouvernement et l’armée du Liban ne visent pas à empêcher le Hezbollah de construire une usine de fabrication de missiles

Unter Berufungen auf Andeutungen des o.zit. Ben Caspit behaupten Press TV / Al Manar weiter, die Regierung Netanyahu vertraue der Loyalität der Regierung Trump nicht. Das Ziel der Kriegspropaganda sei, in Washington, Moskau, Teheran und an allen anderen zählenden Adressen Furcht und Angst zu verbreiten, damit sie der „israelischen Sicherheitszone“ im Süden Syriens keine Hindernisse in den Weg legen.

Einen „Bluff“ nennen die Autoren das unter Berufung auf potentielle Schäden und Lasten eines neuen Libanonkrieges für Israel, die Ben Caspit „katastrophisch“ genannt hatte. Sie unterschlagen mittels einer korrupten Übersetzung:

Selon l’expert israélien, ces deux options seraient amères pour Israël. – Präventivkrieg wie der Verzicht darauf seien „bitter“ für Israel.

daß Caspit die Entscheidung zwischen Krieg und Fortführung der Diplomatie eine Wahl zwischen zwei – „katastrophischen“ – Übeln genannt hatte. Mehr als eine halbe Million Menschen habe die Regierung Netanyahu im Kriegsfall aus der Region Haifa zu evakuieren, hatte ein anderer Maariv-Artikel kürzlich gewarnt. Auch das zitiert Al Manar zur Beruhigung seiner Leser. Oh je. Wenn es weiter nichts wäre …

Das „Prinzip Hoffnung“, das auch Melman seinen Lesern ans Herz legt, taugt hier weniger, als gar nichts. Er selbst hat das Ziel der israelischen Kriegspropaganda klar genug benannt: Terror. Terrorisierung nicht nur der Bevölkerungen Israels, Libanons, Syriens und aller angrenzenden Länder, sondern aller imperialen Metropolen, Moskau inclusive. Solcher Terrorismus arbeitet nur, wenn er zur rechten Zeit vom Wort zur Tat übergeht, und die Tat, die der aktuellen Terrorkampagne zugrunde liegt, gilt der Regierung Netanyahu offenbar selbst als abgenutzt.

Ich rede vom Einsatz einer neuen, experimentellen Mini-Nuke gegen ein Militärgelände nahe Damaskus am 5. Mai 2013, denn, wie ihr wißt, bin ich ein antisemitischer Irrer. Deshalb gipfelt diese elend lange Schreiberei in der Wiederholung dessen, was ich vor drei Tagen schrieb

 Hezbollah ist politisch dort angekommen, wo sie hin wollte, was zionistischen Hetzern bestens bekannt ist, die erst vorgestern Leitartikel mit der Botschaft in die Welt bliesen, das libanesische Staatswesen sei nurmehr ein „Staat im Staate Hezbollah“. Weshalb – so der Subtext – es nicht wirklich eine Alternative zur Endlösung der libanesischen Frage gebe. Der Subtext ist mit hoher Sicherheit eine Psy-Op. Die Ankündigung der False -Flag- Operation ist es auch, aber das heißt nicht, daß sie nicht stattfindet.


  1. Anstifter des Massakers von Sabra und Shatila und in Reaktion auf Bush Juniors „Road map“ der Neubesetzung der Westbank unter einer Fülle kleinerer Massaker an der arabischen Zivilbevölkerung. 
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