ICG liefert israelisches Kriegsultimatum an Russland aus

RUSSIA SHOULD BROKER A MODUS VIVENDI IN SYRIA BETWEEN ISRAEL, IRAN AND HEZBOLLAH

Der Autor, Ofer Zalzberg, ist Abteilungsleiter im „Thinktank“ International Crisis Group.

Das technische Kriegsziel

Israeli officialdom sees great risk with Iran building a seaport, airport, permanent military bases or high-precision missile factories, which would enable precise attacks on key Israeli facilities. Israeli strikes over the past months against such targets, and more aggressive Syrian reactions, indicate that the Syria war is already entering a new phase.

Israel sei entschlossen und im Begriff, mit militärischen Mitteln zu verhindern, daß politische Führungen an der israelischen Nordgrenze in den Stand einer Verteidigungsfähigkeit gegen israelische Ultimaten gesetzt werden, indem Israel mit steigenden Kosten eines Angriffskrieges zu rechnen hätte.

Das ist die allgemeine Formulierung aller imperialen Kriegsgründe, keine zionistische Besonderheit: Die Option eines Krieges als des ultimaten Mittels politischer und ökonomischer Erpressung soll erhalten bleiben. Die Besonderheiten des israelischen Ultimatums werden in den Details der Ansprüche an die Schwäche der benachbarten Territorien und ihrer militärpolitischen Führungen erkennbar.

Auftakt: Russland habe Israel und seinen Verbündeten die militärische und militärpolitische Hoheit über die aktuelle südliche „Deeskalationszone“ zu übergeben.

First, Moscow should broker understandings that bolster the de-escalation agreement distancing Iran-backed forces from Syria’s armistice line with Israel. To do so, Moscow at the very least should not provide air cover for a regime campaign that includes Hezbollah or militias to retake these areas, and it should use its control of Syria’s airspace to prevent the Syrian Army from using its remaining air assets in the southwest.

Technisch gesprochen solle die russische Armee garantieren, daß Syrien seine Luftraumverteidigung aus diesem Gebiet abzieht, bzw., sofern außerhalb dieses Gebietes stationiert, nicht gegen einen israelischen Angriff einsetze, und solle „schiitische“ Truppen nicht selbst gegen einen Angriff von anderer Seite decken. Der Grund:

Because the Syrian Army is probably unable to retake this area without the help of Hezbollah or other Shi’ite militias, further regime advances might trigger Israel to attack advancing Syrian Army units and militias in order to block Iran-backed forces from establishing offensive infrastructure in the area.

Solange die syrische Armee selbst zu schwach ist, sich gegen Angriffe Israels und seiner Verbündeten zu verteidigen, werde Israel sie mit dem Ziel angreifen, die Voraussetzungen dieser Schwäche zu erhalten!
Aber:

This alone would likely not suffice. Assad sees the opposition weakening as a result of the termination of US covert assistance and has declared he will retake the entire country.

Die syrische Armee soll an allen Fronten, auf dem ganzen (ehemaligen) syrischen Gebiet verteidigungsunfähig bleiben. Also auch gegenüber türkischen und irakisch-kurdischen Ansprüchen, sowie die kurdischen Selbstverteidigungseinheiten.

Fortsetzung: Russland habe zu unterbinden, daß in Syrien ein neues Gewaltmonopol entsteht.

One formula to lessen the regime’s incentive to break the deal would be for rebels to hang on to their weapons for self-defense and policing and, in return, accept the state’s legitimacy (though not explicitly the regime’s) and the return of its administrative organs (staffed, to the extent possible, with local personnel).

De facto ist das die Forderung nach einem russischen Besatzungsregime, das auch die Verwaltung des Landes im Sinne Israels kontrolliert.

Israelische Konzessionen für den „russischen Dienst“

Israel solle auf Ziele eines Vrnichtungskrieges gegen Syrien verzichten, damit Russland in die Rolle einer israelischen Schutzmacht gegen Iran und Hezbollah eintreten könne.

Perhaps the most significant challenge to this arrangement would be Russia’s ability and willingness to deliver the regime and Iran should it prefer not to clash with its partners and undermine their cooperation elsewhere. It is particularly unlikely that Damascus and Tehran would accede to this arrangement for the southwest so long as Israel continues to strike their assets in other parts of the country …Moscow should, therefore, seek to broker an Israeli-Iranian modus vivendi in Syria, one in which Iran waives construction of precision missile facilities and its military infrastructure in Syria and Israel acquiesces to foreign forces remaining in the rest of Syria pending a deal on the country’s future.

Doch von dem Nutzen solch eines Verzichtes habe Russland einen Teil der israelischen Militäraristokratie erst noch zu überzeugen:

To some in Israel, this arrangement would be a concession too many.

Zu diesem Zweck, deutet Zalzberg nur an, habe Russland Partner in den USA und Europa zu mobilisieren:

Israel would have to settle for a smaller exclusion zone than it has demanded, but this formula would offer a realistic way to keep its foes away and thus reduce the odds of a regional conflagration. Stability in the area could also facilitate a fuller return of the UN Disengagement Observer Force, an element of the 1974 Israeli-Syrian separation of forces agreement, which both Israel and Syria claim to want to restore.

Diese „Konzession“ hat es in sich. Eine Rückkehr der „United Nations Disengagement Observer Force“ (UNDOF) verstieße gegen die Grundlage derselben, nämlich die diversen UNSC – Resolutionen, welche die offizielle israelische Annexion des besetzten Golan zurück weisen. Im Verlauf des Syrienkrieges hat Israel auf dem besetzten Golan neue Siedlungen errichtet, die Verwaltung und neue militärische Stellungen ausgebaut und begonnen, die Bodenschätze zu heben (insbesondere Öl). UNDOF würde zur Schutztruppe der fortgeschrittenen und fortschreitenden israelischen Annexion um den Preis, daß Israel seinen „sicherheitspolitischen“ Anspruch auf den gesamten Golan aufgibt.
Vorerst aufgibt, wie dem Gesamtanspruch des Ultimatums unschwer zu entnehmen ist.

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2 Antworten zu ICG liefert israelisches Kriegsultimatum an Russland aus

  1. tgarner9 schreibt:

    Zeitgleich erschien eine andere Version des Ultimatums in der Times of Israel. Sie weist einige Besonderheiten gegenüber der J-Post-Variante auf, die ich dokumentiert haben will.

    Unter russischer Deckung würden die Syrer entschieden zu frech, sie begännen sich gegen Israel zu verteidigen:

    „This can be seen in the recent airstrikes in Syria reportedly conducted by Israel and — as importantly — in the increasingly brazen ways that Damascus has responded to them. The most recent example was early Wednesday morning when … usw.“,

    Israel wolle und sollte nicht „zweite Geige“ in imperialen Händeln der USA / Europas mit Russland spielen:

    The United States is barely mentioned as having a role to play in any potential deescalation efforts, in light of both Moscow’s rising status in the region and America’s diminishing one, as it significantly scaled back its involvement in Syria over the past few years.

    Zalzberg habe dem Autor versichert, er sehe Anhaltspunkte, daß Russland sich dem israelischen Ansinnen beugen könne:

    “And we are seeing some traction with Russian officials,” Zalzberg said.

    Der Autor weitet die Forderungen nach russischen Garantien auf den Libanon aus:

    … reaching an agreement that “whatever happens in Syria, stays in Syria,” so that fighting doesn’t spillover into Lebanon.

    Die israelische Armee solle im Rahmen der Zalzberg’schen Forderungen freie Hand in Syrien gegen mögliche Vergeltungen der Hezbollah an der libanesischen Grenze erhalten.

    Zalzberg habe dem Autor angedeutet, die russische Führung habe sich von israelischen Kriegsdrohungen gegen den Libanon unbeeindruckt gezeigt, so daß ein Libanonkrieg gewisse Risiken berge:

    Zalzberg added that Russia might like to see a small-scale war between Israel and Hezbollah, as Moscow could further improve its international status by negotiating a ceasefire.

    Daß Putin gegenüber Ultimaten gern die Schultern zuckt und sagt: „Macht doch“, wurde schon mehrfach kolportiert und ist plausibel. Washingtoner Unwille gegenüber Eigenmächtigkeiten nominell alliierter oder unterworfener Player, die „american exzeptionalism“ beschädigen, ist eine imperiale Deckung des Kreml, auch wenn sie im Einzelfall von zweifelhaftem Wert ist (Georgien, Azerbeidschan und Ukraine)

    Darauf formuliert der Autor weitere Einwände. Russland sei BÖSE:

    Backing Assad has put Moscow on the same side as the Syrian despot’s other main supporters, Iran and Hezbollah …The Crisis Group report quotes an unnamed Israeli foreign ministry official as saying, “It’s hard to trust them. They tell us they are not selling weapons to Hizbollah, but we know for a fact that they do. Their policies are cynical. They are not an enticing mediator.” According to defense analysts, fighting alongside Russian troops has also helped turn Hezbollah into a more effective terrorist army with better tactics, strategies and the aforementioned weapons.

    Und generell seien russische Basen in der Levante, auf die sich das Ultimatum stütze, für Israel inakzeptabel:

    Or, as one Israeli official told the Crisis Group, “A fly can’t buzz above Syria without Russian consent nowadays.” This came as a shocking blow to the Israeli Air Force, which had, until then, enjoyed unquestioned aerial superiority in the region …

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  2. Pingback: US-DoS gibt IDF Carte Blanche für Angriffe im gesamten nahöstlichen Raum | Themen & Essays

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