US-DoS gibt IDF Carte Blanche für Angriffe im gesamten nahöstlichen Raum

Zum israelischen Luftschlag gegen Syrien vom 10.2. 

The United States is deeply concerned about today’s escalation of violence over Israel’s border and strongly supports Israel’s sovereign right to defend itself.
Iran’s calculated escalation of threat and its ambition to project its power and dominance, places all the people of the‎ region — from Yemen to Lebanon — at risk.‎ The U.S. continues to push back on the totality of Iran’s malign activities in the region and calls for an end to Iranian behavior that threatens peace and stability.

Zu den Fakten

Sprecher des Iran haben rundweg bestritten, die von Israel abgeschossene Aufklärungsdrohne, die eine Erkundungsmission im Auftrag und in Abstimmung mit syrischen Regierungsstellen geflogen sei, habe israelischen Luftraum verletzt.

Man sollte an der Stelle nicht zu bemerken versäumen, daß diese Statements ostentativ defensiv sind. Der Luftraum, den Israel jetzt einmal mehr zum Hoheitsgebiet erklärt, nachdem es letztes Jahr schon einen syrischen Flieger aus demselben schoß, der einen Kampfeinsatz auf syrischem Gebiet geflogen hatte, ist UN-Niemandsland. Falls die Waffenstillstandslinie von syrischer Seite überflogen wird, ist das juristisch eine Verletzung einer beiderseitigen vertraglichen Bindung, so etwas zu unterlassen – keine Hoheitsverletzung.

Tatsächlich bestätigen informierte westliche Quellen im Wesentlichen die iranische Darstellung.

  1. Defense Newsgibt die Timeline wie folgt an:

    The latest escalation beyond Israel’s northern border was prompted by an early morning infiltration into Israeli airspace by an Iranian UAV, which was tracked and ultimately downed by an Israel Air Force AH-64D Apache helicopter.
    In response to the initial UAV infiltration, Israel targeted an Iranian UAV command and control trailer at a base near the Syrian capital of Damascus. When Syrian-based anti-aircraft batteries fired on the Israeli F-16 formation sent to bomb the Iranian command and control trailer, Israel launched the second, much broader wave of attacks on Syrian and Iranian assets.
    “Iran is the aggressor here. They sent a UAV on a military mission, violating Israeli sovereignty. The IDF is ready for all scenarios, and urges Iran and Syria to cease aggression,” Conricus said.

    Dazu wird ein Video gezeigt, das angeblich die Zielführung des Apache-Gunners dokumentiert. Koordinaten- und Zeitsignatur sind verblendet. Die Timeline dokumentiert, daß der Angriff auf die angebliche Steuerungseinheit auf syrischem Territorium vorbedacht und planmäßig erfolgte. Die Ortsangabe dieses Angriffes, „nahe Damaskus“, ist eine platte Lüge, die den Vorbedacht notdürftig verschleiern soll. Der israelische Luftangriff galt allen anderen Quellen nach der Basis T4 nahe Palmyra im Bezirk Homs, sie liegt 200 km Luftlinie von nördlichsten Punkt der Waffenstillstandslinie entfernt.

  2. DebkaFile: The Iranian Saegheh drone in Syria – a worry for US as well as Israel
    Das gezeigte Foto von Nurflügel-Apparaten, die in etwa die Breite eines großen Lieferwagens haben, bestätigt die verwaschene Aufnahme in Defense News [^1].

    Iran’s Saegheh is no ordinary UAV; it is the Iranian Revolutionary Guards’ prize drone for assault and intelligence gathering. It made its debut outside Iran on Saturday, Feb. 10 when it slipped into Israeli airspace, first circling east into Jordan. Until then, the Saegheh (Storm) was not generally known to have reached the Syrian warfront. After it was brought down almost intact by an Israeli Apache helicopter, Israel Air Force jets bombed the drone’s command vehicle deep in central Syria, at the T-4 base near Palmyra, which is shared by Iran and the Russian air force. The speed of this counter-punch confirmed that Israeli intelligence had tracked the drone from the moment it took to the air from T-4 and was on standby to snag it.

    Debka bestätigt, was jeder, dessen Verstand noch nicht erkrankt ist, weiß, und geht in einem Nebensatz weit darüber hinaus: „...first circling east into Jordan„. Das bestätigt die iranische Angabe, die Drohne sei über das südöstliche syrische Steppengebiet („badia“) zu einem Aufklärungsflug im jordanischen Grenzgebiet entsandt worden, also zunächst über den Bezirk Suwaida. Damit bestätigt Debka, die Drohne sei nicht einmal in provokanter Mission unterwegs gewesen, wie zahlreiche Kommentatoren sich zu „vermuten“ beeilten. Falls die Drohne immerhin in die Nähe der Waffenstillstandszone geflogen wurde, was von dieser Ausgangslage her erst einmal zu bezweifeln ist, dann galt die Operation wahrscheinlich einem Vorgang, über den ich vor 8 Tagen berichtet habe und „Präzedenzfall eines offen systematischen israelischen Eingriffs in südsyrische Feldschlachten“ nannte. Es gibt seither widersprüchliche Meldungen über das Ergebnis eines konzertierten Vorgehens israelischer Artillerie und jordanisch/ amerikanisch gestützter Jihadis gegen eine „IS“-Enclave im Dreiländereck. Die iranische Angabe, Ziel der Aufklärung seien „Pockets of Daesh“ gewesen, könnte zu dieser Version passen.
    Die weiteren Behauptungen Debkas zum Kurs der Drohne sind nicht verwendbar, sie sticheln gegen die amerikanischen Truppen insgesamt und in Al Tanf besonders. Aber Debkas Ortsangabe zum Ort des Abschusses ist erhellend: Bet Sche’an20 km südlich der Waffenstillstandszone im jordanischen, nicht syrischen Grenzgebiet.

Jetzt haben wir klar, wie die Verlautbarung des DoS zu den Fakten paßt. Sie macht den Iran für beliebige künftige israelische Militäroperationen „von Jemen bis Libanon“ verantwortlich. Das ist aber nicht alles!

DoS gibt sich via IDF Hoheit über den globalen Luftraum

Das muß euch als eine extensive Deutung erscheinen und im semantischen Sinne ist es das – doch im faktischen Sinne ist sie exakt. Probe:

Das russische Außenministerium hat die Gefährdung russischen Personals in der zwischen Moskau und Washington abgesprochenen und per offiziellem Kommuniqué besiegelten „südwestlichen Deeskalationszone“ durch israelische Überfälle und Operationen „inakzeptabel“ genannt. Das DoS hält dagegen: ‚Weil ihr iranischen Proxies und iranischem Personal in Syrien wie anderswo nicht wehrt, habt ihr israelische Angriffe zu akzeptieren‘.
Wo bitte soll dieser Anspruch eine Schranke haben?
Ja. Genau. In Washington. An amerikanischem Luftraum.

Wenn ihr diese faktische Deutung mit diplomatischer Semantik amalgamiert, bekommt ihr eine Fortsetzung und Spezifizierung der voran gegangenen Verlautbarung aus dem DoS.

Korrektur und Ergänzung

Ich habe unter Punkt 2 irrtümlich Angaben einer „Cellule d’opérations des Alliés de la Syrie“, die Al Manar zitiert hat, für „iranisch“ ausgegeben. Die Differenz ist sprechend, wie ich gleich zeigen werde. Press TV dazu:

„Claims about the flight of an Iranian drone … are too ridiculous to be addressed because the Islamic Republic of Iran has advisory presence in Syria at the request of the country’s legitimate and constitutional government,“ Iranian Foreign Ministry Spokesman Bahram Qassemi said on Saturday. The government and army of Syria as an independent country have a legitimate right to defend [the country’s] territorial integrity and counter any type of foreign aggression,“ he added.

Weiter unten im Text ist spezifiziert:

Brigadier General Hossein Salami, the IRGC’s second-in-command, told Tasnim news agency that Iran would only confirm a drone interception if Syria made that confirmation.
He also said that Iran has no military presence in Syria and that the Syrian Army was adequately capable of defending the Syrian territory.

Das iranische Außenministerium hat sich also geweigert, die Assistenz iranischer Militärs für die SAA zu einem diplomatischen Faktum zu machen, der sich iranische Offiziere, von der iranischen Presse sattsam zitiert, seit vielen Jahren rühmen, und die von syrischer Seite mehrfach offiziell gemacht wurde, obgleich solche Assistenz iranischer Armeeangehöriger denselben Status hätte, wie der russischer Offiziere und Mannschaften.

Das ist für sich schon sprechend genug. Der Kreml, und in seinem Gefolge der syrische Präsidentenpalast, behalten jetzt den Status völkerrechtlich legitimer ausländischer Hilfskräfte ausschließlich den Russen vor. Wir liegen gewiß nicht verkehrt, wenn wir das als eine Bedingung und Konsequenz des russisch-amerikanischen Kommuniqué’s zur Deeskalationszone Qneitra / Daraa auffassen.

Dem entspricht auch die gestrige und heutige russische Auslandspropaganda. Sputniknews, RT (heute), RT (gestern). Sie mobilisiert, wie es gestern Rötzer für TP tat, die semantische Unschärfe des Ausdrucks „iranische Drohne“, die iranische Stellungnahme der Lächerlichkeit preis zu geben, allerdings mit dem Ziel, „russische Neutralität“ und „Vermittlerrolle“ heraus zu stellen. In sozialen Netzwerken insinuieren russische Maulhuren, Iran und „iranische Milizen“ würden „anscheinend“ Anspruch auf den Luftraum über dem besetzten Golan erheben.
Der Kreml bemüht sich also, die von Trump demonstrativ in Riad ausgehobene antiiranische Front, die Israel an den Seitenstreifen stellt und auf einen „Eisernen Vorhang“ im Nahen Osten zielt, dessen transnationaler Sachwalter Washington sein will und soll, für seine Syrienstrategie zu „hyjacken“, womit es der Forderung des ICG, also vom „gemäßigten“ zionistischen Flügel in Tel Aviv, Washington und Brüssel, nach kommt.
Es tut mir leid, daß ich diese Wendung nicht gleich mitbekam und jetzt nachzutragen hatte.

Dagegen freut es mich, zwischenzeitlich die Notiz „Hübsch ...“ eingestellt zu haben. Hier haben wir ein Beispiel, wie die Inquisitionskultur per direkter militärischer Erpressung in die divergente russische Herrschaftskultur hinein sickert …

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3 Antworten zu US-DoS gibt IDF Carte Blanche für Angriffe im gesamten nahöstlichen Raum

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  2. Pingback: Imperiale faits divers | Themen & Essays

  3. tgarner9 schreibt:

    Die geistliche – im Unterschied zur politischen – Führungsriege des Iran ist der unter „Korrektur und Ergänzung“ vermerkten Taktiererei drei Tage später entgegen getreten:

    Tehran, SANA – Iranian Supreme Leader’s Top Adviser Ali Akbar Velayati reaffirmed that the Iranian presence in Syria came in fulfillment of a request by the legitimate government in the country.
    Velayati told journalists on Wednesday that those who have come to Syria without any invitation should get out of it.
    R. Milhem

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