„The Rules of Engagement have changed“

Das ist jetzt der Schlachtruf derer, die „Axis of Evil“ russisch buchstabieren, oder das gern tun wollen, obwohl Putins Realpolitik es ihnen zunehmend schwerer macht. Die ideelle Tunnelei macht diese Typen noch dümmer, als die Vorbilder auf der Gegenseite, die immerhin die Kräfteverhältnisse (politisch, ökonomisch) auf ihrer Seite haben. Zum Beispiel deshalb: 

  1. Die Behauptung ist unwahr, wie ihr hier lesen könnt.
  2. Ebenso unwahr ist die gelegentlich zu lesende Behauptung, mit dem Abschuß der F-16I, vermutlich mit einer S-200 / SA-5 (Buks / SA-17 haben die Syrer nur in wenigen Exemplaren bei Damaskus und Latakia) habe ein „altes“ gegen „fourth generation“ – Gerät „gewonnen“. Die syrischen S-200 sind in den 80er Jahren gegen die F-16I aufgestellt worden und ihre Technik wurde mindestens teilweise modernisiert, als die IAF ab 2000 modernisierte Varianten erwarben bzw. produzierten (Avionik!)
  3. Eine halbwegs erfolgversprechende Abwehr gegen „Overkill“-SAMs, wie die S-200 eine ist, gibt es nur mit Electronic Warfare und Wild Weasel-Angriffen, beides hat die IAF 2007 bei der Operation Orchard mit Erfolg angewendet. Dem entsprechend gab es bei der 2. Welle der israelischen Angriffe, bei der nach IAF-Angaben 3 Luftabwehrstellungen angegriffen und zerstört wurden, keinen Abschuß!

Folglich ist der „Schlachtruf“ wahrscheinlich keine „Lüge“ im buchstäblichen Sinne, aber mehr oder minder absichtlich irreführend. Die syrische Seite hatte – zu Lasten des Luftabwehrpersonals! – beschlossen, ihre S-200 nicht länger zu schonen. Sie waren – dazu gab es irgendwann in der Vergangenheit auch eine offizielle oder semioffizielle Stellungnahme – zur Abschreckung eines kriegsentscheidenden israelischen Angriffs auf Damaskus vorgehalten worden. Dies Kalkül ist entfallen – und zwar mehrfach.

  1. Die IAF verfügt jetzt über F-35, gegen die S-200 nichts ausrichten, zumindest nicht auf der gegebenen Distanz.
  2. Das Ziel Damaskus ist, wie ich ausführlich dargestellt und dokumentiert habe, weit aus dem Fokus der IAF gerückt, weil Amerikaner und Russen Israel seinen territorialen Anspruch auf weite Teile des syrischen Südens schon zugesprochen haben – wenngleich erst in dem Grundsatz, daß Damaskus die Hoheit über Qneitra und Daraa auf eine unbefristete Zeit entzogen bleiben soll.
  3. Im Gegenzug kann man in Damaskus sicher sein, daß verbleibende israelische Motive zur Enthauptung Restsyriens nicht gegen den Kreml zum Zuge kommen.

Ergo: Die Vorgänge am Wochenende enthielten einen, und galten einem, robusten Deal, der vier Parteien (und weitere im Gefolge dieser Viere) akkomodieren sollte und konnte, nämlich die „Radikalen“ und „Gemäßigten“ beider Seiten. Die Kryptofaschisten aller Herkünfte und Couleur, die sich jetzt hinter dem zitierten Schlachtruf, allerlei publizistischen Psy-Ops und einer „Achse der Resistance“ versammeln, die so, wie sie sie darstellen, eine reine Fiktion ist, agieren wie von unsichtbaren Drähten gesteuert im Sinne der Schnittmenge der Interessen der Dealmaker, der israelischen voran.

Der Eintrag ergänzt die 1,2,3 voran gegangenen.

Ich habe gestern zum selben Thema geschrieben, und den Eintrag gleich wieder zurück gezogen. Nachdem obiges gesagt ist, stelle ich ihn hier in einen

Anhang:

  • Die Resistance, zu der sich auch ein sehr beträchtlicher Teil der libanesischen und syrischen Bevölkerung zählen, die keinem schiitischen oder alavitischen Verein angehören, hat allen Grund zur Kriegsmobilisierung, das habe ich hinreichend dokumentiert.
  • Sie steht gegen einen militärtechnisch hoch überlegenen Feind, der die Eskalationsschranke für den Einsatz von Nuklearwaffen diplomatisch wie tätlich nach unten offen gehalten hat. Personell und hinsichtlich der Kampfmoral und -erfahrung ist die Resistance hoch überlegen, was die nukleare Schwelle schon in eine erste Phase umfänglicher Kampfhandlungen verlegen könnte, obwohl zu erwarten ist, daß dies nicht im Sinne der IDF und eines Teils der israelischen Führung ist, weil sie hohe politische Kosten befürchten muß. Bis ins Absurde übersteigerte Appelle an die Kampfmoral der Resistance und der betroffenen Bevölkerung sind daher ein schwer verweigerliches Mittel der Abschreckung Israels.
  • Daß die iranische Führung gespalten ist, und ein großer Teil des Militärs auf Seiten der traditionalistischen iranischen Gotteskrieger steht, ist kein Geheimnis.
  • Daß Geschichten, Argumente und Machwerke, für die Magnier ein Beispiel gibt, und die ich vorher v.a. von den Moonies kannte, zuzüglich aus der Gefolgschaft der syrischen Militärdespotie, an öffentlichem Gewicht gewinnen könnten, habe ich vorher gesehen und deshalb meine Bemerkungen zur Vorgeschichte des Scheiß entsprechend abgefasst. Die Nomenklatura des Kreml hat die Gelegenheit wahr genommen, möglichst viele ihrer radikalen nationalistischen und (krypto)faschistischen Kritiker in und mit dem Syrienkrieg beschäftigt zu halten, so daß sie im Inneren umso weniger Schaden anrichten. Dies Gesocks (was nicht heißen soll, es seien keine rechtschaffenen Leute, im Gegenteil, unter ihnen sind mehr ehrenwerte Figuren, als unter’m restlichen Volk) muckt schon seit 6 Jahren gegen die Kremlführung und hatte die letzten zwei Jahre beste Gelegenheit, sich in Syrien mit Gesinnungsgenossen konspirativ zusammen zu tun. Undementierte Verlautbarungen aus Offizierskreisen zur türkischen Afrin-Invasion, aber auch gewisse Zweideutigkeiten in offiziellen Verlautbarungen des russischen DoD lassen mich stark vermuten, daß es Parteigänger unter Führungsoffizieren und im Ministerium hat. Irgend wann in der laufenden Kriegsphase mußten diese Typen aus ihren Deckungen kommen, wenn sie nicht nur Wodkaseligkeit genossen haben wollten. Dies halte ich für den festen Grund hinter der Veröffentlichung von Magnier.
  • Ich will nicht dahingehend verstanden werden, daß ich Magnier vorwerfe, er spiele „dem Feind in die Hände“. Die zionistischen Imperiumskrieger brauchen diesen Scheiß nicht. Umgekehrt können ehrenwerte Leute in Syrien, im Libanon und in Israel der Auffassung sein, der Scheiß könne immerhin beitragen, Putin, Lavrov und Konsorten gelegentlich zur Mäßigung ihrer erzwungen opportunistischen Imperiumspolitik, zur Kürzung und Verengung ihrer Lavierungsachsen zu bewegen  Ob darauf setzende Hoffnungen, das Leid und Elend aktuell und künftig betroffener Bevölkerungen zu mindern, illusionär sind, oder nicht, kann ich nicht wirklich beurteilen.
  • Was ich hingegen beurteilen kann: Eine Übernahme der Methoden der Volksverführung und -betörung aus 4000 Jahren Geschichte des Patriarchats, des Privateigentums und der Sklaverei ist nahezu eine Garantie für deren Fortdauer bis zum Tod der Biosphäre.

 

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