Imperiale faits divers

 

French President Emmanuel Macron speaks during a Trianon Council meeting aiming to strenghten the links between France and Russia at the Elysee Palace in Paris

(REUTERS/Ludovic Marin/Pool)

‚France will strike‘ if proven chemical bombs used in Syria: Macron

Hätte ich in nicht gar so lange vergangenen Zeiten einen meiner proletarisch gestrickten Arbeitskollegen, vom Dreher bis zum Ingenieur, auf sowas hin gewiesen, hätte die Antwort entweder gelautet, „Ach, laß mich doch in Ruhe„, oder, rhetorisch, „Was will der schon wieder?“ Beides ist rationell und sachgerecht. „Wichtig“ ist sowas nur, weil und so lange eine selbstvergessene ausgebeutete Klasse Figuren, wie Macron, die plateforme schafft und läßt, auf der sie wirken, indem sie schwätzen. Ich habe hier das französische Wort an Stelle der rhetorisch naheliegenden „Bühne“ gewählt, weil es auch die Bedeutung von „Planum“ hat, die für ein bestimmtes Bauwerk zweckmäßig bearbeitete Bodenschicht, die sein Fundament aufnehmen soll. Denn solch Ding ist das allgemeine Thema dieses Sammeleintrages, weshalb ich es mit „faits divers“ überschrieben habe. „Beweisen“ will ich mit ihm nichts!

Und da ich schon schwatze, erzähle ich auch, daß ich gestern einen Kommentar zu schreiben begann und abbrach, weil ich mir die Reaktion vorstellte, „Was erzählt der Grün schon wieder, Quatsch, das kann man doch so oder so sehen„. Thema war eine verpasste Notiz in der WaPo vom 2. Feb., US has no evidence of Syrian use of sarin gas, Mattis says, die den Eintrag vom 6. Feb. ergänzt, DoS sagt Überfall auf Damaskus ab und Krieg gegen Russland an,  und in Folge auch US-DoS gibt IDF Carte Blanche für Angriffe im gesamten nahöstlichen Raum, vom 11. Feb..

Die WaPo-Notiz erweckte meine – verspätete – Aufmerksamkeit, weil ich dies noch im Hinterkopf hatte, vom Dez. ’16, und einen „fait divers“ vom August ’17, den ich unter dem polemischen Titel mitteilte,  James Mattis wird isoliert – Vorbereitungen für einen Doppelputsch in White House und Pentagon?

US-Verteidigungsminister Mattis schotte sich gegenüber der Presse ab, behauptet Dan de Luce in einem FP-Artikel mit dem (absichtlich?) irreführenden Titel PENTAGON FORCES OUT POPULAR PRESS SPOKESMAN. Doch zwischen den Zeilen erfährt man, es ist gelogen.  Mattis sucht vielmehr den Kontakt zur Presse so sehr, daß er wiederholt unangekündigt im Presse-Zentrum des Pentagon auftaucht um Reden zu schwingen und Frage-Antwort-Spielchen zu treiben, die nicht das Licht der Öffentlichkeit erblicken, weil es sich um keine offiziellen Termine handelt. Für Mattis Reisen – zuletzt die Nahost-Reise – werden zahlreiche Presse-Vertreter eingeladen, die im letzten Moment, wenn alle Reiseformalitäten erledigt sind, von seinem Büro wieder ausgeladen werden. Mattis selbst hat nach seiner Amtsübernahme dem ehemaligen OIR-Sprecher Colonel Steve Warren den Job des Pressechefs des DoD angeboten, eine zivile Position, die erforderte, daß Warren den Armeedienst quittiert. So jedenfalls stellte Defense News die Sachlage unwidersprochen im März dar. Nachdem Warren aus dem Armeedienst ausgeschieden ist, kommt nun – das Muster kennen wir schon – die Absage: Warren „erfülle nicht die Anforderungen“ für die Stellung des Pressechefs im DoD, befand die Verwaltung des Weißen Hauses kurz vor dessen vorgesehenen Amtsantritt. Der Absender ist unverkennbar: H.R. McMaster, „Sicherheitsberater“,  geheimdienstlicher Vormund des Präsidenten.

Nicht mehr bewußt im Kopf hatte ich meine Notiz vom April ’17, Mattis bei Netanyahu – for the record die komplett zu lesen, ich euch jetzt auffordere. Für den Lesefluß zitiere ich hier immerhin die Beschwerde DebkaFiles über „vage und unverbindliche“ Antworten Mattis auf israelische Forderungen und den Umgang der israelischen Kriegeraristokratie damit:

By their („israeli leaders„, TG) policy of abstention from military initiatives on Israel’s northern frontiers, its prime minister, defense minister and chief of staff have made the government non-players in a crisis that vitally affects national security. Unlike Jordan, which took the chance of going into action, Israel was left on the sidelines and therefore kept waiting for answers.

Doch, weil der Vorgang in meinem („unbewußten“, besser: unreflektierten) Arbeitsbewußtsein steckte, akzeptierte ich die semantische Unschärfe der von WaPo kolportieren, extemporierten Äußerungen Mattis, auf die auch ein gewisser international lawyer, U.S. Army veteran and former intelligence community contractor, Ian Wilkie angesprungen war, überraschenderweise für Newsweek

Mattis offered no temporal qualifications, which means that both the 2017 event in Khan Sheikhoun and the 2013 tragedy in Ghouta are unsolved cases in the eyes of the Defense Department and Defense Intelligence Agency.

Tja. Diese Deutung ist selbstredend angreifbar, weshalb ich meine Notiz gestern unterließ. Nun scheint es, daß es in Macrons Team, sowie bei Reuters, Leute gibt, die auf Mattis vage und uneindeutige Anspielungen trainiert sind, denn in dem eingangs verlinkten Reuters – Artikel wird Macron wie folgt zitiert:

“Today, our agencies, our armed forces have not established that chemical weapons, as set out in treaties, have been used against the civilian population.”

Ihr erinnert euch vielleicht: Die zuständige UN-Agentur will das Gegenteil bewiesen haben, eine eigenständige französische (Armee-)untersuchung folgte ihr im Falle Khan Sheikun, was der frz. Außenminister mit Posaunenbegleitung verkündet hat. Seit 2013 spielt es in der veröffentlichten Meinung keine Rolle, daß die Behauptung, die syrische Armee habe irgendwann einmal Sarin verwendet, weder technischer noch logischer Überprüfung stand hält, was ich hier natürlich nicht zeigen kann, dann würde mein Eintrag frühestens in fünf Tagen erscheinen und ich käme zu nichts anderem.

(Nachtrag: Die Bemerkung birgt gleichwohl das Potential eines harten französischen Remplers gegen den türkischen Geheimdienst, dessen Autorität das frz. Militär in Anspruch genommen hatte, einen Sarin-Einsatz in Khan Sheikun für technisch bewiesen zu erklären.)

Jetzt kam es mir darauf an, vorzustellen, wie sich die Kämpfe innerhalb des Imperiums, unterhalb, aber hautnah an der Schwelle militärischer Aktionen, an der äußersten Oberfläche zeigen, einschließlich der zionistischen Prärogative in ihnen.

Denn dank seiner politökonomischen und historischen Sonderstellung im Imperium tut Israel, was alle anderen Player nur immer androhen, mit der einzigen Ausnahme des US-Feuerüberfalls nach der False-Flag – Attacke von Khan Sheikun, der, wie meine Leser aus meiner ausführlichen Berichterstattung wissen, weniger „Assad“, als vielmehr „Russland“ galt, und zwar mit einem langen, strengen Seitenblick auf die Versuche der Killary-Fraktion, Trump abzusägen. Die IDF hingegen tat es nach Behauptungen 1 des Oberbefehlshabers der fliegenden Truppe der IAF, Amnon Ein Dar mehrere tausend Mal allein im vergangenen Jahr (Y-Net).

Und das ist jetzt Macrons Mitteleines unter anderen, aber möglicherweise das wirksamste – sich in die Kämpfe des DoS gegen White House, beide assistiert von gegeneinander stehenden Flügeln im Pentagon, nicht allein zu inserieren, sich vielmehr hoch symbolisch über beide zu erheben. Denn die Angelegenheit an sich ist nach Macrons eigenem Bekunden und der, wie ich gezeigt habe, nicht übermäßig zweideutigen Auskunft des Pentagon-Chefs gegenstandslos.  Es ging nur darum, daß Macron es sagt, daß Macron es sagt, während Trump sich bedeckt hält und umständehalber halten muß.

„Halten muß“ – der Punkt ist von ausschlaggebender Bedeutung. Die noch wirksame militärische Hegemonie der USA bindet den Herrscher über das Weiße Haus an eine praktische Prärogative über militärische Handlungen des Imperiums mit der einzigen Ausnahme der IDF, die im Rahmen der Kalküle der zionistischen Militäraristokratie aufgrund ihrer Sonderstellung und atomaren Bewaffnung Handlungsfreiheit hat. Heißt, Macron kann so schwätzen, weil alle realen Adressaten erwarten, daß es Geschwätz ist, daß Macron im Falle eines Falles einer Direktive aus dem Weißen Haus entsprechen wird. Noch. Sein Auftritt ist die Bekräftigung eines Anspruches, den, politisch gesprochen, gar nicht er selbst erhebt, sondern der in der Formation und der Verfassung des Imperiums angelegt ist, wie ich es, in meiner längst verdrossenen Manier, Ende November deklarierte: Das Imperiumszentrum IST nach Brüssel verlegt

Und nun geht zurück nach oben, klickt den Reuters – Artikel und das Original des Fotos an, mit dem Reuters seine Meldung bebilderte, und das ich maximal verkleinert habe, um juristischen Angriffen auf mein Dasein vorzubeugen. Macron präsidiert da in der Aufmachung eines Priesters, in schroffem Gegensatz zu seiner gewohnten Reverenz politischer Uniformierungsgewohnheiten.

Frau Macron läßt da übrigens grüßen, darf man mutmaßen, und auch das – ob Fakt oder nur eine Mutmaßung, für die es Indizien gibt – ist ein fait divers in meinem Sinne.


  1. Es ist ganz überflüssig, die Aussage numerisch wörtlich zu nehmen. 
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2 Antworten zu Imperiale faits divers

  1. Pingback: Wenn Maulhuren als Kritiker auftreten … | Themen & Essays

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