Crashkurs vom „antisemitischen Schmierlappen“

Ach Quatsch. Weitermachen

Auf Twitter textete mich ein mittelöstlicher Provokateur mit folgender Albernheit an:

Unlike Syria, many in Lebanon want peace with Israel, fear of Syrian pressure & even a possible invasion, & Syria’s allies inside Lebanon (Hezbollah for example) are the only things stopping Lebanon from making peace with Israel

So bescheuert sie ist, ist sie doch um Längen gewitzter, als das einfältige inquisitorische Gewäsch, das hierzulande zum Thema zu haben ist. Dieser „Jack“ spielt sich in der ideologischen Bandbreite zwischen „Identität“ und „Differenz“ – sowohl von „Staat und Volk“, wie „Volk und Nation“, als auch „Nation und Staat“. Das ist im Westen längst außer Kurs.

Die korrekte Antwort auf der Ebene der Realabstraktionen, mit denen Jack ideologisch spielt, scheint mir:

There is no such thing, as „Israel“. Sondern es gibt eine „Zionist Entity“, die sich weigert, die Araber auf ihrem Territorium zu Bürgern zu erklären und zu machen. Die sich folglich weigert, die arabische (mittelöstliche) Nation zu sein, die sie territorial ist. Und sich damit ermächtigt und verdammt, den anderen mittelöstlichen Nationen unterliegen zu müssen, falls sie sie nicht dominiert [^1].

Auf der Realitätsseite der Realabstraktionen, also unterhalb ihrer ideellen / ideologischen Ebene, ist die Antwort notwendigerweise bullshit. Israel ist eine mittelöstliche Nation, es kann nicht verfehlen, eine zu sein, sie ist es auf polemische Weise. Sie hat de facto ihren Frieden damit gemacht, so wie die Bourgeoisien der umgebenen Staaten alle ihren Frieden mit Israel gemacht haben, die syrische nicht ausgeschlossen. Gäbe es kein Imperium, wäre die Macht der zionistischen Militäraristokratie auf die Zwecke gezogen und begrenzt, welche die politische Ökonomie des israelischen Territoriums innerhalb der mittelöstlichen Region setzen, und entsprechend kleinteilig wären diese Zwecke und die daraus erwachsenden Ansprüche der Kriegerkaste an die Herren umgebender Territorien. Sie wäre wehrhaft und nachgibig bemessen an diesen Zwecken, nicht gemäß einer ultimaten Bewaffnung, über die sie verfügte.

Tatsächlich ist Israel Bestandteil der PolÖk des Imperiums.
Wenn wir diese Pol.Ök jetzt einfach unterstellen, ohne zu berücksichtigen, was sie ist und worauf sie zielt, wenn wir also, mit anderen Worten, auf die Ebene – nicht den Standpunkt – der politischen Stände innerhalb des Imperiums begeben, die genau das tun müssen, weil das der praktische Ausgangspunkt, das praktische Erfordernis ihrer Profession ist, ergibt sich, daß alle Beteiligten, mehr oder weniger, auf apologetische oder polemische Weise, am jüdischen Kolonialismus parasitieren, und parasitieren müssen [^2], um ihre jeweiligen Zwecke zur Geltung zu bringen. Es ist ein erhältlicher Level auf der paradoxen Ebene, auf der sie stehen, der Ebene der internationalen und transnationalen Konkurrenz, in der alle gegeneinander stehen. Dies Gegeneinander ändern weder Zweckbündnisse noch die Einheit des Weltmarktes, im Gegenteil, sowohl diese Einheit wie die Zweckbündnisse sind das Substrat der Konkurrenz territorialer Herrschaften.

Es ist ein Level, nicht der einzig erhältliche in der imperialistischen Welt. Woher erhält er seine prominente Stellung?
Darauf gibt es keine einfache Antwort, das Ding ist vielfach vermittelt. Teilantworten habe ich mehrfach auf diesem Blog angegeben – die historische Rolle des Ölreichtums der Region und der nuklearen Bewaffnung in der imperialistischen Welt, zum Beispiel – jetzt will ich noch einmal auf einen bleibenden Untergrund aufmerksam machen.

Im oben Geschilderten setzt sich auf vermittelte Weise derselbe Gegensatz durch, den Marx in „Zur Judenfrage“ unter die Lupe nahm. „Der Jude“ blieb im Fokus eines (!)  Brennspiegels, in dem der unauflösliche Gegensatz zwischen Bourgeois und Citoyen zur Erscheinung kommt. An dieser tribalen Figur entzündet sich periodisch eine Unerträglichkeit dieses Gegensatzes. Das arbeitet, wirkt, wie der Zusammenbruch einer Wellenfunktion. Darin liegt zum Beispiel die Logik des Irrsinns der Opfer-Täter-Umkehr, mit der die zionistische Kriegerkaste ihr Dasein, ihre ideelle Mission nebst ihren Kriegen rechtfertigt.

Ach Quatsch.

Weitermachen!

[^1]: Das ist – fällt mir im nachhinein auf – die Antwort, die Assad in einem Appell an die amerikanischen Leser zu Kriegsbeginn, im Januar 2011, via WSJ so zusammenschnurren ließ: „There can be no peace, if there is no peace“ – sinngemäß aus dem Gedächtnis zitiert.

[^2]: Zu Anteilen, die man weder vergessen noch überbewerten sollte, ist dieser „jüdische“ Kolonialismus eine Auslagerung und Projektion britischen, vor allem aber amerikanischen Kolonialismus, soweit er im Imperialismus aufgehoben war, also auch erhalten blieb.

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