Nein, Netanyahu ist keine lächerliche Figur

NETANYAHU_UNDie meisten Leser werden sich des Auftritts des israelischen Ministerpräsidenten bei der UN-Vollversammlung September 2012 noch erinnern. Damals fiel es auch Parteigängern und Maulhuren schwer, ihren Mann gegen den Hohn und Spott zu verteidigen, der sich aus den Kommentarspalten über ihn ergoß – wenn er auch überwiegend auf den Stil und Geschmack des Mannes und seiner engsten Mitstreiter gemünzt wurde.

Viel sprechender ist jedoch der Umstand, daß Netanyahu ob dieser Rede nicht zur verächtlichen und geächteten Figur wurde. Denn im Verlaufe der Verhandlungen, die dem Abschluß des berüchtigten „Iran-Deal“ zwischen den führenden imperialistischen Nationen plus Russland  voraus gingen, erhielten die US-Inspekteure der IAEA vollen Zugang zu allen iranischen Nuklearanlagen und einschlägigen Forschungseinrichtungen und bewiesen, spätestens im Frühjahr 2016, daß Netanyahu die UN-Vollversammlung und die Öffentlichkeit auf’s schmählichste belogen hatte. Das war keine interessierte Lüge der Klasse, die im politischen Stand als läßlich, aber verzeihlich gilt und gelegentlich als eine bittere Notwendigkeit verteidigt wird. Netanjahus Rede und Auftritt erwiesen sich in ihrer Substanzlosigkeit als, wie gesagt, Schmähung, Ausdruck vollgültiger Nichtachtung aller Herren dieser Welt, unter Ausnahme der „jüdischen“ Spießgesellen der zionistischen Militäraristokratie, des zionistischen Rackets.

Habt ihr schon mal so davon reden hören? Nee, nech, obwohl die Tatsachen, die zu diesem Schluß führen müssen, einschließlich der technischen Details, die nachzulesen ich mir nicht die Mühe gemacht habe, für jedermann offen auf den Tischen liegen.
Die Meschpoke der politischen Generäle dieser Welt, die mittleren und großen Racketeers wissen es also, wenn wir diejenigen ausnehmen, die sich ausschließlich für das Geschäft des politischen Racketeering interessieren, in denen es um Stellungen, Rang und Namen geht, für die politische Ziele und Zwecke nur Millieu, Gelegenheiten und Handhaben liefern.
Und dennoch. Dennoch hat er es wieder getan, der Schlingel.
Netanyahu Die Botschaft Netanyahus ist damit, ganz allgemein gesprochen, geklärt. Er besteht auf seiner Verachtung aller anderen Mächte dieser Erde, er bekräftigt sie. Wieso kann er das? Und, viel wichtiger, wozu, zu welchem Zweck tut er etwas dem Anschein nach so läßlich dummes?

Eine selten deutliche Botschaft – für „Eingeweihte“

Nun, wenn ich mir der Fakten und Schlüsse nicht sicher wäre, über die ich kursorisch hier berichtet habe, kursorisch, weil ich von Acht und Bann, Hohn und Erniedrigung ob meines Schreibens über diese Abteilung des militärpolitischen Geschäftes seit dem Frühjahr 2013  verschlissen bin, dann wäre Netanyahus gestriger Auftritt geeignet, Zweifel zu zerstreuen.

Die direkten Adressaten des netanyahu’schen Auftritts von 2012 verweigerten seiner Drohung die Gefolgschaft. Das Obama-Racket fuhr mit seiner Iran-Politik fort, die darauf zielt, das Land in die „Gemeinschaft des Westens“ zu reintegrieren, weil das Territorium der Mehrheit der politischen Stände „geostrategisch“, militärpolitisch und auch kommerziell zu wertvoll erscheint, es für Jahrzehnte durch Chaos, Zerstörung oder gar atomare Verwüstung zu entwerten – von den Risiken und Nebenwirkungen außerhalb dieses Territoriums zu schweigen.
Für die zionistische Militäraristokratie – nicht aber für Israel – stellt diese Strategie eine existentielle Bedrohung dar, weil sie Israel im Erfolgsfall zu einer Randprovinz des imperialen MENA herab setzte.

Gleichwohl besteht die Gegenstrategie der Zionisten nicht in der schlichten Gegenposition, einem Feldzug gegen den Iran, der ihn zerlegte und zerstörte. Damit wäre die Stellung der Zionisten im MENA durchaus nicht gesichert, sondern ebenfalls angegriffen – wenngleich mit aufschiebender Wirkung und unkalkulierbaren Begleiterscheinungen. Ein Irankrieg könnte nicht verfehlen, Irak, Türkei und ein noch gar nicht existierendes Kurdistan in den Rang von Regionalmächten des Imperiums mindestens 2. Ordnung zu erheben. Deshalb, zum Beispiel, hat Israel im ersten Golfkrieg die islamische Republik, den „Erzfeind“, gegen den Irak gestützt, im Gegensatz zum Weißen Haus. Es ist bei dieser Gelegenheit, sowie bei der „Iran – Contra – Affäre“ und etlichen kaum bekannten Affären, ein Schema vertraulicher Zusammenarbeit zwischen einer spezifischen Abteilung der iranischen und israelischen Geheimdienste bekannt geworden, neben dem mörderischen Kleinkrieg, der zwischen ihnen herrscht.

Das ändert freilich nichts an der Feindschaft. Die zionistische Gegenstrategie ist darauf verwiesen, es mit dem amerikanischen Racket zu halten, das danach strebt, die kapitalistischen „Weltordnung“, repräsentiert in erster Linie im Weltwährungssystem, durch Staatssklaverei nach nationalsozialistischem Vorbild zu ersetzen, betreut und zusammen gehalten von militärischen Provinzherrschaften unter der Hegemonie eines kontinentalen amerikanischen Blocks mit maritimer Übermacht 1.
Dieses Racket möchte den Iran zerstören, am Liebsten atomar – abgesehen davon, daß es unterdes nicht mehr anders geht, darüber kann es heute, anders, als zu Cheneys Zeiten, keine Illusionen mehr geben –  um damit die angestrebte Ära amerikanischer Militärhegemonie zu befestigen, wie einst in Hiroshima und Nagasaki. Und weil es die nicht nur nette, sondern kaum verzichtbare Nebenwirkung hätte, ganz Zentralasien, und damit mindestens Russland, wenn nicht auch China, durchgreifend zu destabilisieren.

Der sogenannte Yinon-Plan, der die Zerlegung des Mittleren Osten und Nordafrikas in ethnische Provinzen vorsieht, mag ursprünglich unabhängig von den Überlegungen und Plänen der US-Faschisten entstanden sein, obwohl ich das nicht glaube. Aber er fügt sich in sie ein, wenngleich durchaus nicht reibungslos, weil die israelische Atommacht in den amerikanischen Plänen ein Hindernis darstellt, wie alle anderen Atommächte auch, allenfalls vorübergehend ein Mittel, das Partnerschaft begründet.

Der langen Rede kurzer Sinn ist das, was ich ausführlicher hier erhoben und dargestellt habe, die Irankriegsstrategie Israels ist ein Schwindel, eine böse Schmierenkomödie. Das ändert nicht, daß sie mörderisch und für den Iran brandgefährlich ist, aber Israel zielt militärisch und militärpolitisch überhaupt nicht auf den Iran, sondern „nur“ auf den Libanon und Syrien, und auf den Sinai (Kontrolle des Suez-Kanals) nur deshalb nicht, weil davor die USA, d.h die US-Rackets in seltener Einigkeit stehen – seit 1956.

Hier kommt der Vorfall vom 5. Mai 2013 ins Spiel. Obama hatte sich, wie gesagt, in seiner Iran-Strategie nicht irritieren lassen und schon zur Zeit, da Netanyahu die Inszenierung seiner UN-Rede entwarf, aus israelischer Sicht aufgesattelt. Er unterstützte tatkräftig, unter Vergatterung der CIA-Führung und maßgeblicher Leute im DoS, einen Plan, der den Syrienkrieg mit Hilfe der syrischen und türkischen Muslimbruderschaft und der sunnitischen Großbourgeoisie Syriens beenden sollte. Schlimmer noch, die türkische Regierung – damals standen Erdogan noch Davutoglu und Gül zur Seite – gewann den iranischen Präsidenten Ahmadinejad für diesen Plan. Den Rest lest bitte in dem oben schon verlinkten Artikel. mitsamt seinem Vorgänger.

Zum 5. Mai ’13 schrieb ich darin nur:

Das Bild … zeigt die Explosion einer israelischen Mininuke … Darüber diskutiere ich nicht, das ist so gesichert, wie sicher ist, daß Explosivstoffe mit der Wirkung einer Handgranate nicht auf ein Streichholz appliziert werden können.

Gut, ein wenig will ich elaborieren.
Wir wissen aus libanesischen Quellen, daß der Angriff vom libanesischen Luftraum aus mit Gleitbomben ausgeführt wurde. Die schwerste israelische (und amerikanische) Gleitbombe hat ein Gesamtgewicht von 2000 lb, also weniger, als zwei Tonnen. Gleitbomben können keine Erdbunker brechen, allenfalls schwächere oberirdische Bunkeranlagen. Gleichwohl sieht man in der Nachtaufnahme der Hauptexplosion, gefilmt von exakt instruierten „Rebellen“ aus geschätzten 8 km Entfernung, eine Dimension und Entfaltung der Explosionswirkung, die auf den ersten Blick einer Nuklearexplosion gleicht, wesentlich gewaltiger, als eine konventionelle Explosion, aber möglicherweise geringfügiger, als die einer nuklearen Gefechtsfeldwaffe, wie sie von den Truppen der NATO und des Warschauer Paktes für den Einsatz gegen Truppenkonzentrationen konzipiert und disloziert wurde.
Nun kann es eine optisch täuschend ähnliche Wirkung geben, wenn ein schwerer Bunkerbuster eine mehrstöckige Bunkeranlage mit Munitionslagern trifft. Die Anlage wirkt dann wie ein Kanonenrohr, das die Explosionswirkung der eingesetzten Waffe und der getroffenen Explosivstoffe bündelt und senkrecht nach oben lenkt. Wenige Monate später war so etwas in Homs zu sehen und bewies den Einsatz einer amerikanischen B1 oder B2, denn Israel hat keine Maschinen, die Bunkerbuster von 5 und mehr Tonnen ausliefern können. Man könnte also spekulieren, daß der israelische Angriff einen aus großer Höhe von einem US-Stealth-Bomber ausgeführten Angriff gedeckt hätte, aber das ist nicht der Fall, wie wir von Aufnahmen der getroffenen syrischen Anlage wissen. Sie zeigen einen tiefen, vor allem umfänglichen Krater, der zeigt, die Waffe explodierte vor dem Aufprall. Ich kenne mich in Waffentechnik nicht aus, und verfüge nicht über die Mittel und das Augenmaß eines Ingenieurs, aber vom „gesunden Menschenverstand“ her würde ich schätzen, der Explosionsherd lag zwischen 40 und 80 m über dem Boden. Ich nenne das nur als Richtmaß.
Dennoch gab es diese gewaltige, einem Atompilz ähnliche Wirkung. Der für mich entscheidende Punkt ist aber die Dynamik dieser Wirkung. Sie zeigte mir, daß an der Quelle der vom Boden reflektieren, dadurch senkrechten Wirkung der Gasströme und des hochgerissenen Materials, zusammen mit der atmosphärischen Konvektionswirkung, eine mindestens 6-stellige Temperatur erreicht worden sein muß.

Ich trete jetzt abermals in dies Fettnäpfchen, weil ich mir Netanyahus Auftritt auf der Münchner Sicherheitskonferenz nicht anders erklären kann, denn als einen Wink mit jenem Waffeneinsatz, der dem Ende der Führungsrolle der Muslimbrüder in den v.a. vom Qatar und aus der Türkei entsandten Söldnerheere voraus ging, die von Al Nusra und ISIL abgelöst wurden, und deshalb und damit alle Bemühungen um einen Putsch in Damaskus, zugunsten der Vertreter der sunnistischen Bourgeoisie im Offizierskorps, vereitelte.
Jetzt haben wir, wie ich in den vergangenen Tagen einigermaßen ausführlich vorgestellt habe, eine weitläufig ähnliche Lage mit der Strategie des Weißen Hauses und des Kreml, den Syrienkrieg in eine dauerhafte Waffenruhe unter Bildung für „vorläufig“ erklärter amerikansch – jordanischer, russisch-iranischer und türkischer Protektoratszonen überzuleiten. Wenn das strategische Programm des ICG Erfolg hätte, oder, richtiger gesagt, Erfolg haben könnte, die Hezbollah sich aus Syrien zurück zöge, der Iran, richtiger die iranischen Revolutionsgarden, sich auf die Rolle einer Schutzmacht der Alaviten in Restsyrien beschränken ließe, wäre der Syrienkrieg für die zionistische Regionalmachtpolitik zwar nicht verloren gegangen, aber nicht weiter nutzbar. Das ist für ihre radikalen Vertreter, und für mindestens einen Teil ihrer Verbündeten in den Rackets der US-Faschisten, ein schwer erträgliches, vielleicht unerträgliches Kriegsresultat, jedenfalls nicht weniger unerträglich, als seinerzeit ein Putsch in Damaskus zugunsten des Vizepräsidenten Scharaa.


  1. Diesem Racket, das durch den Putsch von 9/11 an die Macht kam, hat eine anderes, dessen Vertreter überwiegend an der Wall Street beheimatet sind, mit der vorsätzlich ausgelösten „Weltfinanzkrise“ und der Wahl Obamas eine schwere Niederlage bereitet. Der Staatskredit des Dollar, und in seiner Gefolgschaft auch des Euro, wurden vom kommerziellen Kredit komplett emanzipiert. Auf diese Weise war die Notwendigkeit einer Ablösung der Lohnsklaverei durch sklavischen Arbeitsdienst im Gefolge einer Weltwirtschaftskrise vereitelt, wurden die Militärs auf ihre Rolle als Dienstleister des diplomatischen Geschäfts, und nur mittelbar der kommerziellen Geschäfte, neu fest gelegt. 
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5 Antworten zu Nein, Netanyahu ist keine lächerliche Figur

  1. tgarner9 schreibt:

    Der iranische Außenminister hat bei der Münchner Sicherheitskonferenz auf die Attacke des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu reagiert – und dessen Rede als „Zirkus“ bezeichnet. Netanjahu verdiene keine Antwort, sagte Mohammed Dschawad Zarif am Sonntag in seiner Rede vor dem Konferenzpublikum. Für die aktuellen Konflikte im Nahen Osten sei nicht sein Land verantwortlich, sondern Israel und die Vereinigten Staaten. Diese würden nun versuchen, die Schuld für ihre eigenen „falschen Entscheidungen“ Iran zuzuschieben. (FAZ)

    Korrekt.Die Gelassenheit halte ich nicht für gespielt. Wenn es eine Provokation gibt, wird sie schlimmstenfalls die Existenz des Libanon beenden – und das ginge zu Lasten des Imperiums, nicht Iran.

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    • BC schreibt:

      Etwas OT, passt aber IMO durchaus in den Kontext.
      http://mepc.org/abandoning-iron-wall-israel-and-middle-eastern-muck
      Ein Link zum möglicherweise besseren Verständnis der Lage und inneren Verfasstheit des Staates Israel.
      Das Dokument umfasst vielfältige Informationen (Stand 2007, möglicherweise gibt es ein Update davon), z. B. zur zionistischen Historie, dem „Iron Wall“ und dessen Ablösung durch das Konzept der „Villa in the jungle“.
      Man erfährt u.a., dass es mittlerweile fast 1 Mio. emigrierter „Expatriates“ gibt und viele jüdische Einwohner aus der Peripherie nach Tel Aviv umsiedeln (92 % der Population leben mittlerweile dort, Angabe wie gesagt von 2007 ). Lesern, die das noch nicht getan haben, empfehle ich übrigens eine genauere Befassung mit dem Leben und der Gedankenwelt des einflussreichen zionistischen Führers Jabotinsky, Zeitgenosse von Lenin und Trotzki. Kleine Fußnote zur damaligen Vernetzung dieser Kreise: Letzterer soll 1905 (vermutlich noch als Vorsitzender des Petrograder Sowjets) den ebenfalls aus Odessa stammenden Jabotinsky und dessen jüdische Selbstverteidigungsgruppe zur Abwehr eines Progroms mit Waffen ausgestattet haben. Parvus, der „intelligenteste Kopf der 2. Internationale“, Mentor von Trotzki und dessen Nachfolger im Sowjet, hat später im 1. WK in der Türkei zusammen mit J. und anderen Zionisten ein Publikationsorgan betrieben und die Jungtürken beraten und unterstützt. Die Welt war offenbar schon damals klein.

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      • tgarner9 schreibt:

        Ich rate gern zu, BC, diese affirmative und verniedlichende „Kritik“ der kolonialistischen und post-kolonialistischen zionistischen Schinderherrschaft, als eines teils gescheiterten teils aufgegebenen „pedagogical device“ zur „Zivilisierung“ (!!) der Region, zu lesen, auch wenn ich den um Ideologeme und Ignoranz gegen die Klassenherrschaft bereinigten Inhalt knapper und richtiger hier habe. Zitat:

        Solange eine zionistische Militärkaste Israels Selbstbehauptung rassisch-völkisch buchstabiert und das kleine Territorium zur einer kolonialen Festung zurüstet, zu einem mit Massenvernichtungswaffen abgesicherten und bestückten Trägersystem in Feindesland, dessen Insassen mittels Ausfällen in die Umgebung und Metökisierung der autochthonen Bevölkerung genötigt werden, die Besatzung der Palisaden zu stellen, der Kavallerie die Waffen zu putzen, ihr die Stiefel zu wichsen und die Lendenstücke zu servieren, so lange muß diese Kaste ihre raison d’être, die dem Imperium beim Abtransport der nahöstlichen Ölvorräte bislang summarisch zugute kam, gegen einen gewandelten Gebrauch der Region verteidigen.
        Diese Kaste gliederte Israel der Region ein, indem sie in zahlreichen offenen und verdeckten Kriegen die Führung über regionale „Chaosmächte“ übernahm und in der Hand zu halten suchte. Indem sie so viel Unruhe entweder selbst stiftete oder auf sich zog, wie sie im Zaum halten konnte; indem sie der Depravation arabischer „Halbmenschen“, für die arabische Eliten nicht weniger verantwortlich sind, als das israelische Regime, einen völkischen Namen gab, und dergestalt sowohl den eigenen Klassenkampf, wie den arabischer Eliten (besonders in Syrien, Jordanien und dem Libanon), zu Teilen in die Front eines jüdisch-arabischen Kriegsregimes entäußerte, also aufhob. In alledem gaben die Zionisten sich – und sogar etlichen Parteigängern außerhalb des Landes – eine regionale Existenzgrundlage in Gestalt einer Kriegerkaste neofeudalen Zuschnittes, die sie über sich stellten.

        Dabei ermächtigen in letzter Instanz nur Massenvernichtungswaffen, in Verbindung mit der Nachbarschaft des Landes zu den Brunnen und Adern des kostbarsten Hilfstoffes kapitalistischer Ausbeutung, die Kriegerkaste Israels, den Sachwaltern des Weltmarktes die Alimentierung ihres Standes und die Duldung ihrer Extravaganzen abzupressen. Neofeudal ist er, weil seine ökonomische Grundlage, von einer Ausnahme abgesehen, im Grundeigentum besteht, das allerdings die Gestalt territorialer Hoheit über ein völkisch eingefärbtes Lehen der Imperiumsmächte hat. Die Ausnahme vom feudalen Zuschnitt des jüdischen Staatswesens liegt in der Verflechtung seiner Rüstungsunternehmen mit transnationalen Konzernen, die in Israel eine willige, preiswerte, hoch qualifizierte Arbeiteraristokratie teils vorfanden, teils schufen und eine Vierklassengesellschaft aushoben, die einschließlich der rassistischen Formierung des Apartheitsregimes das Zeug hat, den imperialistischen Metropolen ein Vorbild für transnationale Klassengesellschaften abzugeben. Die Ausnahme taugt allerdings wenig. Die israelische Rüstungsindustrie – einschließlich der Biowaffenforschung – ließe sich binnen eines oder eineinhalb Jahren nach Kanada verpflanzen – wenn man das wollte. Oder auch – klimatisch vielleicht angenehmer – nach MekPom.
        Anhand dieser, zugegeben brachialen Kurzfassung der israelischen Staatsraison ist wenigstens grob zu ermessen, wie schwerwiegend und schwerlich umkehrbar die Existenzgrundlage der Zionisten durch die Resultate des Irak- und Syrienkrieges, die Wiedererweckung des ägyptischen Nationalismus, und ganz allgemein durch das, was der Außenminister des Iran „islamisches Erwachen“ nennt, gefährdet wird. Das alles geht für Zionisten unerträglich an Israel und seiner Staatsraison vorbei, deren tägliche Schlachtopfer, die sie dem kolonialen Rassismus im Gaza und Westjordanland bringt, kaum mehr beachtet werden, jedenfalls nicht in der Region. Ein maximal alberner Religio-Porno aus Hollywood erweckt das 100.000fache der Empörung, die der wiederholte gezielte Abschuss palästinensischer Frauen und Kinder im Gaza noch zu erregen vermag. Nationale Wallungen in den arabischen Ländern, soweit es sich nicht überhaupt um interne Fraktionskämpfe handelt, wählen sich ihre Attraktionen aus der originalen Herrschaftskultur der Metropolen, halten sich an den alttestamentarisch kostümierten Kirmeskopien aus Tel Aviv und Haifa kaum mehr auf.
        Zitat Ende

        Über die „Fortschritte“ seit 2007 habe ich mehrfach, wenn auch zu knapp, geschrieben. Die unhaltbare, auch und vor allem nach innen unhaltbare, „Einbettung“ Israels in die imperiale Provinz „MENA“ auf der Grundlage eines rassistischen Kriegs- und Folterregimes greift nach Ansicht von Leuten, wie Barak, Eisenkot und etlichen ehemaligen Geheimdienstchefs schon längst die Wehrfähigkeit der IDF an. Und das umso mehr, je länger seit 2006 ein neuer Großkrieg ausbleibt, der die Reihen des bestialischen Viehzeuges unter den Schindern mit denen der dienstverpflichteten Opportunisten neu zusammenschließt.

        Witzig an dem Text ist, daß seine Hetze gegen Ahmadinejad in eine Bestätigung all dessen mündet, was Ahmadinejad tatsächlich – im Gegensatz zu verfälschten Zitaten – über die „zionistische Entität“ gesagt hat: Sie wird und muß an sich selbst zugrunde gehen. Es komme darauf an, zu verhindern, daß darüber die Region zu Klump geht.

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