„Syrische Truppen in Afrin“ – was dran ist und was nicht

Nichts ist dran. Jedenfalls bis heute nicht.

Auf einen flüchtigen Blick schien es seit heute morgen „amtlich“:

Aleppo, SANA – SANA’s reporter in Aleppo said on Monday that popular forces are to arrive in Afrin area soon to support locals in facing the aggression launched by the Turkish regime on the area since January 20th.

Nur: Es gibt keine „popular forces“ in der SAA, der syrischen Armee, schon gar nicht klein geschriebene. Die der syrischen Armee angegliederten Milizen, deren viele zu Recht einen Ruf als Plünderer- und Lynchbanden haben, weil sie in von der SAA eroberten Ansiedlungen und Stadtvierteln, die gegen erneute terroristische Einsickerung zu sichern ihre Aufgabe sein soll, strichweise gehaust haben, wie die Banden, die vertrieben wurden, heißen „National Defense Forces„. Groß geschrieben.

Nun könnte man argumentieren: Okay, die NDF haben einen mehr als schlechten Ruf, die YPG’s könnten sich nicht leisten, sie in ihre Ränge zu integrieren, was lt Sana mit den „popular forces“ geschehen soll:

The reporter said that the arrival of popular forces will strengthen the locals’ resilience and resistance against the Turkish aggression …

… also habe man sie rasch umbenannt. Das änderte nur nichts daran, daß sie den YPG’s unterstellt sein sollen und also aus der Kommandolinie der SAA heraus genommen wären.

Der zählende Punkt ist damit geklärt.

Nun gab es bis heute eine auffällig laut brodelde Gerüchteküche, an der sich prominent Eliah Magnier, Wladimir van Wilgenburg und, gestern abend und heut früh, auch Reuters und die FaZ mit allerlei Propagandalügen und Täuschungsmanövern beteiligt haben. Das ist ein eigenes Thema und berührt zugleich eine Vorgeschichte, an die kaum jemand sich noch erinnern wird, das ist mein Thema in den nächsten Abschnitten.

Zunächst zur Historie.
Am Anfang der Gerüchte stand eine Notiz in „Southfront“, die YPG’s stünden in Verhandlungen mit der syrischen Armee oder syrischen Regierungsstellen um die Teilnahme einer Miliz aus As Safira an der Verteidigung Afrins.
Im Wiki-Artikel steht fälschlicherweise, unter Berufung auf eine Terroristenseite, die typische Mittelstadt im Aleppiner Umland sei erst „kürzlich“ zur Industriestadt mit Schwerpunkt Munitionsherstellung geworden. Richtig ist, As Safira, an der Wegkreuzung zu den Ölfeldern im Bezirk Deir Ezzor und Raqqa / Hasaka, ist seit Jahrzehnten eine Zentrum der chemischen Industrie und folglich auch der Munitionsherstellung, und ihre Fabriken nahmen überwiegend überschüssige Bevölkerung aus kurdischen Siedlungen im ganzen Nordosten auf. Dasselbe gilt auch für andere Mittelstädte, darunter die heute einzig verbliebene kurdische „Hochburg“ und Enklave kurdischer Selbstverwaltung Sheik Maqsoud, die heute zum Verwaltungsbezirk „Aleppo Stadt“ zählt. Infolgedessen entstanden auch im engeren Stadtbezirk Aleppos „kurdische Viertel“. In diesen Vierteln wurden zwischen dem Herbst 2012 und Frühjahr ’13 hunderte, wenn nicht tausende Kurden bestialisch geschlachtet – von den türkisch und amerikanisch kommandierten „FSA“-Söldnern unter Führung der Muslimbrüder, denen zu dieser Zeit eine heraus ragende Blutfeder propagandistisch zur Seite stand – Wladimir van Wilgenburg, Jamestown (CIA) – Stipendiat und Rudaw-Korrespondent.
Eine Zeit lang hielt in Aleppo ein Stillhalteabkommen zwischen den YPG’s der kurdischen Viertel, die sich als „echte Rebellen“ im Unterschied zu den Terroristen der CIA und des MIT verstanden, und der SAA, bis einige False-Flag-Attacken gegen die SAA den radikalen, insbesondere alavitischen Kurdenfeinden in deren Rängen den Vorwand für schwerste Mörserangriffe und Lynchmordkampagnen verschafften. Beteiligt mit ekligster antikurdischer Propaganda: van Wilgenburg.
Einige YPG-Verbände vergalten die Angriffe der SAA, das Stillhalteabkommen überlebte diese Phase nicht und die kurdische Bevölkerung floh bis auf assimilierte Reste.

In As-Safira versuchten CIA und MIT dieselbe „Nummer“ abzuziehen – ohne Erfolg. Die kurdischen Milizen verteidigten die Stadt Seite an Seite mit arabischen Verbänden gegen FSA und später Al Qaida und ISIL. Vorübergehend wurde die Stadt eingeschlossen, dann wieder freigekämpft, bis zum Fall von Raqqa und Tabka an die islamistischen Söldner mit Unterstützung kurdischer Verbände vom rechten Euphrat- Ufer, danach von der SAA allein, zeitweise mit Luftbrückenunterstützung.

Offenbar haben die Kurden aus As Safira jetzt die Zeit für reif gehalten, die Verteidigung Afrins einzuklagen und die zuständigen syrischen Stellen entschieden jetzt, die Zeit sei gekommen, ihnen die Beteiligung an der „Schlacht um Afrin“ nicht – oder nicht länger – zu wehren. Das läßt natürlich Spekulationen über den Hintergrund dieser Entscheidung zu.

Doch das erste, was in der westlichen Presse darüber zu lesen stand, war keine Spekulation, sondern eine PSY-OP, von Eliah Magnier.
Ich will mich mit dem Scheiß, der direkt auf einen anderen Scheiß (1,2) folgte, nicht lange aufhalten, die Interessierten werden es kennen, oder sollen es halt nachlesen. Es sind von der ersten bis zur letzten Zeile grobschlächtige, aber hinterlistige Provokationen im Dienste des Angriffs der NATO-Ziocons auf Status Quo der Aufteilung Syriens., die durch die Vorgeschichte, die ich erzählt habe – die Magnier nicht kennen muß – eine gesondert häßliche Note bekommen.

Während Magniers Provokation auf Sabotage des Verhältnisses zwischen kurdischer Selbstverwaltung und syrischer Regierungsstellen zielt, assistierte van Wilgenburg – vielleicht zusammen mit einem Provo vor Ort – auf das Verhältnis beider zu russischer Diplomatie und Interventionstruppen:

„Special sources told ANF that direct negotiations began a number of days ago in the Aleppo area attended by senior YPG & Syrian army commander, but they stalled in first stage bc some international powers like Russia interfered and attempted to obstruct the agreement“

Reuters folgte ihm prompt:

A Kurdish political official familiar with the deal on Afrin said on Sunday that it was possible Russia would object to the agreement as complicating its own diplomatic efforts with Turkey.

Und die FAZ wenige Stunden später. Allerdings – in der FAZ fehlt auffallend jede Anspielung auf tatsächlichen oder möglichen russischen Widerstand …

Ich habe mir die Mühe gemacht, weil der Vorgang dokumentiert, wie nützlich die Putinchen, und, ganz generell, die Verführung des Glaubens in russische Gegenmacht zum Horror des Imperiumskrieges, dessen Proselyten ihr Bekenntnis von Enttäuschung zu Enttäuschung fortschleppen, für die Ziocon – Propaganda schon gemacht sind. Die NATO-„Gegenpropaganda“, gegen die publizistische Abteilung „hybrider Moskauer Kriegführung“, für deren Finanzierung in den vergangenen Jahren 100te Millionen Dollar bereit gestellt wurden, und an der eine zig-tausend Mann starke Armee von „Info-Kriegern“ beteiligt ist, wirkt, und sie ist nicht nur primitiv.

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4 Antworten zu „Syrische Truppen in Afrin“ – was dran ist und was nicht

  1. tgarner9 schreibt:

    Maulhuren der Twitter-Maulhuren blieben bislang auf die Leser-Kommentarspalten beschränkt, nun nehmen sie auch in den Redaktionen Platz – in der TP-Redaktion jedenfalls. Ausschließlich Magnier-Twitter-Kacke, redaktionell abgesichert durch ein fadenscheiniges Fragezeichen und jede Menge rhetorisches Geschlängle.

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  2. tgarner9 schreibt:

    Irgend jemand, sei es Schlange oder Dunkeltapps, hat bei den Moonies diesen Scheiß angetragen. Das liegt nur scheinbar neben dem Thema hier.

    Der FP-Artikel vom Oktober 2016 blies die „ottomanische“ Rhetorik Erdogans mit gewaltigem Aufwand zu einer Militärdoktrin auf. Selbst Dunkeltappse dürften im Nachhinein imstande sein, zu bemerken, wozu das diente: Zur propagandistischen Rechtfertigung und Absicherung der Taktiiererei General Dunfords, der die „Operation Rappa“ unentwegt sabotierte und verzögerte, erst mit Blick auf die erwartete Wahl Killarys, dann zur Wahrung der Chance, daß er und seine Mitstreiter die Agenda und das Personal Trumps so formen könnten, daß dem türkischen Verlangen nach Führung der Operation entweder statt gegeben, oder ISIL ob der fehlenden Umsetzbarkeit verschont bleiben würde.

    Jetzt vergleicht das FP-Machwerk halt mal mit den jüngsten Machwerken von Elke Dangeleit. Es ist nicht derselbe Scheiß, aber dieselbe Art Irreführung. Dangeleit – sicherlich einer taktischen Direktive kurdischer Handler folgend – verschleiert die Nato-Operation „Ottoman“, die mit dem als „Putsch“ verkleideten Staatsstreich Erdogans begann, um darauf an den NATO-Staat Deutschland den reinrassig nationalistischen Anspruch zu stellen, er möge gegen den Ottomanen mehr Rückgrad zeigen. Als würde „Deutschland“ den „Ottomanen“ nicht mehr oder minder mitkommandieren – mindestens dadurch, daß es NICHT via NATO-Rat den türkischen Verstoß gegen den NATO-Vertrag be-klagt und folgerichtig mit NATO-Austritt droht, wenn es dabei bleibe.
    Mittelbar klagt Dangeleit dabei Russland an und bereitet den Putinchen die programmatisch nützliche Enttäuschung, während den radikaleren Stimmen im faschistoiden Dunstkreis der AfD die Lufthoheit in Punkto NATO-Kritik (Deutschland nicht souverän) erhalten bleibt.

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  3. tgarner9 schreibt:

    „Unbestätigten Meldungen zufolge, hat Fürstin Karnickel den Prinzen Dauerspitz in der Theaterloge des Königshauses gevögelt.“

    „Update: Fürstin Karnickel hat, der Boulevardzeitung „Schlüsselloch“ zufolge, dementiert, Prinz Dauerspitz gevögelt zu haben. Sie verwahrte sich zudem gegen die geschmacklose Zumutung, sie täte dergleichen in der Loge Ihrer Majestät.“

    „Nachtrag: Nach dem Dementi der Fürstin Karnickel bleibt ihr wahres Verhältnis zu Prinz Dauerspitz erst noch zu klären. Allem Anschein nach bleibt die Loge Ihrer Majestät aus dem Spiel.“

    Pany für TP:

    Update: YPG-Sprecher korrigiert Meldungen
    Brusk Hasake, der als YPG-Sprecher in Afrin bezeichnet wird, dementiert laut des russischen Newsmediums Sputnik, dass syrische Armeeeinheiten nach Afrin kommen würden; es gebe auch keine entsprechende Vereinbarung:
    „Die Information ist nicht wahr. Wir haben wiederholt festgestellt, dass die Armee der syrischen Regierung Afrin nicht betreten hat und es auch nicht tut wird. Wir werden eine offizielle Ankündigung machen, wenn eine Vereinbarung getroffen worden ist oder ich die Lage ändert. Wir haben genug von den dauernden Fake News ….“

    Nachtrag: Wen die syrische Regierung nun tatsächlich zur Hilfe nach Afrin geschickt hat, wird sich erst klären. Wie es nach den eben genannten Informationen und dem zitierten Sana-Bericht aussieht, sind die „lokalen Helfer“ bzw. die „Volksverteidigungsmilizen“ von den National Defence Forces keine Truppen, welchen sich die YPG unterstellen müssten, wie dies der Fall wäre, wenn die syrisch-arabische Armee (SAA) in Afrin eingreifen würde. Die Verhandlungen sind allem Anschein nach nicht zu diesem Punkt gekommen. “

    Ich glaube nicht, daß diese Schmierfinkerei sonderlich zu toppen ist. Was für eine „Talentverschwendung“ ….

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    • tgarner9 schreibt:

      Korrigiere:
      „-vergeudung“, nicht Verschwendung. Es ist ja nicht verschwendet, sondern nutzbar gemacht.

      Wenn ich selbst noch beitrüge, die Sprache zu zerrütten, das einzige Potential, die 4000 jährige Evolution des „homo“ zur halbmechanischen Schimäre zu stoppen und umzukehren, könnt ich mich ja gleich aufhängen.

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