Zur militärpolitischen Grundlage der russischen Syrienintervention

Handhaben gegen systematische Irreführung machtgläubigen Pöbels aller Gefolgschaften

Weil es Stil und Konzeption meiner Schreiberei unweigerlich affiziert – und ich darob aus meinem Herzen auch keine Mördergrube machen will, dem Vorgang daher nachgebe – schicke ich voraus, ich erfahre – beachtet die Wortwahl – mich in wachsendem Maße in der Position, zu Schweinen über’s Fliegen zu reden.

Worauf fußen Debatten über eine „russische Rolle“ im Massenmord in Afrin? 

Richtig. Auf der militärischen Präsenz Russlands in Syrien.

Was ist die bleibende Voraussetzung dieser Präsenz?

Nein, nicht Russlands Nuklearwaffen!

Wie kommst du denn darauf ??

Na, weil die gegenteilige Annahme unterstellte, Russland habe es 2015 im Zusammenhang mit dem Syrienkrieg auf einen Endkampf mit der Hegemonialmacht des Imperiums angelegt.

Mmh … Tja … Äh … was soll es denn dann sein?!

Na, das, was ich euch seit dem 1. Oktober 2015 wieder und wieder und wieder und wieder und wieder vorgestellt und begründet habe, erst kürzlich wieder. Die bleibende Voraussetzung ist die Weise, wie die russische Intervention in die Kalküle des Weißen Hauses in Obama’scher Besetzung passte, nebst der von Obama öffentlich begründeten Duldung der russischen Intervention, die ihr Imperiales Akzept darstellte.

Öhm … aber Obama ist doch WECH!!

Oh – DAS hast du also nicht vergessen … Tja, öhm, aber das russische Militär, das ist noch da, in Syrien.

Lenk nicht ab! Die Kalküle im Weißen Haus, die amerikanischen Kalküle, können sich doch geändert haben, haben sich doch offensichtlich geändert, oder willst du das bestreiten, du Hirni?

Nö, ich sagte es gerade. Vor der russischen Intervention waren es Kalküle, die mit der Abwesenheit russischen Militärs in Syrien begannen und in deren Anwesenheit mündeten. Jetzt beginnen alle syrischen Kalküle im Imperium mit der russischen Anwesenheit – neben dem, womit sie sonst noch beginnen.

HA! HA! Habe ich dich erwischt! Du bist ein Schwindler, ein Betrüger, und wenn nicht, bist du IRRE, total bekloppt! Du hast vorhin gesagt „nicht Russlands Nuklearwaffen„.  Jetzt sagst du „sehr wohl Russlands Nuklearwaffen„, denn die gehören zum russischen Militär, zur russischen Präsenz in Syrien doch dazu, oder willst du das etwa leugnen?

Nö. Ich bestehe nur darauf, daß es russische Nuklearwaffen sind. Nicht syrische, nicht türkische, nicht israelische, nicht iranische, nicht amerikanische, und schon gleich gar nicht DEINE NUKLEARWAFFEN, DU BLÖDES SCHWEIN.
Der Kreml will nach wie vor keinen Entscheidungskampf mit dem Imperiumszentrum, schon gar nicht wg Syrien, guggsu hier:

MOSCOW, February 19. /TASS/. Russia will be ready to assist in the settlement of a conflict in Syrian Afrin if the parties deem this necessary, Russian president’s special envoy for the Middle East and Africa said on Monday.
„Russia is not imposing its role on anyone,“ said Mikhail Bogdanov, Russia’s Deputy Foreign Minister. „If somebody sees it is needed, we are ready to do a good turn so that to stop bloodshed and find common denominators,“ he went on to say.
„The most important for us is the approaches stemming from the implementation of the UN Security Council Resolution 2254 and respect for territorial integrity, sovereignty and unity of Syria,“ the Russian diplomat said.

Verstehst du das? Nee, nech. DANN HALT EINFACH DIE GOSCHN, Kerle!

Disclaimer: Das Posting ist nicht an Klaus – Peter adressiert, der den Link zum TASS-Statement beisteuerte.

Addendum:

  1. Das TASS – Statement sagt, der Kreml werde sich in keiner Weise an irgend welchen politischen oder militärischen Bestrebungen, Plänen, Aktionen beteiligen, die nach seinem Dafürhalten im Widerspruch zu UNSC Res. 2254 stehen. Der Kreml wolle auch nicht umgekehrt UNSC Res. 2254 gegen andere Parteien militärisch durchsetzen („not imposing“).
  2. Die russische Syrienintervention, mithin Obamas Akzept und Kalkül, wurden nach genau sieben Wochen militärisch strittig gestellt, mit dem Abschuss eines Suchoi Kampfbombers über Syrien, ausgeführt von NATO-Jägern, besetzt – so ist es jedenfalls unwidersprochen – mit türkischen Piloten.
    Der Abschuß geschah vorsätzlich, planmäßig unter Unterlaufung der Sicherheitsmaßnahmen, die zuvor eingerichtet wurden, um solch einen Vorfall zu verhindern.
    Die russische Militärführung wechselte darauf in Putins Büro im Kreml. Der spannte einen NUKLEAREN SCHIRM über die Syrienintervention, den er PRÄZISE eingrenzte – auf die Militärbasen Kmeinim und Tartus, und deren Personal. Damit das auch jeder ernst nehme, ließ die russische Marine ein nuklear bestückbares U-Boot vor der türkischen Küste auftauchen.
    Im Fortgang steckte der Kreml enge Eskalationsspielräume ab. Dazu wurden neuartige Cruise Missiles von im Schwarzen Meer stationierten Schiffen auf syrische Ziele gefeuert, was militärisch völlig nutzlos, im Sinne der Erprobung dieser Waffe, ihres Potentials und der Auslieferung einer zugehörigen Botschaft an die NATO nützlich war. Nicht zuletzt deshalb, weil auch diese Waffe nuklear bestückbar ist, obwohl Russland offiziell nicht über entsprechende Sprengköpfe verfügt.
    Mit diesen Demonstrationen endete ein „heisses“ Gefecht zwischen NATO und Russland. Das Ergebnis: „Unentschieden“. Der Angriff und die russischen Gegenmaßnahmen unterstrichen die Schwäche und abhängige Position der russischen Interventionsstreitkräfte. Wirksame militärische Gegenmaßnahmen müßte Russland sofort gegen NATO-Basen im Mittelmeerraum richten. Die unterstellen eine russische Bereitschaft zur raschen, notfalls binnen Minuten oder Stunden wirksamen nuklearen Eskalation mindestens im regionalen Gefechtsfeld. Diese Bereitschaft hat der Kreml demonstriert und zugleich das Feld politischer und militärischer Zwecke abgesteckt, für die es zu eskalieren bereit ist: Die russische Präsenz in Syrien und das, was sie in Syrien leistet und zu leisten imstande ist, ohne Ziele außerhalb Syriens ins Visier zu nehmen.
  3. Letzteres schließt aus, daß der Kreml Interventionen vom Territorium syrischer Nachbarn entgegen tritt, die nicht ausschließlich auf syrischem Territorium zu bekämpfen sind, die nur auf dem Territorium der Nachbarn zu stoppen sind, also konkret der Türkei und Israel.

Qed

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5 Antworten zu Zur militärpolitischen Grundlage der russischen Syrienintervention

  1. tgarner9 schreibt:

    Zwei Bemerkungen will ich dazu noch los werden.

    Auch aus den Reihen der YPG und PYD gibt es den Anspruch an Russland, türkische Luftangriffe im Bezirk Afrin wirksam zu unterbinden oder abzuschrecken und in den Kommentarspalten von TP tun sich die wohlbekannten imperialen „Info-Krieger“ damit hervor, den Irrglauben zu fördern, die russische Luftwaffe habe diese Option.
    Der Irrglaube hat u.a. darin eine tragische Note, daß ein „kritisches Publikum“ es seit dem Abschuß von MH17 besser wissen könnte und müßte. In den Auseinandersetzungen um die Narrative, mit denen der von NATO-Fliegern ausgeführte Angriff auf die überwiegend mit Holländern besetzte malaysische Maschine zu einem „Buk-Abschuß“ deklariert wurde, kamen viele, wenngleich nicht alle Infos zur Sprache, die nötig wären, zu erkennen, wie illusionär der Anspruch an die russische Luftwaffe ist,
    Die dabei noch fehlenden Momente betreffen nur mittelbar technische Informationen, sind historische Klarstellungen. Ich werde auch sie hier nicht im Einzelnen vorstellen. Die Summe: Die NATO hat in vergangenen Ansagen, v.a. aber AKTIONEN völlig klar gestellt, das „Recht der Türkei auf Sicherung ihrer Grenzen“ umfaßt ALLE Maßnahmen, welche die russische Luftwaffe ergreifen müßte, um den Afriner Luftraum wenigstens partiell zu sichern. Dazu zählt insbesondere die Dislozierung von Pantzir und Tor-Luftabwehrstellungen auf Afriner Gebiet. Die laufende PSY-OP um „pro-syrische Einheiten“ auf Afriner Gebiet ist, unter anderem, genau darauf berechnet gewesen, etwaige Unklarheiten zu diesem Punkt zu beseitigen, indem die NATO die türkische Ansage, syrische Truppen, die türkischen Operationen auf syrischem Gebiet in die Quere kommen, nicht nur nicht zu schonen, sondern anzugreifen, indossiert hat. Damit ist mittelbar jedes russische Unternehmen auf Afriner Gebiet in Abwesenheit offiziell dort operierender Truppen der SAA zutm direkten Angriff Russlands auf den NATO-Partner Türkei erklärt, weil das Narrativ, unter dem die russischen Truppen in Syrien insgesamt unterwegs sind – und Obamas Akzept – sowie eine formelle Deckung durch die Anti-IS-Resolution der UN – haben, damit überzogen, verlassen wäre.

    Was mich zur zweiten Abteilung bringt. Das o.a. Narrativ ist für den KREML auch das innenpolitische Datum, um nicht von Bindung zu reden. Es ist eine Bindung, auch wenn das im Westen nicht anerkannt wird, weil die Operationen des Kreml in Syrien auf einem detailierten Beschluß des Föderationsrates beruhen. Kasachstan hat mehrfach überdeutlich gemacht, daß es jede Erweiterung der Mission in Syrien, auch und gerade eine „creepige“, nicht dulden wird. Putin stünde mitten im Wahlkampf eine Föderationskrise ins Haus, wollte er jetzt daran „drehen“. In GENAU diese Kerbe schlagen auch die westlichen PSY-OPS um russische Kontrakteure, insbesondere die WAGNER – Faschos.

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    • tgarner9 schreibt:

      Die offizielle Sprachregelung:

      “Any step for the benefit of the PYD/PKK in Afrin will be counted as a terrorist act and those responsible will be a legitimate target,” Kalin said during a news conference on Wednesday, as cited by the Turkish Anadolu news agency.

      (Übersetzung: RT)

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