„Brainwashed“ – gibt es das? Ja. Ein Paradebeispiel

Den Artikel Afrin: Die Propaganda der einen ist die der anderen widmet Florian Rötzer vollständig einer türkischen PsyOp, von der er selbst sagt:

Es drängt sich allerdings der Eindruck auf, dass die Bilder gestellt sein könnten. Die Szene wirkt einfach zu unwirklich …

Es geht dabei um fast gar nichts, nämlich vier alte Menschen, die nach türkischer Version im Kanton Afrin „befreit“, nach kurdischer Mission gefangen genommen wurden, lediglich die Umstände der Gefangennahme und deren mediale Ausweidung sind umstritten. Wozu tut der Rötzer das also? Die Aufklärung:

Am Samstagvormittag wurde dieselbe Geschichte auch in kurdischen Medien mit denselben Bildern veröffentlicht, nur mit umgekehrten Vorzeichen … (Im Dorf Museka) hätten „Gangs“ alte Dorfbewohner als Geiseln genommen (…)
Das sieht allerdings noch dünner als die türkische Story aus. Vermutlich wurde versucht, die türkische Propaganda schlicht umzudrehen. Vermutlich sind beide Versionen Fake-News.

Der Rötzer zweifelt an der türkischen Version, aber sobald die Gegenseite ihm diese Zweifel bestätigt, will er die Bestätigung für „Fake-News“ halten!

Das ist schon fast, aber nicht ganz das Vollbild eines Brainwashed-Syndroms. Wenn auch der eine Zweifel den anderen auslöscht, so gibt es mangels konkreter Anhaltspunkte, noch die Konsequenz, neben dem angeblichen Verlauf auch Ort, Zeit und beteiligte Personen für erfunden zu halten. Es könnte sich – das sage ich nur zur Illustration – zum Beispiel um Aufnahmen aus Anatolien handeln, mit Personen, die längst ermordet wurden oder schlicht verstorben sind.

Aber dann hat man halt keinen Gegenstand einer „Nachricht“, geschweige eines vollen Artikels, der, so, wie er heraus kommt, nichts leistet, als den Zweifel des Autors an Feinddarstellungen, nämlich seitens ANF zu dokumentieren.

Und auch das ist noch ein völlig übliches Verfahren, täglich buchstäblich 100 Tausendfach in der westlichen und östlichen Öffentlichkeit zu besichtigen.

Was Rötzers Darstellung zum Paradebeispiel für das Brainwashed- Syndrom macht, ist der Umstand, daß sie, pflichtgemäß einen Feind zum Feind stilisierend, ihn selbst als ein Urteilssubjekt auslöscht.

Das letzte Mal habe ich sowas in der schriftlichen Aussage des weit über 100 Mal dem Ertränken ausgesetzten und mindestens mit täglichen Schlägen über Jahre gefolterten Chalid Sheik Mohammed gelesen.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu „Brainwashed“ – gibt es das? Ja. Ein Paradebeispiel

  1. tgarner9 schreibt:

    Liebe/r „Ent-Täuschen“,
    dank Dir für die Erwähnung und Verlinkung bei Rötzer. Ich habe allerdings Einwände gegen den psychologischen „Twist“, den Du meinen Bemerkungen unter dem Titel „Erlernte Hilflosigkeit und kognitive Dissonanz“ hinzu fügst, den ich allerdings in erster Linie mir selbst anlaste, nämlich dem Gedankensprung des letzten Absatzes, in dem ich auf Chalid Sheik Mohammed verweise. Dieser Verweis enthält die (einzige) Begründung dafür, daß ich Rötzers Verfahren unter den Oberbegriff „Brainwashing“ fasse, aber sie ist nicht ausgeführt, ich überlasse, wie so oft, und durchaus absichtlich, dem Leser die Überbrückung des Sprunges, denn „Selber denken macht fett“, aber damit übertreibe ich es regelmäßig ..

    Ansatzpunkt der Überbrückung sollte der Gegensatz zwischen Rötzer und Chalid sein. Rötzer wird nicht geschlagen und dem Erstickungstod ausgesetzt. Dasselbe andersherum gefaßt: Er begibt sich ohne direkten Zwang in eine Lage, in der ihm dasselbe – oder doch etwas sehr Ähnliches – geschieht, wie Chalid in seinem Guantanamo-Käfig geschah.
    Den ersten Schluß, auf den es mir ankam, hast Du richtig: Die Pressearbeit für TP repräsentiert für Rötzer ein Institut, das eine systemische Ähnlichkeit mit dem Guantanamo-Käfig hat.
    Dein Verweis auf „Kognitive Dissonanz“ löst aber diesen Schluß wieder auf!
    Der Begriff ist dazu da, und leistet, wie übrigens jede einzelne psychologische Kategorie, Betrachtungen und Erklärungen zum Umgang von Leuten mit ihren Lebenslagen restlos in Urteilen über ihre Subjektivität, und folglich „“psychische Verfassung“ aufgehen zu lassen. So ist im vorliegenden Fall das Institut TP und Pressearbeit überhaupt, also das, was ich dem Guantanamo-Käfig analogisiert habe, in das Subjekt Rötzer verlegt.
    Das ist eine Methode, gesellschaftliche Gewaltverhältnisse über das Phänomen, daß die Beteiligten sich diese Gewalt selbst antun, zu naturalisieren, was die Verhältnisse und deren Institute vor einer erfundenen Natur menschlicher „Psyche“ in Schutz nimmt. Das ist dann nützlich umzukehren, die Subjekte werden naturalistisch vor ihrem eigenen Tun in Schutz genommen.

    „Kognitive Dissonanz“, soviel hat die Psychologie richtig, ist ein Phänomen, dessen Ursache – nicht Grund! – in einem Zielkonflikt auszumachen ist. Doch in diesem „Zielkonflikt“ sind alle Unterschiede und Gegensätze zwischen persönlichen und gesellschaftlichen, vitalen und institutionellen Gründen und Zwecken eines Handelns ausgelöscht – nicht aufgehoben. Auf diese Unterschiede zielte aber grad meine Glosse zu „Brainwashing“, ich habe es nur nicht deutlich genug hingeschrieben. Ein Motiv für diese Undeutlichkeit habe ich schon erwähnt – es ist verdammt schwierig, zu vermeiden, daß Überlegungen, wie die meine, ausschließlich unter der „Fragestellung“ – die Antwort ist immer schon da – betrachtet werden, wer schuldig und / oder unschuldig ist an dem, wozu der Fragesteller einen Schuldigen sucht. Mir kommt es aber darauf an, zu zeigen, was die Subjekte sich selbst antun, wenn ihre Überlegungen und Argumente in letzter Instanz, nämlich institutionell, auf Schuldfragen zulaufen, resp. zugespitzt sind, und das ist immer und unauflöslich der Fall, wenn Herrschaft, die Schuldfragen stellt und beantwortet nicht angegriffen wird, weil die Betroffenen sich am Umgang mit deren Vorgaben und Resultaten persönlich, und im öffentlichen Verkehr miteinander, abarbeiten. Auch dies Abarbeiten – müssen ist ein Zwang, aber einer, dem zum Beispiel Rötzer im vorliegenden Fall hätte entgehen können, wenn er bemerkt hätte, was er da tut. Er hätte jede Menge anderer Optionen gehabt, seine langweilige Botschaft unters Volk zu bringen. Er hat aber nichts mehr gemerkt. Diesen Zustand, habe ich „Brainwashed“ nennen wollen mit dem Ziel, das Zusammenspiel zwischen (institutioneller) Herrschaft und (persönlicher) Unterwerfung zu beleuchten.

    Gefällt mir

  2. tgarner9 schreibt:

    Hier nun zum Gewinn:
    https://www.heise.de/tp/features/Donald-Trump-feuert-Aussenminister-Tillerson-3993399.html

    Für Hetzartikel nach dem Muster der NS-Presse vor der Machtergreifung reicht das Hirn allemal.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.