Verschwörungen (2.4c) – MH370

Ich habe mich entschlossen, eine weitere Umgebungsvariable einzuführen, bevor ich die bisherigen Elemente und Momente der Geschichte, insbesondere die Rolle General Dauds, rekombiniere. Sie betrifft:

5.2 – Malaysias Verhältnis zu den westlichen Nachbarn und zu China

5.2.1 – Malaysia und Indonesien

Die Föderation von Malaya, Nord Borneo, Sarawak und Singapur zu „Malaysia“ im September 1963 ist ein Produkt der antikommunistischen Agenda des US-Imperialismus und, nach dessen Sieg über den Restbestand kolonialer Ambitionen Großbritanniens und Frankreichs im Suezkrieg 1956, ein wesentlicher Schritt in der Formierung des Imperiums, mit dem wir es heute zu tun haben. Sie ergänzte den Vietnamkrieg und andere Maßnahmen (Philippinen!) , von der SU und China inspirierte und geförderte antikolonialistisch, volksdemokratisch und sozialistisch orientierte nationale Bewegungen in den Anrainerstaaten der Südchinasee und der Straße von Malacca, zu kontern.

Die indonesische Armeeführung war zu diesem Zeitpunkt mit amerikanischer Unterstützung schon zwischen Anhängern und Gegner Sukarnos gespalten und leistete der Ausdehnung Malaysias auf Borneo nur in einem „Kleinkrieg“ Widerstand, der sog. Konfrontasi.  Auf malaysischer Seite übernahmen vom britischen Commonwealth angeführte Koalitionstruppen die Verteidigung, die sich maßgeblich auf nepalesische und indische Söldner stützten. Auf indonesischer Seite ermutigten und finanzierten die USA 1965 einen Staatsstreichversuch gegen Sukarno, der anschließend Sukarno selbst, der Kommunistischen Partei und dem „linken“ Flügel der Armee angelastet wurde. Es folgte dies:

A top-secret CIA report from 1968 stated that the massacres „rank as one of the worst mass murders of the 20th century, along with the Soviet purges of the 1930s, the Nazi mass murders during the Second World War, and the Maoist bloodbath of the early 1950s.“

Zwischen ein und drei Millionen Menschen, überwiegend Kommunisten, „linke“ Katholiken und Gewerkschafter, aber auch ein Teil der chinesischen Minderheit sollen den Massakern zum Opfer gefallen sein, die der Inthronisierung des amerikanischen „Zivilgouverneurs“ Suharto voraus gingen. Die „Konfrontasi“ endete 1966 unter vergleichsweise hohen indonesischen Verlusten.
Heute wird das indonesisch-malaysische Verhältnis gern als „professionell, aber kühl“ beschrieben. Indonesien verfolgt, soweit das in der Umgebung möglich erscheint, eine Politik der „Blockfreiheit“.

5.2.2 – Malaysia und Indien

Das Verhältnis war bis 1992 maßgeblich geprägt vom Freundschaftsvertrag, den Indien 1971 mit der Sowjetunion geschlossen hat, sowie den voran gegangenen und folgenden amerikanischen Proxykriegen gegen Indien entlang der pakistanisch-indischen Grenze, darunter auch dem Bangladesh-Krieg. Dazu reicht eine Illustration aus der Wiki:

Trade between the two countries has increased from just US$0.6 billion in 1992 to US$13.32 billion in 2012.

Malaysia bildet die größte Landmasse entlang der meistbefahrenen maritimen Handelsstraße des Globus, zwischen Japan, China, Indien, weiter in den Mittleren Osten und nach Europa.

Heute ist Indien tragendes Mitglied der SCO, der zivilen zentralasiatischen Gegenmacht gegen die militanten Zugriffe des Dollar-Imperiums auf den asiatischen Kontinent.
Gleich mehrfach kompliziert wird das Verhältnis durch die Rolle der sogenannten Malaysian Indians im sozialen Gefüge Malaysias. Sie wurden in den letzten Phasen einer jahrhundertelangen Kolonialgeschichte vornehmlich von den Briten als Verbindungsleute und Fachkräfte teils angesiedelt, teils angezogen und bilden heute einen nennenswerten Teil der Oberschicht.

5.2.3 – Sino – Malaysisches Verhältnis

Die chinesische Minderheit in Malaysia stellt mit ca. einem Viertel der Bewohner die zweitgrößte Bevölkerungsgruppe. Ihre prominente Rolle in der Oberschicht hat ähnliche Ursprünge, wie die der Malaysian Indians, ist aber insgesamt älteren Datums. Wie es auch für die für „reinblütig“ geltenden Inder gilt, stellt die chinesische Minderheit zusätzlich einen beträchtlichen Teil des Subproletariats. Zum Verhältnis der Bevölkerungsteile verweise ich jetzt stumpf auf die malaysischen Pogrome von 1969 1.

Einschub

Ich will an der Stelle eine Bemerkung nicht unterlassen, die nicht zum Thema gehört, aber m.E. einen Teil der Modalitäten in der Affäre MH370 beleuchten hilft.
Aus endemischen, doch kolonial mitgeprägten Gründen, spielt in der malaysischen Demokratie Sippenherrschaft, um nicht von „moderner Adelsherrschaft“ zu reden, eine prominente Rolle. Darüber sollte sich im „Westen“ besser niemand erheben, denn es ist eine virulente patriarchale Phase (oder Strate) in allen Klassengesellschaften und Demokratien. Daß sie in Deutschland v.a. auf lokale Ebene und wenige Regionen reduziert erscheint,  hat mit der Weltkriegsgeschichte des Landes zu tun. Schaut und erlebt man die Verhältnisse z.B. im UK, Frankreich, Italien (das umfaßt jetzt nur meinen Erfahrungshorizont) tritt diese Strate deutlicher in Erscheinung.

Über’s Knie gebrochen:
Es ist die Phase, welche einen urtümlichen Ursprung (nicht Ursachenicht Grund) der Klassengesellschaften bis heute tradiert, tribale Unterjochung durch ein benachbartes Kriegerpatriarchat. Die Eroberer setzen sich auf den unterworfenen Stamm, kooptieren einen Teil der Bevölkerung für eine veränderte Produktionsweise, welche eine Inkorporierung der Eroberer gebietet und erhält, und so tradiert ihre sippenhafte Fortpflanzung im kombinierten Gemeinwesen einen tribalen Status der Eroberer neben  kultureller und genetischer Verschmelzung.
Von Unterworfenen wird die Gesamtgesellschaft folgerichtig als ein Habitat führender und privilegierter Sippen und Geschlechter wahr genommen. Denn so, und phasenweise nur so, vermögen sie das Kooptierungsverhältnis der Herrschaft gegen dieselbe zu wenden. Das „Habitat“ bindet die Herren theoretisch und, abhängig von den Parametern der Kooptierung, auch praktisch an Lebensinteressen einer erfundenen Gesamtheit der Unterworfenen und des reproduktiven Gesamtzusammenhanges.

Der Herr ist ein Schweinehund, aber er ist unser Schweinehund.

Das Bindeglied dieser Bindung, pun intended wird der männliche Schwanz im Maße, wie patrilinear vererbtes Privateigentum zur Leitform der Eigentumsverhältnisse erst in der Viehaltung, dann in der Landwirtschaft und den der Landwirtschaft angegliederten Gewerken wird. Ein die Klassen und Schichten umgreifender Männerbund, dem das weibliche Inventar, religiös und rechtlich codifiziert, als ein Gemeineigentum zugesprochen wird, wird als gesondertes Gemeinwesen aus der Gesamtheit der Produktionsweise heraus gehoben. Er komplementiert die Klassenherrschaft, indem er ihre soziale Schichtung in Ober- und Unterklassen einerseits übergreift und andererseits familial tradiert, soweit nicht Wandlungen anderer Bestandteile des Gemeinwesens dies Verhältnis angreifen 2.

Dies patriarchale Moment und seine Dynamik sind ein, wenn nicht der bleibende Ursprung, daher Ur-Sache, sog. „ethnischer Konflikte“ in den Klassengesellschaften, ewig bebildert mit den Themen Vergewaltigung, Rassenschande und verdächtigen „Mesalliancen“. Das trifft besonders auf den Antisemitismus zu,  wie er in der Zeit der europäischen Nationenbildungen in Erscheinung trat, weil die Geschichte der bürgerlichen Gewerke im Feudalismus ihm zusätzliche Motive und Nahrung gaben.

Die Schweinehunde, die nicht unsere Schweinehunde sind.

Der Chinesenhaß in Malaysia hat auf gar nicht so sehr modifizierte Weise dasselbe Erscheinungsbild, wie Judenhaß in Europa oder, um das auch noch erwähnt zu haben, Aleviten- / Alavitenhaß in der Türkei und Syrien. Einschub Ende 3

Jetzt aber zum wesentlichen Punkt dieses Abschnittes.
An der Liste „Main Partner Countries“ dieser Statistik könnt ihr ermessen, daß gute Beziehungen zu China, die o.a. innenpolitischen Implikationen einberechnet, heute, im Unterschied zu vergangenen Jahrzehnten, für Malaysia von bei weitem vitalerem Interesse sind, als die Beziehungen zu den USA.
Die Statistik ist nicht ganz sauber, denn die USA dürften auch bei dem Handelsvolumen, das unter der Adresse Singapurs firmiert, eine beträchtliche Rolle spielen, aber in diese Details muß man, denke ich, nicht hinein graben.

Jetzt habe ich mich abermals verquatscht und schließe erst einmal wieder.

Bis denne.


  1. Auch darin spielte offensichtlich imperiale Ermutigung eine Rolle. Die sollte man freilich nicht überbewerten. 
  2. Ich erinnere an meinen Rant zur Aufklärung in: Wer ein „Verschwörungstheoretiker“ ist und wer nicht (2,1). Die Bauernkriege in Deutschland entzündeten sich maßgeblich an den ökonomischen und sexuellen Übergriffen des städtischen Adels und der Landherren auf die weibliche Landbevölkerung.
    Ich verweise auch auf den Eintrag:  Republikanischer Krieg um und gegen die Frau in Indien 
  3. Daß ich den Einschub so bescheuert absetze, liegt an der bescheuerten Fußnotenverwaltung WordPress’ 
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