Giftmischerei in Porton Down

Ich will eine Mitteilung nicht für mich behalten, die ich aus der Kommentarsektion von Moonofalabama habe. Der Autor ist anonym:

I think the underlying assumption of your post – that a Novichok programme existed – is open to serious doubt.
The only source for the story of a Soviet/Russian programme to develop a new class of military nerve agents codenamed Novichoks is a defector in the 1990s named Vil Mirzayanov. He claimed that one of these compounds was 5 to 8 times more toxic than VX and that production of these compounds had continued after the Chemical Weapons Convention came into effect. He explained the many publications in the open literature by Soviet chemists on compounds with similar structures as a deception to provide cover for secret research on other more toxic compounds, and gave structures for these compounds.
A review of chemical warfare agents in 2016 (http://pubs.rsc.org/en/content/chapter/bk9781849739696-00001/978-1-84973-969-6) by Robin Black, who had just retired as head of the detection lab at Porton Down, states that there is no independent confirmation of Mirzayanov’s claims about the chemical properties of Novichok compounds.
The report of the OPCW’s Scientific Advisory Board’s meeting in April 2013 made a similar statement, and did not recommend adding these compounds or their precursors to the list of scheduled chemicals banned or restricted under the CWC. The members of the scientific advisory board included people who, like Black, were heads of western chemical defence labs. These labs would almost surely have undertaken experimental tests of Mirzayanov’s claims about the toxicity of these compounds. So if members of the scientific advisory board who were in a position to know the results of these experiments did not recommend adding these compounds to the list of scheduled chemicals, we can reasonably infer that they were not found to be military grade nerve agents.
The British government is now demanding that Russia make a full disclosure of its Novichok programme by Tuesday evening. A Russian denial that such a programme existed will be taken as proof of guilt.

Die verlinkte Publikation ist mir unzugänglich, aber das Posting liefert eine zwanglose Erklärung dafür, daß OPCW „Novichok“ nicht in die Liste der „military grade nerve agents“ aufgenommen hat.

Hinzuzufügen ist, Mirzayanov hat in mindestens einer Publikation konkrete Angaben zu Komponenten gemacht und Formeln angegeben. Mit solchen Formeln ist man noch weit von einer technischen Umsetzung entfernt, aber umgekehrt – und diesen Gedankenschritt hat Anon nicht vollzogen – sind solche Angaben schwerlich aus den Fingern gesogen. Sie müssen für das angesprochene Fachpublikum einen minimalen Grad von Plausibilität haben.

Deshalb legen die zitierten Mitteilungen des ehemaligen Direktors der Chemiewaffenfabrik Porton Down, Robin Black, Zeugnis, daß in dessen Laboren eigene Giftcocktails auf der Grundlage von Mirzanov’s Angaben entwickelt worden sind, um Letztere zu überprüfen. Porton Down verfügt folglich über ein oder mehrere Gifte, wie wirksam sie immer seien, denen Mirzanovs Angaben, wie falsch oder richtig sie immer waren, eine sowjetische / russische Signatur verliehen haben.

Disclaimer:
Dies Posting soll nicht dazu dienen oder taugen, die britischen Dienste und die britische Regierung der Salisbury – Giftmischerei überführen zu helfen.  Deren Täterschaft ist evident, sie benötigt keine anderen Beweise, als die bekannten Fakten und den Umgang der britischen Regierung damit. Ebenso evident ist die offensive, despotische  Verabschiedung aller imperialer Regierungen von professionellen Staatsidealismen in der Tradition Platons  und der Bindung einer Militärherrschaft an staatsrechtlich codierte Staatszweckederen Mythologie – der Zwecke wie militärpolitischer Bindung an sie – ich polemisch hier besprochen habe.
Mir geht’s hier bloß noch um Historiographie. Und da ist festzuhalten, daß die Anwendung einer „Novichok“ getauften Massenvernichtungswaffe ein seit vielen Jahren vorbereiteter Kriegsakt sein könnte, der zu einer durchgreifenderen Wende auf dem imperialen Schlachtfeld vorgesehen ist, als jetzt absehbar sein kann.

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2 Antworten zu Giftmischerei in Porton Down

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