NATO gibt Porton Down freie Hand für Anschläge auf dem Festland

Update unten

Voraussetzung: Giftmischerei in Porton Down

NATO Press Release (2018) 033

The UK confirmed the use of a military-grade nerve agent of a type developed by Russia and briefed Allies that it was highly likely that Russia was responsible. (…) Allies expressed deep concern at the first offensive use of a nerve agent on Alliance territory since NATO’s foundation. Allies expressed solidarity with the UK, offered their support in the conduct of the ongoing investigation, and called on Russia to address the UK’s questions including providing full and complete disclosure of the Novichok programme to the Organisation for the Prohibition of Chemical Weapons. (Herv. v. mir, TG)

Die NATO bietet Unterstützung an, beläßt es also bei den ungeprüften Versicherungen des UK auf der Basis unzureichender Daten und Fakten (ongoing investigation), die sie sich gleichwohl mit einer Forderung an Russland zu eigen macht.

Daß diese Haltung der NATO, als einer notwendigen Voraussetzung für weitere Anschläge das vordringliche, wenn nicht einzige Ziel der britischen Operation gewesen sein dürfte, kann man an Art und Umfang der britischen „Vergeltung“ ermessen.

  • The expulsion of 23 diplomats – who have one week to leave
  • Increased checks on private flights, customs and freight
  • The freezing of Russian state assets where there is evidence they may be used to threaten the life or property of UK nationals or residents
  • Ministers and Royal Family to boycott the Fifa World Cup in Russia later this year
  • The suspension of all planned high level bi-lateral contacts between the UK and Russia
  • Plans to consider new laws to increase defences against „hostile state activity“

Ein bißchen ärgern und Stimmung machen. Nicht mal der Lizenzentzug für RT ist Thema. Auch TASS weiß nichts anderes. Und dort signalisiert man plötzlich Einlenken:

Prime Minister Theresa May voiced several versions that might shed light on the use of the chemical agent presumably employed …  In particular, she speculated that Russia might have lost control of that substance
There are only two plausible explanations. Either this was a direct act by the Russian state against our country, or conceivably the Russian government could have lost control of the military-grade nerve agent and allowed it to get into the hands of others,“ May presumed.

Das initiale Statement Mays in dem Fall wird plötzlich als ein Angebot behandelt. Eine Erklärung dieser Wendung von britischer Seite hat man wohl in einem BBC-Artikel zu sehen, der zugleich mit den o.a. Ankündigungen veröffentlicht wurde: Russian spy: Retaliation could be painful for UK business. Darin hervor gehoben der 20%ige Anteil BP’s an Gazprom (nicht erwähnt die Joint Ventures für künftige sibirische Erschließungen zugunsten Chinas), aber auch der Verweis auf ein breites Geflecht russisch-britischer Unternehmen und Geschäftsbeziehungen, an denen eine große Anzahl Jobs in der Londoner City hingen.
Nun, das wußten die Giftmischer in Porton Down auch vor dem Skripal-Zirkus.
Am Schluß das Statement, das wir bereits aus allen Bloomberg-Artikeln zum Thema kennen:

With Donald Trump pursuing a protectionist trade policy and with his hands full in North Korea, Theresa May’s biggest test may be the amount of international support she can command.

Die NATO – Länder sitzen nach der Erklärung Stoltenbergs mindestens bis zu einem „Abschluß der Ermittlungen“, die lt. britischen Ankündigungen „etliche Monate dauern könnten“, in der Falle: Sie sind gegen den Einsatz eines der OPCW unbekannten Kampfgases auf ihrem Territorium, das allein in Porton Down bekannt ist, wo man alleinige Kontrolle über das angebliche sowjetisch / russische Signum des Stoffes hat, wehrlos gemacht. 

update

Der ehemalige britische Diplomat Craig Murray hat in einem Blogpost Angaben spezifiziert und besprochen, die ich unter „Giftmischerei in Porton Down“ von einem Anonymus zitiert hatte. Darunter folgende Zitate:

In recent years, there has been much speculation that a fourth generation of nerve agents, ‘Novichoks’ (newcomer), was developed in Russia, beginning in the 1970s as part of the ‘Foliant’ programme, with the aim of finding agents that would compromise defensive countermeasures. Information on these compounds has been sparse in the public domain, mostly originating from a dissident Russian military chemist, Vil Mirzayanov. No independent confirmation of the structures or the properties of such compounds has been published. (Black, 2016)

und

[The Scientific Advisory Board] emphasised that the definition of toxic chemicals in the Convention would cover all potential candidate chemicals that might be utilised as chemical weapons. Regarding new toxic chemicals not listed in the Annex on Chemicals but which may nevertheless pose a risk to the Convention, the SAB makes reference to “Novichoks”. The name “Novichok” is used in a publication of a former Soviet scientist who reported investigating a new class of nerve agents suitable for use as binary chemical weapons. The SAB states that it has insufficient information to comment on the existence or properties of “Novichoks”. (OPCW, 2013)

Craig nimmt in seiner Darstellung die Angaben Blacks für Fakt, bringt aber das Argument:

As Dr Black has revealed Porton Down had never seen any Russian novichok, they cannot have a test for it unless they synthesised some themselves to develop the tests. And if they can synthesise it, so can many others, not just the Russians. (Meine Hervorhebung)

Eben. Black war in führender Position mit dem Design und der Herstellung von Massenvernichtungswaffen „zu defensiven Zwecken“ befaßt. Es wäre einer Pflichtverletzung gleich gekommen, hätte man in Porton Down nicht versucht „Novichok“ auf der Grundlage der Angaben Mirzayanovs und – möglicherweise – Unterlagen aus der von den USA demontierten usbekischen Produktionsanlage zu reproduzieren. Hätte Black über Erfolge solcher Reproduktionsversuche nicht geschwiegen, wäre das auf der Basis just derselben Annahme, unter der May jetzt russische Beteiligung an dem Vorfall in Salisbury für praktisch erwiesen ausgibt und entsprechend handelt, nämlich daß Russland die Möglichkeit und das Motiv gehabt habe, die Waffe zu halten und evtl. weiter zu produzieren, mindestens ebenfalls Pflichtverletzung, wenn nicht „treason“ gewesen. Er hätte das UK der Möglichkeit beraubt, Anschläge des FSB oder GRU aufzudecken, die dann gewiß zu einem weniger verräterischen Mittel gegriffen hätten.

Blacks Angaben von 2016 schließen unter den gegebenen Umständen aus, daß es irgend einen Anhaltspunkt für eine russische Beteiligung gibt, habe er damals gelogen, oder nicht.
Falls Porton Down das Zeug nicht kennt, konnte es das in Salisbury verwendete Mittel auch nicht zuordnen.
Kennt es Novichok aber, weil es eine Variante hergestellt und getestet hat, dann gibt es genau einen Grund, Russland eine Probe und selbst Spektrogramme vorzuenthalten: Daß Russland aufgrund eigener Archive und oder Probebanken zu wissen bekäme und u.U. auch nachweisen könnte, daß es sich um ein Fremdprodukt handelt, das dem sowjetischen Produkt allenfalls ähnelt.

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18 Antworten zu NATO gibt Porton Down freie Hand für Anschläge auf dem Festland

  1. Klaus-Peter schreibt:

    Dann rückt wohl Frankreich in den Fokus. Nebenbei wieder mit Häme, Macron hätte bisweilen eh nix greifbares geliefert.

    https://www.reuters.com/article/us-britain-russia-france/france-wants-proof-before-responding-on-britain-poisoning-affair-idUSKCN1GQ2H2?il=0

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  2. BC schreibt:

    Der Guardian hält dagegen:
    „The nerve agent novichok was developed and produced in Shikhany, home of a military research establishment in central Russia, according to a chemical weapons expert. Hamish de Bretton-Gordon said the information was contained in a report submitted several years ago by Russia to the international body that monitors chemical weapons, the Organisation for the Prohibition of Chemical Weapons (OPCW).“
    Quelle: https://www.theguardian.com/world/2018/mar/14/nerve-agent-novichok-produced-russia-site-expert
    Angeblich soll UK die OPCW eingeladen haben, möglichst schnell vor Ort zu recherchieren.
    Übrigens hat Israel die Chemiewaffenkonvention nicht ratifiziert, muss also auch nix „publishen“ und keine Inspektionen zulassen.

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    • tgarner9 schreibt:

      Danke, BC, den Guardian habe ich nicht auf dem Schirm, das wäre mir entgangen.

      Ein paar rasche Vorabbemerkungen vor einem neuen Eintrag:
      Der Guardian zitiert May:

      “We are working with the police to enable the OPCW to independently verify our analysis.”

      Das kann nur eine polizeiliche Angelegenheit sein, wenn die angebliche Analyse von Porton Down, auf der die Anschuldigungen gegen Russland beruhen sollen, off-limits ist.
      Dazu ein Eintrag von John Helmer, der Macken hat, aber anhand der britischen Mitteilungen zeigt, daß (mindestens) zwei Giftstoffe verwendet worden sind:
      http://johnhelmer.net/fourteen-and-a-half-certainties-about-the-case-of-sergei-skripal/#more-18835

      Eine Verwicklung des Mossad oder der IDF – darüber wird in einschlägigen Kreisen jetzt gern spekuliert – schließe ich aus, obwohl nicht ausgeschlossen ist, sondern ein paar Sachen dafür sprechen, daß, falls in der Affäre mal ein materieller Stoff auf den Tisch kommt, er aus Dimona oder der Anlage bei Haifa stammt. Aber das wäre m.E. eine Gefälligkeit. Ich schließe eine „Mossad-Aktion“ aus politischen Gründen aus. Um das vorab rätselhaft zu sagen (und wahrscheinlich wird es bei dem Statement bleiben) die Drangsale und Anliegen Israels mit Blick auf den künftigen NATO- und EU-Kurs liegen m.E, auf einer „höheren“ oder auch „breiteren“ Ebene, als die des UK.

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      • BC schreibt:

        Ja, aber nur über das sign-up, welches das kostenlose Lesen von 6 Artikeln im Monat erlaubt.
        Hier ist die leidlich lesbare maschinelle Übersetzung mit kleinen Korrekturen:
        Die Ankündigung der britischen Premierministerin Theresa May am Mittwoch, dass es „höchstwahrscheinlich“ sei, dass Russland hinter dem Attentat auf einen ehemaligen Doppelagenten stecke und seine Tochter, kam erwartet. Die Ausweisung von 23 russischen Diplomaten, denen verdeckte Geheimdienstaktivitäten in Großbritannien vorgeworfen werden – die Sanktionen, die May als Reaktion auf den „militärtauglichen“ Nervengas-Agenten, der vor anderthalb Wochen bei Sergej Skripal und seiner Tochter Yulia in der englischen Stadt Salisbury eingesetzt wurde, verkündete -, ist seit dem Kalten Krieg beispiellos, aber kaum ein schwerer Schlag für den Kreml. Moskau wird sehr bald eine gegenseitige Ausweisung britischer Diplomaten ankündigen, und seine Interessen werden nicht durch die Einstellung hochrangiger Kontakte mit der britischen Regierung geschädigt.

        May kündigte weder die Beschlagnahme von Vermögenswerten russischer Staatsbürger bei britischen Banken noch einen Boykott der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft in Russland in diesem Sommer an. Sie bemerkte nur, dass kein Mitglied der königlichen Familie die Spiele sehen würde. Zumindest jetzt wird Russland nicht für den dreisten Versuch bezahlen müssen, am helllichten Tag einen Mord zu begehen – und dabei Hunderte britischer Zivilisten, Polizisten und medizinisches Personal einer tödlichen Substanz auszusetzen.

        Großbritannien, das sich mit Brexit von Europa löst, war seit den ersten Jahren des Zweiten Weltkriegs nicht mehr so isoliert. Hoffnungen auf eine historische „besondere Beziehung“ über den Atlantik, die das Vakuum füllt, wurden durch die Gleichgültigkeit von Präsident Donald Trump zunichte gemacht, dessen Sprecher Russland in der ersten Erklärung des Weißen Hauses am Montag nicht einmal erwähnt hat. Außenminister Rex Tillerson verurteilte Russland viel härter, wurde aber einige Stunden später gefeuert.

        Ohne eine energische Reaktion der USA wird Großbritannien nicht viel mehr als Worte von der NATO erhalten. Die Führer der Verteidigungsallianz haben den Angriff auf den souveränen Boden eines NATO-Mitglieds scharf kritisiert, aber es ist unwahrscheinlich, dass es darüber hinaus weitere Maßnahmen geben wird. Es gab einen Chor der Unterstützung durch die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union, aber Großbritannien verlässt die EU unbeholfen und kann nicht erwarten, dass es seine Interessen für Großbritannien jetzt gefährdet. Der russische Präsident Wladimir Putin, wenn er es wirklich war, der das Attentat genehmigt hat, wusste, dass er keinen verletzlicheren Moment für Großbritannien hätte wählen können. GB scheut sich, Putins enge Mitarbeiter dort anzugreifen, wo es wirklich weh tut: bei den Milliarden, die russische Oligarchen in britische Banken, Immobilien und anderen prestigeträchtige Objekten wie Fußballvereinen und Zeitungen investiert haben. Solche Schritte würden den Status Londons als Weltfinanzzentrum in einer Zeit gefährden, in der die Wirtschaft bereits unter dem Brexit leidet.

        Es gibt jedoch einen Silberstreif am Horizont für Mai. Ihre energische Haltung gegenüber Russland hat ihrem Gegner von der anderen Seite des Korridors im Parlament unwillkommene Aufmerksamkeit verschafft. Der Führer der Labour-Partei, Jeremy Corbyn, hat die meisten Auseinandersetzungen mit May gewonnen, seit er bei den Parlamentswahlen im vergangenen Jahr überraschend stark vertreten war, was die rebellischen Abgeordneten seiner Partei dazu zwang, sich hinter ihn zu stellen.

        Aber Corbyns antiamerikanische Außenpolitik ist immer noch zutiefst unbeliebt, und es fiel ihm schwer, sich für Mays Äußerungen im Parlament zu begeistern. Als ehemaliger Stammgast beim Sender Russia Today des Kremls hat er kaum versucht, seine Skepsis gegenüber der Schuld Russlands zu verbergen. Corbyn mag von ganz links sein, aber seine Positionen im Kreml erinnern am meisten an die von Trump. Nach Corbyns säuerlicher Reaktion auf den Premierminister haben sich eine Reihe von hochrangigen Hinterbänklern der Labour-Partei erhoben, um Mays Haltung zu applaudieren, was eine vernichtende Verurteilung ihres eigenen Führers war. Der Premierminister kann sich vielleicht nicht darauf verlassen, dass sich die ausländischen Verbündeten Großbritanniens ihr gegenüber Russland anschließen, aber zumindest hat Putin geholfen, Corbyns Labour Party wieder zu spalten.

        Inzwischen fehlt ein weiterer britischer Verbündeter. Ein prominenter Führer, der in der Vergangenheit schon früh vor Massenvernichtungswaffen in den Händen von Schurkenstaaten gewarnt hat, und der schon früh in seiner Karriere mit dem Verweise auf die Beteiligung Russlands an der Förderung von Terrorgruppen Zeichen gesetzt hat, schweigt seit den Salisbury-Vergiftungen besonders leise. Ja, es ist Premierminister Benjamin Netanyahu, der in dieser ganzen Zeit kein Wort der Unterstützung für Großbritannien oder der Verurteilung Russlands gesagt hat.

        Netanyahus Schweigen zu Russland ist nicht neu. Er hat Putin, mit dem er so gut zurechtkommt, nie öffentlich kritisiert. Das gleiche Muster ereignete sich vor genau vier Jahren, als die gesamte westliche Welt und alle Demokratien die russische Besetzung und Annexion der Krim von Ukriane auf das Schärfste verurteilten. Selbst als die Obama-Administration Israel anflehte, eine Erklärung abzugeben, kam eine allgemeine Aufforderung „an beide Seiten“ heraus, ihre Differenzen friedlich beizulegen. Israel, das stolz darauf ist, die USA bei den Vereinten Nationen stets zu unterstützen, war bei der Verurteilung in der Generalversammlung nicht anwesend.

        Kein Politiker in irgendeinem Land war beredter als Netanyahu hinsichtlich der Gefahren nuklearer, biologischer und chemischer Waffen in den Händen von staatlichen Akteuren und Terrororganisationen. Die Tatsache, dass er keine offizielle Stellungnahme zum Attentatsversuch in Salisbury und der Zwangslage des israelischen Verbündeten Großbritannien zustande bringt, zeigt, wie sehr er jetzt Putin, der dominierenden Kraft im Nahen Osten, verpflichtet ist. Es ist auch eine vernichtende Anklage, wie sehr Obama und Trump ihre Verbündeten enttäuscht haben.
        Anshel Pfeffer
        Übersetzt mit http://www.DeepL.com/Translator

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      • tgarner9 schreibt:

        Herzlichen Dank, BC, auch für das Tool :)

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  3. tgarner9 schreibt:

    For the record: Finian Cunningham spekulierte ausführlicher über einen Zusammenhang mit der Kampagne gegen North Stream schon am 9/10. März. Worauf man immerhin die Vermutung gründen kann, daß man in russischen Kreisen sofort daran gedacht hat.

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  4. tgarner9 schreibt:

    Für heute das Letzte:

    Ein winziges bisschen Chemie
    Chemie ist bei mir ein Totalausfall, aber bei den Kommentatoren, die ich gelesen habe, anscheinend ebenfalls. Also frisch an’s Werk.

    Ich hatte in einem Kommentar heut früh geschrieben:

    Das kann nur eine polizeiliche Angelegenheit sein, wenn die angebliche Analyse von Porton Down, auf der die Anschuldigungen gegen Russland beruhen sollen, off-limits ist.

    Das ist nicht falsch, aber um Längen zu allgemein.
    1. Alle Phosphorsäureesther, die als Kampfstoffe taugen, sind binär, d.h. sie bestehen aus zwei Ausgangsverbindungen, deren Mischung sie „weaponized“, zur Waffe macht. In diesem Zustand sind sie mehr oder weniger stabil, entsprechend mehr oder weniger wirksam. Dabei kommt es schon bei Sarin auf den Vorgang der Mischung an, er hat erheblichen Einfluß auf die Wirksamkeit.

    1. Es ist bislang unklar, ob es sowas wie die „Novichok-Gruppe“ als Kampfstoffe überhaupt gibt bzw. gegeben hat. Wir können als halbwegs gesichert annehmen, daß es Phosphorsäureesther mit speziellen Bindungen / Nebengruppen / Halogeniden, denk dir was aus gibt, die das Kennzeichen einer „Novichok“-Gruppe sein könnten, aber bislang in nicht waffenfähigen Produkten, wie z.B. Insektiziden benutzt wurden, denn das war „im Sinne des Erfinders“ – sei dieser Erfinder nun Mirzayanov oder die Giftmischer des SU – Chemiewaffenprogrammes.
    2. Identifizierbar wäre ein „Kampfstoff der Novichok-Gruppe“, falls nicht die binären Ausgangsprodukte vorliegen, an erhaltenen Eigenarten der Ausgangsprodukte in den Abbauprodukten, die man nach der Freisetzung der weaponized substance vorfindet.

    3. Gemäß der Natur der oben global genannten Eigenarten verschiedener Kampfstoffe sollte die Novichok-Gruppe, falls überhaupt anhand der Abbauprodukte identifizierbar, schon in einer spektroskopischen Untersuchung kenntlich werden.

    4. Folglich: Es dürfte eine triviale Lösung für die Aufgabe geben, Abbauprodukte eines „Novichok-Kampfstoffes“ zu fingieren. Mindestens monatelang, wenn nicht länger, könnte kein Labor feststellen, ob das vorgelegte Abbauprodukt Residuum eines Kampfstoffes, oder einer weniger schädlichen Phosphorsäureesther-Verbindung gewesen ist.

    5. Deshalb kommt in diesem Fall alles auf eine lückenlose Dokumentation von der Probenahme bis zur Analyse an, mit Photos, und Laufnummern-Versigelung, kurz, nach den SOP’s (Standard Operation Procedures) der OPCW. Wurden die nicht eingehalten, hat das UK ein Problem – theoretisch zumindest.

    Allerdings sollten die SOP’s – wenn wir die Unschuldsvermutung geltend machen – eingehalten worden sein, weil es sofort die Vermutung gab, es sei „VX“ im Spiel – da gilt im Grundsatz dasselbe, wie oben.

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  5. tgarner9 schreibt:

    Ich kippe mal einen anonymen Kommentar bei den Moonies ab und sage später was dazu. Aus rein akademischem Interesse – der Nachweis, daß eine inquisitorische Terrorherrschaft etabliert wurde, bedarf solcher Fizzeleien nicht:

    Regarding the synthesis, as I understand it, this class are binary agents, i.e. non-lethal till mixing, so the two ‘halves’ could be made without specialist kit. Even active nerve agents could be prepared using a just fume cupboard, and the right PPE. Nothing too special required other than non shaky hands. Could be made anywhere the precursors are available. We worked with HF, OsO4, Thallium etc in such environments.

    Regarding the analysis. Typically small quantities are analysed (I used to install them) using GCMS. Gas Chromatography Mass spectrometry. This can detect down to femtogram levels.

    OK.

    So there exists databases of substances and their breakdown patterns under fragmentation, which can give possible matches to known compounds. This compound may have been on there. However, for an allegation of such seriousness, these would be ‘indicative’ rather than ‘conclusive’. For conclusive confirmation a coincidence of what is called ‘retention times’ would also be required against a standard. The retention time is the time it takes for the compound to ‘show itself’ at the end of the long thin tube inside the Gas Chromatograph. Different chemicals hold on to the tube with varying tenacities.and hence give various rates of elution.

    So a professional forensic scientist, I would hope, would do the following.
    Run a GC-Mass Spectrum to confirm the molecular weight.
    Check against a database for possible compounds which correspond to that molecular weight and fragment pattern (there may be a few, it may not be unambiguous at this stage)
    Check for the presence of other impurities, and the ratio of the main ingredient to these, which would give you the ‘fingerprint’
    Run the sample of unknown concentration against a standard of known concentration to determine the amount of active ingredient in the sample.
    Compare the ‘fingerprint’ to database of other ‘fingerprints’ in a library.
    Only when this fingerprint matches the fingerprint from a library can you determine the origin. Even then you can not say who administered the substance, but you would have an avenue to explore.

    OK so a good forensic laboratory would have access to the following.
    A synthetically pure sample of known weight and impurity profile.
    Finger prints of samples from ‘sources of concern’

    So what is being implied here, is that the authorities have both. A control sample (to determine if the quantities found would be lethal) and samples from a few different labs to confirm that the fingerprint was from lab A not lab B for example.

    (How) did they have those?

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  6. Berengar schreibt:

    »Gabriel fühlt sich an „ganz schlechte James-Bond-Filme erinnert“

    Diese Form der Eskalation hält Gabriel für völlig überzogen. „Natürlich verstehe ich jeden britischen Bürger, der bei dem Hinweis, dass es eine in der Sowjetunion entwickelte Kriegswaffe war, denkt, (…) dass diese Waffen aus Russland gekommen sind“, sagt er zunächst.

    Doch dann schränkt er ein: „Ich rate uns aber, als Deutsche oder Europäer, uns nicht hineintreiben zu lassen, in eine immer schriller werdende Diskussion. Jemand ist so lange unschuldig, bis jemand das Gegenteil erwiesen hat.“

    Damit wendet sich Gabriel klar gegen den gemeinsamen Brief Merkels und der anderen. Gabriel empfiehlt dagegen, eine UN-Organisation mit der Prüfung zu beauftragen. „Um nach der Untersuchung festzustellen, welche Schlüsse wir daraus ziehen und nicht vorher.“ Derzeit fühle man sich an „ganz schlechte James-Bond-Filme erinnert“, sagt er. Wo beide Seiten sich in „skurrilsten Verdächtigungen“ ergingen und „den eigenen Verschwörungstheorien nachgehen“.

    Inzwischen hat der britische Außenminister Boris Johnson eine solche Prüfung angekündigt. Das ändert jedoch nichts daran, dass aus Sicht Gabriels, die politische Bewertung des Falles verfrüht und womöglich falsch war.

    Seine abschließende Bemerkung zur Rolle Deutschlands fasst diese Sichtweise zusammen. „Wir müssen eine Haltung einnehmen, dass wir nie naiv sind, aber auch nicht zu ängstlich, dem Partner auf der anderen Seite immer wieder Dialog, Rüstungskontrolle, Abrüstungsbereitschaft anzubieten. Die Stimme Deutschland muss immer die Stimme der Vernunft sein.“«

    (https://www.welt.de/politik/deutschland/article174603349/Ex-Aussenminister-Sigmar-Gabriels-boese-Abrechnung-mit-der-aktuellen-Russland-Politik.html)

    Über Sigmar Gabriel weiß man genug, wenn man sich erinnert, daß er zunächst ein „Horchposten“ derjenigen Fraktion war, der einst Gerhard Schröder sein Gewicht verdankte, deshalb wurde er (Gabriel) auch nachgelassen, nachdem sonst kein Vertreter dieser Fraktion mehr „vermittelbar“ war, um an entscheidender Position zu sitzen.

    Bemerkenswert ist es, wie profiliert sich diese Fraktion nun zu Wort meldet. Die „Welt“ jedenfalls vermerkt mit peinlichem Spürsinn jeden Mucks von ihm, nicht erst seit seiner Ansage auf der Münchner Sicherheitskonferenz, und versäumt es selbstredend nicht, es „böse“ zu nennen.

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  7. tgarner9 schreibt:

    Zu meinem „bisschen Chemie“ nehme ich mir die Freiheit, einen Kommentar bei Craig Murray zu „klemmen“, Autor Rhys Jaggar:

    Timeline of a diagnosis:

    1) Patients found in some distress on a public park bench on 4/03/2018.

    Were they displaying SLUDGE symptoms (i.e. characteristic of ACE inhibitor poisoning)?

    Did first responders recognise these symptoms and know their clinical implications?

    Be that as it may, the likelihood is that when hospitalised, an A&E consultant would likely make such a diagnosis either directly or following liaisons with poison specialists.

    At some point, it must be assumed that generic ACE inhibitor testing would be done. Research kits to achieve this are standard antibody-based diagnostics taking 1 hour to produce a result. Clinical diagnostics are presumably identical, being the same kit licensed for clinical practice.

    So it would be reasonable to assume that by 06/04/2018, if not earlier, generic detection of ACE inhibitor poisoning had been detected by Porton Down specialists.

    At that point more detailed sample analysis would occur, obtaining column fractions from a chromatogram to identify purified samples. Assuming three rounds of purification, by 10/03/2018, a relatively pure fraction should exist. This would occur at Porton Down under conditions of high containment.

    At that point, detailed chemical analysis may become possible, using various mass spec, chromatography techniques. At that point a chemical formula close to a Novichok may have been identified.

    So there is a reasonable chance that, with all diagnoses and analytics occurring at top speed, within 7 days, a ‘likely identification of poison’ could have been achieved. 10 days would be more conservative, but seven days is not impossible.

    Clearly sample substitution, sample spiking are very easy to achieve. 1 microlitre of poison added to a blood sample takes 2 seconds using an Eppendorf micropipette (basic workhorse tool of every research biochemist in the West). So absolute sample monitoring from initial blood/urine/other samples through all procedures, DNA trping of initial samples against patient hair samples to ensure no sample switching has occurred is necessary. Sealed samples to endure no access for spiking. And no persons working off camera advisable to stop rogue elements tampering with procedure.

    So I think it is within the bounds of reasonableness that UK authorities have identified an ACE inhibitor nerve agent with putative chemical formula within 7-10 days of patient falling ill.

    It also then affords opportunity to identify sites and groupings working in related areas of research.

    What it does not do is identify manufacturing batch, manufacturing site, distribution networks, means of delivery of agent to victims.

    It would also be helpful to carry out DNA analysis on both patients to confirm to the world that they are indeed the Skripals (assuming blood samples from previous medical examinations exist to use as standard references).

    It would not endanger National Security to prove the following to the world:
    1) Timepoint of suspected poisoning diagnosis made and by whom
    2) Timeline of liaison with specialist poisons agency and diagnostic test suite recommended
    3) Time when generalised ACE inhibitor activity detected diagnostically
    4) Time point when purified sample showing ACE inhibitor activity confirmed
    5) Timeline for Mass spec and other data leading to diagnosis of formula of specific poison used

    Obviously, if the agent is not generally known, retaining control of its structure is prudent. The OPCW is the proper channel for further investigations.

    All this does is provide rigour to the diagnostic procedure for identifying a potential Novichok.

    It does not assign guilt anywhere.

    Synthesising the proposed structure and demonstrating biological equivalence with the purified patient sample is the next stage, which might take 1-3 months, assuming bureaucratic hurdles do not delay scientific activity.

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