These zur laufenden Phase imperialen Zusammenbruchs

Um die vielgestaltige und vielschichtige Angelegenheit auf einen handlichen Nenner zu bringen, der seiner Anfechtung – alternativ: Spezifizierung – Handhaben geben könnte (natürlich wird das nicht geschehen und ich allein kann es nicht leisten):

Der mit 9/11 begonnene verdeckte und exportierte Krieg zwischen US-Putschisten und ihren Gegnern um die Bestimmungsmacht in der imperialen Führungsnation hat deren Führungsmacht kollabieren lassen. Es bleibt das rein militärische Imperiumszentrum der NATO, das doppelt umstritten ist: Einerseits weil die nuklearen Schlüssel in Pentagon und Weißem Haus verbleiben, andererseits, weil die NATO keine politische Führungsmacht i.e.S., geschweige eine politökonomische Kraft ist. Daher kollabiert der Imperialismus nach seiner politökonomischen Seite um die NATO herum in Flügelkämpfen transnationaler Rackets um Bestimmungsmacht über ein imaginäres, daher spirituelles Zentrum. Entgegen dem Anschein verliert die NATO ihre Frontstellung in irgend einen imaginären oder realen außerimperialen Raum hinein – sie mutiert zum innenpolitischen Kopf eines von fortschreitender Paralyse befallenen Rumpfes.
Das Resultat wird die Selbstzerlegung der imperialen Welt an imaginären Feinden im Zuge einer politischen Panik, in der herrschende Stände in wechselnden Allianzen um essentiellen Bestandserhalt militärischer Macht über die ausgebeutete Klasse konkurrieren.

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5 Antworten zu These zur laufenden Phase imperialen Zusammenbruchs

  1. Berengar schreibt:

    Ich weiß nicht, wie es den anderen Lesern geht, aber mir helfen oftmals Blicke in die Historie, wenn es um sowas geht. Die liegt nämlich schon „fertig“ hinter uns und wir blicken auf sie und ihre Resultate wie in eine Petrischale, statt uns in ihr selbst zurechtfinden zu müssen, wie das bei laufenden Entwicklungen der Fall ist.

    Selbstredend ist mir bewußt, daß die Reichweite dieser Vergleiche sehr beschränkt ist und es sich nicht um mehr und was anderes als „Krücken“ handeln kann.

    Lese ich Deine Ausführungen hier, dann kommt mir unweigerlich die spätantike Prätorianerpräfektur weströmischer Bauart vor. Wäre das Deiner Meinung nach eine leidlich sachgerechte Parallele?

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  2. tgarner9 schreibt:

    Und noch eine Bemerkung, angeschlossen an eine Besprechung des Cruise-Missile Angriffes auf Syrien (und Russland!) vom vergangenen Jahr, https://tomgard.blog/2017/04/10/fazit-zum-cruise-missile-angriff-auf-syrien/

    „Das „klassische“ politökonomische Verständnis von Kapitalismus / Imperialismus kennt kein Imperium, weil das eine ständische, militärpolitische Kategorie ist, in der die ökonomische Seite abgetrennt erscheint. Meine Behauptung, um das mal extrem allgemein voraus zu schicken, lautet seit 2011, „Das Imperium“ sei eine Realabstraktion, eine, die den Realabstraktionen der politischen Ökonomie tat-sächlich übergeordnet wurde. Die Bewegungsform dieser Abtrennung habe zwei Quellen, will ich thesenhaft andeuten:

    • „Constant conflict“ (Ralph Peters, in der Vorbereitungsphase zu 9/11, 1999), d.h. der unendliche Krieg der USA „gegen den Rest der Welt“, der die Konkurrenz der Nationen auf dem und um den Weltmarkt in sich aufnimmt.
      In der Formulierung „auf dem und um“ soll ein „Grundwiderspruch“ angedeutet sein, der sich da geltend macht. Die Faktoren der Gestehungsphase kapitalistischer Reproduktion bleiben territorial, die der Verwertungsphase sind es nicht länger, sobald der Weltmarkt vollendet ist, dann bildet diese Phase eine globale Einheit.

    • Die Unterbrechung des Krisenzyklus durch Vermeidung durchgreifender Kapitalvernichtung. Damit hat der Gegenstandpunkt sich in letzter Zeit beschäftigt („Das Finanzkapital“). Diese Unterbrechung führt zu einer ständischen Scheidung zwischen Kapitalen. Diejenigen, die „too big to fail“ sind, werden zu genuin politischen Akteuren auf der Ebene eines „Weltwirtschafs(finanz)systems“, das darüber vom Produkt der Staatenwelt zur eigenständigen Entität mutiert.

    • Bereits ein abgeleiteter Punkt: Durch die o.a. Dynamik nimmt das Gewicht der abstoßenden Momente im gegensätzlichen Verhältnis von Metropolen und Peripherien (bis in kleine Räume hinein) zu Lasten der komplementären Momente zu. Die Konkurrenz der Staaten wird zu einem Überlebenskampf nicht allein für deren sklavische Insassen, auch für einen beträchtlichen Teil der Eliten.

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