Syrien / Irak – Ziocons lassen nicht locker. NATO-Angriff nur aufgeschoben?

Am Abend des 13. März, Stunden nach der öffentlichen Ankündigung des russischen Generalstabschefs Walery Gerassimow, die russischen Streitkräfte würden im Falle einer False-Flag-Operation in Syrien, gefolgt von Luftangriffen auf syrische Armeestellungen, für deren Vorbereitung das russische Oberkommando konkrete Anhaltspunkte und Hinweise habe, die NATO-Trägersysteme angreifen, nötigte Präsident Trump den Chairman of the Joint Chiefs of Staff  General Dunford, für ein Gespräch mit seinem russischen Kollegen zur Verfügung zu stehen. Woher ich das weiß?

Erstens untersteht Dunford dem Verteidigungsminister Mattis, der sich fast jede Woche zu Wort meldet, Anwälten eines US-Angriffes auf Syrien zu widersprechen, nicht direkt. Der CJCS ist kein kommandierender General, sondern Liaison-Offizier in beratender Funktion sowohl gegenüber dem Verteidigungsminister, als dem Präsidenten persönlich. Das gibt ihm den politischen Spielraum, den Dunford, ich habe darüber ausführlich berichtet, den verfügbaren Informationen nach sehr wahrscheinlich dazu genutzt hat, den Staatsstreich Erdogans im Juli 2016 seitens der NATO vorbereiten und absichern zu lassen. Anschließend verzögerte und sabotierte er nach Kräften die Dislozierung von OIR-Einheiten in Rojava, die dem CENTCOM unterstehen, nicht dem NATO-Kommando EUCOM, bis Trumps Oberkommando ihn zum Nachgeben zwang. Dunford ist daher als „Vater“ des laufenden Genozids in Afrin und im Bezirk Aleppo anzusehen. Dunford und der EUCOM Kommandeur Scaparrotti sind nicht mehr nur Rivalen der CENTCOM-Führung unter General Votel , sie sind deren militärische Feinde – wenngleich unterhalb der Schwelle eines Schießkrieges.
Votel wiederum wurde von Mattis in seiner Position gehalten, auch nachdem der General sich im kürzlichen Senats-Hearing nach anfänglichem Zögern und Lavieren klar gegen eine amerikanische Eskalation auf dem syrischen „theater“, für ein nichtmilitärisches Containment „iranischer Subversion“ und sogar den Substanzerhalt des „Iran-Deal“ ausgesprochen hatte.

Zweitens: In der Eigenschaft des Kommandierenden der Operation OIR ist Votel, bzw. sein Verbindungsoffizier Brett McGurk,  der direkte Ansprechpartner der russischen Militärdiplomatie rund um das syrische Schlachtfeld. Gerassimov hat daher zwingend zuerst Votel angesprochen und ist nahezu mit Gewißheit auf Empfehlung Votels mit seiner Drohung an die Öffentlichkeit getreten. Natürlich kann ich nicht vollends ausschließen, daß dies ungewöhnliche Vorgehen Gerassimovs innenpolitische Motive hatte, aber im Normalfall unterläßt die russische Militärführung tunlichst überflüssige Provokationen amerikanischer Kollegen, deren mentale Statur als „verrückte Hunde“, rassistische Massenschlächter und ehrpusselige Hornochsen sie bestens kennt.
Zwei Tage später, und auch das ist sprechend, folgte ein Telephonat zwischen Gerassimov und Scaparrotti. Dies Gespräch verstieß gegen einen NATO-Beschluß vom September 2014, alle militärischen Kontakte zu Russland abzubrechen und nur noch einen politischen „Kanal“ offen zu halten. Man kann diesen Vorgang kaum anders deuten, als daß Scaparrotti den Befehl erhielt, sich von Gerassimov überzeugen zu lassen, daß Eigenmächtigkeiten der EUCOM – Führung dramatische Folgen haben müßten. Scaparrotti könnte zum Zeitpunkt des Gespräches noch in Haifa gewesen sein, zu einem Besuch bei der groß angelegten NATO-IDF Luftabwehrübung.

Wir dürfen also davon ausgehen, daß die russische Warnung ca. eine halbe Minute „vor zwölf“ erging und die Überleitung in einen NATO-Angriff auf Damaskus, vielleicht unter maßgeblich britischer Führung, geplanter Bestandteil der „Operation Skripal“ gewesen ist.

Der langen Vorrede kurzer Sinn:
Jaish al Islam, Nachfolgeorganisation der israelisch-saudischen Haustruppe im Raum Damaskus, die ursprünglich unter dem Kommando des ehemaligen saudischen Geheimdienstchefs Bandar „ben Bush“ Khalifa stand, der aus gutem Grund zusammen mit dem jetzigen operativen UN-Chef Jeffrey Feltman als operativer Chef der Syrienkriegsvorbereitung in den Jahren 2009/10 gilt, weigert sich, zu kapitulieren und sich von Douma nach Idleb ausschiffen zu lassen. Dafür kann es kein anderes Motiv, als ein Versprechen geben, vielleicht gar einen Befehl, auszuharren bis NATO und IAF gegen alle Widerstände die geplante Enthauptung der syrischen Armee- und Staatsführung doch noch durchsetzen.

Dem entspricht auch der Verlauf eines „Expertengesprächs“ am Hudson Intitute in Washington DC. Hauptfigur war Jennifer Cafarella, eine bekannte Sprechpuppe der Ziocons, namentlich der Kagan-Familie, die u.a. über Anne Appelbaum und ihren Ehemann Radoslaw Sikorski enge Beziehungen zu britischen Gesinnungsgenossen, einschließlich hochrangiger Militärs unterhält 1.
Cafarella beschwor eine direkte russisch-iranische Allianz zum Angriff auf US-Truppen in der Levante:

“The US needs to recognize that Syria and Iraq are increasingly theaters where great power conflict is most likely, if not already unfolding.” It is quite possible that Russia will use its “instruments of power to support the Iranians to confront” the US, she explained, emphasizing, “We have thousands of American service men and women at risk in Iraq and Syria.” But, the US has no strategy “to translate their hard-earned gains” and “their sacrifices into an enduring outcome,” she cautioned, before concluding, “That’s just not acceptable American leadership.”


  1. John Helmer hat darüber ausführliche Glossen geschrieben, ich mag das jetzt nicht ‚raussuchen. 
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4 Antworten zu Syrien / Irak – Ziocons lassen nicht locker. NATO-Angriff nur aufgeschoben?

  1. BC schreibt:

    „kein anderes Motiv“ scheint mir voreilig. Es kann auch um besondere Bedingungen gehen.

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    • tgarner9 schreibt:

      Schon recht, BC, aber welche Druckmittel sollen sie noch haben? Außerdem will die SAA noch vorgestern einen LKW mit Munitionsnachschub abgefangen haben.
      Wie dem auch sei, mindestens das Drohszenario läßt kein Stück nach. Das russische Oberkommando hat seine Warnung vor einen Großangriff vor zwei oder drei Tagen wiederholt.

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    • tgarner9 schreibt:

      [editiert, hatte ein entscheidendes „nicht“ ausgelassen]
      Dein Einwand scheint stichhaltig gewesen zu sein: Jaish al Islam wird nach Jarabulus transferiert (lt. SANA), dort müssen sie sich nicht HTS unterordnen oder Ahrar eingliedern, sondern unterstehen direkt einem türkischen Gouverneur.

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  2. Pingback: Kriegsgeheul ist eine beidseitige Farce | Themen & Essays

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