Fall Skripal – die einfachste Erklärung aller relevanten Vorgänge

In der Gerüchteküche schwirrte es schon seit Tagen. Gestern hat sich Maxim A. Suchkov, unter gewissen Vorbehalten, für eine Mitteilung eines Informanten mit FSB-Kontakten verbürgt, die besagt, das konkrete Motiv der Skripal – False – Flag liege in der Gefangennahme zweier Gruppen britischer Special Forces, zusammen mit zwei Israelis und einem amerikanischen Verbindungsoffizier, während der Ghouta- Offensive der SAA. Suchovs Vorbehalt:

Satanovsky statements shld always be taken w/ a grain of salt.Yet given his ties to Rus sec services,he occasionally used for „infoleaks“ meant to signal certain position within Rus „siloviki“ establishment. So even of this isnt entirely accurate it’s worth paying attention to

Suchovs wichtigster Brotgeber dürfte das RIAC sein, Russian International Affairs Council, ein Think Tank, der seine mission so beschreibt:

RIAC operates as a link between the state, scholarly community, business, and civil society in an effort to find foreign policy solutions to complex conflict issues (…) [It aims] to facilitate Russia’s peaceful integration into the global community, partly by organizing greater cooperation between Russian scientific institutions and foreign analytical centers/scholars

Deshalb betrachte ich seine Mitteilung als eine semioffizielle Botschaft.

Nicht enthalten in dieser Botschaft ist ein Zusammenhang der Gefangennahmen mit  „konkreten Anhaltspunkten“ für eine bevorstehende chemische False-Flag in Damaskus, die das russische Kriegsministerium in wiederholten Warnungen offiziell geltend gemacht hat, aber wenn wir sie darin einsetzen, fallen alle bemerkenswerten Details der Skripal-Affäre an Durchgangspunkte eines einfachen Zusammenhanges. Er lautet:

Die britische Regierung nahm alle imperialen Metropolen in Geiselhaft für einen von der syrischen Armee und dem russischen FSB aufgedeckten und vereitelten, britisch geleiteten False-Flag-Angriff in Al Ghouta, der den Vorwand für einen Enthauptungsschlag  gegen Damaskus liefern sollte, den entweder die NATO selbst, oder unter Deckung der NATO die IAF ausführen sollte, je nach den ad.hoc – Kräfteverhältnissen im imperialen Lager 1.

Zumindest für den Moment mag ich mir nicht die Mühe einer Revision meiner bisherigen Darstellung im Lichte dieses Zusammenhanges machen und bringe nur drei Hauptpunkte.

  1. Das bislang größte Rätsel in meinen Augen war der offenkundig improvisierte und chaotische Charakter der britischen Operation. Ich habe das noch nicht zum Thema gemacht, weil ich eine Besprechung der fast stündlich revidierten Mitteilungen aus dem UK über angebliche Details des angeblichen Anschlages aufgeschoben hatte. Einen Eindruck von diesem Chaos liefern die gestern oder vorgestern veröffentlichten Fragen der russischen Botschaft im UK. Dies Rätsel wäre aufgelöst.
  2. Der offenkundige militärische Charakter 2 der Erpressung der britischen EU- und NATO-Partner zur „Solidarität“ findet mit der britischen Führung in der geplanten Attacke eine zwanglosere Erklärung, als mit direkten Drohungen gegen die Partner.
  3. Der geradezu gespenstisch anmutende Auftritt der versammelten westlichen Botschafter in Moskau gegenüber Staatssekretär Vladimir Yermakov und dessen maximal zynische Reaktion auf ihn wird vollständig erklärlich als eine theatralische russische Vorverhandlung gegen die NATO-Feinde, in der alle Beteiligten wissen, daß eine offizielle Anklage ausbleiben wird, weil die RF vermeiden muß, die Lage bis zum Zusammenbruch aller „internationalen Ordnung“ zu eskalieren. 3

  1. Für einen geplanten Einsatz von „Novichok“ in Damaskus spricht die Februar-Offensive des DoS auf „russische Verantwortlichkeit“ für angebliche Chemiewaffeneinsätze in Syrien, aber er wäre selbstredend entbehrlich gewesen. 
  2. Der zeigte sich an der blitzartigen Aufgabe allen Widerstandes in Paris, Berlin und Washington, sowie an der Berufung auf Geheiminformationen für unumstößliche Entscheidungen auf der Ebene der Staatschefs.
    Daß ich – mit meinem Wissen über EAggEC im Hinterkopf – auf direkte militärische Drohungen aus London schloß, erweist sich im neuen Zusammenhang übrigens nicht als Fehlurteil. Solche direkten Angriffe hätten die britischen Alliierten zu gewärtigen gehabt, wäre die imperiale Solidarität für das UK zweifelhaft geworden. Man hätte in London schlicht kaum noch eine andere Wahl gehabt. Ein Lehrstück für den Zusammenhang von politischer Ökonomie und militärischer Gewalt im Imperium
  3. Dieselbe Situation gab es 2014 nach dem Abschuß von MH17 durch NATO-Flieger. Die RF hat noch bessere Mittel, als jeder zivile Dödel, der sich die Beschußspuren an der Maschine anhand hochauflösender Fotos vorlegen konnte, zu beweisen, daß MH17 einem AAM-Angriff zum Opfer fiel. Stattdessen ließ man den Buk-Hersteller Almaz Antey eine maximal alberne Schwarzpulver-Scharade aufführen, welche die NATO-Doktrin unter dem Vorbehalt decken sollte, daß keine russische, sondern eine ukrainische Waffe verwendet worden sei. 
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10 Antworten zu Fall Skripal – die einfachste Erklärung aller relevanten Vorgänge

  1. Klaus-Peter schreibt:

    Lässt sich das denn zeitlich einordnen? Denn schließlich rollte die SAA den Kessel zu Beginn vom eher ländlich geprägten Osten her auf. Wieso sollten gerade dort die Agenten wie ein paar Häschen weiter hocken?
    Andererseits passt dazu wieder, dass Maria Sacharowa an irgendeiner Stelle angeblich meinte eine Überraschung zu enthüllen.

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    • tgarner9 schreibt:

      Der illustre „Satanovsky“ gab „Kafr Batna“ an, ich hab den Ort nicht aufzufinden versucht. Die erste Gruppe soll woanders aufgeflogen sein, hab vergessen, wo. Am 7.3., drei Tage nachdem die Skripals aufgefunden wurden – möglicherweise mit einer Botulismus-Vergiftung, die praktisch genau so auf die cholinergic nervous pathways wirkt, wie Nervengift – wurde „Novichok“ erstmals aufgebracht, am 13. gab es die öffentliche Warnung des russischen DoS, die dann möglicherweise schon ein Gegenkonter gewesen ist. Passt scho‘.

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  2. tgarner9 schreibt:

    I feel uncomfortable about lots of people reading this entry without commenting, asking questions or objecting, because I know, there will be a prevalent misunderstanding, that I propose an assumption or hypotheses about „what really happend“. I do not! What I posit is a phase space argument in a quite technical sense.
    https://en.wikipedia.org/wiki/Phase_space
    I will give an example to illustrate what I mean by that.

    Someone could argue, it could be a „russian propaganda trick“ to invite the public to connect russian warnings about a planned false flag attack in Damascus with the credible information, that british agents were captured in Damascus. (This information is credible, because it had happened before – in Aleppo and elsewhere – without western denials (which could have led Russia or Syria to present the captives).

    This argument would be perfectly valid!
    But you have to mind, why it would be valid. It’s based on the supposition, that relevant parties in the West – including a relevant portion of the public – know and accept the plausibility of a false flag attack as a pretext for a decapitation of the Syrian Army. This plausibility includes knowledge about former false flags of this kind (Al Ghouta 2013, Khan Sheikun 2017, or even MH17, 7/7, 9/11, not to mention all those „small scale“ false flag operations like the Maidan – massacre or the shootings of protesters and police /army alike in Libya and Syria). And it includes knowledge of the antagonism of fractions of the ruling classes in the West whether to stop the war on Syria at the present partition of its territory, or continue it to a complete denationalization (failed state) like in Somalia and Libya. Possibly even knowledge of the antagonism within the zionist camp.

    And there you are! My argument is valid in any case. A russian psyop could only be effective under the supposition, that the UK has the motive and the means to herd the rulers of the other western capitals behind their position in respect to Syria and within NATO. The means would be either the possibility of a british led false flag attack in Damascus or the possibility and the determination of the UK to act militarily against its adversaries in the western camp, especially in Europe, also in respect to „Brexit“.

    Did I make understood, what I mean by „phase space“ (of the empire)?

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  3. urkeramik schreibt:

    erfreut dich „wiedergefunden zu haben, gibt es jetzt nur einen Gruß und eine Buchmarke für deine Seite

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  4. tgarner9 schreibt:

    Die chinesische Regierung gedenkt, vom ökonomischen und militärischen Druck auf Russland zu profitieren
    Der chinesische Kriegsminister Wei, Teilnehmer einer größeren chinesischen Delegation, die zu Konsultationen in Moskau weilt, lieferte eine typische Artigkeit ab, die RT zu Propagandazwecken verbreitete:

    “The Chinese side came to let the Americans know about the close ties between the Russian and Chinese armed forces,” Wei said.

    Doch schon der Rest des RT-Artikels, insbesondere die Betonung, Russland und China hätten jeweils eigene Sträuße mit „dem Westen“ auszufechten, macht klar, daß man in Moskau keine Illusionen hegt.
    https://www.rt.com/news/423042-russia-china-military-ties/

    Wer das genauer evaluieren will, braucht erstmal nur den Artikel der „Global Times“ zu diesem Thema lesen. Die Global Times gilt als Sprachrohr der Staatspartei.
    http://www.globaltimes.cn/content/1096317.shtml
    Die Schlüsselsätze:

    Despite closer Sino-Russian ties, the two countries will not form an alliance, experts said.
    „The premise for forming an alliance is a shared enemy and China does not consider any country an enemy,“ Gao said.

    Ich wollte den Artikel näher beleuchten, aber ich bin im Moment banal zu müde dazu. Morgen wahrscheinlich mehr.

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  5. genau der schreibt:

    Hm, man kann ja sagen, dass man niemanden als Feind betrachtet um Ärger zu vermeiden, sich aus der Schusslinie zu bringen usw., aber ist es denn wirklich so?
    Sie sind doch zum Feind erklärt worden, oder? Reicht das nicht? Prinzipiell würde doch so eine Allianz für beide Sinn haben. Mehr noch, ist sie nicht langfristig unumgänglich?
    Andere Frage. Da heute Porton Down wohl etwas den Schwanz eingezogen hat, stellt sich für mich die Frage, ob das im Zusammenhang mit den oben besprochenen Ereignissen stehen könnte und ob es am Ende tatsächlich so ausgehen könnte wie damals beim Schmidbauer?
    Ich habe mir mal das von dir verlinkte Video des Briefings der Botschafter angesehen und war wirklich beeindruckt mit welcher zynischen Herablassung dieser Typ da seine Leviten gelesen hat.
    Musste mich fragen, was die Russen überhaupt wollen. Das Gute, Weltfrieden, wie man geneigt ist zu glauben, oder doch bloß mit den großen Hunden pinkeln?

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  6. tgarner9 schreibt:

    Hallo …

    “ Da heute Porton Down wohl etwas den Schwanz eingezogen hat …“
    Dazu habe ich vorhin einen Eintrag geschrieben.

    „(China ist) doch zum Feind erklärt worden, oder? Reicht das nicht?“
    Du kannst Fragen stellen!
    In der US-Militärdoktrin figuriert China pi mal Daumen in derselben Kategorie, wie Russland (ich erinnere die genauen Formulierungen nicht), aber für die NATO ist China kein „Feind“.
    Tat-sächlich steht China zum (ehemals amerikanischen) Imperium im Verhältnis eines Konkurrenten, im vollen Gegensatz zu Russland. Russland ist eine Regionalmacht und gebärdet sich auch als solche. Russlands Interessen reichen nicht weiter, als bis zu diesem Status.
    Dem Rest einer halbwegs zureichenden Antwort müßte ein langer Vortrag über Geopolitik voran stehen und das kann ich nicht leisten, tut mir leid. Umgekehrt kann ich das Thema gar nicht fallen lassen, wenn ich weiter bloggen will – also hab „ein bißchen“ Geduld :)

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