Updates und Untermauerungen zur „Novichok“ – Affäre. Nebst Anatomie einer Gefangensetzung.

Tim Hayward hat am 1. April eine Zusammenfassung der Vorgeschichte um das angeblich in Salisbury verwendete Gift veröffentlicht, die auch auf technische Aspekte eingeht, die meine Kenntnisse übersteigen. Soweit ich erkennen kann, ist darin alles enthalten, was ich berichtet hatte.

John Helmer erklärt in der zweiten Hälfte seines langen Blogeintrages  mit zahlreichen Verweisen auf die OPCW-Statuten, wie die Organisation im Umgang mit der Affäre die eigenen Geschäftsgrundlagen abgerissen hat. Die Essenz hatte ich hier notiert. Helmer schließt diesen Teil mit dem Verdict, „[this] turned the Convention into a deadletter„.

Anatomie einer extrajudizialen Gefangennahme

Im ersten Teil berichtet Helmer vom Schicksal eines Ersuchens britischer Anwälte, die am 31.3. unter Berufung auf das britische Habeas Corpus – Recht und die Europäische Menschenrechtskonvention vom NHS-Trust, der das Krankenhaus in Salisbury betreibt, Auskünfte zum juristischen Status der Skripals verlangten, insbesondere ihre Freiheit, mit der Außenwelt zu kommunizieren. Die Anfrage gründete offenkundig im Statement der medizinischen Leiterin des Hospitals, Dr. Christine Blanchard vom 29.3., Julia Skripal sei imstande zu kommunizieren und nicht länger in kritischem Zustand.
Die Antwort wurde unter Berufung auf Vertraulichkeitsrechte der Patienten am 4. April verweigert.

Am selben Tag wurde, wie ihr wißt, einer Frau, die sich als Julia Skripal ausgab, ein Telephon für ein kurzes Gespräch mit ihrer Cousine Viktoria zur Verfügung gestellt. Darin erklärte sie, es gehe ihr gut, sie selbst, wie auch ihr Vater, seien auf dem Weg zu vollständiger Genesung,  und sie erwarte ihre „baldige Entlassung„.
Der Rest des Gespräches, das in westlichen Massenmedien unvollständig übersetzt wurde, war geeignet, Viktoria von einer Reise nach England abzubringen und weitere Klärungen „auf später“ zu verschieben.

Dem Telephonat auf dem Fuße folgte eine von der Anti-Terror Squad der Metropolitan Police fingierte Mitteilung Julias an die Öffentlichkeit, welche die im Telephonat angedeutete Kontaktverweigerung bekräftigte. Sie wurde mit dem Nebensatz motiviert, „that the entire episode is somewhat disorientating„, und die Erwartung baldiger Entlassung aus dem Telephonat fehlte.

Heute meldete sich Christine Blanchard mit folgendem Statement zu Wort:

As Yulia herself says, her strength is growing daily and she can look forward to the day when she is well enough to leave the hospital.
“Any speculation on when that date will be is just that – speculation. In the meantime, Yulia has asked for privacy while she continues to get better – something I’d like to urge the media to respect.

Entgegen der Bestätigung des Heilungsprozesses erklärte sie Julia auf unbestimmte Zeit  für nicht entlassungsfähig und jede Vorhersage, wann eine Änderung dieses Status zu erwarten sei, für spekulativ.

Das britischer Foreign Office reagiert umgehend mit folgender Stellungnahme:

A Foreign Office spokesperson said: „We are very pleased that both Mr Skripal and his daughter Yulia are improving. (…) „The NHS will continue to provide ongoing care for the Skripals, both of whom are likely to have ongoing medical needs.

Zur gleichen Zeit erhielt Viktoria Skripal einen abschlägigen Bescheid auf ihren Visaantrag. Das FO erklärte auf russische Anfrage, das diplomatische Ersuchen um Zugang zur Patientin Skripal sei Julia unterbreitet worden, die sich „noch nicht dazu geäußert“ habe.

Ein Reporter von Sky News fragte Viktoria, ob sie glaube, ihre Cousine „jemals wieder zu sehen„:

 „I do not know how to answer this question. Hope is the last thing that dies.“

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3 Antworten zu Updates und Untermauerungen zur „Novichok“ – Affäre. Nebst Anatomie einer Gefangensetzung.

  1. tgarner9 schreibt:

    Argumente für Lebensmittelvergiftung als Vergiftungsursache der Skripals bei Moonofalabama.

    Mein Kommentar:
    „b,
    your „best explanation … “ label is a little deceptive, as you yourself concede in the last paragraphs of your piece. Food poisoning explains the recovery of the Skripals, the conflicting allegations about means and location of the poisoning and the lies and secrecy about DS Baileys alledged affection by the poson, nothing more.

    The simplest explanation why the British government should have taken food poisoning as an opportunity for a global PsyOp in a manner, that was definitely highly unprofessional and panic-like, is still the repeated Russian warnings of an imminent large-scale chemical False Flag attack in Syria, to which an attack on the government district was to follow, plus numerous reports of the capture of British Special Forces in Ghouta, which were, with due reservations, relayed by Maxim A. Suchkov. Suchkov is not in a position to indulge in levity in such a case.

    On the other hand, Russia would not waste the opportunities of the evidence on Public Relation. The Kremlin would refer it to reasonably selected confidential military and civil contacts within the EU to bolster the rifts within the imperial camp, especially transatlanticists and their opponents in the European Council. Brexit could have become even more detrimental for the UK.“

    Siehe hier.

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    • tgarner9 schreibt:

      PS.: Mir liegt an der Klarstellung, weil die Lebensmittelvergiftung Grundlage eines zwischen Russland und Gegnern der Transatlantiker bedingt geteilten Narrativs werden könnte, das die Eskalation zwischen Russland und NATO auf erhöhtem Niveau vorerst einfriert. Das gäbe ein verstärktes Motiv ab für Folgeoperationen mit „Hexenkralle“ (Novichok) auf dem europäischen Festland oder militärische Provokationen in der Ukraine oder im Baltikum.

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    • tgarner9 schreibt:

      From b |96

      After 12 hours, regardless of severity, victims start to recover gradually and are without any residual symptoms within a few days (Bower et al, 1981, ILO 1984, Halstead 1988).
      This would imply, the Skripals would had recovered, or nearly recovered, when the „nerve agent“ narrative was first brought up on March 7th. It would follow, that either the Porton Down analysis is completely bogus and so would be the OPCW-data to come, or the Skripals, like DS Bailey, were poisoned with a nerve agent by British agents acting as medical staff.
      That renders the food-poisoning story completely irrelevant, exept for the history of premeditation of the false-flag attack.

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