Erdogan in der Rolle der Friedenstaube

Hürrietdaily

Turkey has urged both the United States and Russia to refrain from acts that could further escalate tension over Syria (…)
President Recep Tayyip Erdoğan said he conveyed these messages in phone calls with both U.S. President Donald Trump and Russian President Vladimir Putin (…)

“We have demanded sensitivity to be displayed by all coalition forces, particularly the U.S. and Russia. Current developments show the tension is likely to be easing, but our talks with our counterparts will continue,” Erdoğan told reporters …
Also speaking on April 13, Prime Minister Binali Yıldırım similarly urged international powers to “refrain from further complicating the situation in Syria.”
“The region has long paid grave costs because of civil war and migration. We are advising our friends to refrain from acts that would further complicate things”
“The perpetrators [in Douma] should pay the price. But while doing that there should not be steps that would damage Turkey, Russia and Iran’s efforts for a lasting peace. This is our call to our friends. We are making necessary urgings to this end,” he said.

Das darf man wohl als Ansage nehmen, die NATO-Flieger auf der Basis Incirlik im Falle eines Angriffes auf Syrien festzusetzen (wie ich schon vermutet hatte).

Abermals wird klar, daß die Spekulationen um eine „größer“ dimensionierte Operation der Alliierten, als letztes Jahr beim Angriff auf Al-Schairat, eine PsyOp sind. Drei der verbleibenden Basen für Angriffe auf Syrien hat die russische Luftabwehr fest im Griff: Die USS Donald Cook, die NATO-Basis in Jordanien und die kleinen britischen und amerikanischen Basen in Zypern. Ich bezweifle überdies, daß die Basis in Jordanien zur Verfügung steht. King Playstation wird es nicht an die Glocke hängen, aber er könnte durchaus genügend arabischen Rückhalt haben, um im Falle eines Zuwiderhandelns die Schließung der Basis nicht nur verlangen, sondern auch durchsetzen zu können.

Ich habe eines spezifischen Grund, diese Sache aufzugreifen.
Es ist naturgemäß Kaffeesatzleserei, aber der Fortgang der medialen Kriegseskalation in Paris und London macht „eigentlich“ keinen Sinn. Die Fronten sind klar gestellt. Wie ich schon in voran gegangenen Einträgen andeutete, deuten alle „Zeichen“ darauf hin, daß Macron, May und Mattis einen „Deal“ mit dem Kreml durchsetzen zu können meinen, der eine russische Vergeltung von Angriffen zu Lasten Syriens entfallen ließe, so lange „keinem Russen ein Haar gekrümmt wird“, so, wie das schon letztes Jahr lief. Auch die jüngsten Äußerungen aus dem russischen Außenministerium deuten in diese Richtung.

Doch das könnte eine Täuschung sein. Die Angreifer könnten auf ihre eigenes Narrativ vom „Alleinherrscher Putin“ herein fallen. Ich halte es für sehr möglich – und auch dafür lassen sich Kaffeesätze heran ziehen – daß die russische Armee gegen einen solchen Deal meutern wird.

Die Kehrseite der oben skizzierten taktischen Lage ist nun, daß den russischen Streitkräften außer der USS Donald Cook kein taugliches Vergeltungsziel zur Verfügung steht, und das könnte zu einer Fehleinschätzung der russischen Generäle führen. Ich halte es für ausgemacht, daß im Falle eines alliierten Angriffes die Cook zum Opfer vorgesehen ist. Militärpolitisch würden die Angreifer unter diesem Opfer ihr Ziel erreichen.

Und deshalb weiche ich ein weiteres Mal von meiner Beobachterposition, nachdem ich mit dem Eintrag „Krieg und Frieden“ klar gestellt habe, daß dies grundsätzlich gesprochen ein Fehler ist. Und außerdem werde ich nicht wirklich einen politischen, eher einen ästhetischen Standpunkt beziehen.
Also, liebe russischen Generäle, macht nicht den Fehler, dem Imperium mit der Versenkung der Cook einen Dienst zu erweisen. Falls ihr darauf bestehen wollt, zurück zu schlagen, dann tut etwas wirksames, etwas, das dem alten Imperium ernstlich schadet. Laßt die Besatzung der Cook leben und versenkt stattdessen trocken die ganze Truman Strike Group. Ja, ich weiß, das geht nur nuklear, aber es wäre kein Territorium und kein Zivilist betroffen. Das Imperium würde sein militärpolitisches Ziel ebenso erreichen, wie im Falle einer Versenkung der Cook, aber der Preis wäre zählbar für die Kampfkraft der NATO in der gesamten „Area“ des CENTCOM und AFRICOM.

Warum ich das „ästhetisch“ nenne?
Also bitte. Andernfalls ginge nach dem Scharmützel die gesamte Scheiße nach denselben Mustern und Drehbüchern von vorn los. Wollt ihr ewig auf einer Möbius-Schleife leben?
Ich nicht. Ich habe das satt.

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Eine Antwort zu Erdogan in der Rolle der Friedenstaube

  1. Berengar schreibt:

    Ein Angriff auf die CSG hätte einen unmittelbaren Effekt auf die BRD, weil die F-221 „Hessen““ mitschippert.

    Es ist ohnehin schon nicht absehbar, was die deutschen Matrosen da machen werden, wenn der Verband zu offensiven Operationen schreiten sollte, während das deutsche Flottenkommando jede Angriffshandlung untersagt. Nicht auszudenken, was mit der deutschen „Null-Lösung“ los wäre, wenn der Pott versenkt würde …

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