Hexenkralle (Novichok) – Abschluß mit einer alle Lügen und Täuschungen umfassenden Geheimhaltung

Ein update im 4. Kommentar ist für die Sachlage irrelevant, kann aber im Rahmen von Debatten von Interesse sein.


OPCW-Bericht mit Sicherheitsnetz und doppeltem Boden

Wie ich berichtete, wurden alle relevanten und aussagekräftigen Untersuchungsergebnisse des Technischen Sekretariats der OPCW in der „Skripal-Affäre“ in einen geheimen Anhang verschoben, von dem es hieß, er sei den Mitgliedsstaaten zugänglich, einschließlich Russland. Wenn ein Diplomat oder Wissenschaftler aus diesem Anhang zitierte, sich auf konkrete Angaben und Daten aus ihm bezöge, konstituierte das einen Verstoß gegen die OPCW-Statuten, wie Vassily Nebenzia in seiner Rede in der UN-Sicherheitsratssitzung ausdrücklich bestätigte.

Der russische OPCW-Botschafter Alexander Shulgin beging diesen Verstoß in seiner gestrigen Pressekonferenz, indem er enthüllte, daß die Behauptung der OPCW und des britischen Außenministeriums, der geheime Teil des Berichtes sei Mitgliedsstaaten zugänglich, ebenfalls gelogen war:

The report presented by the Technical Secretariat concerning the British specialists’ findings poses a number of questions and calls for additional detailed examination, including by the British side. Any specialist would understand that the final conclusions can be made only having before your eyes the materials of the chemical and spectral analysis of the mentioned samples. And the Technical Secretariat has passed these materials only to London.

Shulgin sagte es nicht, aber aus seiner Mitteilung folgt zwingend, daß mit diesen Daten auch die Angaben zur Chain of Custody der Proben exklusiv geheim bleiben. Das klassische Muster des Inquisitionsprozesses.

Nebenzia nahm kein Blatt mehr vor den Mund

Er klagte das UK der Entführung und der Folter („psychische Beeinflussung“) Julia Skripals und des terroristischen Anschlages mit schwerer Körperverletzung in mindestens einem Fall an. Letzteres unter Berufung auf einen Schluß aus den Daten, die ihm vorlägen, der nahezu zwingend ist: Mindestens einer der betroffenen Personen (gemeint ist offenkundig Sergei Skripal) sei kurz vor der Blutentnahme durch die OPCW eine Dosis A-234 frisch injiziert worden. Die Alternative wäre eine Verfälschung der Blutprobe durch OPCW-Personal.

Im politischen Teil der Rede betonte Nebenzia, daß die britische False-Flag auf das Verhältnis der EU zu Russland zielt und offenbar beabsichtige, schädliche Folgen des „Brexit“ für das UK abzuwenden. Er versäumte, auf die konkreten Ergebnisse hinzuweisen: Brexit wurde über den formellen Austritt hinaus um 9 Monate bis zum Dezember 2019 vertagt, „North Stream 2“ erneut fraglich gestellt.
Die Hauptwirkung aber besteht darin, daß Deutschland und Frankreich nebst ihren Alliierten in der EU auf die von den Briten vertretene NATO-Linie festgelegt wurden, wodurch das UK seinen Einfluß auf die baltischen Staaten, Polen und andere Visegrad-Staaten, sowie die skandinavischen EU-Mitglieder wenigstens teilweise zurück gewann, der mit Blick auf den bevorstehenden Brexit langsam aber sicher verloren ging.

Am 14 Juni 2016, einen Tag nach dem Brexit – Referendum, kommentierte ich auf Telepolis, sinngemäß: „Das ist ein Casus Belli, der nicht zu umgehen ist. Es wird keinen Brexit geben„.

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5 Antworten zu Hexenkralle (Novichok) – Abschluß mit einer alle Lügen und Täuschungen umfassenden Geheimhaltung

  1. tgarner9 schreibt:

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  2. Berengar schreibt:

    Der Brexit-Exit jedenfalls hat mit dem Vote der Lords richtig Fahrt aufgenommen.

    [Ich erlaube mir an dieser Stelle den schamlosen Promotionhinweis, daß das Nadelöhr genau das war, das ich hier vor einigen Tagen benannt habe (irische (Zoll-)Grenze). ;-)]

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    • tgarner9 schreibt:

      Ich hab mich 2017 aus dem diplomatischen Krieg um Brexit zurück gezogen und du wirst besser informiert sein, als ich. Doch zur Vorgeschichte will ich etwas sagen.

      2016 und bis in 2017 hinein war es für die britische Seite „selbstverständlich“ daß das UK nicht nur in der Zollunion zu bleiben, sondern innerhalb ihrer noch einen Haufen Sonderkonditionen zu beanspruchen habe. Dem begegneten Junckers, Merkel und Hollande mit harschen Gegenforderungen, die mit der britischen Absage an die Zollunion beantwortet wurden. Aufgrund von bei FT und Bloomberg erschienenen Abschätzungen der katastrophalen Folgen – das UK werde vollends zum Dollar-Subsidium – hielt ich das für eine Finte, die anzeigt, die Führung von Labour und Tories verschworen sich gegen Teile ihrer populären und administrativen Basis mit dem Ziel, einen Brexit „unmöglich“ zu machen. Dieser Plan scheint mir nun in Zusammenarbeit mit Frankreich umgesetzt zu werden.

      Die Skripal-False-Flag war offenkundig improvisiert. Den wahrscheinlichen Grund – ein aufgedeckter britischer Plan für eine große False-Flag in Ghouta und die Gefangennahme maßgeblicher Akteure – habe ich dokumentiert. Gleichwohl ist festzuhalten, das „Novichok-Narrativ“ lag fertig vor. Der improvisierte Charakter der Operation kommt just darin zum Ausdruck, daß zwischen Durchführung und Narrativ eine unüberbrückbare „Lücke“ entstand.
      Deshalb vermute ich stark, das „Novichok“ – Narrativ ist für einen Einsatz auf dem Kontinent vorbereitet worden, um ggf. gegen entschiedene Widerstände in Berlin und Paris gegen eine Abwicklung des Brexit eingesetzt zu werden.

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  3. tgarner9 schreibt:

    Update zu Hexenkralle – for the record, denn es ist nicht für die Sache, sondern für den Fortgang der Debatten von Belang.
    Referenz: Die Pressekonferenz von Sacharova, die weitere Details aus dem geheimen Teil des OPCW-Berichts leakte.

    1) Die Behauptung der Schweizer NZZ und des Vorsitzenden der OPCW, es sei „reguläre Praxis“, den Labors Blindproben mit zugesetzten Substanzen zu liefern, ist eine Lüge. Dies Verfahren sei „aufgrund der außergewöhnlcihen Sensitivität“ des Falles Skripal gewählt worden, hieß es, lt. Sacharova, auf der vertraulichen OPCW Sitzung. Nicht nur eine Probe für SPIEZ, sondern auch eine für ein niederländisches Laboratorium sei mit BZ verunreinigt worden.
    Nebenbemerkung: Zu den Sachen, die mich vom Hocker hauen, gehört, daß auf TP und anderswo jede Menge NATO-Trolle mit der angeblichen „BZ-Lüge“ unterwegs waren und niemand, soweit ich gesehen habe, wirklich niemand kam auf den Gedanken, daß sowohl die russische OPCW-Bürokratie wie das Labor SPIEZ vom Doppelblindverfahren gewußt hätten, wäre es ein „gewöhnliches“ Verfahren zur „Sicherung der Standards“, wie behauptet worden ist. Die Leutz werden unter dem Druck der Inquisition dumm, wie Bohnenstroh.

    2) Der Auftrag, den die britische Regierung der OPCW und ihren angeschlossenen Laboren im Rahmen der „technical assistance“ erteilt hat, war ausdrücklich begrenzt auf eine Gegenkontrolle des Porton Down-Ergebnisses, also auf die Feststellung, ob Hexenkralle in den Proben auffindbar sei, oder nicht. Andere Blutverunreinigungen hatten sie zu ignorieren. Damit bleiben nicht nur andere Intoxikationen unter dem „Radar“ der OPCW-Untersuchung, sondern die OPCW entlarvt das angebliche „Blindverfahren“ selbst als eine (offenherzige!) Notlüge.

    3) Sacharova bestätigt: Chains of Custody fehlen im vertraulichen Teil des OPCW-Bericht. Ob eine mit „Julia Skripal“ gezeichnete Probe von dieser Person stamme, oder nicht, sei nicht nachvollziehbar.

    4) In dieser Probe fand sich „Hexenkralle“ in der Reinform, d.h. nicht metabolisiert. Unter der Annahme, die Blutprobe stamme tatsächlich von Julia, und der Zusatzannahme, Julia lebe noch und die von Scotland Yard veröffentlichten „Botschaften“ von ihr seien in Hinsicht auf ihren Gesundheitszustand korrekt, bewiese sie, daß die OPCW-Inspekteure die Probe eigenhändig manipuliert haben.

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