Zu Gerüchten um eine zionistische Offensive an der Südfront

Update

Maria Sacharova hatte die „anonymen Quellen“ bereits am 19. in ihrer Pressekonferenz offizialisiert. https://twitter.com/AbuJamajem/status/988311920649359360 . Ich denke jedoch nicht, daß ich deshalb Abstriche von meiner Einschätzung zu machen habe. Die Übersetzung ist in der Hauptsache wortgleich zu den Sputnik-Artikeln, es fehlt nur das blame-game Richtung UK und KSA. Stattdessen betont Sacharova, die US-Bevollmächtigten im jordanischen MOC verstießen unentwegt – also seit langer Zeit – gegen das MoU um die südliche Deeskalationszone, kündigt jedoch keine Gegenmaßnahmen an, auch nicht auf diplomatischer Ebene. Der Kreml wartet die Eskalation, die er kommen sieht, einfach ab.


So weit ich sehen kann haben sie zwei Quellen, Sputnik (1,2) und AP.
AP spricht – „natürlich“, muß man denken – von einer bevor stehenden syrischen Offensive zu deren Abwehr moderate Rebellen Vorkehrungen treffen.
Aber auch die Sputnik-Artikel sind leicht als Propaganda bzw. Psy-Operationen zu erkennen!

Vordergründig erkennt man das im Vergleich mit einem deutschsprachigen Artikel gleichen Themas. Während die englische Version eine britische Führung der angeblich bevor stehenden Offensive nahe legt, akzentuiert die deutsche Version die Rolle der „Joden“ – die in der englischen Fassung low key ist – und bringt auf ziemlich absurde Weise zusätzlich die Saudis ins Spiel. Warum absurd? Ey, ich kann nicht alles durchkauen …
Weniger vordergründig wird die PsyOp an der konkreten Rolle kenntlich, welche die regierenden Zionisten in einer solchen Offensive haben müßten, nachdem eine direkte Deckung und Beteiligung des Pentagon seit Mitte letzten Jahres fehlt. Das machte eine geplante / vorbereitete Südfront-Offensive zum hoch vertraulichen Thema des israelisch-russischen Deconflicting-Room, aus dem nie zuvor irgendwas „geleakt“ worden ist. Falls dieses Deconflicting schlecht oder gar nicht liefe, gäbe es eine offizielle Warnung mit Namen und Adresse, keine „anonymen offiziellen Quellen“, etwas, das für die russische Propaganda ohnehin untypisch ist. Was ist da also los?

Ich kann den AP-Bericht insofern bestätigen, als es schon vor mehr als 6 Wochen, noch vor der Skripal-False-Flag, vollmundige Ankündigungen auf Seiten syrischer Nationalisten, Faschisten und shiitischer Militaristen gab, nach Ghouta, Douma und Yarmouk sei der Bezirk Daraa „dran“. Der angekündigte „Kampf gegen IS und Al Nusra“ in der Provinz ist vor dem Hintergrund der zwischen Trump und Putin vereinbarten „Deeskalationszone“ ein durchsichtiger Vorwand. In dieser Vereinbarung waren mit Ausnahme der Murat-Brigade alle zionistischen Jihadis, wie immer ihr „islamistischer“ Name, zu „Moderaten“ ernannt, ich habe ausführlich darüber berichtet. Es ging und geht also darum, daß die patriotische Front in Syrien und ihre militanten Speerspitzen sich der Aufteilung Syriens spezifisch an der Südfront widersetzen, gegen den Kreml.

Dafür haben sie gute Gründe, wie der AP-Artikel zumindest in einem Punkt andeutet. Der freie Zugang zu jordanischen Grenze ist von vitaler Bedeutung für Rumpf-Syrien, nicht nur des bilateralen, viel mehr des internationalen Handels wegen, über den  Handelsweg zwischen dem Roten Meer, Ägypten und der Türkei. Geriete dieser Weg unter israelische Kontrolle, hielten die regierenden Zionisten ein machtvolles Erpressungsinstrument gegen Damaskus in den Händen.

Die „radikalen“ und „gemäßigten“ Zionisten sind sich überdies in einem strategischen Punkt einig. Sie wollen im Syrienkrieg ein für alle Mal alle syrischen Titel auf den annektierten Golan beseitigen, und das geht, im Vordergrund der ewigen Konkurrenz imperialer Metropolen um Titel im „Nahost-Konflikt“, genau auf eine Weise. Sie müssen die faktische Kontrolle über den gesamten Golan und sein Vorland erreichen, dann liegt der annektierte Teil dauerhaft im „Windschatten“ künftiger Querellen.

Und damit haben wir den wahrscheinlichen Grund für die russische PsyOp.  Der Kreml will im Minimum den Status Quo der Vereinbarung mit Trump erhalten, der darin besteht, daß Restsyrien formell über einen Zugang zur jordanischen Grenze über Daraa verfügt, den es in absehbarer Zeit aber nicht nutzen können wird. Der Kreml teilt mit, daß er eine syrische Offensive um Daraa nicht decken wird und nimmt in Kauf, die Radikalen der NATO, der Ziocons und der regierenden Zionisten mit dieser Haltung zu einer Offensive zu ermutigen.

Eine Variante, die Kuh halbdiplomatisch vom Eis zu bringen, wäre ein Scharmützel, das die syrischen Truppen in Daraa schwer dezimiert, wonach Trump, Putin und King Playstation eine Initiative „zur Rettung Jordaniens“ auflegen, gegen die Netanayhu sich schlecht sträuben kann. Neben einem symbolisch verbleibenden syrischen Kontingent (*) könnten russische Militärpolizei und jordanische Truppen in Daraa einrücken, um nach „Astana-Vorbild“ die israelische Eroberung der Provinzen Qneitra und Daraa abzusichern. So, in etwa, denkt – oder erträumt – man sich das im Kreml. Denke ich.

(*) Die Provinz Daraa ist zahrzehntelang eine Hochburg der Muslimbrüder gewesen, die der Vorgänger von King Playstation mit feinen wie unfeinen Mitteln aus Jordanien heraus ekelte, wohin sie nach massenweiser Abschlachtung durch ägyptische Truppen geflüchtet waren. Deshalb hatte die damaszener Administration der Provinz vor dem Krieg in der Tat den Charakter einer „Besatzungsmacht“ – wenngleich nicht ganz freiwillig.

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5 Antworten zu Zu Gerüchten um eine zionistische Offensive an der Südfront

  1. tgarner9 schreibt:

    Die syrische Armee scheint die Botschaft verstanden zu haben:
    https://www.almasdarnews.com/article/syrian-armys-elite-division-likely-to-deploy-to-southwest-idlib-for-offensive-source/

    PS: Auch Debka wiegelte ab:

    Syrian tank force launches Qalamoun offensive
    Apr 19, 2018 @ 10:54
    The Syrian army’s main tank unit Thursday began a major attack to root rebels out of eastern Qalamoun, a mountain region northeast of Damascus between the capital and Palmyra. Their first target is Batra Mountain near Nassiriya, the stronghold of the jihadist Jaysh Tahrir Al-Sham (formerly Nusra Front), which is the most powerful insurgent fighting force.

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  2. Klaus-Peter schreibt:

    Kennste vielleicht schon. Ich kippe es dennoch ab..

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  3. Sheeple schreibt:

    Öhm könnte auch einfach sein dass die SAA sich erst den leichten Brocken zu wendet bevor sie an die harten, schwer zu schluckenden geht. Die Südfront ist nunmal IL und die SAA immer noch weit davon entfernt ein nennenswerter Gegner für die IL zu sein. Das kann durchaus auch noch Jahre dauern bis die SAA das auch nur in der Theorie in Angriff nimmt. Schließlich sind die Golanhöhen auch noch IL besetzt und Syrien hat da auch seit Jahren nicht unternommen.
    Was aber sein kann ist das Russland endlich einsieht das schwache Verbündete nur ein Fass ohne Boden sind und fängt nun an entgegen den zionistischen Wünschen die SAA weiter als bisher aufzupäppeln. Die S300 Drohung hat ja auch allein schon beim Aussprechen massives Jaulen auf Israelischer Seite ausgelöst. Das man dies leise tut und ohne es an die große Glocke zu hängen wäre von Vorteil besonders im Hinblick auf IL und dir Türkei. Wenn dies richtig veranstaltet wird hat IL plötzlich die Hisbollah UND die SAA an der Backe. Zuviel Probleme für Tel Aviv. Es könnte ebvenfalls sein das Russland via SAA die Hisbollah pusht was im Endeffekt dazu führen kann das die SAA soviel Druck auf andere Bereiche der Front ausüben kann das dort von selbst Bewegung reinkommt. Hisbollah tankt Israel, so das diese nicht ernthaft reingehen und die SAA erzeugt Druck woanders, Dei Ez Zor, Al Tanf, Al-Bab, wo auch immer bis dort was passiert. Dann wird mit Russischer Hilfe die Ecke aufgeräumt und sich wieder eingegraben. Das ganze Spiel kann solange gehen bis am Ende nur noch Südsyrien übrigbleibt und die SAA alle ihre dann schon massiv restaurierten und ausgebildeten Kräfte dort massiert und plötzlich einen gleichwertigen Gegner für Israel darstellt.

    Mit wachsendem Ausbau der Luftverteidigung kann in Zukunft auch ein Dei Ez Zor massaker wie damals in Zukunft unterbunden werden und die GIs werden plötzlich selbst am Boden kämpfen müssen was deren Schlagkraft signifikant reduziert. Was wahrschinlihc nicht passieren wird, weil Frankreich da mitlerweile mitmischt. Das ist aber nur zum Vorteil der SAA, da Frankreich, bis auf die Fremdenlegion, nicht dieselbe Qualität hat wie die US Marines.

    Wie ich schon mehrfach überall sagte es geht jetzt in eine zähe Phase über die mehrere Jahre dauert aber ich glaube immer noch nicht an eine Teilung Syriens als ENDERGEBNISS. ZUR ZEIT ist eine Teilung Fakt. Aber die Chaosvögel können daraus kaum vernünftiges Kapital schlagen, weil eine Ausbeutung des syrischen Öls in einem profitabelem Rahmen eine Sichere Situation am Boden erfordert. Deswegen ist die defakto Teilung wertlos im geopolitischen Sinne.

    Die Golanhöhen waren auch erst de fakto endergebniss seit die UN es als solches anerkannt hat. Dass dies nochmal passiert halte ich für fast völlig ausgeschlossen. Keiner lässst sich mehr von den USA rumschubsen, von Israel schon gar nicht mehr. Und Europa ist im Vergleich dazu ein Zwerg ohne Stimme. Also ich sehe auch auf polititsche Ebene keine Möglichkeit das sich die derzeitige Situation verfestigt und damit als das von dir prohezeite Endergebniss darstellt.

    Den wie immer gesagt Russland kann sich das nicht erlauben. Gerade die dreistigkeit mit der Macron es neulich formuliert hat macht deutlich das Russland in jedem Fall auf eine vollständige Rückeroberung bestehen MUSS oder es kann seine Basen gleich ganz dicht machen. Das sich Russland dessen bewußt ist macht die plötzliche Rücktritt in Armenien deutlich. Ich finde dazu noch nichts aber es ist sehr stark anzunehmen das Russland dort interveniert hat um die Situation in B-K unter kontrolle zu halten.
    AFG sollten man angesichts dessen auch im Blickbehalten. Die Taliban scheinen keine Mushahedin nachfolger zu sein oder haben den CIA ausgeladen. Weswegen nun der IS dort seine Zweitverwendung findet. wie erfolgreich werden wir sehen.

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  4. Sheeple schreibt:

    Und hier nochmal ne andere Zusammenfassung der US Pläne KSA nach Syrien zu schicken damit die USA sich zurückziehen können:

    https://www.strategic-culture.org/news/2018/04/25/idea-replacing-us-contingent-syria-with-saudi-troops-doomed-failure.html

    https://www.reuters.com/article/us-mideast-crisis-syria-saudi/saudi-arabia-says-open-to-sending-troops-to-syria-under-wider-coalition-idUSKBN1HO2DD?il=0

    Verbunden mit den bereits vorhandenen Französischen Truppen eine sich eröffnende Möglichkeit für die SAA das Gebiet wiederzuholen. Wenn du Kurden dann anfangen endlich vernunft anzunehmen und sich zu einem Deal mit Damaskus bereit erklären wäre allen berechtigten dort geholfen.
    Interesant der Aspekt das man hier Truppen nimmt die bekannt dafür sind nicht wirklich kämpfen zu können. Und das die USA so offen sagt das sie da raus wollen. Gesichtswahrender geht es wohl kaum und wenn die Amis erstmal raus sind…tjo bleibt Israel alleine im Süden…und hat die SAA UND Hisbollah an den Backen.

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    • tgarner9 schreibt:

      Sheeple, für die Monologe auf diesem Blog bin ich zuständig und ich dulde fortan nicht länger ’nen zweiten Monologstrang im Stile der Wehrmachtsberichterstattung Anno ’43.

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