Hexenkralle (Affäre Skripal) und MH17

Zu den Sachverhalten gibt es nichts Neues mitzuteilen. Einem Teil meiner Leser zuliebe kommentiere ich dennoch die jüngsten Nach-Richten.

Die mediale Präsentation Julia Skipals

… hat Craig Murray hinreichend kommentiert. Die Abschnitte, die dem ersten Video folgen, könnt ihr ignorieren. Murray demonstriert dort den Tunnelblick des abgehalfterten britischen Staatsbeamten, der, ein „wohlverstandenes“ nationales Interesse im Blick, die imperiale Dimension der Affäre – denkt nur an die Einbeziehung von NATO und UN in den Inquisitionsprozess – zur Randbedingung herab setzt.

„Inquisitionsprozess“? Die Präsentation Julias zeigt einen Teil der Identität und Differenz zur historischen Inquisition.
Die Identität: Julia hat offenkundig, gleich der Hexe, ein Opfer des Satans vorzustellen, dessen sich die Inquisition schützend wie henkend annimmt. Sie ist unzweideutig Gefangene, Gerichtsgefangene. Zu erkennen ist es an der Selbstreferentialität der Präsentation, der sie ihren Leib herzugeben hat: Sie teilt nichts mit, was nicht schon bekannt gemacht worden wäre.  Sprechend ist Julias Auftritt in dem, was sie nicht zu sagen vermochte. Craig hat es aufgezählt, ließ aber den Punkt aus, daß Julia keinerlei Erinnerung daran erkennen ließ, was vor ihrer Behandlung im Hospital geschehen ist. Wenn das so ist, wenn sie keine hat, warum und wozu hält man sie incommunicado?
Dort liegt der Übergang zur Differenz. Die historische Hexe wurde als unter Folter gebrochenes Opfer der Inquisition vorgestellt. Die Inquisition verlangte das Opfer des Satans für sich ein. Das entfällt hier, die neue Inquisition präsentiert ihre Unschuld mit Julias Leib. Bäume wiegen sich, Vöglein zwitschern May’s, Macrons, Merkels, Stoltenbergs richterliche Unschuld. Die Präsentation gibt nichts anderes her, als dies, wenn sie rezipiert wird, wie sie soll. Julia leibt und zeigt keine andere Wunde, als die der selbstverständlich heilenden Invasion in ihre Luftröhre …

MH17

Nichts, was nicht schon bekannt gemacht worden wäre – diese Charakteristik zeichnet auch die Präsentation des JIT aus. Doch der Gegenstand rückt einen Effekt der Vorstellung in den Vordergrund, der im Falle Skripal untergründig bleibt: Auslöschung der Erinnerungen an die Fülle der unwägbaren Spekulationen, auf denen die aktuellen Mitteilungen gründen. Dazu dient in erster Linie die erstmals großformatige Präsentation von Projektilfragmenten, die den Ermittlungen vor zwei Jahren untergeschoben wurden. Ihre Herkunft ist undokumentiert, daher sind sie unter (noch) gültiger holländischer Jurisdiktion nicht gerichtsverwertbar, brauchbar allenfalls als Lockmittel für Zeugen der Inquisition, die sich trotz jahrelanger Bemühungen nicht zur Verfügung stellen wollten.

In diesen Blog habe ich meine Arbeiten zu MH17 nicht eingestellt und gedenke das in absehbarer Zukunft nicht zu tun. Meine Empfehlung an Leute, die sich (erstmals) mit der Sache befassen wollen: Studiert die zahlreichen hochauflösenden Bilder von den Trümmerteilen, die es im Netz noch geben dürfte. Ihr findet auch schematische Zusammensetzungen der Trümmer zum Rumpf, die erlauben, die Trajektorien der Projektile abzuschätzen, von denen die Maschine getroffen wurde. Das Ergebnis sollte nach meinem Urteil eine uneingeschränkte Zurückweisung der Buk-Theorie sein. MH17 wurde von mindestens zwei, möglicherweise drei Air to Air Missiles getroffen.

Eine Neuigkeit gibt es allerdings. Sputnik und RT zufolge hat die russische Regierung die Einwände gegen die Buk-Version fallen lassen, unter denen sie diese in der Vergangenheit vorbehaltlich zu decken versprochen hat – vorbehaltlich einer Belastung der Ukraine mit einem Manöverunfall.
Decken? Selbstverständlich. Die RF hat kein Interesse daran, den NATO-Krieg gegen sie mit der Beschuldigung zu füttern, NATO-Piloten – stark in Betracht kommen Polen, Rumänen oder F22 – Flieger von der Luftwaffenbasis Ramstein – hätten MH17 vorsätzlich abgeschossen, um den Bruch zwischen EU und Russland zu besiegeln.

Einen deutlichen Ausdruck bekam die vieldeutige russische Stützung der Buk-Version in einer Simulation von Almaz-Antey, der Herstellerfirma der Buk-Projektile.

Sie sollte die Buk-Version unter dem Vorbehalt decken, daß kein (modernes) russisches, sondern ein älteres ukrainisches Modell in Frage komme. Doch das Schadbild zeigt hinlänglich, MH17 wurde mit einem (oder wenigen) wesentlich kleineren Projektilen abgeschossen. Und das, obwohl Almaz Antey das ausgemusterte Projektil offensichtlich nicht mit (mindestens) 30kg originalem Hochenergie-Sprengstoff befüllt hat, sondern mit etwas, das nicht arg viel wirksamer, als Schwarzpulver gewesen ist. Vergleicht die Explosion beispielsweise mit Videos von Hellfire-Treffern.

Ich bin versucht, noch ein paar zusätzliche Ratschläge anzufügen, doch ich widerstehe.  Wer Fragen stellen will, mag das tun.

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4 Antworten zu Hexenkralle (Affäre Skripal) und MH17

  1. Berengar schreibt:

    Ja, ich habe eine Frage. Die kommt zwar aus der selben „Himmelsrichtung“, hat aber möglicherweise nur indirekt mit dem zu tun, was Du hier vorgestellt hast:

    Warum fühlt sich denn auf einmal ein erheblicher Teil ihrer „Bundesgenossen“ dazu bemüßigt,der Bundesrepublik ihre angebliche oder tatsächliche Unterausstattung mit Militärgerät unter die Nase zu reiben und sich daran zu stören, daß das deutsche Budget nach wie vor weit hinter den diesbezüglichen Erwartungen zurückbleibt und viel zu wenig für Tod und Verderben und viel zu viel für Quality of Life-Zeug wie Schulen, Krankenpflege und Breitbandausbau spendiert?

    Jetzt mal abgesehen davon, daß eine größer dimensionierte Aufforstung der Bundeswehr „politische“ Mätzchen beim Umsetzen machen dürfte (da müßte schon eine größere „Trachtengruppe“ mal was steigen lassen, um die öffentliche Meinung zu ändern): Bislang war ich der Ansicht, das habe in erster Linie ökonomische Ziele, die was mit der Verteilung des notorischen deutschen Überschusses zu tun haben.

    Aber könnte es sein, daß tatsächliche militärpolitische Gründe dahinterstecken?

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