Das Imperiumszentrum wabert über Leichen – Vorbereitung zum Blick auf aktuelle Kriegsszenarien

Solchen Oszillationen 1 gilt, genau genommen, meine Schreiberei seit 2010. Es gibt eine einstufige Verbindung mit dem, was ich in den letzten zwei Einträgen aufzufalten begonnen habe. Das „Ding plus Nicht-Ding„, von dem ich dort in dessen (!) theoretischer Gestalt sprach, nannte ich bislang  Realabstraktion. 

Das Ding, das ich unter Weltmarkt verstehe, ist eine praktische Realabstraktion. Bemerken – im Unterschied zu verstehen – könnt ihr das daran, daß die militärischen bzw. militärpolitischen Akteure, wann immer sie sich auf „Weltmarkt“ als eine theoretische Größe berufen, ihm entweder Schranken setzen – das hat aktuell Konjunktur – oder sich daran machen, ihm angebliche Schranken zu nehmen.  Berufen sie sich auf das Ding als eine praktischen Größe, stellen sie sich zu ihm als einem unvollkommenen Ding, dessen Defizite Forderungen an sie stelle, denen sie mit dem Ziel nachzukommen versprechen, er möge werden, was er sein solle bzw. – eine populärere  Ausdrucksweise – werden, was er eigentlich, seinem Potential nach sei.
Ich habe jetzt von den führenden Akteuren des Imperiums gesprochen, woraus ich hier vorerst unzureichend ableite, auch das Imperium sei solch ein Trumm, eine Realabstraktion. Eine beschreibende Annäherung an diese Erweiterung findet ihr im Eintrag Grundsätzliches zu Geschäft und Gewalt. Eine weitere habe ich vom ursprünglichen Ort entfernt:

 … beginne ich mit einer Erinnerung an die „antideutschen“ Theoreme vom „Deutschen Sonderweg“ des Kapitalismus / Imperialismus, der entstanden sei, weil Deutschland „die zu spät gekommene Nation“ unter den Großmächten gewesen sei. Der deutsche Faschismus sei ein Rückgriff auf „vorbürgerliche Barbarei“ gewesen, der an die Stelle der bürgerlichen Revolution getreten sei, um Deutschland einen Platz an der Sonne unter den imperialistischen Führungsmächten zu sichern – so ungefähr ging das Theorem.

Das ist Blödsinn, aber es ist nicht ausschließlich Blödsinn. Der deutsche Faschismus enthielt in der Tat das Moment, Elemente einer bürgerlichen Revolution durchzusetzen, die unter der militaristischen Junkerherrschaft und im Zuge des sozialdemokratisch-protofaschistischen Bündnisses zur Vernichtung der Kommunisten in der Nachkriegszeit entfallen waren, und es gab einen „deutschen Sonderweg“, der allerdings mehr mit der bolschewistischen Revolution in Russland zu tun hatte, als mit den Motiven, die von den Antideutschen aufgenommen wurden.
Der Blödsinn liegt in der Hauptsache in einem falschen Subjekt – Kapitalismus. Damit meine ich jetzt nicht den Punkt, daß Kapitalismus ein „unechtes“ Subjekt ist, daß die Subjekte Elementen der Herrschaft des Kapitalverhältnisses Natureigenschaften zuschreiben und ihm damit eine „Gesetzlichkeit“ über ihnen verschaffen, sondern den Umstand, daß auf der Grundlage dieser Zuschreibungen Imperialismus ein  anderes   „Subjekt“, ein anderes Ding ist, als Kapitalismus. Imperialismus ist die Weise, wie der „Marschallstab“ des Weltmarktes, das jedes Kapital als eine Erscheinungsform des  Klassenverhältnisses, das als Kapitalverhältnis auftritt,  „im Tornister“ hat und das Territorium des Globus erobert. Das geschieht, wie in den territorialen Schranken eines staatlichen Souveräns auch, vermittels der Subjekte – hier sind das die Souveräne, nicht die Klassenangehörigen – gleichsam durch sie hindurch.

Die Art und Weise der Durchsetzung des Weltmarktes erhält durch diesen Vorgang eine emergente Form, soll heißen, die territorialen Sonderformen seiner Durchsetzung vermittels der nationalen Souveräne haben ein imaginäres Zentrum, von dem die Bewegung ausgeht. Dies Zentrum ist selbstredend nicht rein imaginär, es hat Orte  – die Orte, wo die Avantgarde der globalen Kapitalisierungsprozesse mehr oder minder konzentriert hockt, und sie in Gang setzt; die Metropolen des Weltmarktes.

Angefügt war eine Bemerkung über den Zionismus, die später noch relevant werden wird:

Die Sonderform des jüdischen Faschismus, der (institutionelle) Zionismus, ist solch eine „Emergenz“, eine Emanation der Durchsetzung des Weltmarktes gemäß lokaler, regionaler und territorialer Sonderbedingungen, wie jüngst der türkische Islamofaschismus auch, und der US-Faschismus, der seine Wurzeln im Siedlerkolonialismus der Europäer hat. Eine prägende – wenngleich nicht alleinige – Größe in den Sonderbedingungen des Zionismus war die Rolle der Region als ein alimentiertes Lagerregime für den wichtigste Hilfsstoff der Ausbeutung in den Metropolen des Weltmarktes. Dieser Parameter der zionistischen Herrschaft geht über verschiedene Wege verloren, und das entzieht dem Zionismus die ökonomische Herrschaftsgrundlage. Die Folgen sehen wir seit dem zionistischen Staatsstreich 1995, aber scharf akzentuiert erst seit 9/11.

Vor einem Jahr hatte ich die ganze Scheiße gründlich satt und diagnostiziert mir nichts dir nichts Das Imperiumszentrum IST nach Brüssel verlegt. Nehmt den Eintrag abzüglich der Jaulerei als Bestandteil hier herein. Das schlichte Argument der Behauptung: Weil dem US-Präsidenten das Kommando über auswärtig stationierte und agierende Truppen genommen sei, agierten die USA nicht länger als ein integrales militärisches und folglich militärpolitisches Subjekt, und seien folglich nicht länger imstande, die Rolle des Imperiumszentrums zu halten. Diese Schlußweise ist, liebevoll ausgedrückt, verwegen.

Ein integrales Kommando über die US-Truppen hatte zuletzt Dwight D. Eisenhower. Aber schon während seiner Präsidentschaft hatten Allen und John Foster Dulles mit ihren Verbündeten daran gearbeitet, es ihm zu nehmen und die Ermordung J.F. Kennedys institutionalisierte diesen Riß in der militärpolitischen Führung der US-Föderation. Die Administration Ronald Reagans überbrückte ihn, aber das waren Pontonbrücken, die nach der Abdankung der Sowjetunion einrissen.
Unterlegt ihr diesem Vorgang jetzt meine Formel von der „emergenten Form der Durchsetzung des Weltmarktes“, unterstellt sie, die Gründe und Ursachen seien nicht allein in den USA, auch in den übrigen Metropolen aufzusuchen, und schon mit diesem Gedanken ist man einer, wie ich denke, sehr offenkundigen Erklärung nahe. Schematisch ist der Riß im Imperium, der als Riß in der amerikanischen Föderation erschien, in der Geschichte der nuklearen Rüstung zu repräsentieren.

Die Dulles-Brüder und ihre Gefolgschaft waren zur schnellstmöglichen Vernichtung der SU entschlossen und willens, diesem Ziel metropolitäre Städte und Bevölkerungen in den USA und Europa – möglichst überwiegend Europa – in beträchtlichem Umfang zu opfern. Während der Regentschaft Eisenhowers war dieser Krieg im Sinne der Kriegsherren mangels nuklearer Vernichtungsmacht nicht siegreich führbar, das Imperium hätte mit konventionellen Streitkräften in einem Umfang nachstoßen müssen, den Sieg zu vollenden, der nicht viabel schien, nicht zuletzt deshalb, weil die europäischen Streitkräfte der NATO nicht aufgestellt waren – im militärischen wie politischen Sinne – US-Streitkräfte im wünschenswerten oder nötigen Umfang zu ersetzen. Die Kriegsmüdigkeit der US-Bevölkerung nach dem Korea-Krieg war ein weiterer Faktor. Die Dulles-Fraktion setzte darauf, die Nuklearrüstung rücke ihnen das Ziel in greifbare Nähe, doch sie war sich nicht weniger der Widerstände bewußt, die man in erster Instanz an der Wall-Street verorten darf. Für deren Protagonisten arbeitete das Imperium mit der Vorbereitung des Krieges ohne Führung desselben bestens.
Ein zweiter Ort des Widerstandes lag in Europa und sammelte sich um Paris. Wie wichtig er genommen wurde, weiß ich nicht. Möglicherweise wichtiger erschien in den USA ein dritter Ort: Tel Aviv. Ein Entscheidungskrieg gegen die Sowjetunion hätte Israel nach dem Suez-Krieg und vor der eigenen atomaren Bewaffnung einer Vernichtung in der Nachkriegszeit preis gegeben. Selbst wenn Washington, Paris und London hätten imstande bleiben können, Israel die regionalen Feinde vom Hals zu halten oder beiseite zu räumen, wäre man dort absehbar nicht willens gewesen, dem Judenstaat die arabischen Ressourcen zu opfern.

Ich mag dieses Schema jetzt nicht historisch vervollständigen, mir reicht es für den Moment, den Gedanken aufzupflanzen, daß die Spaltung der US-Eliten, die jetzt zum Aufbrechen des integralen militärischen Kommandos über US-Streitkräfte führte, seinen Grund aktuell und historisch darin hat, daß der Ort des Imperiumszentrums territorial, folglich national, und a-territorial (also fiktiv) und transnational zugleich ist. Die Transnationalität ist also nicht weniger fiktiv – obgleich es dafür Orte wie die Wall Street gibt – weil sie des Souveräns entbehrt, der sie nicht allein repräsentieren, sondern ihr Menschenopfer nach seinem Belieben bringen kann.

Doch es gibt aktuell einen Souverän, der auf fiktive und symbolische Weise in diese Rolle schlüpft und deshalb keinen Namen hat, sondern nur einen Sitz, Tel Aviv. Tel Aviv bringt Menschenopfer nicht in einem israelischen Krieg, sondern einem Krieg vaterlandsloser Gesellen des Imperiums, die sich der israelischen Farben bedienen.

Mit diesem Ausblick breche ich den Eintrag für heute ab – ich hab noch bessres zu tun.

 


  1. So lange Gesellschaften ihrem Verkehr Natureigenschaften zuschreiben, kann dieser Verkehr auch mit physikalischen Formeln beschrieben werden. Ich bezweifle, das je einlösen zu können, doch for the record will ich die physikalische Referenz, die, wie ich vermute, für das folgende geltend gemacht werden könnte, immerhin angegeben haben:
    Dispersionsrelation 
Dieser Beitrag wurde unter Imperium, israel abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

6 Antworten zu Das Imperiumszentrum wabert über Leichen – Vorbereitung zum Blick auf aktuelle Kriegsszenarien

  1. tgarner9 schreibt:

    Ich war bis eben unterwegs, zu spät für eine Fortsetzung – und wahrscheinlich auch zu früh. In den Zuflüssen zu den „kommunizierenden Röhren“ Ukraine und Syrien scheint sich einiges zu tun, dem ich nicht vorgreifen sollte. Übermorgen dürfte einiges klarer werden.
    Bis dahin eine Leseempfehlung. Mein Arbeitstitel für die Fortsetzung lautete: „Emergenz einer „echten“ US-Kriegspolitik?“. Pepe Escobar schlägt vor, daß eine unterwegs ist – mit altem Thema:
    http://www.atimes.com/article/oil-and-gas-geopolitics-no-shelter-from-the-storm/
    Was er nicht thematisiert: So, wie er die Strategie vorstellt, wäre sie ein Angriff auf die NATO.

    Gefällt mir

  2. tgarner9 schreibt:

    Einige theorienahe Ergänzungen

    Auf den Eintrag Imperium und Demokratie hatte ich vor ein paar Tagen schon hingewiesen.

    Die Debatte aus 2016, der er entstammte, ist umfangreicher hier dokumentiert (hatte ich vergessen). Die theoretisch wichtigen Teile kopiere ich hier herein:

    … heute hat mein „Freund“ Wladimir van Wilgenburg auf ARAnews die Anekdote zum Politikum erhoben, daß ein Bulldozer der SDF von einer amerikanischen TOW zerlegt wurde. Er zog nicht in Betracht, ließ also nicht gelten, das Teil sei auf irgendwelchen Umwegen an die feuernde Bande Islamisten gelangt, die es je nach Bedarf und Lage mal mit IS, mal mit Nusra bzw. Jaish al Fatah hält, sondern bestand auf einer „Zusicherung“, von der er wissen will, nach der US-Berater ihren Schützlingen bei Strafe verbieten, mit den von ihnen gelieferten MODERNEN Waffen aufeinander zu feuern.
    Im Raum Azaz und Manbij kämpfen buchstäblich die Proxies zweier amerikanischer Fraktionen gegeneinander, heißt das aus berufenem Munde, nicht etwa türkische Proxies gegen amerikanische.
    Wie könnte Erdogan da irgendwelche Vorentscheidungen treffen, wie symbolisch immer, die voraussichtlich erst einige Zeit nach Amtsübernahme Killaries validiert werden?

    Wenn es dabei bleibt, daß der Iran Regionalmachtstatus in Konkurrenz zu China und Russland erhält, wird man im Iran darauf sehen müssen, das Land regional besser zu vernetzen. Das ist jetzt schon an diversen diplomatischen und ökonomischen Initiativen und Avancen zu erkennen. Gespräche und Konferenzen, wie sie zwischen Azerbaidschan und Iran anläßlich der Eskalation des Karabach-Konfliktes stattgefunden haben, wären vor drei Jahren ausgeschlossen gewesen, da standen sich Iran und Azerbaidschan in einem undeklarierten Kleinkrieg gegenüber. Die zahlreichen Gipfeltreffen mit großem Troß aus Bankern und Geschäftsleuten zwischen Iran und der Türkei, trotz des Proxiekrieges, in dem man auf syrischem Boden an gegnerischen Fronten steht, sprechen eine noch deutlichere Sprache. Plötzlich ist eine Pipeline von Kurdistan an den persischen Golf im Bau, die vor zwei Jahren außer Betracht stand, und die kaspischen Anrainer Azerbaidschan und Turkmenistan dürften auch die Option eines Zugangs zum indischen Ozean und Diversifizierung ihrer Geschäfte erhalten – Blickpunkt Indien – unter Umgehung Afghanistans. Für alle Beteiligten entsteht der Anreiz und die Möglichkeit, die Geschäfte so gut als möglich in der Region zu halten, um die jeweiligen Binnenmärkte zu stärken, statt im Kampf um überregionale Marktanteile auf europäische Kapitale und Gläubiger zu setzen. Die Bereitschaft Erdogans, die EU mit dem Reizthema Visafreiheit zu erpressen, statt die Türkei damit erpressen zu lassen, zeugt ebenfalls davon, daß er auf eine Position der Stärke pocht, die in der Zukunft der Regionalmärkte liegt, wenn es bei der Iran- und Zentralasienpolitik bleibt, die Obama eingerührt hat.

    Das ist jetzt nur ein oberflächlicher Ausschnitt, aber mehr krieg ich auf engem Raum nicht hin, zumal ich für mich selbst noch nicht alles ausformuliert habe, was mich zu dem Urteil brachte.

    franziska (1) schrieb am 14.06.2016 16:19:
    Kann es sein, dass der Kampf der zwei US-Linien sich „transatlantisch“ fortsetzt?

    Ich wüßte nicht, wie es anders sein könnte, und deshalb ist diese Frage:

    (franziska:)
    Hingegen müsste aber deutlicher gesagt werden, wessen Interessen genau durch die aggressive Regime change- und Zerlegungs- Politik befördert, und wessen Pläne durchkreuzt werden.

    nicht immer beantwortbar. Der Libyenkrieg und der Umsturz in Tunesien hat deutsche Bemühungen, gestützt auf italienische Verbindungen mehr Einfluß gegenüber Frankreich und dem UK in Nordafrika zu gewinnen, schwer zurück geworfen, das war z.B. am Malikrieg zu sehen, oder auch am Schicksal von Desertec. Aber das sehe ich im Wesentlichen als „Mitnahmeeffekte“. Viel bedeutsamer scheint mir, daß das Projekt „Afrikanische Union“ m.W. „tot“ ist und das verschafft dem Africom mehr Bewegungsfreiheit auf dem afrikanischen Kontinent, weil die Aussicht afrikanischer Staaten, sich gemeinsam gegenüber der EU positionieren, zu können, damit entfällt.

    (franziska:)
    Ich frage mich, ob es eben auch ausserhalb der NATO überzeugte (nicht bloss bestochene, oder erpresste, wie das oft vermutet wird) Parteigänger der Kriegsfraktion in EU-Staaten gibt

    Außerhalb der NATO-Organisationsstrukturen, meinst Du? Wie sollte es die nicht geben, die europäischen Regierungen sind bislang zu einer einheitlichen Außenpolitik außerstande, also ist jeder Entscheider in Europa, ob geschäftlich oder politisch, darauf verwiesen, daß die maßgeblichen Richtungsvorgaben weiterhin aus Washington kommen werden.

    (franziska:)
    Ich verstehe nicht, wieso der pacific pivot und die Absicht einer Iran-Reintegration die von dir behauptete Ausschaltung von Regionalmacht-Ambitionen (die Bush sen NWO im MENA) kassiert und die deutsche und EU-Position per se geschwächt haben sollen?
    Das erste folgt nicht automatisch (ohne weitere stillschweigene Prämissen die ich gerne wüsste), ud zum zweiten frage ich, ob nicht (auch) die Pivot-Doktrin die BRD/EU als Statthalter mit durchaus zugestandenen Hinterhofinteressen und „Verantwortung“ für Afrika und MENA vorsah (und insofern weiter aufwertete)?

    Die Schwierigkeit einer Begründung besteht für mich u.a. darin, wenigstens im Resultat darlegen zu müssen, was „Geld“, „Kredit“, „Kreditzeichen“, „Staatskredit“ und „Weltgeld“ ist. Jetzt ist mir ein Weg eingefallen, diesen Zusammenhang immerhin zu versinnbildlichen.

    Der € ist als eine Konkurrenz europäischen (deutschen) Staatskredits gegenüber der Weltgeld-Rolle des Dollar gedacht, und ist es auch. Doch in der Rolle des Weltgeldes ist Staatskredit nicht nur Kreditzeichen, wie die Gold-Fetischisten und Anhänger eines „Vollgeldes“ glauben wollen, es ist die „Substanz“, um die es geht, und daher ist der € nicht bloß Konkurrenz, sondern Schwester des Dollar und der Weltmarkt „gehört“ beiden Erscheinungsformen des Weltgeldes zusammen.

    Unter der Bedingung der geo- und militärpolitisch zentrierten Offensive der Neocons gegen alle aktuellen und zukünftigen Konkurrenten amerikanischer Hegemonialmacht war der € gleichsam „große“ Schwester und „nachhaltige“ Gestalt des Weltgeldes. Der Dollarkredit wanderte außerhalb des Bereiches ökonomischer Soft Power (IT-Technologie) überwiegend in Aufwände, die einen Abzug von der Akkumulation der Kapitale darstellen, Militärausgaben und Hilfsstoffe der Ausbeutung von Arbeitskraft („Rohstoffe“, insbes. Energie-Rohstoffe). Perspektivischer Fluchtpunkt dieser US-Politik war, daß die USA das dollarbasierte Weltwährungssystem und damit den Kapitalismus selbst aufgeben, über den Zeitpunkt dafür autonom bestimmen, und es durch eine Militärökonomie ersetzen.

    Der „pacific pivot“ gibt diese Perspektive nicht auf, verlegt aber ihren Fluchtpunkt weit nach vorn. Die Militärpolitik der Neocons hätte die US-Macht im Falle einer Aufgabe des Dollar auf die Basis der Beherrschung des amerikanischen Kontinents (Nord und Süd) gestellt, ergänzt um die Erpressung strategischer Lieferungen mittels ultimaten militärischen Drohungen. Der „pacific pivot“ nimmt diese Blockbildung auf der Grundlage des fortbestehenden Dollar-Kredits vorweg, aber wesentlich anspruchsvoller und „optimistischer“ (Japan und Australien in der Rolle amerikanischer Provinzstaaten). Prinzipiell betrachtet liegt darin die Drohung, Europa von Asien abzukoppeln, aber eben nicht mehr, wie in den Brzezinski-Doktrinen, auf der Basis mittelbarer und direkter Beherrschung des „zentralasiatischen Lochs“ (daher der Verzicht auf die direkte Herrschaft über die maritimen „Füße“ Zentralasiens, Pakistan und Iran), sondern auf der Grundlage maritimer Herrschaft über den Pazifik (und der amerikanischen Ostküsten sowieso). In diesem Konzept ist das „Teile und Herrsche“ größer gedacht, die vorgesehenen Einheiten sollen größer sein bzw. werden („Russland ist eine Regionalmacht, die sich überschätzt“). Das setzt selbst ein vereintes Europa im Extremfall zum „primus inter pares“ neben der US-Weltherrschaft herab und damit die „nachhaltige große Schwester“ zum „kleinen Bruder“, optimalerweise neben einem weiteren „kleinen Bruder“, China.
    Wie gesagt, eine Versinnbildlichung.

    (Es gab eine Antwort von franziska, die ich mißhandelt habe. Siehe den nächsten Kommentar)

    Gefällt mir

  3. tgarner9 schreibt:

    (Fortsetzung.)

    franziska:

    An sich wäre angesichts des Tohuwabohus an reflexhaft abgespulten Interpretationen aktueller Ereignisse, gerade hier auch bei TP, nichts näherliegend, als sie allesamt mal vor sich hinzulegen und sorgfältig gegeneinander abzuwägen, ja überhaupt erst einmal ihr logisches Verhältnis zueinander sich klarzumachen: Weches sind die grundlegenderen, welches die abgeleiteten Positionen, welche widersprechen oder ergänzen sich (fakultativ), weche behaupten übergreifend wirksame Tendenzen wenn nicht gar Zwänge, die sich (aber wie?) „durchsetzen“, welche arbeiten mit empirisch feststellbaren Motiven relevanter Akteure, die als konstant handlungsleitend im HIntergrund wirksam unterstellt werden usw.

    In einem ersten Versuch, Ordnung ins Meinungschaos zu bringen, könnte man sagen, die Erklärungen reichen von willensunabhängigen „objektiven“ Zwängen und Antrieben auf der einen Seite bis hin zu völlig frei gewählten und mehr oder weniger stur durchgehaltenen ideologischen Entwürfen und Entschlüssen auf der andern, als wesentlich handlungsbestimmenden Motiven; alle andern Erklärungen ziehen irgendwas aus beiden Komponenten Zusammengesetztes heran.
    Erste Komplikation: Es macht einen Unterschied, ob man das Objektive als Entscheidungen einschränkendes Hindernis, oder als eigentlichen Kernantrieb („müssen, ob sie wollen oder nicht…“) ansieht. Das Zusammenspiel von Objektivem und Subjektivem sieht in beiden Fällen ganz unterschiedlich aus (beim Antrieb ist das scheinbar frei Gewählte „in Wahrheit“ bloss ideologischer Ausdruck von, geheuchelt, gelogen, vorgeschoben, Selbsttäuschung usw).
    Zweite Komplikation, trivial, aber wichtig: Die frei gewählten Absichten mächtigerer Akteure schaffen Zwänge (und „Antriebe“, für den Fall, dass „sie überhaupt weiter… diesunddies wollen, oder sein, bleiben wollen“) für weniger mächtige.

    Dies vorausgeschickt, improvisiere ich ein paar nicht sehr durchdachte Thesen, die sich mir im Moment in dieser Form als irgendwie plausiel aufdrängen:
    1. Jeder regional oder weltweit erhobene Raub- und Monopol-Hegemonieanspruch trifft derzeit auf zwar zäh, aber doch mittelfristig immer organisierteren Widerstand hinreichend vieler Staaten weltweit.
    2. Er trifft, nebenbei, auch auf Widerstand in den Ursprungsländern dieses Anspruchs.
    3. ((Es wird sehr oft für behauptetes Hegemoniestreben garnicht angegeben, welche gegensätzlichen Interessen da dauerhaft unter die Räder kommen sollen, umgekehrt, woran sich dies Streben eigentlich koppelt: „Freihandel“? Oder doch einfach: Koloniales Rauben, Morden, direktes Wegnehmen, Versklaven, Genozid, wie mans mit der Aussen-Wirkung von Faschismus (etwa dem der zionistischen Siedlerbewegung, oder mutmasslich den westukrainischen Nazibanden gegenüber dem Donbass und Teilen der eigenen westukrainischen Bevölkerung gegenüber) assoziiert. Angesichts dessen sage ich:)) Die Logik der kapitalistischen Weltmarkt-Integration, soviele Gefälle und „Widersprüche“ sie auch vorübergehend erzeugt, steht in Konkurrenz zu „gewaltsamen“ und nicht-kapitalistischen (über Märkte) ausgetragenen Konkurrenz-Formen. Es wiederholen sich also im planetaren Masstab Entwicklungen der Staatsbildung und politischen Beaufsichtigung von Märkten, wie man sie im nationalen Masstab zuvor beobachten konnte.
    4. Die Analysen entlang dieser Analogie (Geltung von These 3 vorausgesetzt) weisen darum genau jene theoretischen Konflikt-Linien auf, die auch schon die Kontroversen bei der Erklärung der Verhältnisse in den Nationalstaaten begründen.
    Das gilt nicht nur für „linksradikale“, sondern auch für (rechts)libertäre und konventionelle Erklärmuster.
    Die eigentliche These hier müsste eine kurze Andeutung MEINER Erklärung von Staat und Staatsgewalt sein; das führt aber zu weit.
    5. In dieser ganzen Aufzählung und Erwähnung grundlegend wirksamer MOMENTE des gegenwärtigen Weltzustands fehlt eine Gewichtung meinerseits. Hier biete ich eine kurze These an, die langer Ausführungen zur Begründung bedürfte: Die weltweit sichtbar werdenden unerwünschten und sich wechselseitig verstärkenden „Krisen“-Entwicklungen verdanken sich der vollstädigen Unfähigkeit vorhandener Vergesellschaftungsformen, mit folgenden Herausforderungen fertig zu werden:
    a) Steuerung der modern-arbeitsteiligen Produktionszusammenhänge mit Bezug auf IRGENDEINEN Zweck ausser dem der immer weitergehenden Technologie-Entwicklung als Selbstzweck
    b) Bewältigung der weltweiten „Gleichzeitigkeit“ ungleichzeitiger, fortgeschrittener und zurückgebliebener Nebölkerungen, Verhältnisse, Mentalitäten;
    c) Schaffung menschen-und naturverträglicher (das ist eigentlich dasselbe) (Re)produktions- und Wissenserwerbsformen (das ist ebenfalls eigentlich dasselbe).
    6. (Letzte These) Dieses Scheitern ist Ausdruck dessen, dass wir uns an einer Epochengrenze abarbeiten, durchaus im Sinne der Marxschen Hypothese: Die Entwicklung der Produktivkräfte (bürgerlich-modern ist das die Entwicklung der Technologie) stellt eine Aufgabe (die, an der die derzeitigen Gesellschafen scheitern: These 5c), die mit dem bisherigen Produktionsverhältis oder allgemeiner, Vergesellschaftungsform nicht bewältigt werden kann und nach einem grundlagend anderen verlangt. In dem Sinn, dass die Aufgabe ohne dies andre nicht zu lösen ist.

    Erwiderung::
    franziska (1) schrieb am 16.06.2016 11:55:
    … nichts näherliegend, als sie allesamt mal vor sich hinzulegen und sorgfältig gegeneinander abzuwägen, ja überhaupt erst einmal ihr logisches Verhältnis zueinander sich klarzumachen: Weches sind die grundlegenderen, welches die abgeleiteten Positionen, welche widersprechen oder ergänzen sich (fakultativ)

    Naheliegend würde ich das nicht nennen, weil ein logische Verhältnis – so es eines gibt – der genannten Erscheinungsformen eine Wurzel in einer nicht nur hinreichenden, sondern mehr oder minder vollständigen „Kritik der politischen Ökonomie des Imperialismus“ haben müßte, deren Teil diese Erscheinungsformen wären, falls die Prämisse (daß es eine „Logik“ gibt) stimmt.

    franziska:
    könnte man sagen, die Erklärungen reichen von willensunabhängigen „objektiven“ Zwängen und Antrieben auf der einen Seite bis hin zu völlig frei gewählten und mehr oder weniger stur durchgehaltenen ideologischen Entwürfen und Entschlüssen auf der andern

    Das bestreite ich, und zwar u.a. deshalb – sorry, don’t want to resist – weil ich die Unterstellung, es gebe eine Logik und ein logisches Verhältnis der Vorstellungen, Ideologien, Weltbilder, teile. Willkür und oder die Unterstellung rein willkürlicher Motive hat darin keinen Platz, im Minimum erfordert die „Logik“ eine Scheidung von „Gut“ und „Böse“, den herrschaftlich abgeleiteten Verabsolutierungen von „nützlich“ und „schädlich“. Andernfalls wäre nicht einmal der Zustand von Herr-Schaft, ihr historisches Kontinuum, Grundlage jener „Logik“.
    Diese „Lücke“ in Deinen Gedanken wird in Punkt 5 prominent, mitsamt ihrem mutmaßlichen Grund: Du möchtest Herr-Schaft offenbar gern durch etwas benevolentes ersetzen, etwas, das leistet, woran sie Deiner Ansicht nach „scheitert“. Ziehe mal in Betracht, daß sie nicht „scheitert“, weil sie die Zwecke und Aufgaben, die Du ihr stellst, nicht hat, daß ihr kanibalisches Moment final sein könnte!

    franziska:
    Ich bin nicht sicher, wie gut ich verstehe, was Du in den Thesen 1 bis 4 sagen willst, gebe Dir aber unter dieser Einschränkung folgendes zu bedenken:

    Der Klassengegensatz, dem sich die bürgerliche Staatssouveränität – eine poltische Macht oberhalb der ökonomischen Mächte – verdankt, ist antagonistisch, absolut unversönlich, und deshalb sind es die Gegensätze innerhalb der Kapitalistenklasse nicht! Sie erscheinen zwar so – „es kann nur einen geben“, gilt in der Konkurrenz um Eigentumsanteile, egal, wie gequantelt sie sind – sind es aber nicht gegenüber den Ausgebeuteten. In der internationalen Konkurrenz entfällt vom Standpunkt der Souveräne der Klassengegensatz. Seine gewaltsame Versöhnung im Staatsinteresse ist dieser Konkurrenz voraus gesetzt, obwohl die Voraussetzung freilich ein praktisches Ideal ist – bei den konkreten Streitpunkten spielt er ja eine indirekte Rolle, weil die gewaltsame Versöhnung in unterschiedlichen Staaten anders gehandhabt wird.

    Daher – dies nun mein Schluß und meine Behauptung – ist der Gegensatz zwischen Souveränen – abermals gilt, „es kann nur einen geben“ – im Unterschied zu den Gegensätzen der kapitalistischen Konkurrenz, formeller Natur. Das ist das volle Gegenteil einer Relativierung! Man kann sich der Sache auch gleichsam „von unten“ nähern, und konstatieren, die politische Souveränität ist von vornherein formeller Natur, sie beansprucht und behauptet ein Eigentum an etwas, das sie nicht besitzt, über das sie nicht verfügt, und verfügt zugleich über Besitzstände, an denen sie kein Eigentum hat. Dasselbe kommt im internnationalen Verkehr nur zur Erscheinung.
    Da diese formelle Souveränität aber zugleich notwendig im Klassengegensatz gründet, ist sie tatsächlich Selbstzweck. Es gibt keine „gewaltsame Versöhnung“ auf höherer gesellschaftlicher Ebene (auch eine „Sorge um den Bestand des Planeten“ gibt sowas nicht her), sondern nur restlose Vernichtung des einen Anspruches gegen den anderen. Sie ist in der geschichtlichen Entwicklung stets nur aufgeschoben.
    Man könnte sagen, dies ist das einzige, was Fundamentalisten aller religiösen Couleur wirklich begriffen haben, wie ideologisch auch immer die Form, in welche sie den Begriff kleiden. Wie auch anders, der Begriff ist älter, als „die Apokalypse“, es ist das Alpha zum Omega, nämlich Noah auf seiner Arche …

    Im Hinblick auf 5. will ich Dich daher nur an den „Club of Rome“ mahnen:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Club_of_Rome
    Der hat es zur Religionsstiftung eben nicht gebracht! Logischerweise nicht, denn seine Basis ist nicht „der Mensch“, sondern, „die Nationen“, auch wenn er das mit der Territorialität des Planeten bebildert.

    (Die Erwiderung nenne ich jetzt nicht falsch, aber sie bügelte die Punkte 1-4 unter, weil diese mehr Baustellen zur Scheidung von Ideologien und Sachverhalten aufmachten, als ich mit meinem damaligen Imperialismus-Verständnis in dem Zusammenhang zu bearbeiten imstande war, in den franziska sie stellte. Mit dem grundlegenden Ansatz von Erklärungen entlang des Schemas der Realabstraktionen und der „emergenten Form“ der politökonomischen Entfaltungen an der Oberfläche des Geschehens gelänge mir das heute besser, denke ich. Wir werden sehen.)

    Gefällt mir

  4. tgarner9 schreibt:

    Ich nehme hier Berengars Hinweis auf den Reuters-Artikel hinein:
    Exclusive: U.S. military looking at deploying anti-missile system in Germany

    Zitate:
    „One U.S. military official said there had been preliminary talks with German military officials on moving a THAAD system to Ramstein Air Base in Germany, headquarters for the U.S. Air Force in Europe and NATO Allied Air Command.
    (…)
    A second source said German officials were open to the move as a way to better protect civilian populations.
    The German defense ministry is working to rebuild its own short- and medium-range missile defenses after years of cuts.
    Starting later this year, it also plans to review territorial missile defense needs in a conceptual study that will also look at THAAD and the Arrow 3 anti-missile system built by Israel and the United States, a spokesman said.
    The German foreign ministry, which oversees foreign troops stationed in Germany, said it could not confirm sending any signals about a possible THAAD deployment to the United States.
    Washington does not need Germany’s permission to move such equipment under existing basing contracts, but the sources said a formal notification would be sent before any move to proceed.“

    Ich zitiere das, weil Hinweise auf die laufende Neubesetzung Deutschlands bisher außerhalb technischer Informationen der zuständigen Kommandos und ihrer Webseiten und ein paar Military-Sites notorisch verschwanden, obwohl ich das für diesen Fall nicht erwarte. Ebenfalls letztes Jahr liefen Verhandlungen über die Einrichtung einer neuen US-Basis in Norddeutschland für eine Truppenstärke von 10 bis 15 Tausend Mann. Meldungen dazu gab es ausschließlich in der Lokalpresse, was daraus wurde, weiß ich nicht und ist auch wenig relevant. Die ganze Bewegung der NATO-Truppenkonzentrationen um Kaliningrad herum stellt eine Wiederbesatzung Deutschlands dar, dessen Besatzungsstatus entgegen anderslautenden Gerüchten nie endete.

    Der Vollständigkeit halber verweise ich auf das Schicksal der nuklearen Abrüstung Deutschlands, die „recht eigentlich“ ein Erfordernis der deutschen Mitgliedschaft im Atomwaffensperrvertrag ist und von der Regierung Merkel / Westerwelle 2009/10 eingefordert wurdet:

    23.04.2010
    Abzug von US-Atomwaffen rückt in weite Ferne
    Deutschland ist für den Abzug von taktischen Atomwaffen aus Europa, stößt aber bei der NATO auf Widerstand. Einseitige Abrüstung sei ausgeschlossen, sagte US-Außenministerin Clinton den NATO-Außenministern in Tallinn. (…) Sowohl NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen als auch US-Außenministerin Hillary Clinton lehnen den deutschen Vorstoß ab. Die Kernwaffen „gehören zu einer glaubwürdigen Abschreckung dazu“, sagte Rasmussen am Donnerstagabend (22.04.2010). (…) Ein Abbau der US-Waffen sei nur denkbar, wenn es ein entsprechendes Abkommen mit Russland gebe, erklärte (Clinton).
    (Quelle: Deutsche Welle)

    Später wurde durch „Cablegate“ bekannt, daß sich das deutsche Kanzleramt gegenüber USA und NATO im Geheimen schon Ende 2009 vom eigenen Koalitionsvertrag distanziert hatte. Nie verstummten Gerüchten zufolge unterschreibt jeder Bundeskanzler eine Selbstverpflichtung auf Gefolgschaft gegen die US-Politik. Der Vorgang, über dessen weitere Geschichte ihr in der Wikipedia ein bißchen was lesen könnt
    https://de.wikipedia.org/wiki/Nuklearwaffen_in_Deutschland
    untermauert das Gerücht indirekt. Falls es stimmt, ist solch einer Selbstverpflichtung eine letale Drohung sowohl gegen das politische Personal Deutschlands, wie gegen Volk und Territorium einbeschrieben, denn wenn Verstöße militärisch oder paramilitärisch geahndet werden, wird keine deutsche Regierung den Grund dafür offen legen können, ohne das Land im kapitalistisch / imperialistischen Sinne unregierbar zu machen.

    Mir ist sehr bewußt, daß ich mit diesem Kommentar deutschen Faschisten und Revisionisten in die Federn schreibe und ich tue das nicht leichtfertig. Voraussichtlich wird dieser Hintergrund unverzichtbar, um jenseits theoretischer Allgemeininger, die kaum einer begreifen mag, etwas rechtes zur laufenden Phase der imperialen Kriegführung zu sagen. Darauf zu verzichten, hieße deshalb, den Faschisten und Revisionisten das Feld zu räumen, statt streitig zu machen.

    Gefällt mir

    • Berengar schreibt:

      Das könnte auch die erstaunliche deutsche Flexibilität hier erklären:

      Merkel endorses Macron’s EU military plan

      Das FAZ-Interview ist leider hinter der Paywall, folglich vorerst nur für den zählenden, i.e. zahlenden Bevölkerungsanteil bestimmt. Aber wenn es zutrifft, was Politico zusammenfaßt, dann stehen Bewegungen ins Haus, die noch vor wenigen Monaten zumindest öffentlich tabu waren.

      Legt euch das mal vor: Ein „European Monetary Fund“ zur Betreuung und Absicherung der Peripherie sowie zum Ausgleich deutsch-französischer Salden; erste Schritte zu einer integrierten europäischen „Trachtengruppe“; die immerhin formal-demokratische Auffettung der EU-Kommission sowie eine Achse nach London. Nehmt noch dazu, daß den Briten gerade wieder die Folterwerkzeuge hingelegt wurden für den Fall, daß sie wider ihre leiblichen Interessen den Brexit doch nicht canceln, sowie die Drohung Macrons, anglo-amerikanischen Investmentbanken den Zutritt zum europäischen Kapitalmarkt zu untersagen oder mindestens erheblich zu beschneiden (ich finde den Link leider gerade nicht mehr; wenn ihr drauf besteht, suche ich ihn aber) …

      Müsste man eine Überschrift finden, welche wäre das? „Die große Flucht nach oben“? Wenn man die Aussagen Merkels zum Nennwert nimmt, dann ist sie offenbar bereit, das aktualisierte Karolingerreich wiederaufstehen zu lassen, indem sie die bundesdeutsche Konzessionssouveränität, deren Bedingtheit nicht anders wegzuarbeiten ist, in eine möglichst vollwertige europäische, d.h. deutsch-französische aufzuheben gedenkt.

      Gefällt mir

  5. tgarner9 schreibt:

    Ich komme heute voraussichtlich wieder nicht zu Fortsetzungen des einen oder anderen Stranges. Das Produkt, das dafür zum Teil verantwortlich ist, will ich euch nicht vorenthalten, es diente auch zur Selbstvergewisserung hinsichtlich Grundlagen der Aufklärung und Darstellung von „Realabstraktion“ und „Ding PLUS Nicht-Ding“.
    Der Bezug ist die Debatte um einen Blogeintrag von „NestorMachno“ und dies mein Senf dazu:

    Ich schätze, Wals Zitate führen hier mehr in die Irre, als daß sie Unstimmigkeiten und Unklarheiten abhelfen, die im Kommentarstrang zutage traten, und die ich wert finde, geklärt zu werden.

    Ich werde nicht zitieren, weil das den Kommentar unmäßig aufblähte und weil es mir nicht darum geht, dem einen recht, dem anderen unrecht zu gebe oder zu ~ tun.

    Krim hielt sich an den Auftakt der marx’schen Kapitalanalyse, die ewig Schwierigkeiten macht, weil das heutige Publikum noch mehr, als das Damalige, an das Dogma gewöhnt ist, jede Theorie habe, gleich jeder Untersuchung eines Gegenstandes mit einfachen Tatsachen zu beginnen, die entweder erste oder letzte Wahrheiten darstellen sollen. Marx begann hingegen mit einer Unwahrheit, einer Erscheinungsform seines Gegenstandes. Es war der Tauschwert einer Ware, wie er im Austauschverhältnis erscheint, und dort scheint er eine Eigenschaft der Ware zu sein.

    In einem späteren Abschnitt des Kapitels hat Marx diese Erscheinung Warenfetisch genannt, weil seine Analyse heraus brachte, daß diese Erscheinungsform und Unwahrheit historisch eine spezifische Gestalt erhält, in welcher sie praktische Wahrheit, d.h. Wirk-lich-keit der Angelegenheit wird, obgleich der Inhalt dieser Form fiktiv ist, d.h. eine Vorstellung der Akteure. Er identifizierte Geld als diese Form.

    Unter dieser Form realisieren die Akteure praktisch, anders gesagt: bringen zur Wirk-lich-keit, daß Waren Tauschwerte sind, was im Verkehr von Warenbesitzern als die Fiktion erscheint, daß sie Tauschwert hätten. Sie haben aber keinen, sie sind unter Voraussetzung des Gesagten welche, wie …

    Ricardo richtig dagegen hielt, aber die Voraussetzung wieder fallen ließ.
    Dazu bediente er sich einer sicherlich unbeabsichtigten Fälschung, indem er versicherte, das Wertdasein der Ware erscheine auf beiden Seiten der sogenannten Wertformen, der Tauschwertrelation, deren eine Seite Marx „relative Wertform“, die andere „Äquivalentform“ nannte. Das Mißverständnis ist möglich, wenn man festhält, daß auf beiden Seiten von Marx Gleichungen Waren stehen, und zugleich fallen läßt, daß er in diesen Formen den polarischen Gegensatz dargestellt haben wollte, den er zuvor als den Widerspruch einer (der) Ware ermittelt hatte, „Gebrauchswert“ und „Tauschwert“ vorstellen zu sollen, obwohl sie unmöglich beides zugleich sein kann. Die einfache Wertform „1 Rock gleich x Meter Leinwand“, worin Rock relative Wertform, Leinwand Äquivalentform, ist die Darstellungsweise, in der das Tauschwertdasein des Rockes vorgestellt wird. Diese Vorstellung erhält in der Form „1 Rock = x Dollar“ Wirklichkeit.

    Mit Blick auf die Debatte um „Repräsentanz“ von Ware und Geld, bzw. Geldmenge und Wertmenge will ich vorerst nur zwei Punkte heraus heben.

    Erstens. Eine Konsequenz ist, daß Geld „Maß der Werte“ genau in einer Eigenschaft ist, der eines gesellschaftlich durchgesetzten Zahlungsmittels, wofür Ausdrüche wie „allgemeines Äquivalent“ oder „abstrakter Reichtum“ oder „allgemeine Ware“ theoretische Namen sind.
    Die gesellschaftliche Durchsetzung eines Zahlungsmittels ist ein LUPENREINES Resultat militärischer Gewalt, von allem Anfang an.
    (Das habe ich Dir schon vor ziemlich genau 20 Jahren vorbuchstabiert, Wal)
    Nur als ein solches Resultat gibt es exclusive Domänen gesellschaftlichen Eigentums, die in mehr oder weniger reinblütiger Gestalt „Privateigentum“ sind bzw. Privateigentümern gehören und nur deren gewaltsame Errichtung, Betreuung, Erhaltung etabliert gesellschaftlich die Not-Wendigkeit eines entsprechend verbreiteten Zahlungsmittels, die den Betroffenen post festum als eine ökonomische Not-Wendigkeit, oder, aristotelisch gesagt, als ein „praktisches Bedürfnis“ erscheint. Das ist im Falle des EURO kein JOTA anders, als zur Zeit der hellenistischen Pfeilspitzenwährung und gewiß nicht „komplizierter“ zu durchschauen, trotz der Vermittlung durch „Nationalstaatlichkeit“ und „Kreditgeld“, die es seinerzeit nicht gab.

    Zweitens. „Maßstab der Preise“ ist ein Geld auf der Grundlage jener Durchsetzung als Zahlungsmittel, doch selbstredend nicht an sich selbst, sondern, wie der Name es sagt, im Preisverhältnis der Waren. So gibt es selbstredend „Geldmengen“ nicht nur in der Gestalt einer Kaufkraft, die sich in einem Portemonaie herum tragen läßt, sondern auch in einem Portefeuille eines Kapitalisten und im Umfang eines Kredites, den ein Staat auf sich zu ziehen vermag.
    Man darf nur bitte nicht vergessen, daß die Waren, in denen ein Preisverhältnis erscheinen kann, nicht nur Gebrauchswerte, Gegenstände der Warenzirkulation i.e.S. umfassen, sondern Gegenstände der Geldzirkulation im Allgemeinen und der Kapitalzirkulation im Besonderen, Gegenstände, bei denen Gebrauchswert und Tauschwert identische Namen für differierende Geldausdrücke sind, bis hin zum Derivat. Ich will das hier nicht auswalzen (und kann es auch nicht, ich kenne mich da unzureichend aus), aber einen Punkt will ich festhalten:
    Natürlich ist es angesichts dieses Umstandes korrekt, von einer Emanzipation des Geldes nicht nur von der Waren-, auch von der Kapitalzirkulation zu sprechen, wie Nestor das tat. Hervor heben will ich aus gewissermaßen taktischen Gründen eine Form dieser Emanzipation, die selten so genannt wird: Wenn Staaten Rüstungsgüter mit bedruckten Zetteln bezahlen, bezahlen sie keine Waren! Sie bezahlen damit Roh- und Hilfstoffe für das Produkt von Fronarbeit, die als Lohnarbeit in Erscheinung tritt, aber keine ist, weil sie keine Waren produziert.
    Man vergesse andererseits nicht, daß diese Emanzipation schon mit dem handelbaren Zahlungsversprechen, dem Wechsel auf die Bühne tritt. Er gibt dem Vorgang, den Marx „Expropriation der Expropriateure“ nannte, eine Verlaufsform. De jure spielt dieser Vorgang noch auf der Ebene gegenständlichen Waren- bzw. Kapitaleigentums, de facto aber schon auf der Ebene fiktiven Kapitals, und das heißt, summarisch gesagt, alles, was damit in Zusammenhang steht, hat nur eine mittelbare Verbindung zur Kapitalbewegung, weil diese von allem Anfang an zugleich die Dimension der Eigentumsverteilung hat. Deshalb sollte man auf dieser Ebene mit dem Begriff „Schulden“ vorsichtig sein, mit allen Formen fiktiven Kapitals werden Zahlungsversprechen von Schulden „emanzipiert“, d.h., sie sind zur Liquidierung von Eigentumsanteilen am gesellschaftlichen Gesamtvermögen vorgesehen, nicht zur „Zahlung“ im Sinne von Schuldtilgung.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.