Washington kündigt Angriffe auf chinesisch beanspruchtes Territorium in der Südchinasee an

Pentagon pledges to continue ops in South China Sea, ignoring Beijing’s warning

Memo to China: US has ‘experience taking down small islands,’ Pentagon bigwig says

Pentagon will ‘compete vigorously’ with Beijing in South China Sea – Mattis

Amerikanische Kriegserklärungen gegen Peking reißen seit 1991 nicht ab und auch für einen militärischen Übergriff gibt es einen Präzedenzfall, die Bombardierung der chinesischen Botschaft in Belgrad 1999. Doch jetzt, denke ich, könnte es sich erstmals um „the real thing“ handeln. Auch hier bleibe ich eine Begründung einstweilen schuldig, nenne nur einen Kern davon: Kriegsminister Mattis ist nach meinem Befund seit der TV-Reality-Show des Feuerüberfalls auf Syrien der handelnde Präsident der USA, assistiert von einem Vizepräsidenten Pompeo – ein Pentagon / CIA – Condominium.

Dazu preise ich diplomatische Taktik durchaus ein, und wenigstens das will ich kurz erklären.
Nehmt euch dazu eine Karte der chinesischen Küsten vor.
Das ostchinesische Meer und damit der Verkehr von und nach Hangshou und Shanghai ist von nominellen und informellen US-Basen umstellt. Die Inselkette zwischen Taiwan und Japan wird von der US-Basis Okinawa beherrscht und gibt den dauerhaft dort und in japanischen Häfen stationierten / aprovisionierten US-Pazifik-Flotte gute Voraussetzung für eine Seeblockade, die zu brechen China bis vor kurzem außerstande war, und die sie aktuell und bis auf längere Zeit, wenn überhaupt, nur unter Einsatz seegestützter Nuklearwaffen brechen könnte.

In dieser Konstellation ist das Territorium Nordkoreas ein potentielles chinesisches Faustpfand gegen die US-Marine, weil und so lange Russland über eine potente nukleare Gegendrohung gegen die USA verfügt. Verkehr nordkoreanischer Häfen kann über einen internationalen Seeweg verlaufen, der zugleich russisches Territorialgewässer ist. Daher die Zwiespältigkeit der chinesischen Stellung zur nuklearen nordkoreanischen Bewaffnung – sie wertet das von China ökonomisch völlig abhängige Nordkorea strategisch sowohl auf, wie ab.

In der Südchinasee ist die Lage deutlich anders. Die lokalen Anrainer der chinesischen Schiffahrtswege bedienen sich amerikanischer Militärmacht und Herrschaftsansprüche auf den pazifischen Raum im Unterschied zu Taiwan und Tokio lediglich taktisch.  Die Staatlichkeit Indonesien, das den geringeren Anteil an der Anrainerschaft hat, könnte eine Blockade Chinas überdauern, die Eigenstaatlichkeit Vietnams, Malaysias und, schätze ich, auch der Philippinen, könnte es nicht. Malaysia ist zusätzlich schwer abhängig vom Verhältnis zu Indien, das im Falle einer mittelbaren oder direkten Blockade der Straße von Malacca ebenfalls vom Zerfall bedroht wäre. Deshalb ist eine militärische Herrschaft über die Südchinasee essentiell für Peking. Sie erlaubt, Aufwand und Preis einer Seeblockade gegen China exponentiell in die Höhe zu treiben, weil unter ihrer Voraussetzung Vietnam und Malaysia in eine Blockade eingeschlossen würden, die westlich der Straße von Malacca versiegelt werden müßte, und dann wäre in eine militärische Konfrontation Chinas auch Indien eingeschlossen sowie, mittelbar, abermals Russland.

Deshalb ist gesichert, daß die jüngste Offensive Mattis taktisch und damit diplomatisch auf die „Koreakrise“ zielt, denn es ist sehr sicher, daß die USA weder morgen noch übermorgen einen Nuklearkrieg mit China entfesseln wollen. Doch just die geopolitischen Umstände, auf denen diese Taktik und Diplomatie ruht, engen den diplomatischen Spielraum, den die chinesische Regierung sich setzen wird, außerordentlich ein.

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Eine Antwort zu Washington kündigt Angriffe auf chinesisch beanspruchtes Territorium in der Südchinasee an

  1. tgarner9 schreibt:

    RT teilt längt viele Eigenarten westlicher Propagandasender und wenn es die direkte Lüge auch meidet, war es angebracht, auf’s Original zurück zu greifen.
    https://www.defense.gov/News/Transcripts/Transcript-View/Article/1538599/remarks-by-secretary-mattis-at-plenary-session-of-the-2018-shangri-la-dialogue/

    Das Resultat: RT hat Mattis außerordentlich geschont.
    Einige Beispiele.

    Mattis: Ich spreche zu Ihnen als Vertreter des Eigentümers und obersten Herren Ihrer Ländereien und Gewässer, ihnen die Grundsatze vorzustellen, gemäß denen wir Ihnen die Nutzung gestatten:

    It’s an honor to (speak) at the Shangri-La Dialogue which I consider the best opportunity for senior officials to meet, share perspectives, and reinforce the significance of a free and open Indo-Pacific region. And in particular to speak to how we will work together to sustain that vision. (…) Today I come to share the Trump administration’s whole-of-government Indo-Pacific strategy which espouses the shared principles that underpin a free-and-open Indo Pacific.

    Artigkeiten, wie die, die ich in Klammern ausließ, erweisen sich sofort als solche:

     Last year I came here principally to listen — I was new in office and I needed to do a lot of listening and I have visited this region six times since then and my listening has confirmed for me the high degree of commonality among the nations in this very-diverse region.

    Mattis kam, sah, hörte zu und überbringe nun den Ratschluß des Herrn, denn euer Geschick liegt in seinen Händen:

    For as Prime Minister Modi reflected last night, a commitment to common values must be a foundation or even the foundation upon which we build a shared destiny.
    Standing shoulder to shoulder with India, ASEAN and our treaty allies and other partners, America seeks to build (!) an Indo-Pacific where sovereignty and territorial integrity are safeguarded –the promise of freedom fulfilled and prosperity prevails for all.
    In firm support of this vision, America’s recently-released national (!) security and national (!) defense strategies express the Trump administration’s principled realism.  They take a clear-eyed view of the strategic environment …
    Both strategies affirm the Indo Pacific as critical (!) for America’s (!) continued stability (!!), security, and prosperity.  Americas Indo-Pacific strategy is a subset (!) of our (!) broader security strategy, codifying our vegetables as America continues to look West.  In it we see deepening alliances and partnerships as a priority (!), ASEAN’s centrality remains vital, and cooperation with China is welcome wherever possible (!).

    Wer von euch jetzt glaubt, oder hofft, er könne verfahren, wie bisher, ergänzt um die eine oder andere Rücksicht auf uns, wird sich geschnitten haben:

    In the early years of our republic President Thomas Jefferson (…) anticipated (the western) coastal region of America would become a gateway to the Pacific and open up vast opportunities for increased trade and commerce. (…) So, make no mistake, America is in the Indo-Pacific to stay.  This is our priority theater, our interests, and the regions are inextricably intertwined.

    Es folgt die Formel, mit der, in etwas anderer Gestalt, schon der Vatikan die Weltherrschaft eingefordert hat:

    The U.S. strategy recognizes no one nation can or should dominate the Indo-Pacific.

    Es kann nur einen geben, der herrscht! Und das, täuscht euch nicht, sind wir.

    Es folgt eine Menge Geschwätz, das zureichend damit beschrieben ist, daß der Herr die Seinen mit angemessen strengen, geneigten oder gewogenen Blicken bedenkt, dann folgt der Absatz, den RT zum Titel machte. Auch er folgt einem  vatikanischen Muster: Jeder habe eine freie Wahl zwischen Gott und dem Teufel und solle sie haben:

    To be clear, we do not ask any country to choose between the United States and China, because a friend does not demand you choose among them (sic!).

    Doch diese Freiheit gründe in den Entscheidungen des Herrn, kraftvoll Tatsachen zu schaffen, wenn er das richtig und nötig erachte, und ende daher mit ihnen:

    China should and does have a voice in shaping the international system, and all of China’s neighbors have a voice in shaping China’s role.  If the U.S. will continue to pursue a constructive results oriented relationship with China, cooperation whenever possible, will be the name of the game and competing vigorously where we must.

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