„Wieviel NATO steckt in Norkin und Anhang?“

(Fragt Klaus – Peter)

Dies ein wenig aufzuhellen, dürfte ein bedingt geteiltes Interesse beider Seiten sein. Norkin & Co. sind außerstande, eine halbwegs klare Vorstellung darüber zu gewinnen, „wie viel NATO“ in ihren Aufträgen und Zielsetzungen „steckt“, bevor sie die Stellung der russischen Seite ausgelotet haben.

Zu den Voraussetzungen muß man wissen, Latakia – die Provinz – ist auf einer allgemeinen strategischen Linie für die regierenden Zionisten „Off limits“. Seit Beginn der „heißen“ Phase des Angriffes auf Damaskus, im Herbst 2011, haben israelische Geheimdienste Latakia als künftiges Homeland für Alaviten, Schiiten und zersprengte Reste der Loyalisten der syrischen Militärherrschaft ins Gespräch gebracht. Ein „libysches“ Szenario in Syrien können die regierenden Zionisten, zumindest die Pragmatiker unter ihnen, nicht anstreben, so lange keine Tel Aviv unbedingt loyale auswärtige Besatzungsmacht für Syrien zur Verfügung steht. Die USA kommen dafür aus verschiedenen Gründen dauerhaft nicht in Frage, weil die imperialen Interessen Washingtons mit denen Israels konfligieren müssen, so lange der Yinon-Plan nicht umgesetzt, d.h. alle militärisch potenten Player der Region neben Israel zerschlagen sind. Daran ändert sich nichts, wenn – systemtheoretisch gesprochen – das Imperiumszentrum nach Brüssel (oder London) rückt.
Die neue Phase des Irankrieges, die Trump mit dem erneuerten Bündnis mit dem KSA aufgelegt hat – es gibt ein oder zwei Artikel dazu in diesem Blog – verschärft den israelisch-amerikanischen Konflikt entgegen allem Anschein. Israel wurde genötigt, sich der antiiranischen Front des WH um den Preis einer Aufwertung des KSA zur Israel grundsätzlich gleichwertigen Regionalmacht von Washingtoner Gnaden offiziell anzuschließen. Dies vertieft auch die Spaltung in der Zionistischen Internationale bis zu dem Punkt, wo sie ihr Heil bei der EU, und das heißt unter den gegebenen Umständen, bei der NATO gegen WH und Pentagon sucht. Das kompliziert die Lage in einem Umfang, der sie allen Playern undurchsichtig macht! Der potentiell und real verläßlichste Partner Israels ist unter diesen Umständen … Moskau! Unter dem breit gefächerten militärischen Druck auf Moskaus Engagement in der Levante erscheint die Schnittmenge russischer und israelischer Interessen zumindest auf der taktischen Ebene die kalkulierbarste aller bilateralen Beziehungen involvierter Player, möglicherweise kalkulierbarer, als die Schnittmengen türkischer und russischer Interessen.

Es fällt auf, daß der Angriff der IDF nicht der vorgeblichen „iranischen Raketenfabrik“ bei Wadi Jahannam galt, die der israelische Geheimdienst vor weniger als drei Wochen in den öffentlichen Focus gerückt hat. Stattdessen wurde die unbedeutenste der drei unter dem Link vorgestellten Anlagen angegriffen, nahe Masyaf. Beachtet, daß es eine russische Abwehrstellung, angeblich S-400, in unmittelbarer Nachbarschaft gibt und daß sie angeblich nicht in Tätigkeit trat.

Die Personalie Norkin ist in diesem Zusammenhang nicht uninteressant.
Norkin war zusammen mit seinem Vorgänger Eshel, den er August 2017 ablöste, verantwortlich für die Einbettung der IAF in die NATO-Streitkräfte plus die an Operation OIR beteiligten Luftwaffen, einschließlich der jordanischen und saudischen. Ebenfalls gemeinsam zeichneten sie verantwortlich für die überaus anspruchsvolle Aufgabe, die F-35 zur künftigen strategischen Hauptwaffe der IAF neben den nuklear bestückbaren Missiles vorzubereiten. Im Mai meldete Norkin bedingten Vollzug. Parallel – dazu habe ich jetzt keinen Link und mag nicht suchen – richtete die NATO ein neues, umfangreiches Munitionslager in Israel ein, nachdem Israel in den USA mit Bitten um außerordentliche Aufstockung seiner über Syrien, Irak und Gaza geleerten Munitionsbestände zunächst aufgelaufen war. Man kann die Frage, wie viel NATO in Norkin stecke, in einem nicht zu bestimmenden Umfang mit der Antwort bescheiden: So viel, wie Norkin und sein Chef Eizenkot via Munitionsbeschaffung an die NATO und die mit Northrop verbundene militärische UND politische Infrastruktur via F-35 gebunden ist.
In diesem Zusammenhang lege ich einigen Wert auf folgenden Kaffeesatz:
Der ToI war anläßlich der Bestallungszeremonie von Norkin daran gelegen, Liberman’s Drohungen in die Welt zu posaunen:

“Norkin, you are entering the position and will immediately have to deal with many challenges. You will need to continue to turn the long arm [of the IDF] into a much longer arm.”

Die offizielle IAF-Website zog es vor, selbst noch die Anwesenheit Libermans bei der Zeremonie zu verschweigen und Eizenkots Betonung der defensiven Funktion der IAF in den Vordergrund zu stellen.
Daß die Berufung Norkins ein Diktat Libermans gewesen sein könnte, mag auch daran zum Ausdruck kommen, daß es keinen Gegenkandidaten gab, was für die IAF durchaus unüblich ist.

Die unzweideutige Einbettung der IAF in eine mehr oder minder eigenständig handelnde NATO-Angriffsmacht im Mittleren Osten in den vergangenen Monaten ist in Summe ein „Datum“, das beständiger Austarierung bedarf – und das soll wohl in Moskau anläßlich der jüngst ausgehobenen Phasen der Aufteilung Syriens an der Südfront, in Idleb und – nicht zu vergessen – in Rojava, wo Centcom Gerüchten zufolge Luftabwehrstellungen an die Provinzgrenzen klotzt, geschehen.

Ergänzende Lektüren:

Alastair Crooke 01.09, 12.09, 18.09
MoA (20.09): Trump’s Staff Overrides His Policies 

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7 Antworten zu „Wieviel NATO steckt in Norkin und Anhang?“

  1. tgarner9 schreibt:

    Für den größeren Zusammenhang empfehle ich, trotz seiner Fehlerhaftigkeit, auch dies:
    https://www.strategic-culture.org/news/2018/08/28/asymmetric-financial-war-and-radical-us-leverage-what-will-it-bring.html
    – mit einem besonderen Wink in Richtung der „Genossen“, die, wie ich höre, jetzt belieben, die Angriffe Trumps auf den Rest der Welt, insbesondere im Hinblick Iran, zur „Erpressung mit dem Dollar“ zu stilisieren. Obwohl nicht völlig verkehrt, ist das eine komplette Verkennung der Emanzipation der Global Player von nationalen Agenden, die nicht dadurch zunichte wird, daß nationale Agenden das Medium bleiben – und wg der Lokalität und Territorialität der Militärpolitik bleiben müssen.
    Denselben Fehler begeht auch Crooke, aber nicht auf so primitive, v.a. nicht derart uninformierte Weise, wie die „Genossen“ das zu tun scheinen. Um wenigstens das Stichwort zu geben:
    „Die Märkte“, wie sie in Crookes Darstellung figurieren, und in klassischen Erpressungsszenarien, wie sie bei den GEnossen vorzukommen scheinen, figurieren müssen, sind eine falsche Abstraktion. Soweit es sie je gegeben hat – darüber könnte man sehr wohl streiten – gibt es sie seit spätestens 9/11 nicht mehr. Ich habe es an anderen Stellen schon ein wenig (wenngleich ebenfalls völlig unzureichend) begründet: Die zwischen vielleicht 50 und 80 bedeutensten Global Player haben unter dem Druck des „War on Terra“ eine eigene politische Klasse zu formen begonnen – sie, nicht anonyme „Märkte“ nach dem Muster monetaristischer Ideologeme, haben beschlossen, „dem König“ sei einstweilen zu geben, was „des Königs ist“, Trump sei „too big to fail“.
    Einer der wesentlichsten Wirbel in dieser Phase ist das sang- und klanglose Scheitern des „pacific pivot“ Obamas, das etablierte Faktum, daß die Vorherrschaft chinesischen Kapitals in Südostasien ohne Kriege von globaler Destruktionswirkung nicht zu stoppen ist, und zwar umso weniger, je mehr der amerikanische Krieg gegen Europa mit und ohne russische Bande den asiatischen Raum nach Westen deckt, vornehmlich durch den Schutz Indiens und des Irans, aber auch durch die russisch bedingt ermutigte nationale Selbstbehauptung der Türkei.

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    • Berengar schreibt:

      US threatens to bar EU banks from exchanges

      „FTC escalates dispute over Brussels’ attempt to impose oversight of clearing houses; Christopher Giancarlo, head of the CTFC, has called for a reduction of regulation.

      Philip Stafford in London

      October 17, 2018

      One of the US’s top regulators has threatened to stop European banks from using US futures markets if the EU refuses to water down post-Brexit plans to oversee clearing houses.

      Christopher Giancarlo, head of the Commodity Futures Trading Commission, said on Wednesday that EU plans — ostensibly in response to the UK’s move to leave the EU — were “completely irresponsible” and could be met with a stern reaction from Washington.

      “These are blunt and strong tools,” Mr Giancarlo said, acknowledging that it could have a serious impact on global markets. “None of these options represent a course of action that I wish to pursue.”

      Mr Giancarlo’s fierce warning comes as UK authorities try to remove tensions with the EU around the issue of clearing as the UK’s departure from the bloc nears.

      If a resolution could not be found, he warned the CFTC could unilaterally take its own action — including barring EU banks from using critical US infrastructure such as the Chicago Mercantile Exchange.

      The CME is widely used by banks around the world to hedge their exposures to dollar swaps and US Treasuries. It could also bar US institutions from EU entities such as Deutsche Börse’s Eurex, which trades futures pegged to the prices of German government bonds.

      The industry at the heart of global market stability has become a political battleground between authorities. Clearing houses are important backstops in financial markets, managing the risk if either side on a derivative transaction — a company or a bank — defaults.

      The City of London is the leading global player in the trading and clearing of derivatives, including 90 per cent of euro-denominated swaps. To compensate for the UK’s departure from the EU, Brussels wants to equip their regulators with more direct oversight of London clearers.

      The European Commission’s package of reforms relating to clearing houses are slowly working their way through the Brussels legislative pipeline, with member states divided over the implications of centralising oversight.

      The US and UK have a common cause in resisting European plans for extensive oversight, with both sides supporting “deference” to local regulators, with close co-operation.

      While no breakthrough is imminent in the negotiations, the US has increased pressure due to progress being made that has potential implications for non-EU clearing houses.

      The latest warnings from Washington fit a pattern of turbulent US-EU talks over the regulation of clearing houses. While both sides have threatened potentially dire consequences for markets, the disputes have typically been resolved amicably.

      Mr Giancarlo has long argued for the EU to rethink its plans, arguing they could also be applied to US markets. In his strongest warning so far he said the plans were “wholly unacceptable”.

      US market participants would be in the “completely untenable position of having to choose between violating domestic laws and regulations or violating foreign laws and regulations”, he told a derivatives conference in Chicago.“

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  2. tgarner9 schreibt:

    Entdecke die Fehler:
    Hier kommt der interne Kampf zwischen Eizenkot und Liberman klar zum Ausdruck.

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  3. tgarner9 schreibt:

    Moscow also stated that it’s in possession of other “irrefutable data” that supports materials presented at the Sunday briefing and proves that Israel was responsible.

    (RT) Wenn es ein Bluff ist, beruht er auf dem Wissen, daß die Gegenseite solche „Daten“ verfügbar weiß. Was könnte das sein? Israelischer Funkverkehr? Schwerlich, aber vor allem wäre es in diesem Fall kindisch unprofessionell, damit hausieren zu gehen.
    Also?
    Eben!

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  4. franziska schreibt:

    Zur übergreifenden Theorie von der neuen Global-Player-Klasse frage ich mich, ob mit „Brüssel“ als Imperiumszentrum nicht dasselbe passieren wird (muss?) wie bei Indienstnahme des US-Militärs: Nationalstaatlich, womöglich EU-weiter Widerstand. Mal davon abgesehen, dass NATO Streitkräfte ohne US-Unterstützung (oder sind die unterm NATO-Titel zwangsläufig wieder eingebunden?) dann doch ein erheblich ausgedünntes Gewaltpotential darstellen (oder täusche ich mich da? etwa, wenn die unbekannten israelischen Nuklear-Kapazitäten mit einbezogen werden? selbst dann…)?
    Das Gesamtbild wird weiter verwirrt, weil unterhalb der Global-Kabale ja die alten imperialistischen Auseinandersetzungen weitergehen (Staaten-Imperium vs Player-Imperium?).
    Die eigentliche Frage ist, ob das Global-Projekt kontingent erfolgreich ist oder scheitert – oder ob es eine kategoriale Schranke dafür gibt – eine These, die zB (es mag prominentere geben, aber zufällig hatte ich mich kürzlich mit dieser zu beschäftigen) von der „politische Marxistin“ Ellen Wood in ihrem Imperialismus-Buch vertreten wird (ohne für mich erkennbare Begründung, allerdings).
    Welche Art von Global-Kredit soll solch eine Global-Produktionsweise bzw -Klasse betätigen? Oder… ist sie gezwungen, für ihre Geschäfte in ähnlicher Weise national basiertes Weltgeld zu rekrutieren, wie sie sich eine Streitmacht rekrutiert? Das sieht alles sehr prekär aus, aber, zugegeben, das heisst nicht, dass es nicht versucht wird.
    PS: Bei all den Lesepflichten, denen man nachkommen soll, war ich, anders als treuere Leser, bisher nicht imstand, die in diesem Blog vorgetragene Theorie in allen Details nachzuvollziehen. Von daher bitte ich im vorhinein um Nachsicht, falls meine Fragen bzw Mutmassungen sich anhand früherer Texte hier erledigt haben soltlen.

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    • tgarner9 schreibt:

      Grüß Dich, Franziska
      Selbst wenn die Kreissäge in meinem Kopf heute leiser wäre, als sie ist, fiele mir eine nutzbringende Antwort schwer. Grundsätzlich muß ich Dich deshalb vertrösten. Aber ein paar Dementis will ich vorab loswerden.

      1. Es gibt – fast selbstverständlich – „Global-Projekt“e, Plural, nicht aber singular. Die Gegensätze zwischen Global Playern sind nicht weniger virulent als die zwischen Nationalen Kapitalen klassischen Zuschnitts, tatsächlich müssen sie schärfer sein, weil sie auf zusätzlichen Ebenen angesiedelt sind. Eine Einheit kann es nur bzgl Gefahrenabwehr und Eindämmung von Großbränden geben.
      2. Nicht nur deshalb lehne ich den Ausdruck „Global-Kabale“ ab. Es gibt – und in diesem anderen Zusammenhang habe ich selbst wohl gelegentlich von Kabale, eher von „Rackets“ gesprochen – Bünde, Kabalen, Rackets innerhalb dieser „Klasse“, die sicherlich besser als „Stand“ anzusprechen ist. Von „Klasse“ zu sprechen habe ich mich verführen lassen, weil das, was die handelnden Figuren verbindet, weniger in Kapitaleigentum als Verwaltung desselben PLUS Betreuung von etwas liegt, was ihnen nicht eignet, sondern das Medium ist, in dem sie sich bewegen: Nationalkredit in der Eigenschaft von Weltgeld. Diese Figuren haben in einem bestimmenden Umfang „die Sache“, auf die EZB und FED Titel ausgeben. Andererseits bestimmen sie nur über eine Hälfte dieser Sache, die andere Hälfte ist die Produktion von Leichen und das „kreative Chaos“ militärischer Verwüstung in kontinentalen Maßstab.

      3. WTF soll ein Interesse an „Erfolg“ oder „Mißerfolg“ einer Feuerwehr haben, aus deren Reihen die Mehrzahl der Brandstifter kommt? Dieser Bund aus Bünden, der bei Bedarf in Tätigkeit tritt, dürfte in beträchtlichem Umfang der Riege führender Mafiabosse ähneln, die in den USA mindestens 20 Jahre einen Teil der Staats- und selbst Föderationspolitik mitgestaltet hat.

      4. Eine „kategoriale Schranke“ kann es, behaupte ich, nicht geben, weil der Gegenstand dieses Standes die Bestimmung und / oder Eingrenzung regionalen bis globalen Gewaltbedarfes ist, und die Schranke dafür die physische Handlungsfähigkeit der Akteure und ihrer Opfer.

      baw. wenn’s mir besser geht.,

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