„Wieviel NATO steckt in Norkin und Anhang?“

(Fragt Klaus – Peter)

Dies ein wenig aufzuhellen, dürfte ein bedingt geteiltes Interesse beider Seiten sein. Norkin & Co. sind außerstande, eine halbwegs klare Vorstellung darüber zu gewinnen, „wie viel NATO“ in ihren Aufträgen und Zielsetzungen „steckt“, bevor sie die Stellung der russischen Seite ausgelotet haben.

Zu den Voraussetzungen muß man wissen, Latakia – die Provinz – ist auf einer allgemeinen strategischen Linie für die regierenden Zionisten „Off limits“. Seit Beginn der „heißen“ Phase des Angriffes auf Damaskus, im Herbst 2011, haben israelische Geheimdienste Latakia als künftiges Homeland für Alaviten, Schiiten und zersprengte Reste der Loyalisten der syrischen Militärherrschaft ins Gespräch gebracht. Ein „libysches“ Szenario in Syrien können die regierenden Zionisten, zumindest die Pragmatiker unter ihnen, nicht anstreben, so lange keine Tel Aviv unbedingt loyale auswärtige Besatzungsmacht für Syrien zur Verfügung steht. Die USA kommen dafür aus verschiedenen Gründen dauerhaft nicht in Frage, weil die imperialen Interessen Washingtons mit denen Israels konfligieren müssen, so lange der Yinon-Plan nicht umgesetzt, d.h. alle militärisch potenten Player der Region neben Israel zerschlagen sind. Daran ändert sich nichts, wenn – systemtheoretisch gesprochen – das Imperiumszentrum nach Brüssel (oder London) rückt.
Die neue Phase des Irankrieges, die Trump mit dem erneuerten Bündnis mit dem KSA aufgelegt hat – es gibt ein oder zwei Artikel dazu in diesem Blog – verschärft den israelisch-amerikanischen Konflikt entgegen allem Anschein. Israel wurde genötigt, sich der antiiranischen Front des WH um den Preis einer Aufwertung des KSA zur Israel grundsätzlich gleichwertigen Regionalmacht von Washingtoner Gnaden offiziell anzuschließen. Dies vertieft auch die Spaltung in der Zionistischen Internationale bis zu dem Punkt, wo sie ihr Heil bei der EU, und das heißt unter den gegebenen Umständen, bei der NATO gegen WH und Pentagon sucht. Das kompliziert die Lage in einem Umfang, der sie allen Playern undurchsichtig macht! Der potentiell und real verläßlichste Partner Israels ist unter diesen Umständen … Moskau! Unter dem breit gefächerten militärischen Druck auf Moskaus Engagement in der Levante erscheint die Schnittmenge russischer und israelischer Interessen zumindest auf der taktischen Ebene die kalkulierbarste aller bilateralen Beziehungen involvierter Player, möglicherweise kalkulierbarer, als die Schnittmengen türkischer und russischer Interessen.

Es fällt auf, daß der Angriff der IDF nicht der vorgeblichen „iranischen Raketenfabrik“ bei Wadi Jahannam galt, die der israelische Geheimdienst vor weniger als drei Wochen in den öffentlichen Focus gerückt hat. Stattdessen wurde die unbedeutenste der drei unter dem Link vorgestellten Anlagen angegriffen, nahe Masyaf. Beachtet, daß es eine russische Abwehrstellung, angeblich S-400, in unmittelbarer Nachbarschaft gibt und daß sie angeblich nicht in Tätigkeit trat.

Die Personalie Norkin ist in diesem Zusammenhang nicht uninteressant.
Norkin war zusammen mit seinem Vorgänger Eshel, den er August 2017 ablöste, verantwortlich für die Einbettung der IAF in die NATO-Streitkräfte plus die an Operation OIR beteiligten Luftwaffen, einschließlich der jordanischen und saudischen. Ebenfalls gemeinsam zeichneten sie verantwortlich für die überaus anspruchsvolle Aufgabe, die F-35 zur künftigen strategischen Hauptwaffe der IAF neben den nuklear bestückbaren Missiles vorzubereiten. Im Mai meldete Norkin bedingten Vollzug. Parallel – dazu habe ich jetzt keinen Link und mag nicht suchen – richtete die NATO ein neues, umfangreiches Munitionslager in Israel ein, nachdem Israel in den USA mit Bitten um außerordentliche Aufstockung seiner über Syrien, Irak und Gaza geleerten Munitionsbestände zunächst aufgelaufen war. Man kann die Frage, wie viel NATO in Norkin stecke, in einem nicht zu bestimmenden Umfang mit der Antwort bescheiden: So viel, wie Norkin und sein Chef Eizenkot via Munitionsbeschaffung an die NATO und die mit Northrop verbundene militärische UND politische Infrastruktur via F-35 gebunden ist.
In diesem Zusammenhang lege ich einigen Wert auf folgenden Kaffeesatz:
Der ToI war anläßlich der Bestallungszeremonie von Norkin daran gelegen, Liberman’s Drohungen in die Welt zu posaunen:

“Norkin, you are entering the position and will immediately have to deal with many challenges. You will need to continue to turn the long arm [of the IDF] into a much longer arm.”

Die offizielle IAF-Website zog es vor, selbst noch die Anwesenheit Libermans bei der Zeremonie zu verschweigen und Eizenkots Betonung der defensiven Funktion der IAF in den Vordergrund zu stellen.
Daß die Berufung Norkins ein Diktat Libermans gewesen sein könnte, mag auch daran zum Ausdruck kommen, daß es keinen Gegenkandidaten gab, was für die IAF durchaus unüblich ist.

Die unzweideutige Einbettung der IAF in eine mehr oder minder eigenständig handelnde NATO-Angriffsmacht im Mittleren Osten in den vergangenen Monaten ist in Summe ein „Datum“, das beständiger Austarierung bedarf – und das soll wohl in Moskau anläßlich der jüngst ausgehobenen Phasen der Aufteilung Syriens an der Südfront, in Idleb und – nicht zu vergessen – in Rojava, wo Centcom Gerüchten zufolge Luftabwehrstellungen an die Provinzgrenzen klotzt, geschehen.

Ergänzende Lektüren:

Alastair Crooke 01.09, 12.09, 18.09
MoA (20.09): Trump’s Staff Overrides His Policies 

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11 Antworten zu „Wieviel NATO steckt in Norkin und Anhang?“

  1. tgarner9 schreibt:

    Für den größeren Zusammenhang empfehle ich, trotz seiner Fehlerhaftigkeit, auch dies:
    https://www.strategic-culture.org/news/2018/08/28/asymmetric-financial-war-and-radical-us-leverage-what-will-it-bring.html
    – mit einem besonderen Wink in Richtung der „Genossen“, die, wie ich höre, jetzt belieben, die Angriffe Trumps auf den Rest der Welt, insbesondere im Hinblick Iran, zur „Erpressung mit dem Dollar“ zu stilisieren. Obwohl nicht völlig verkehrt, ist das eine komplette Verkennung der Emanzipation der Global Player von nationalen Agenden, die nicht dadurch zunichte wird, daß nationale Agenden das Medium bleiben – und wg der Lokalität und Territorialität der Militärpolitik bleiben müssen.
    Denselben Fehler begeht auch Crooke, aber nicht auf so primitive, v.a. nicht derart uninformierte Weise, wie die „Genossen“ das zu tun scheinen. Um wenigstens das Stichwort zu geben:
    „Die Märkte“, wie sie in Crookes Darstellung figurieren, und in klassischen Erpressungsszenarien, wie sie bei den GEnossen vorzukommen scheinen, figurieren müssen, sind eine falsche Abstraktion. Soweit es sie je gegeben hat – darüber könnte man sehr wohl streiten – gibt es sie seit spätestens 9/11 nicht mehr. Ich habe es an anderen Stellen schon ein wenig (wenngleich ebenfalls völlig unzureichend) begründet: Die zwischen vielleicht 50 und 80 bedeutensten Global Player haben unter dem Druck des „War on Terra“ eine eigene politische Klasse zu formen begonnen – sie, nicht anonyme „Märkte“ nach dem Muster monetaristischer Ideologeme, haben beschlossen, „dem König“ sei einstweilen zu geben, was „des Königs ist“, Trump sei „too big to fail“.
    Einer der wesentlichsten Wirbel in dieser Phase ist das sang- und klanglose Scheitern des „pacific pivot“ Obamas, das etablierte Faktum, daß die Vorherrschaft chinesischen Kapitals in Südostasien ohne Kriege von globaler Destruktionswirkung nicht zu stoppen ist, und zwar umso weniger, je mehr der amerikanische Krieg gegen Europa mit und ohne russische Bande den asiatischen Raum nach Westen deckt, vornehmlich durch den Schutz Indiens und des Irans, aber auch durch die russisch bedingt ermutigte nationale Selbstbehauptung der Türkei.

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    • Berengar schreibt:

      US threatens to bar EU banks from exchanges

      „FTC escalates dispute over Brussels’ attempt to impose oversight of clearing houses; Christopher Giancarlo, head of the CTFC, has called for a reduction of regulation.

      Philip Stafford in London

      October 17, 2018

      One of the US’s top regulators has threatened to stop European banks from using US futures markets if the EU refuses to water down post-Brexit plans to oversee clearing houses.

      Christopher Giancarlo, head of the Commodity Futures Trading Commission, said on Wednesday that EU plans — ostensibly in response to the UK’s move to leave the EU — were “completely irresponsible” and could be met with a stern reaction from Washington.

      “These are blunt and strong tools,” Mr Giancarlo said, acknowledging that it could have a serious impact on global markets. “None of these options represent a course of action that I wish to pursue.”

      Mr Giancarlo’s fierce warning comes as UK authorities try to remove tensions with the EU around the issue of clearing as the UK’s departure from the bloc nears.

      If a resolution could not be found, he warned the CFTC could unilaterally take its own action — including barring EU banks from using critical US infrastructure such as the Chicago Mercantile Exchange.

      The CME is widely used by banks around the world to hedge their exposures to dollar swaps and US Treasuries. It could also bar US institutions from EU entities such as Deutsche Börse’s Eurex, which trades futures pegged to the prices of German government bonds.

      The industry at the heart of global market stability has become a political battleground between authorities. Clearing houses are important backstops in financial markets, managing the risk if either side on a derivative transaction — a company or a bank — defaults.

      The City of London is the leading global player in the trading and clearing of derivatives, including 90 per cent of euro-denominated swaps. To compensate for the UK’s departure from the EU, Brussels wants to equip their regulators with more direct oversight of London clearers.

      The European Commission’s package of reforms relating to clearing houses are slowly working their way through the Brussels legislative pipeline, with member states divided over the implications of centralising oversight.

      The US and UK have a common cause in resisting European plans for extensive oversight, with both sides supporting “deference” to local regulators, with close co-operation.

      While no breakthrough is imminent in the negotiations, the US has increased pressure due to progress being made that has potential implications for non-EU clearing houses.

      The latest warnings from Washington fit a pattern of turbulent US-EU talks over the regulation of clearing houses. While both sides have threatened potentially dire consequences for markets, the disputes have typically been resolved amicably.

      Mr Giancarlo has long argued for the EU to rethink its plans, arguing they could also be applied to US markets. In his strongest warning so far he said the plans were “wholly unacceptable”.

      US market participants would be in the “completely untenable position of having to choose between violating domestic laws and regulations or violating foreign laws and regulations”, he told a derivatives conference in Chicago.“

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    • Berengar schreibt:

      Es geht weiter, diesmal in der Times (ich kopier den Volltext wieder raus wegen der paywall):

      Make no mistake, the EU depends on the City

      »It’s a gross misrepresentation to suggest that Britain’s financial services industry needs to beg favours from Brussels

      A peculiarity of the British response to the Brexit imbroglio has been our collective determination to pretend that even when we have a decent hand the situation is hopeless. Perhaps British gloom this autumn, unremitting among our intelligentsia, is down to the arrival of poor weather, or to the depressing spectacle of the government’s poorest performing ministers being put on television and proving in the process that they should not be allowed out in public.

      Whatever the explanation, Brexit Britain is too often cast as the doomed supplicant, rather than as a major economy with serious strengths.

      One area where the UK is particularly strong is in financial services. The EU badly needs access to the City of London, a highly efficient global giant. Yet somehow it is too often viewed the other way round, quite wrongly, as though we will be lucky to carry on getting any access to the EU.

      When The Times reported a breakthrough in the talks today, with a deal inked in on services, it suggested each side is prepared to regard the other’s regulations as “equivalent”, with regulators and central banks cooperating and managing this on a day-to-day basis. This was presented by broadcasters as the EU throwing us a lifeline, enabling our financial services companies to sell products in the EU. That is a misreading of the true position.

      The relative strength of the City was illustrated this week when the EU accepted reality — that the eurozone needs London — and made a key concession. Valdis Dombrovskis, the European commissioner responsible for financial regulation, said that EU institutions could still use the London derivatives market rather than doing everything on the Continent, where there is simply insufficient capacity. The concession would be strictly temporary, Dombrovskis stressed, but the EU breaking its rules usually begins as a temporary measure.

      Although the derivatives market might sound mundane, it is vast and critical to the functioning of the European economy. The City of London handles a notional $450 trillion (£350 trillion) of swaps and futures contracts. For European corporate giants — companies such as BMW — and banks in the eurozone, London is a source of expertise where debt is raised, recycled, insured and hedged against fluctuations and failures.

      Politely, the Bank of England had warned the eurozone recently that while it is prepared to allow London to handle the business that comes from the EU — £41 trillion is at stake — unless the European Central Bank reciprocated, as it has now done, the London clearing houses would have to start turning the EU’s banks away because to work with them would be illegal. That would force EU banks, companies and consumers to look elsewhere, raising their costs and creating instability. The EU conceded.

      Not long ago, the overwhelming consensus — wrong, it turned out — was that the vote to leave the EU would mean an exodus from the City, as workers in the financial services industry queued up to get on planes to relocate their families to Paris, Dublin, Amsterdam and Frankfurt. This has not happened to any meaningful extent. Sensibly, leading banks and investment firms have opened offices in other European countries from where they can work inside the EU after Brexit. Such contingency planning is not a replacement for London, it is an adjunct.

      Unwittingly demonstrating the continuing pull of the City, this week the Financial Times put together a comparison of the various tax breaks on offer from EU countries to lure bankers. The bribes have not worked, so far. Whereas once many tens of thousands of jobs were supposed to vanish from the UK, now the estimate is loitering down around 5,000, under 2 per cent of total City employment.

      This British advantage in finance is not the product of some inherent genius. It just happens that down the centuries, thanks to a strange combination of design and historical accident — trade finance, links with the Netherlands, the development of contract law, empire, the English language, scale, and then skill at handling euro-denominated debt — the Britain has ended up with a global financial hub at the heart of its capital.

      This is understood by the technocrat leading the EU27’s negotiating team, it seems. “Michel [Barnier] understands this really, at a granular level, he’s been a European commissioner for financial services,” says a source on the British side. “London competes with New York and Singapore. Paris is not going to replace the City.”

      There is, though, a much larger danger to the long-term health of the City. The risk is that in the final stretch of the withdrawal negotiations, No 10 becomes tempted to concede too much on financial services at the last moment, squandering the efforts of those who have argued, correctly, that the EU cannot possibly have oversight of UK financial services after Brexit.

      A largely unheralded battle has been fought by senior figures in the Bank of England since the referendum. They point out that the size of the City is such that it cannot be regulated — told what to do, that is — by email from much smaller financial centres, such as Paris, where the European Banking Authority will be based, or from Frankfurt, home of the ECB.

      In an age of digital disruption and innovation British policymakers will need to be deft in getting the balance right between risk and regulation, if they are to keep the City competitive compared to its global rivals. That cannot mean having to run innovations past a bureaucrat in Paris for approval, or not.

      There’s a balance to be struck here. London has no God-given right to European leadership in financial affairs: jingoism is daft, Germany is much stronger in other economic spheres and the combined power of the EU27 is considerable. But where we do have an advantage we really should stop wishing it away and instead get on with growing a British success story.«

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      • Berengar schreibt:

        Anmerkungen:

        Vermutlich wird es niemanden hier wundern, daß das Haus- und Hofblatt des englisches Establishments Whitehall nahelegt, bitte sehr und bitte gleich auf die Fianzer aufzupassen, weil die nämlich etwas mehr sind als bloß Goldesel: Die sind ein Trumpf auf internationaler Bühne und hervorragend geeignet, insbesondere die Ökonomien des Kontinents in Schach zu halten, weswegen es sich empfiehlt, nicht zu genau hinzuschauen, was die Herren da so treiben; vor allem aber, es mit den „Regulierungen“ nicht zu übertreiben (und schon gleich nicht mit denen, die „aus Brüssel“ kommen könnten).

        Das ist für jede britische Regierung schwer zu ignorieren – weil’s stimmt. Ja, genau das ist und das macht die City nämlich! So wird auch mühelos erklärlich, weshalb anno dazumal diverse Versuche, die Deutsche Börse mit der London Stock Exchange zu fusionieren, auf politischer Ebene (nicht nur in London, sondern vor allem in Washington, sowohl von Bush als auch Obama) offensiv und endgültig erledigt worden sind.

        Doch das ist nur die eine Seite.

        Whitehall weiß nämlich ebenso, daß die City ein Trumpf ist, der nicht wirklich dazu gedacht ist, auf den Tisch gelegt und gespielt zu werden. Er ist als Drohung und Erpressungspotenzial viel wertvoller, denn spielt man ihn mehr als einmal aus, wird er wirkungslos. Ist nämlich der Kontinent von den Finanzern in London erstmal abgeschnitten, bricht zunächst mal die Hölle los, aber anschließend ist jede Notwendigkeit entfallen, die City noch weiter zu benötigen. Es gibt seit Jahren Pläne in den Schubladen, dem Kontinent selbst eine eigenständige Finanzsphäre zu verschaffen, die er bislang nicht in erwünschtem Maße besitzt (dazu gehören Sachen wie eine eigene europäische Ratingbehörde, eine Finanztransaktionssteuer, ein vom Common Law verschiedenes, eigenes europäisches Privatrecht für Obligationen, Beschränkungen des Marktzutritts nicht-europäischer Investmentbanken und Investmentfonds usw. usf.). Diese Pläne gibt es, es fehlte ihnen bislang nur an politischer Gefolgschaft, die in der Lage wäre, sie auf die Agenda zu setzen. Lässt man dem Kontinent keine andere Möglichkeit mehr, ändert sich das aber.

        Das wissen sowohl Barbier als auch May.

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      • tgarner9 schreibt:

        Oh Mann, Berengar, was für ein Paviantheater, stimmst Du mir zu?
        Ich verstehe von den Geschäften, um die es da geht, fast gar nichts, aber ich denke, das ist an diesem Punkt auch nicht nötig. Ich mach mal den Versuch, die „Szenen“ in diesem Stück ein wenig zu ordnen.

        1) Allgemein:
        Es geht um Finanzdienstleistungen. Ein Dienstleister kann sich entweder selbst aus dem Geschäft feuern, wenn er die Kunden zurück weist, oder er verteuert seine Dienste in der Hoffnung, sich aufgrund seiner Stellung trotzdem gegen die Konkurrenz behaupten zu können, weil der Kunde davon Abstand nimmt, reziprok zu antworten und „aus Prinzip“ den Anbieter zu wechseln. Letzteres geht im vorliegenden Fall schon mittelfristig nicht auf, wie Du gesagt hast, und möglicherweise schon kurzfristig nicht, weil die britischen Töchter auf dem Kontinent nicht an Londoner Weisungen gebunden sind.

        2) Konkret:
        Das Thema ist ein Deal, in dem ein „Äquivalenzprinzip“ kontinentaler und britischer Regulierung den Status Quo möglichst konstenneutral bewahren, also „Brexit“ praktisch irrelevant für den Finanzdienstleistungsverkehr machen soll, indem Streitfragen auf untergeordnetem Level von Fall zu Fall entschieden werden. So etwas wird überhaupt nur verhandelt, wenn die Beteiligten darauf vertrauen, daß keine Seite ernstlich an Störungen des Geschäftsverkehrs interessiert ist.

        3) Dies Vertrauen ist schon mehr oder minder dadurch gegeben – vermute ich stark – daß London diesen Markt nur zum politischen Hebel machen kann, indem es den spezifischen Vorteil der Londoner City selbst zunichte macht. Die City vermittelt Geschäfte vielfältigster juristischer Herkünfte u.a. mittels minimaler Kontrolle und Regulierung. Dabei nehmen viele, insbesondere asiatische und afrikanische Geschäfte logistisch den Weg über den Kontinient. Im Falle dauerhaften administrativen Streites müßte der City das bürokratische Korsett aus Kontrolle und Regulierung aufgesetzt werden, das man dort gerade nicht haben will und besonders im Asien- und Zentralasiengeschäft (Russland incl.) auch nicht brauchen kann.

        4) Es geht also im Kern um mögliche transatlantische Störmanöver, namentlich der Treasury, wie im Artikel von Stafford weiter oben gefordert. Von denen ist bei Iain Martin jedoch nicht die Rede. Er bettelt praktisch um kontinentale Konzessionen für britische Freizügigkeit im Finanzdienstleistungsverkehr, die, siehe Punkte 1-3, seitens der EU Erpressungstitel auf Verhandlungsfeldern darstellen, die mit diesem Geschäftsfeld allenfalls mittelbar verknüpft sind.

        Habe ich das einigermaßen richtig?

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  2. tgarner9 schreibt:

    Entdecke die Fehler:
    Hier kommt der interne Kampf zwischen Eizenkot und Liberman klar zum Ausdruck.

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  3. tgarner9 schreibt:

    Moscow also stated that it’s in possession of other “irrefutable data” that supports materials presented at the Sunday briefing and proves that Israel was responsible.

    (RT) Wenn es ein Bluff ist, beruht er auf dem Wissen, daß die Gegenseite solche „Daten“ verfügbar weiß. Was könnte das sein? Israelischer Funkverkehr? Schwerlich, aber vor allem wäre es in diesem Fall kindisch unprofessionell, damit hausieren zu gehen.
    Also?
    Eben!

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  4. franziska schreibt:

    Zur übergreifenden Theorie von der neuen Global-Player-Klasse frage ich mich, ob mit „Brüssel“ als Imperiumszentrum nicht dasselbe passieren wird (muss?) wie bei Indienstnahme des US-Militärs: Nationalstaatlich, womöglich EU-weiter Widerstand. Mal davon abgesehen, dass NATO Streitkräfte ohne US-Unterstützung (oder sind die unterm NATO-Titel zwangsläufig wieder eingebunden?) dann doch ein erheblich ausgedünntes Gewaltpotential darstellen (oder täusche ich mich da? etwa, wenn die unbekannten israelischen Nuklear-Kapazitäten mit einbezogen werden? selbst dann…)?
    Das Gesamtbild wird weiter verwirrt, weil unterhalb der Global-Kabale ja die alten imperialistischen Auseinandersetzungen weitergehen (Staaten-Imperium vs Player-Imperium?).
    Die eigentliche Frage ist, ob das Global-Projekt kontingent erfolgreich ist oder scheitert – oder ob es eine kategoriale Schranke dafür gibt – eine These, die zB (es mag prominentere geben, aber zufällig hatte ich mich kürzlich mit dieser zu beschäftigen) von der „politische Marxistin“ Ellen Wood in ihrem Imperialismus-Buch vertreten wird (ohne für mich erkennbare Begründung, allerdings).
    Welche Art von Global-Kredit soll solch eine Global-Produktionsweise bzw -Klasse betätigen? Oder… ist sie gezwungen, für ihre Geschäfte in ähnlicher Weise national basiertes Weltgeld zu rekrutieren, wie sie sich eine Streitmacht rekrutiert? Das sieht alles sehr prekär aus, aber, zugegeben, das heisst nicht, dass es nicht versucht wird.
    PS: Bei all den Lesepflichten, denen man nachkommen soll, war ich, anders als treuere Leser, bisher nicht imstand, die in diesem Blog vorgetragene Theorie in allen Details nachzuvollziehen. Von daher bitte ich im vorhinein um Nachsicht, falls meine Fragen bzw Mutmassungen sich anhand früherer Texte hier erledigt haben soltlen.

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    • tgarner9 schreibt:

      Grüß Dich, Franziska
      Selbst wenn die Kreissäge in meinem Kopf heute leiser wäre, als sie ist, fiele mir eine nutzbringende Antwort schwer. Grundsätzlich muß ich Dich deshalb vertrösten. Aber ein paar Dementis will ich vorab loswerden.

      1. Es gibt – fast selbstverständlich – „Global-Projekt“e, Plural, nicht aber singular. Die Gegensätze zwischen Global Playern sind nicht weniger virulent als die zwischen Nationalen Kapitalen klassischen Zuschnitts, tatsächlich müssen sie schärfer sein, weil sie auf zusätzlichen Ebenen angesiedelt sind. Eine Einheit kann es nur bzgl Gefahrenabwehr und Eindämmung von Großbränden geben.
      2. Nicht nur deshalb lehne ich den Ausdruck „Global-Kabale“ ab. Es gibt – und in diesem anderen Zusammenhang habe ich selbst wohl gelegentlich von Kabale, eher von „Rackets“ gesprochen – Bünde, Kabalen, Rackets innerhalb dieser „Klasse“, die sicherlich besser als „Stand“ anzusprechen ist. Von „Klasse“ zu sprechen habe ich mich verführen lassen, weil das, was die handelnden Figuren verbindet, weniger in Kapitaleigentum als Verwaltung desselben PLUS Betreuung von etwas liegt, was ihnen nicht eignet, sondern das Medium ist, in dem sie sich bewegen: Nationalkredit in der Eigenschaft von Weltgeld. Diese Figuren haben in einem bestimmenden Umfang „die Sache“, auf die EZB und FED Titel ausgeben. Andererseits bestimmen sie nur über eine Hälfte dieser Sache, die andere Hälfte ist die Produktion von Leichen und das „kreative Chaos“ militärischer Verwüstung in kontinentalen Maßstab.

      3. WTF soll ein Interesse an „Erfolg“ oder „Mißerfolg“ einer Feuerwehr haben, aus deren Reihen die Mehrzahl der Brandstifter kommt? Dieser Bund aus Bünden, der bei Bedarf in Tätigkeit tritt, dürfte in beträchtlichem Umfang der Riege führender Mafiabosse ähneln, die in den USA mindestens 20 Jahre einen Teil der Staats- und selbst Föderationspolitik mitgestaltet hat.

      4. Eine „kategoriale Schranke“ kann es, behaupte ich, nicht geben, weil der Gegenstand dieses Standes die Bestimmung und / oder Eingrenzung regionalen bis globalen Gewaltbedarfes ist, und die Schranke dafür die physische Handlungsfähigkeit der Akteure und ihrer Opfer.

      baw. wenn’s mir besser geht.,

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