Frankreich, Niederlande scheinen Terrorwelle zu gewärtigen

Vgl. u.a. 1, 2, 3.

Vorgänge in den seit 200 Jahren tobenden Geheimdienstkriegen, Markenzeichen bürgerlicher Gesellschaften seit der Nationenbildung, wie sie unter den Links besprochen werden, mögen sie auf Fakten, Verdächtigungen oder Spekulationen beruhen, erblickten bislang allenfalls nach Jahren oder gar Jahrzehnten das Licht der Öffentlichkeit (vgl. dazu Bernards Rückblick), auch und erst recht in den heißesten Phasen des sogenannten „Kalten Krieges“. Was ist verändert?

Erstens tobt seit 9/11 ein heißer Krieg, begonnen als amerikanischer „War on Terra“, Krieg gegen alles, was des Antiamerikanismus verdächtig ist, überführt in einen Krieg der metropolitären Eliten um maßgeblichen Einfluß auf das Imperiumszentrum, dessen Verlaufsform eine starke Phase hybriden Krieges der USA, ihres britischen Paladin und deren zionistischen Verbündeten gegen die EU einschließt.
Zweitens sind die Fronten in diesem Krieg, in den zahlreiche dritte Parteien sowohl passiv wie aktiv verwickelt worden sind, für die Beteiligten schwerlich übersichtlich geblieben.

Halbwegs übersichtlich ist der Status des MEK. Es ist eine von den Neocons formierte Terrorgruppe, die nach dem von Obama diktierten Ende des Besatzungsregimes im Irak von Killary „we came, we saw, he died“ Clinton parallel zum vorzüglich, wenngleich bei weitem nicht ausschließlich, gegen Deutschland gezielten Libyenkrieges in Albanien aufgestellt, ausgerüstet und für Proxykriege trainiert wurde. Es ist eine solide Arbeitshypothese, daß der britische Flügel der NATO die politische Anleitung der MEK übernommen hat.

Nachdem nun, der Nachrichtenlage nach, die französische und belgische Abwehr den geheimdienstlichen Erfolg erzielt hat, ein militärisches Kommando der iranischen Abwehr aufzuspüren, das plante, mit einer einpfündigen Sprengladung ein paar Führungsfiguren der MEK auszulöschen 1, deren Anwesenheit bei einer großformatigen französischen Propagandaveranstaltung erwartet wurde, müßte es auf den ersten Blick irrsinnig erscheinen, daß dieser Erfolg drastisch geschmälert wird, indem er öffentlich breit getreten und die angeblich verantwortlichen iranischen Führungsfiguren namhaft gemacht werden. Das hellt einträgliches Zwielicht über der französisch-belgischen Quellenlage auf und gibt Titel im branchenüblichen Erpressungskrieg und Pokerspiel sowohl auf geheimdienstlicher wie diplomatischer Ebene auf.

Ich kann nur zwei gekoppelte Gründe für diese Entscheidung ersinnen.
Der erste, naheliegende Grund ist, daß insbesondere Frankreich an genau einer Nötigung des Iran gelegen ist, die nicht geschmälert wird: Es fordert Zusammenarbeit mit den iranischen Diensten bei der Überwachung der MEK. Der Titel ist derselbe, wie in der antirussischen Kampagne. Man droht, den befürchteten oder erwarteten, voraussichtlich britisch geleiteten Terrorkrieg der Internationalisten gegen Kerneuropa unter deutscher und französischer Führung mit dem Ziel, eine britische Prärogative über die Geschicke der EU aufrecht zu halten, offiziell neben Russland auch dem Iran in die Schuhe zu schieben, falls die iranische Führung sich weigern sollte, einen maßgeblichen Teil ihres außenpolitischen Geschicks in europäische Hände zu legen.

Zufall, daß die europäischen Brexit-Unterhändler heute angeblich Bereitschaft signalisiert haben, sich der britischen Erpressung mit einem „harten“ Brexit zu ergeben, die sie erst vor wenigen Tagen auf dem EU-Gipfel brüsk von sich gewiesen haben? Schwerlich. Es ist ein Zeitspiel. Die Drohungen gegen Brüssel aus den Reihen der Global Player, ausgeliefert in den rennomierten Fachzeitungen (Bloomberg, Financial Times), weder ein harter Brexit, noch ein Regierungswechsel im UK seien hinnehmbar, läuten die Stunden.


  1. Auf knapp ein Pfund wurde die Sprengladung des Mossad geschätzt, die 2012 im bulgarischen Burgas 6 israelische Touristen tötete (die behauptete Täterschaft der Hezbollah wurde offizielles Datum, obwohl die bulgarischen und israelischen Ermittlungen im Sande verliefen). So viel zu der Behauptung, es sei um „hunderte unschuldige Opfer“ gegangen. 
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8 Antworten zu Frankreich, Niederlande scheinen Terrorwelle zu gewärtigen

  1. Klaus-Peter schreibt:
    • tgarner9 schreibt:

      Ja, danke.
      Der Text der von Frankreich und Deutschland promoteten Europäischen Verteidigungsinitiative („keine Konkurrenz zur NATO“) plus die einschlägig bekannten Gepflogenheiten und Traditionen der NATO plus ein Haufen spezieller Vertragswerke zur polizeilichen und militärischen Kooperation erübrigen solch einen Vorgang komplett. Es handelt sich um eine lupenreine deutsche Unterwerfungsgeste, welche die britische Seite gern annimmt, obwohl sie um die gekreuzten Finger hinter dem Rücken der Gegenseite und den Grimm weiß, der sie begleitet.

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  2. Berengar schreibt:

    Gehört nicht direkt zur Substanz, aber schon zum letzten Absatz. Ich kopier den Artikel mal raus für euch, bevor er wieder hinter der Paywall verschwindet:

    US threatens to bar EU banks from exchanges

    „FTC escalates dispute over Brussels’ attempt to impose oversight of clearing houses; Christopher Giancarlo, head of the CTFC, has called for a reduction of regulation.

    Philip Stafford in London

    October 17, 2018

    One of the US’s top regulators has threatened to stop European banks from using US futures markets if the EU refuses to water down post-Brexit plans to oversee clearing houses.

    Christopher Giancarlo, head of the Commodity Futures Trading Commission, said on Wednesday that EU plans — ostensibly in response to the UK’s move to leave the EU — were “completely irresponsible” and could be met with a stern reaction from Washington.

    “These are blunt and strong tools,” Mr Giancarlo said, acknowledging that it could have a serious impact on global markets. “None of these options represent a course of action that I wish to pursue.”

    Mr Giancarlo’s fierce warning comes as UK authorities try to remove tensions with the EU around the issue of clearing as the UK’s departure from the bloc nears.

    If a resolution could not be found, he warned the CFTC could unilaterally take its own action — including barring EU banks from using critical US infrastructure such as the Chicago Mercantile Exchange.

    The CME is widely used by banks around the world to hedge their exposures to dollar swaps and US Treasuries. It could also bar US institutions from EU entities such as Deutsche Börse’s Eurex, which trades futures pegged to the prices of German government bonds.

    The industry at the heart of global market stability has become a political battleground between authorities. Clearing houses are important backstops in financial markets, managing the risk if either side on a derivative transaction — a company or a bank — defaults.

    The City of London is the leading global player in the trading and clearing of derivatives, including 90 per cent of euro-denominated swaps. To compensate for the UK’s departure from the EU, Brussels wants to equip their regulators with more direct oversight of London clearers.

    The European Commission’s package of reforms relating to clearing houses are slowly working their way through the Brussels legislative pipeline, with member states divided over the implications of centralising oversight.

    The US and UK have a common cause in resisting European plans for extensive oversight, with both sides supporting “deference” to local regulators, with close co-operation.

    While no breakthrough is imminent in the negotiations, the US has increased pressure due to progress being made that has potential implications for non-EU clearing houses.

    The latest warnings from Washington fit a pattern of turbulent US-EU talks over the regulation of clearing houses. While both sides have threatened potentially dire consequences for markets, the disputes have typically been resolved amicably.

    Mr Giancarlo has long argued for the EU to rethink its plans, arguing they could also be applied to US markets. In his strongest warning so far he said the plans were “wholly unacceptable”.

    US market participants would be in the “completely untenable position of having to choose between violating domestic laws and regulations or violating foreign laws and regulations”, he told a derivatives conference in Chicago.“

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