Erdogan bekennt sich zur Erpressung des KSA mit der Personalie Khashoggi

(Ich halte das kurz, weil der Wetterwechsel mir wieder extreme Kreischerei beschert)

Personalie? Nach Erdogans Rede bezweifle ich mehr denn je, daß Khashoggi das saudische Konsulat betreten hat, geschweige dort zu Schaden gekommen ist. Das „Eingeständnis“ aus dem KSA taugt nichts, weil es erst geliefert wurde, nachdem wochenlang niemand von Belang der Legende einer Beteiligung saudischer Staatsbediensteter am Verschwinden des Mannes entgegen getreten war, obwohl nicht ein handfestes Indiz für sie sprach. Die einzige – angebliche – Zeugin, von der man weiß, Hatice Cengiz, ist nie anders in Erscheinung getreten, als mit ihr zugeschriebenen Äußerungen Dritter. Die Bilder der türkischen Überwachungskamera, die Khashoggi beim Betreten der Botschaft zeigen sollen, sind unbrauchbar, Aufnahmezeit und Identität des Mannes sind nicht zu fixieren. Der Rest der Anschuldigungen bestand aus dem türkischen Geheimdienst zugeschriebenen anonymen Gerüchten, die jeder Plausibilität entbehren, weil der saudischen Seite nicht einmal ein Motiv zu unterstellen ist: Sie hätte Khashoggi im Konsulat, auf saudischem Boden, legal verhaften und ausfliegen können. Seine Tätigkeiten und Projekte in den USA sind einer Grauzone zuzurechnen, die auch nach westlicher, namentlich amerikanischer Lesart eine Anklage wegen Hoch- resp. Landesverrat gegen einen ehemaligen Staatsbediensteten rechtfertigen können 1.

Nun, nachdem die saudische Seite sich auf ein schadensbegrenzendes Eingeständnis eingelassen hat, verlangt Erdogan vom saudischen König, den Prozess gegen unbekannte Täter und damit die Untersuchung des angeblichen saudischen Fememordes in türkische Hände zu legen, ohne auch nur einen der Beweise dafür vorzulegen, daß es einen „Fall“ außerhalb türkischer Geheimdiensttätigkeit gibt, die er und andere Regierungsvertreter zu haben behaupteten. Klarer kann er sich zu einer Erpressung, die an Episoden aus abendländischen und orientalischen Fürstenhändeln des 12 Jhd. erinnert, kaum bekennen.


  1. Dagegen könnten probabilistische Einwände erhoben werden, die an den türkischen Gerüchten direkt oder indirekt zuschanden werden. Das zu diskutieren ist mir zu albern. Zu meiner Belustigung erzähle ich meinen Katzen gern etwas von Logik und Mathematik, aber der Clownszirkus um Khashoggi ist nicht (mehr) lustig. 
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13 Antworten zu Erdogan bekennt sich zur Erpressung des KSA mit der Personalie Khashoggi

  1. tgarner9 schreibt:

    Das letzte Zucken einer verkauften Seele
    liest sich so:
    „Die CIA-Chefin Gina Haspel ist heute in die Türkei gereist. Es gab einige Dinge mit Erdogan zum „Fall Khashoggi“ zu besprechen, „um bei den Ermittlungen zur Tötung zu helfen“, wie es Hurriyet formuliert.“
    Es ist der erste Satz unter dem Titel

    Absolute Herrscher richten sich nicht nach dem Westen von Thomas Pany.

    Ja, richtig, vor dem Titel steht ein „Saudi Arabien“ Doppelpunkt und der Rest des Machwerks ist NATO-Propaganda, zum Teil merklich abgeschrieben oder diktiert.

    Aber in den Kommentaren finden sich mehr zweifelnde Stimmen, als ich befürchtete, deshalb will ich wenigstens einen Hinweis hinterlassen.
    In meinen Augen ist der stärkste Hinweis auf eine NATO-Intrige unter maßgeblicher türkischer Beteiligung die Schauergeschichte von der zerstückelten Leiche. Es war schwerlich nötig, so dick aufzutragen. Es sei denn, Kashoggi sei vom türkischen Geheimdienst vor dem 2. Oktober getötet worden. Wird eine Leiche ausgeblutet, ist der Todeszeitpunkt nach einer gewissen Lagerzeit nur noch grob zu bestimmen. Und wer auf diesem Globus hätte vor drei Wochen gewagt, könnte heute wagen, die Türkei zu verdächtigen, wenn sie Leichenteile Khashoggis präsentiert? Eben.
    Es gibt erwiesenerweise, und nach der Skripal-Affäre vorhersehbar keine bessere „Geisel“, kein besseres Druckmittel für eine Erpressung des KSA, als Khashoggi in Stücken! „highly likely …“, ihr erinnert euch. Oder?

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  2. Berengar schreibt:

    Drüben bei MoA scheint sich Bernard aus mir schleierhaften Gründen darauf verlegt zu haben, die Grünpfeilschilde zu ignorieren und eine geringfügig entschärfte Variante der öffentlichen Lesart anzubieten: „Erdogan war’s nicht, der nimmt nur mit; die Sache selber war ein törichter Fehler von MbS“.

    Damit ist nun allerdings rein gar nichts erklärlich, oder? Nimmt man nämlich an, daß es wirklich so war (MbS wollte jemanden publikumswirksam umlegen, um damit der Welt zu signalisieren, daß Widerstand selbst dann zwecklos ist, wenn man zum irgendwie inneren Zirkel gehört – so kann man es bei CNN lesen) und ignoriert man fürderhin die Tatsache, daß zu diesem Zweck die gewählten Mittel (Tod durch ein Killerkommando im Konsulat in der Türkei mit anschließender Verarbeitung zu Fischfutter) gar nicht passen, so erfordert diese Deutung mindestens eine weitere Erklärung: Das Killerkommando ist tatsächlich in die Türkei ausgerückt, sofern man also nicht entweder von einer Fata Morgana oder einer maximalen Dummheit aufseiten MbS‘ ausgeht, ist dazu mindestens eine abtrünnige einheimische Fraktion am Hofe nötig, die die Sache einfädelte, um MbS darüber stolpern zu lassen.

    Wo ist die?

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    • tgarner9 schreibt:

      Ich weiß von keinem „Killerkommando“, Berengar. 15 Mann, die in zwei Gulfstreams in zwei Wellen einfliegen, zu unterschiedlichen Zeiten abfliegen und, übrigens (das nur nebenher) dem Vernehmen aus Quellen nach, die ich nicht überprüfen kann, anschließend in einem Fall ein paar Tage in Kairo verbracht haben, im anderen eine Sightseeing – Tour in den Irak geflogen sind, das ist kein „Killerkommando“. Ansonsten wäre es blöd, zu unterstellen, daß an der Operation keine prominenten Saudis bzw. deren Vertreter beteiligt waren. Da ein militärischer Eingriff offenbar nicht in Frage kommt, also auch nicht kam, mußte ein Teilziel Stärkung der Feinde MbS sein, die er seit seiner Ernennung hat, und denen er anschließend noch jede Menge hoch erbitterte Figuren beigesellte.
      Doch für etwas von dieser Art hätte man die imperiumspolitische Aufmischung doch bitte peinlichst vermieden. Für die hat die Türkei zwar das Material geliefert, doch alles weitere lag in Händen außerhalb der Türkei und des KSA.

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      • Berengar schreibt:

        Schau mal her, was ich bei Reuters gefunden habe (übrigens nur durch Zufall beim gelangweilten Überscrollen zweier anderer Artikel; der Artikel selber ist so bis eben nicht verlinkt gewesen, weder im News Wire noch in den Sektionen):

        Factbox: Who are the 15 Saudis who came to Turkey ahead of Khashoggi’s killing?

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      • tgarner9 schreibt:

        Keine neuen Angaben, soweit ich weiß (ohne Gewähr), lediglich die „hochrangige saudische Quelle“ ist neu. Stimmen die Identitäten, ist daraus nur zu schließen, daß sie das KSA nicht gegenüber Khashoggi, sondern mindestens dem MIT, eher noch hochrangigen Vertretern der türkischen, wenn nicht auch noch anderen Regierungen repräsentieren sollten … oder wollten. Oder?

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      • tgarner9 schreibt:

        TEHRAN (FNA)- Saudi whistle-blower Mujtahid, who is believed to be a member of or have a well-connected source in the royal family, lashed out at the Reuters news agency for collaboration with Crown Prince Mohammed bin Salman, the main suspect behind killing Khashoggi, saying that the MbS was the one who ran the brutal killing at the Saudi consulate in Istanbul by giving orders over Skype.
        „Bin Salman is attempting to put the blame on his close aides in Khashoggi’s case. The report released by Reuters claiming that the 15-member team spoke with Saud al-Qahtani, a top aide to the Crown Prince, via Skype was fabricated by bin Salman and the person who spoke with the 15-member team via Skype was bin Salman, himself,“ Mujtahid wrote on his twitter page on Tuesday.

        He added that Reuters is to release another report in which it will claim that Director of bin Salman’s Office for Special Affairs Badr al-Asaker and al-Qahtani coordinated the murder and did not inform bin Salman about it.

        „It seems that Reuters is collaborating with the murderer (of Khashoggi),“ Mujtahid wrote.

        Citing two intelligence sources, Reuters claimed that al-Qahtani ran journalist Jamal Khashoggi’s brutal killing at the Saudi consulate in Istanbul by giving orders over Skype.

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  3. tgarner9 schreibt:

    Wer den Artikel von Dan Shapiro für Haaretz lesen kann, sollte das vielleicht tun:
    https://www.haaretz.com/israel-news/.premium-saudi-trump-iran-why-khashoggi-murder-a-disaster-for-israel-1.6569996?wpisrc=nl_todayworld&wpmm=1
    Ich kenne nur ein Zitat:

    „“The grisly hit-job on Khashoggi has implications far beyond its exposure of the Saudi Crown Prince as brutal and reckless. In Jerusalem and D.C., they’re mourning their whole strategic concept for the Mideast – not least, for countering Iran…The shocking brutality of Jamal Khashoggi’s abduction and murder by Saudi security forces cannot be papered over, no matter how implausibly it is dressed up, as an interrogation gone wrong or the work of rogue actors.

    But its implications go deeper than the tragedy visited upon Khashoggi’s family and fiancée. It raises fundamental questions for the United States and Israel about their whole strategic concept in the Middle East…the Khashoggi murder, beyond obliterating red lines of immorality, also points to the fundamental unreliability of Saudi Arabia under MBS as a strategic partner. What happened in the Saudi consulate in Istanbul echoes words once used to describe Napoleon’s elimination of an opponent: „It’s worse than a crime. It’s a mistake.“ One might add, a strategic mistake”.

    Eine vollendete Kommödie!

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    • tgarner9 schreibt:

      Die Kehrseite formuliert Debka:

      „After the Khashoggi affair broke, Erdogan is sought after by world leaders, whether in Washington or hostile Riyadh, and entertains high hopes of achieving goals that were once out of his reach:

      Stabilizing the Turkish lira with US and Saudi financial assistance. Riyadh may fork out generous sums for removing the Khashoggi affair from international headlines and agenda.
      From being treated like a pariah by mainstream Muslim nations like Egypt, Saudi Arabia and the United Arab Emirates, Erdogan’s Turkey may win acceptance as an ally.
      His standing in the Muslim world will be much enhanced, one of his most coveted ambitions.
      This enhancement will pave the way for his appointment as mediator in the Saudi-UAE feud with Qatar.
      Erdogan gains more say in determining Syria’s post-war future.
      His clout is seriously strengthened in dealings with Moscow and Tehran.
      He has opened the door to alliances with parties which are hostile to Israel, so gaining clout over the Jewish state.“

      Yup. Der Teil der zionistischen Internationale, der sein Heil unter NATO-Fittichen sucht, muß nicht glücklich darüber sein, daß Netanyahu und Liberman dank ihrer nuklearen Bestimmungsmacht im ME das letzte Wort in Entscheidungen über diese NATO-Flanke bekommen, wenn es gilt, der von Trump geschaffenen saudisch-amerikanischen Achse etwas entgegen zu setzen. Erdogan steht andererseits einem direkten Iran-Krieg nicht weniger im Wege, als MbS, aber er ist ein verlässlicher Partner bei einer finalen Zerschlagung des Irak, im vollen Gegensatz zu MbS.

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    • BC schreibt:

      Das geht noch so weiter, bis er dann zum Thema kommt (das „disaster“ an dieser Front wird sich wohl in Grenzen halten, wenn man Debkas Sorgen dagegenhält):
      For Israel, this sordid episode raises the prospects that the anchor of the new Middle East realities it has sought to promote – an Israeli-Sunni Arab coalition, under a U.S. umbrella, to check Iran and Sunni jihadists – cannot be counted upon.
      And Israel must be careful how it plays its hand. There will, without question, be a U.S. response to Khashoggi’s murder, even if it is resisted by the Trump administration. It will not lead to a total dismantlement of the U.S.-Saudi alliance, but Congressional and public revulsion will have its price.
      The price could include significant restrictions on arms sales that had been contemplated. It is already leading key U.S. investors to distance themselves from the major development projects MBS has promoted. At a minimum, there will be no replay of the warm, PR-friendly visit by MBS to multiple U.S. cities last March, no more lionizing of him in the American press as a reformer who will reshape the Middle East.
      Israel, which has a clear interest in keeping Saudi Arabia in the fold of U.S. allies to maximize the strategic alignment on Iran, will need to avoid becoming MBS’s lobbyist in Washington. Israel’s coordination with its partners in the region is still necessary and desirable. Simple realpolitik requires it. But there is a new risk of reputational damage from a close association with Saudi Arabia.
      It won’t be easy for Israel to navigate these waters, as the Washington foreign policy establishment has quickly splintered into anti-Iran and anti-Saudi camps. The idea that the United States should equally oppose Iranian and Saudi brutality toward their peoples, and not let MBS’s crimes lead to a lessening of pressure on Iran over its malign regional activities, is in danger of being lost.
      For Israelis, that may be the biggest blow in the fallout of Khashoggi’s murder. MBS, in his obsession with silencing his critics, has actually undermined the attempt to build an international consensus to pressure Iran.
      The damage is broad. Trump may be an outlier. But what Member of Congress, what European leader, would be willing to sit with MBS for a consultation on Iran now?
      That is the greatest evidence of MBS’s strategic blindness, and the damage will likely persist as long as he rules the kingdom.

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  4. tgarner9 schreibt:

    Craig Murray gibt ein verblüffendes Zeugnis seiner Dummheit in Verbindung mit seinem Heimweh nach den heimeligen Hallen der britischen Elite. Man hat ihm Standfotos aus einem Video gezeigt, behauptet er, das mit einem mobilen Apparat im saudischen Konsulat aufgenommen worden sei, und dies, nebst anderem, sei allen relevanten Geheimdiensten zugänglich gemacht worden, weshalb kein westliches (??!) Land imstande (!) gewesen sei, zu MbS zu stehen. Was für jeden halbwegs intelligenten Menschen ein starkes Indiz für eine Fabrikation sein müßte und überdies sehr nahe an einem Beweis, daß MbS kein direkter Beteiligter war, ist für Murray das Gegenteil. Denn wir wollen ja nicht annehmen, daß einer von Murrays Bekannten vom MI5 ihn veranlaßt hat, sich einzupissen und zu kacken, nicht wahr?

    Ich hätte mir diesen Kommentar wohl verkniffen, wenn Murray nicht diesen BBC-Artikel:
    https://www.bbc.com/news/amp/magazine-40926963
    berufen hätte, um folgenden logischen Purzelbaum zu rechtfertigen:

    „The first thing to say is that the current Saudi explanation, that this was an intended interrogation and abduction gone wrong, though untrue, does have one thing going for it. It is their regular practice. The Saudis have for years been abducting dissidents abroad and returning them to the Kingdom to be secretly killed.“

    “ … to be secretly killed“ ist eine glatte Lüge. Die Aussage figuriert im Artikel als ein Gerücht, das ein Verwandter der drei betroffenen Mitglieder des königlichen Clans weiter gibt. Abseits davon zeigen die Berichte von Betroffenen und Beteiligten, daß so gut wie gar nichts an der Affäre Khashoggi dem modus operandi vergangener Entführungen entspricht. Murray veranlasst dieser Umstand, gleich MoA und Pany, sich an die Spitze der Karawane zu setzen, die MbS zum durchgeknallten Teufel in Menschengestalt stilisiert.

    Ich hatte erwogen, ein paar Updates zum Syrienkrieg zu geben, nicht nur, aber auch, weil sie im Hintergrund der Affäre stehen. Jetzt ist mir jeder Antrieb verloren gegangen. Wenn überhaupt, hole ich das nach, wenn es erste Berichte von diesem Event gibt:
    https://de.reuters.com/article/syrien-konferenz-idDEKCN1MT154
    Merke: der wurde vor der Khashoggi-Affäre festgesetzt, wenige Tage nach der Konferenz von Sotschi im September, so daß auch ein beträchtlicher Teil der Vorbereitungen „vor Khashoggi“ zu datieren sind.

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