Affäre Khashoggi – Zusätze

Vgl. meine bisherigen Notizen (incl. Kommentaren)

Am 25.10. ist die einzige Zeugin gegen das KSA, Hatice Cengiz, erstmals persönlich aufgetreten – im türkischen Fernsehen. Folgt man dem für die internationale Presse bestimmten Bericht, ging es anscheinend um zwei Flurbereinigungen.

1. Washington nicht beteiligt – Türkei beansprucht Exklusivrecht auf das Mordkomplott

It was earlier reported that Khashoggi had previously applied to get the documents from the Saudi embassy in Washington DC but he was sent by them to Istanbul. “I have no knowledge about such a demand. People talk about it but [Khashoggi] would tell me if it had happened,” Cengiz said.

2. Erdogan beansprucht Befehlshaberschaft von Beginn an

(update: Das Detail öffnete der Türkei einige Tage später einen weiteren Weg zur Eskalation der Einschüchterung der professionellen und nonprofessionellen Öffentlichkeit, siehe hier.)
Aus der Timeline, die ich dokumentiert habe, folgte, das Zentrum des Mordkomplotts lag in Washington und das türkische Führerhauptquartier mußte zum Anschluß erst bewegt werden. Ein Kernstück des Schlusses war die Rolle des AKP-Gründervaters Yasin Aktay. Dazu heißt es jetzt:

It was also widely reported that Khashoggi had told Cengiz to call Turkish President Recep Tayyip Erdoğan’s advisor Yasin Aktay if he could not leave the consulate after a long while on Oct. 2. (…) “When he entered the consulate on Oct. 2, he did not tell me this because he was very relaxed as the consulate staff had treated him very well four days before. After he did not leave the building for hours, I remembered his earlier advise to call Aktay in case of an emergency,” [Cengiz] said.

3. MI6: – Aber wir auch! Wir waren von Anfang an beteiligt!

Das reklamieren anonyme Quellen aus den einschlägigen Kreisen via „The Sun“.
Der Belang liegt v.a. im nächsten Punkt.

4. Erdogan verlangt via Khashoggi bedingungslose Gefolgschaft in der „islamischen Welt“

Zur Antwort auf die Weigerung des saudischen Königshauses, seine außenpolitische Souveränität an Ankara abzutreten, tönte Erdogan:

 … has called on Riyadh to reveal the location of the body, indicating that his country had more evidence to reveal about the killing.

Deutlicher noch im Text der NYT:

“And of course, we have other information and documents in our hands. You will collect the harvest when the sun rises. It is not meaningful to rush for now.”

den ich nicht lesen kann, daher nur das Zitat von Bernard. So weit Erdogan die Außenpolitik Riads bestimmen kann, betrifft das alle Länder der sog. „islamischen Welt“, auf die Riad vermittels seiner Petro-Dollares und seinen Sonderbeziehungen nach Washington und Tel Aviv maßgeblichen Einfluß hat. Das UK bringt sich folglich als imperiale Kontrollmacht der Türkei ins Spiel, im vollen Gegensatz zum Pentagon:

5. US-Kriegsminister Mattis gibt die mittelöstliche Führung an die NATO-Generäle ab

„We discussed it… the need of transparency, full and complete investigation. Full agreement from FM Jubeir, no reservations at all,“ Mattis said following talks in Bahrain.
He added he was confident that the Saudi investigation would include Turkey’s findings.
„Certainly Turkey with the evidence that they have compiled will ensure that there is more than one review of what is going on there and I am certain the investigation will include the evidence that Turkey has put forward so far,“ Mattis said. (nach Hürriyet)

 

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Eine Antwort zu Affäre Khashoggi – Zusätze

  1. tgarner9 schreibt:

    For the record

    Nach etlichem Zögern entblödet sich die iranische Auslandspresse jetzt nicht, sich in die Spitzengruppe des Khashoggi-Mobs einzureihen, hinter einer virtuell barbusig fahneschwenkenden Cengiz:
    https://www.presstv.com/Detail/2018/10/30/578491/Khashoggi-Trump-Saudi-cover

    Ich höre schon den Leser, der „denkt“, ‚Und was, wenn du dich irrst? Wenn Khashoggi tatsächlich …?‘
    Das ist mir eigentlich keine Antwort wert, allenfalls eine Gegenfrage. Ja, was denn! Was „denn“, sag doch mal! In der Erwartung, die Antwort niederzumachen wie ein Senffeld.
    Aber ein Punkt ist nun mal, daß Cengiz meine Annahme bis weit über den Sicherheitsrand stützt, in entscheidenden Details wechselt sie „ihre“ Geschichte, wie Reizwäsche, wie aufmerksame Leser bemerkt haben sollten. So wurde aus einem bangen Gang Khashoggis in das Konsulat ein zuversichtlich unbekümmerter Gang. Das allein reicht schon, zu wissen, daß an ihrer Geschichte kaum ein einziges Wort stimmt. Eigentlich für jeden Krimi-Fan, oder etwa nicht?

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