USA wollen Regime-Change im Iran. Wirklich? Kann denn das sein?

Die Absicht läßt sich schlechterdings nicht mehr bestreiten, aber sobald einer ernsthaft fragt: Wozu eigentlich? Was für ein „Regime“ wollen sie denn da haben? bekommt die Sach‘ schnell ein janz anneres Ooje.

Es ist vermutlich kein „Glücksfall“, daß es einen gut dokumentierten deutschen Wiki-Eintrag zur Konferenz von Guadeloupe 1979 gibt, der dokumentiert, daß und warum die USA ihren designierten Statthalter im Iran, Mohammad Reza Schah, haben fallen lassen und damit der Islamischen Revolution den Weg bereiteten, die sie verhindern wollten. „Man“ – sage ich mal, um nicht mit Nennungen ein kontroverses Thema aufzumachen, das ich hier nicht haben will – wollte die frisch gewonnene Neutralität der Volksrepublik China im NATO-Krieg gegen die Sowjetunion nicht gefährden. In dieses Motiv liefen jedoch lauter Gründe zusammen, die in ihm nicht zur Erscheinung kommen.
Dafür kamen sie auf der Konferenz zur Erscheinung und deshalb fordere ich euch auf, den Eintrag gewissenhaft, d.h. gegebenenfalls unter Nachschlagen weiterer Vorgänge und Details, insbesondere zur „Weißen Revolution“, zu lesen. Ihr könnt eine Menge Hinweise auf die Unterschiede und Gegensätze der imperialen Einflußnahme auf den Iran, im Iran selbst und auf die Exiliraner, sowie das Lavieren des Schah-Regimes zwischen ihnen finden. Um einen Eindruck von den traditionellen Angriffspunkten dieses halbkolonialen Verhältnisses zu bekommen, lest ein wenig über die wechselvolle Geschichte der Umwandlung Persiens in eine Republik. Ich kann und will euch solche Kenntnisse hier nicht ersetzen, weil es mir nur um den einen Punkt geht, daß sich die persischen Eliten lang, lang vor der „Islamischen Revolution“ kolonialer Unterordnung entzogen hatten, so gut sie eben konnten, und das konnten sie ziemlich gut dank der geopolitischen Stellung Persiens.

Die Stakeholder in den USA – schon damals zwei Fraktionen, mit der Bush-Dynastie auf einer, Rockefeller auf der anderen Seite – GB, Frankreich und – sekundär – der Türkei und SU wurden von den iranischen Generälen, die POTUS Carter auf seiner Seite wähnte, schlicht behumpst. Sie dachten nicht daran, in Persien den neokolonialistischen Krieg der Städte gegen das Land fortzusetzen, sondern eigneten sich das Öl an und hielten es ansonsten mit der Geistlichkeit zu einem Aufstand der Landstände gegen die koloniale und städtische Bourgeoisie. Politökonomisch betrachtet verdient die „Islamische Republik“ ihren Namen, obgleich sie zweifelsohne eine Theokratie ist. Solche Hybridisierungen sind die unvermeidliche Folge der Integration von Ländereien in den Weltmarkt, auf denen der Imperialismus den Übergang zu bürgerlich-kapitalistischen Produktionsverhältnissen mindestens massiv stört, wenn nicht unterbindet.

So. Diese Geschichte dauert nun ca. 7 Generationen an. Für die letzten zwei Generationen seit 1978 hat der Imperialismus mit Golfkrieg und Sanktionsregimen im Iran eine Lage geschaffen, in der, von wenigen Minderheiten innerhalb Minderheiten abgesehen (ein Teil der Kurden, noch kleinere Teile der Azeris und Belutschen), die nationalistische Klammer zwischen Klassen und Volkstraditionen schier unumgehbar wurde und der materiell induzierte Einfluß der imperialen Metropolen, aufgrund des iranischen Öls ohnehin grundsätzlich geschwächt – minimalisiert ist. Mit anderen Worten: Imperialer Regime-Change im Iran ist heute noch um Längen flüchtiger, unerreichbarer, als er das schon 1979 gewesen ist.

Es mag ja sein, daß sich keiner, oder höchstens zwei Kongressabgeordnete Rechenschaft über diese Lage legen können und wollen (ich verzichte aus einschlägigen Gründen auf Namensvorschläge), aber CIA, DoS, DoD und sicher auch die Treasury verfügen über Diplomaten und Beamte, die das getan haben, weil es ihr täglich Brot ist. Es bräuchte nur einen Wink von berufener Stelle, und die Sache würde zum Allgemeinwissen in den Kreisen, die es angeht. Deshalb behaupte ich frech: Diejenigen, die aktuell die US-Außenpolitik bestimmen – und dazu zähle ich aufgrund etlicher Hinweise noch immer Donald Trump, obwohl ich eine beträchtliche Fehlerbreite einräumen muß – wollen keinen Regime-Change im Iran, sie tun bloß so.
Und dieses „so tun als ob“ geht im über Bande geführten Krieg gegen die EU nicht auf.

Mehr dazu in den kommenden Wochen.

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