Archiv, Prolegomena zum Thema „Iran“: Bemerkungen zu Religion und Nationalismus

(TomGard, GKB November 2011)

4. Januar 2011 – UN ehrt Colonel Muammar Gaddafis Einsatz für Menschenrechte

Wie? Kann gar nicht sein?
Richtig. Es kam nicht mehr dazu.
Aber die 16. Sitzung des UNHRC beschloß am 4. Januar dieses Jahres, der libyschen arabischen Jamahiriya für den vorbildlichen Einsatz für bzw. Umsetzung von Menschenrechten auszuzeichnen. Im März sollte die Ehrung feierlich zugestellt werden. Zu den Unterzeichnern zählten Dänemark, Schweden, Italien, Niederlande, Spanien, Schweden, Norwegen, Australien und Deutschland.

Daß wir uns nicht mißverstehen …
Menschenrechte – in Unterschied zu Viehrechten, die älter sein dürften – erscheinen, soweit man weiß, zum ersten Mal in Persien auf der geschichtlichen Bühne, nämlich als königliches Dekret gegen soziale Zerrüttungen im Zuge der Ausbreitung der Sklaverei.  Ich habe die verantwortliche Dynastie vergessen.
Später erscheinen Menschenrechte in den einschlägigen römischen und mittelalterlichen Gesetzestexten, die der Mißhandlung von Sklaven und Leibeigenen Grenzen des guten Geschmacks setzten. Bei Strafe einer Geldbuße an Hof oder Bistum.

Aber egal, die Jamahiriya verdiente im christlichen Sinne die Ehrung wohl mehr, als jeder andere Staat dieser Erde, zieht man die Realisierung von „Recht auf Bildung“, „Frauenrechten“ und vor allem das Recht auf ausreichende und gesunde Ernährung, Wohnung, Mobilität und Gründung einer Familie in Betracht.

Und wenn man Kindern und Jugendlichen was über die Ermordung Colonel Gaddafis erzählen will, dann mag dieser kleine Treppenwitz der Geschichte taugen.

Kommentar GKB:

Das ist ja ein bisschen verdrechselt geschrieben, aber wo im christlichen Schriftgut ist davon die Rede, dass es selig macht, sich um Recht auf Bildung, Frauenrechte, Recht auf ausreichende und gesunde Ernährung und all son Heidenkram zu bemühen?

S o werde ich meinen Kindern bestimmt nicht erklären, was mit dem bösen Onkel Gaddafi passiert ist, der sich erst mit den mächtigen Staaten eingelassen hat, die Negerlein von ihnen abgehalten, u.a. dafür bei ihren Chefs zelten durfte und später von ihren Agenten über die Straße geschleift wurde – s o nämlich, dass ich die ganze demokratische „Recht auf …“-Sch. samt ihrer stinkenden Preise hochleben lasse.

Derlei Treppenwitze und alle persischen Dynastien ignoriert nicht einmal
gkb – mit Grüßen

TomGard:

Hallo gkb,
ein wenig Grundlagen:

Vereinfacht gesagt stellten die Christen eine in der Wolle jüdisch eingefärbte Nachhut der Heerscharen römischer Statthalter dar, welche den traditionellen gesellschaftlichen Ordnungen eine imperiale Reichsordnung überstülpten, die sich (!) sogleich daran machte, gewissermaßen Wurzeln in ihr zu schlagen: Mit der römischen Geld- und Handelsökonomie.
Unter der Saugwirkung dieser Wurzeln wurde – da das alte Judentum guten Boden dafür bot – aus dem „konkreten“ (jüdischen) Menschen der „abstrakte“ (christliche) Mensch, ein Glied in einem Gemeinwesen, das zunehmend eines des Geldes wurde.
Dieser abstrakte Mensch braucht im selben Maße „Rechte“, wie er weder über privates Eigentum, noch über tauglichen Anteil an einem gesellschaftlichen Eigentum verfügt, dem er an- und zugehört. Je weniger er Glied einer sozialen Körperschaft ist, die etwas anderes darstellt, als einen „Knotenpunkt“ in den periodischen Metamorphosen der Wertformen, desto mehr wird er bloß „Insasse“ eines Territoriums, dessen Herrschaftspersonal im fettesten dieser Knotenpunkte hockt und die Netze spinnt, dem Staatswesen. Einem Staatswesen, das in derselben Bewegung zur „Nation“ wird, zur Gesamtheit der vom Staatswesen ausgehenden Netze. Formell auf die gleiche Weise, wie der Christ sich zum Bewohner eines irdischen Teils des Himmelreiches erklärt. Der Jude hingegen erklärte sich zum Gefolgsmann seines Gottes auf EIGENEM Territorium.
Religion ist = Nationalismus und das Christentum ist diejenige Form, in welcher die Untertanen dem Herrschaftspersonal den Begriff und das Gesetz seines eigenen Handelns aufzuherrschen suchen. Daher sein Erfolg, auch in der islamischen Variante.

Gaddafis „Regime“ war zu beträchtlichen Teilen ein christlich inspirierter Despotismus gegen die patriarchalische, islamische Stände- und Stammesgesellschaften. Die Benevolenz dieses Despotismus eignete seinem Mittel – Petrodollars!

Ich denke schon, diese Verhältnisse bieten gerade Kindern – die aus obigem leicht erklärlichen Gründen mehrheitlich irgend eine christlich religiös gefärbte geistig-intellektuelle Entwicklungsphase durchlaufen – bestes Lehrmaterial. Für die meisten Erwachsenen kommt es zu spät, schon deshalb, weil die zu einer tauglichen Patriarchatskritik am allerwenigsten noch imstande sind. Freilich ist die Vermittlung ein wenig trickig.

Hallo Tom Gard.

Auch noch mal ausführlicher: Den historischen ideologischen Übergang vom pragmatischen jüdischen zum abstrakten christlichen Glaubensprofil gebe ich dir zu.

Wo du mit diesen – idealiter gefassten – Profilen ins Mogeln (bzw. Eiern) kommst: „Religion = Nationalismus“ geht nicht auf und wird weiter unten geständig. Nämlich, wenn du „mehrheitlich irgend eine christlich religiös gefärbte geistig-intellektuelle Entwicklungsphase“ nennst, wo das Konkurrenzindividuum auf seiner ständigen Sinnsuche (um seine Interessen geht es ja in der Nation/Schule/Arbeit nicht) auch immer wieder auf allerlei Religiöses oder Esoterisches verfällt.

Was du im von mir Zitierten ansprichst, gibts bei Jugendlichen und Ausgewachsenen (wenn auch in unterschiedlichen Ausprägungen), hat aber beides nur mittelbar mit dem von dir auf den – richtigen – Begriff gebrachten Christentum zu tun. Diese indirekte Verbindung drückst du einfach durch ein Gleichheitszeichen aus und bist damit – bestenfalls – sehr ungenau, deinem gewünschten Ergebnis zuliebe.

Kurz: Es taugt nicht, um Richtiges zu Gaddafis Herrschaft und seinem Ende irgendwem zu erklären; am schlechten Ende setzt es eher noch blödsinnige/n Moral und Aberglauben ins Recht.
Ite missa est

Hallo gkb,

folgenden Deiner Sätze:
das Konkurrenzindividuum (verfällt) auf seiner ständigen Sinnsuche …auch immer wieder auf allerlei Religiöses oder Esoterisches“ und
„…am schlechten Ende setzt es eher noch blödsinnige/n Moral und Aberglauben ins Recht.“

entnehme ich ein Mißverständnis.
Sinnproduktion und Moral halte ich weder für „Blödsinn“ noch für vorsätzliche Dummheiten; mit Letzterem würd ich salopp „Aberglauben“ charakterisieren, der zwar in Verbindung mit ersteren auftritt, dort aber für die Hilfskonstruktionen, gewissermaßen die „Epizyklen“ zuständig ist.
Nein, das sind die mächtigsten Produktivkräfte berechnender Unterwerfung gerade deshalb, weil sie Grenzen der Berechnung und Berechenbarkeit sozial codieren und für sie werben.

In dieser Eigenschaft sind Sinnproduktion und Moral allerdings gewaltig unterbestimmt.
Religiöses Bewußt-Sein trachtet leicht kenntlich danach, dieser Unterbestimmung abzuhelfen, und zwar mit einer Art himmlischer / spiritueller Parallelwelt, in der jedes Moment mit allen anderen hübsch säuberlich verknüpft zu sein beansprucht.

Daran ist schon allgemein zu erkennen, Religion ist ein spezifischeres Phänomen, und wenn Du die Skizze meines Begriffs vom Christentum „richtig“ nennst, hast Du diese Unterscheidung eigentlich mit“gekauft“.
Zumal ich sie mit dem Bild von den Netzen und Knotenpunkten der Metamorphosen der Wertformen im gesellschaftlichen Verkehr und der Territorialität der ihm übergeordneten Herrschaft genauer zu zeichnen versucht hab.
Denn dann ist das Spezifikum, das Judentum und Christentum im allgemeinen Religionsbegriff zusammen faßt: Monotheismus . Mit ihm beginnt Religio i.e.S., der „Rückbezug“ von allem und jedem auf EINE Quelle, DER Macht in abstraktester Gestalt, welcher die weltliche Macht der Väter und Patrone ebenso unterworfen sein soll, wie der Gläubige selbst. Diese EINHEIT stand im Zentrum meines Satzes, das Christentum (sei) diejenige Form des NATIONALISMUS, in welcher die Untertanen dem Herrschaftspersonal den Begriff und das Gesetz seines eigenen Handelns aufzuherrschen suchen. Diese Form gibt es NUR in Gestalt einer Religion, die das Ideal herrschaftlicher Souveränität in den Himmel hebt und dort final alle Gegensätze und Kollisionen vernichtet, an denen sich weltliche Herrschaft, die ihnen ja ihr Dasein verdankt, abarbeitet.

Was sonst noch unter Religion firmiert, ist (Volks)Mythologie, und die zähle ich ohne Abstriche zur Wissen-Schaft. Mehr noch, Mythologie bildet bis auf den Tag das Kompendium allen menschliches Wissens, so lang man Wissen nicht mit „know how“ übersetzt, weil es sich um eine reinrassig gesellschaftliche Kategorie handelt.
Was ich weiß oder Du weißt wird „Wissen“ erst, wenn es Bestandteil der geistigen Formenwelt geworden ist, unter deren Gestaltungen bestimmende und maßgebliche gesellschaftliche Handlungen abgewickelt werden.
Wird es das nicht, geht es unter, wird allenfalls irgendwann aus vermodernden Bibliotheken gefördert, in denen es so begriffslos wie ehrfürchtig von …. Mönchen monotheistischer Religionen aufbewahrt wird.

Addendum:
Wenn nicht das religiöse Bedürfnis junger Christen cum grano salis heute dasselbe , wie vor zweitausend Jahren wäre, gäbe es keine (mehr). Nur gegenwärtige Notwendigkeiten entreißen die Trümmer und die Toten ihrer Zeit und machen sie zu „Ghulen“ der Gegenwart.
Und ein weiterer Punkt ist in meinem Kommentar zu vermissen:
Das Christentum fällt nicht mit dem Namen des Allmächtigen. Er wird heute gewöhnlich durch „I“, Ich ersetzt, in der verbreitetsten Volksreligion, der niemand, wirklich niemand entkommt, der Psychologie. Aber deren „Substanz“ ist lupenrein christlich.

GKB:

Mein Einwand bleibt (und ich sehe ihn durch Teile deiner Entgegnung ins Recht gesetzt): „Religion ist ein spezifischeres Phänomen“ schreibst du. Das wollte ich gesagt haben gegen dein „Religion = Nationalismus“. “

Moral und Sinnproduktion endet nicht immer bei Religion (habe ich auch nicht geschrieben). „Produktivkräfte berechnender Unterwerfung“ mag nicht falsch gemeint sein, ist mir aber zu stilverliebt für eine Erklärung. Die Suche nach „Sinn“ steht anyway feindlich zum Erkennen und Wahrnehmen eigener Interessen, will ich nochmal unterstreichen. Schön dokumentiert wirds durch allerlei Milliarden Facebook-Einträge und ein knappes halbes Dutzend „Facebook-Revolutionen“.
Machs gut, c

TomGard:

gkb: „Die Suche nach „Sinn“ steht anyway feindlich zum Erkennen und Wahrnehmen eigener Interessen, will ich nochmal unterstreichen.

Schade, das wäre eine Debatte – grad auch am gegebenen Gegenstand – wert gewesen.
Was sind z.b. „eigene Interessen“? Inwieweit sollen sie nicht dasselbe sein, wie das „Eigeninteresse“, dessen Verfolgung Staat und Kapital gebieten? Wieso muß sowas überhaupt geboten werden?! Und welche Rolle spielt eben darin die Sinnproduktion?
Den Gegenstand dieser Debatte nannten die Redakteure des „Gegenstandpunkt“, die von gkb offenbar geschätzt werden, einst „moralischen Materialismus“.

Das Thema Religion könnte kaum weniger ergibig sein.
k.A., warum gkb es vorzieht, meine Kurzform „Religion = Nationalismus“ als eine einidentische Beziehung festhalten zu wollen, obwohl ich Nationalismus kenntlich zum Oberbegriff deklarierte, sodaß die Umkehrung falsch ist 1. „Patriotismus“ hat wohl unbestritten ebenfalls „Nationalismus“ zum Obergegriff, doch wird man Patriotismus nicht mit Religion gleichsetzen können. Umgekehrt weiß aber jedes Kind, daß patriotische Staatsgündungs- und Sezessionskriege, wie auch diejenigen, mit denen in Europa ausgangs des Mittelalters die Nationenbildung überhaupt erst von Neuem anhob, überwiegend die Gestalt von Religionskriegen annehmen, bis auf den heutigen Tag. In den Auseinandersetzugen um den Islam und mit islamischen Patrioten ist das Thema essentiell.

GKB:

@TomGard
Ich habe zu Unrecht deine Gleichsetzung „Religion = Nationalismus“ kritisiert. In dem von dir beschriebenen (und von mir missverstandenen) Sinn, dass es dort, wo es um Religion geht, immer auch um Nation geht stimmt sie.

Bei den eigenen Interessen war ich zumindest unpräzise und will die Frage beantworten, worin sie sich denn von den in der bürgerlichen Welt gebotenen Eigeninteressen unterscheiden. Das ist jetzt nicht als großer Widerspruch zu deinen bisherigen Ausführungen gedacht.

Ich meinte nicht die Interessen, die ein Mensch im Auge haben muss, um in der Konkurrenzgesellschaft über die Runden zu kommen wie z.B. Gerechtigkeit oder seine eigene Durchsetzungsfähigkeit gegen andere etc. Mir ging es um die nackten Grundbedürfnisse des Menschen wie essen, wohnen, kleiden, gepflegt werden.

Kapitalismus ist, dass alle diese Bedürfnisse/Interessen vom Standpunkt des Geldes aus betrachtet werden – sie sind das Mittel/der Stachel, um Menschen für fremden Geldreichtum erpresserisch auszunutzen bzw. an ihren Geldreichtum heranzukommen. Da fällt das Interesse, das meinetwegen ein BMW-Arbeiter als BMW-Arbeiter hat, wenn er sich für sein Unternehmen z.B. staatliche Unterstützung beim Exportieren in die USA erhofft und sein objektives Interesse, als Mensch bestmöglich an bestmögliche Lebensmittel zu kommen, radikal auseinander.

Wie wir alle wissen, haben die meisten BMW-Arbeiter davon nicht den richtigen Begriff und lassen sich auf ihre objektiven Interessen wie gutes Essen, gute Luft, schöne Umgebung im Namen ihres vom Standpunkt als BMW-Arbeiter gegebenen Interesses an guten Konkurrenzbedingungen hetzen „wie die Kampfhunde“ (wie Gremliza in einem lichten Moment mal geschrieben hat).

Die den erfolgreichen Kapitalismus kennzeichnende Konkurrenz bis in jede noch so private Pore des Lebens sagt den darunter unterworfenen Menschen ständig, dass es nur in einer sehr zynischen Weise um sie und ihre objektiven Interessen geht, nämlich insofern, als sie daran ausgenutzt werden können. Der konstruktive Übergang, den – leider – die meisten Menschen mit Blick auf das geistige „Zurechtkommen“ in solcher Welt machen, ist, den einzelnen Instanzen der Welt einen positiven Sinn zuzuweisen, bzw. danach zu suchen, wo sie ihn nicht entdecken können.

Sie stellen also – salopp gesagt – nicht die Frage „Warum ist es so, wie es ist?“ sondern „Warum ist es gut so, wie es ist?“. Da fangen Religion, Psychologie und der ganze Kram an, die ja alle folgerichtig ihren Lämmlein immer den ähnlich lautenden Rat erteilen, um gut zurechtzukommen dürfe er „sich selber nicht so viele Probleme“ aufmachen.

Die Art, wie „Interessen“ buchstabiert werden, sind eine extrem „praxisorientierte“ Frage. Wenn sich – und das meiste weist darauf hin – die Lohnabhängigen mit der Euro-Krise vom Standpunkt „Ich bin deutscher Steuerzahler und mein Konzern auch“ aus befassen, gehören sie halt kritisiert. Weil aus diesem „Eigeninteresse“ kommt, egal wie „kämpferisch“ er vorgetragen wird, immer nur das Gegenteil des Interesses deutscher Lohnabhängiger als „Menschen“ heraus und eine weitere Zuspitzung ihres Schadens.


  1. TG 2018: Begrifflich stimmt das, historisch nicht, wie sich leicht vergegenwärtigen kann, wer die Realabstraktion „Nation“ begriffen hat. Die Realabstraktion hebt die Nation in der Religion auf. Mein Verweis auf die „Psyche“, das „Ich“ der Psychologie in der Eigenschaft des monotheistischen Gottes reflektierte das. 
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Eine Antwort zu Archiv, Prolegomena zum Thema „Iran“: Bemerkungen zu Religion und Nationalismus

  1. tgarner9 schreibt:

    Ich hatte seinerzeit den letzten Kommentar von gkb für sich sprechen lassen, weil ich nichts grundsätzliches einzuwenden hatte und gkb einen Tag später hinzu fügte: „Ich muß das nochmal überdenken.“
    Jetzt will ich diesen Abschnitt hervor heben:

    Der konstruktive Übergang, den – leider – die meisten Menschen mit Blick auf das geistige „Zurechtkommen“ in solcher Welt machen, ist, den einzelnen Instanzen der Welt einen positiven Sinn zuzuweisen, bzw. danach zu suchen, wo sie ihn nicht entdecken können.
    Sie stellen also – salopp gesagt – nicht die Frage „Warum ist es so, wie es ist?“ sondern „Warum ist es gut so, wie es ist?“. Da fangen Religion, Psychologie und der ganze Kram an, die ja alle folgerichtig ihren Lämmlein immer den ähnlich lautenden Rat erteilen, um gut zurechtzukommen dürfe er „sich selber nicht so viele Probleme“ aufmachen.
    Die Art, wie „Interessen“ buchstabiert werden, sind eine extrem „praxisorientierte“ Frage.

    Wie gesagt, kein Einwand. Doch diese Sätze bergen offenkundig – für mich jedenfalls – ein Schlangennest an Widersprüchen. Es könnte, müßte ein dickes Buch darüber geschrieben werden, um auch nur die gröbsten Klüfte und Spalten zu erkunden, die da aufgemacht sind und das heißt aus meiner Sicht allemal:
    Es sollte kein Buch darüber geschrieben werden – Meine Konsequenz aus dem letzten Satz. Die Klärung der Widersprüche ist Bestandteil der Vorgänge und Phänomene die sie hervor brachten – Klassenkampf (im weiten Sinne). Die Minimalforderung an Versuche, sie zu klären, ist daher Debattenform.

    Ich kann hier nichts mehr tun, die Debatten um den „real existierenden“ Klassenkampf (der im Wesentlichen nach allem anderen aussieht, daher das ironische Attribut) sind mir in einem ziemlich buchstäblich zu nehmenden Bild um Lichtjahre enteilt. Was immer ich von mir gebe, es kommt „zu spät“, und das heißt ganz allgemein, es kann nurmehr Bestandteil dessen werden, was ich unentwegt anzugreifen suche: Ordnungsvorstellungen und Ordnungsbegriffe.

    Die im geschichtlichen Sinne gegenwärtigen Umbrüche in funktionellen Ordnungsvorstellungen sind nach meinen Erkenntnissen ein Generalthema bei Auskünften über die laufende Kriegsphase nicht nur, aber schwerpunktmäßig auf dem Schauplatz MENA und Iran im Besonderen, deshalb mein Rückgriff auf dies alte Posting. Es zu ermessen bin ich auf allen Ebenen außerstande, ich werde nur inkrementell hinein leuchten können.

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