Brexit (2)

Das UK ist die führende Macht der EU in den Bereichen „Verteidigung, Sicherheit und geheimdienstlicher Information“. Nun bemerken einige seiner Führer, daß diese bedeutenden Vorzüge durch „Brexit“ beeinträchtigt werden könnten, statt noch mehr Wirkung zu entfalten.

Im Verhältnis der Britischen Insel zum Europäischen Festland hat Geopolitik schon immer eine größere Rollle gespielt, als Handel. Seit dem Beitritt zur EU 1973 waren alle britische Regierungen darauf bedacht, sicher zu stellen, daß die EU keine Verteidigungskapazitäten und Sicherheitstechnologien entwickelten, mit denen sie den britischen etwas entgegen zu setzen hätte. Britanien hat sein Verhältnis zu den USA, die NATO und “Five Eyes” stets über andere Allianzen gestellt. (…) Die vorgelegten Entwürfe zum „Brexit“ zeigen, daß er die britischen Strategie, zu verhindern, daß die Europäische Kommission je irgend eine Rolle auf militärischer und sicherheitspolitischer Ebene spielen kann, zum Scheitern verurteilt.

(…) Die Brexit – Debatte kreiste bislang um Angelegenheiten des nationalen Wohlstandes, des Pfundkurses und der Stellung des UK in den “just in time” Liefer- und Herstellungsketten. Verteidigung und Sicherheit werden am Rande behandelt, obwohl sie Priorität beanspruchen dürften, wenn man den Blick über den Zeitrahmen von ein oder zwei Jahren hinaus erweitert.

(…) Auf praktischer Ebene hatten Frankreich und das UK eine sehr enge und erfolgreiche Partnerschaft (!) entwickelt, um die Europäische Sicherheits- und Verteidigungslücke zu schließen. Zusammen verfügen sie über mehr als die Hälfte der Europäischen Verteidigungskapazitäten und dominieren die sicherheitspolitische Landschaft. Das französisch-britische Verhältnis auf dieser Ebene hat einen überaus pragmatischen (!) Charakter, es ist nicht institutionell gebunden und daher geeignet, neuen und rasch veränderlichen Herausforderungen – besonders in der Terrorabwehr – flexibel entgegen zu treten. (…) Das einzige Feld, auf dem sich mit Brexit an der französisch britischen Kooperation etwas zu ändern hätte, wären einige Aspekte der Strafverfolgung, Justiz und des Datenaustausches. Diese Bereiche werden aktuell von Brüssel reguliert, wären aber leicht durch bilaterale Beziehungen zu ersetzen. (…)

Frankreichs Verhältnis zur NATO bleibt eigenwillig und ist vielleicht gar nicht so weit entfernt vom Verhältnis des UK zur EU vor dem Austritts-Referendum. (…)
Frankreich und das UK haben auf den sensitivsten Feldern nationaler Sicherheit erfolgreich kooperiert, entgegen ihrer fundamentalen politischen Differenzen. Dies Verhältnis steckt nicht in der Krise und ist durch Brexit nicht bedroht – es sei denn, Mr. Macron zöge dieser bilateralen Zusammenarbeit den Boden weg. Solch eine Selbstverletzung sollte eigentlich undenkbar sein. Frankreich hat keine Alternative zum britischen Sicherheitspartner. Die Sirenengesänge der Frau Merkel sollten daran nichts ändern.  (…)

Wäre Deutschland willens, einen Teil seiner gewaltigen Außenhandelsüberschüsse auf Sicherheit und Verteidigung zu verwenden 1, könnte eine Europäische Armee rasch Realität werden. Doch es ist leichter für eine politisch lahme Deutsche Kanzlerin, eine Europäische Armee ins Gespräch zu bringen, als es einem anderen Deutschen Politiker werden wird, so etwas umzusetzen. (…)

(meine Übersetzung, Auszüge aus einem heute veröffentlichten Zeitungsartikel eines ehemaligen Leiters des MI6, die selbstredend nicht autorisiert sind. Deshalb nenne ich die Quelle nicht.)


  1. Tja, von dieser Ebene politökonomischen Verständnisses aus werden scheinbar tatsächlich Entscheidungen gefällt! 
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5 Antworten zu Brexit (2)

  1. BC schreibt:

    Recht freimütiges Statement von Sir Richard.
    Solange Brüssel (und Berlin) nicht akzeptieren, dass ihre Sicherheits- und Verteidigungsinteressen am besten in den Beziehungen von UK zu USA, NATO und Five Eyes und der speziellen Partnerschaft mit Frankreich aufgehoben sind, kann man nicht von einem Brexit reden, der den Namen verdient.
    Was Ms. May den Briten präsentiert, ist ein halber Corbyn (den der Sir eh für einen Verräter hält).

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  2. BC schreibt:

    Damit es keiner falsch versteht, das ist bis auf die Zusätze in Klammern am Ende meine Paraphrase des Artikels.

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    • wolfsmilchblog schreibt:

      s is „nur“ an was (anhängigen) „andren“ hocken…(damit „keine reaktion“ nicht falsch verstanden wird ;-) )

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    • tgarner9 schreibt:

      Das „andre“ ist ein ausführlicher Ukraine-Eintrag, der mittelbar zum Thema „Brexit“ zählt. Ein Rückgriff auf’s Archiv (Einträge vor 2016) geht nicht, weil anderer Blickwinkel, als seinerzeit. Bin heut nicht fertig geworden und unter meiner eingeschränkten Arbeitsfähigkeit weiß ich nicht, ob ich es morgen werde.
      Gruß

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  3. Hansi schreibt:

    Hallo Tom, alles Gute für Dich,
    und Dank für Deine Arbeit.

       Hansi
    

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