Gebärden (4)

Sicherlich nur für kurze Zeit ist auf Vimeo „Who Know’s“ zu hören.
Das erlaubt einen Vergleich mit Sima B’s kleiner Instrumental-Studie dazu:

und deren Unterschiede zu Randy Hansen’s über weite Strecken „Ton für Ton“ identischer Version:

 

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3 Antworten zu Gebärden (4)

  1. tgarner9 schreibt:

    Nach dem fast ein Jahr alten Vorgängereintrag blieb ich das Follow Up schuldig, weil meine Mittel, mich auf diesem Gebiet auszudrücken, zu beschränkt waren und nach wie vor sind.
    Aber „Who Know’s“ und die Cover-Versionen bieten, soweit ich es kapiere, einen besonders einfachen Erst-Zugang zu dem, was ich im Sinn habe.

    Das Stück führt ein besonders einfaches melodisch-rhythmisches Thema ein, ähnlich wie „In A Gadda Da Vida“ im anderen Eintrag, und Sima führt in ihrer Studie elementar vor, wie Hendrix es erweitert hat.
    Nach Wiederholungen:
    „da:a: dâ | da: da da da | da: da da:a. de“
    spielt sie die Erweiterung über den Folgetakt:
    „da:a: dâ | da: da da da | da: da da:a. de // da.a. dladl (hammer) – -“
    Den Doppelslash habe ich für beliebige Übergänge in den Folgetakt gesetzt. „Who Knows“ ist ein Lehrstück über synkopisches Solospiel, unterstützt durch Buddy Miles zweite Stimme, das für meine Begriffe den Charakter einer Kammersonate hat, obwohl es keine echten Tempo- oder gar Tonartwechsel gibt..
    Ganz offenkundig hat Randy Hansen die Themaerweiterung nicht als solche aufgefaßt und deshalb das Zyklische in der Komposition nicht erfaßt, dem Sima mit ihren bescheideneren solistischen Mitteln einen ganz eigenen Ausdruck gibt, doch dem Original damit näher bleibt, als Hansen, der nicht wenige einzelne solistische Motive fast originalgetreu wiedergibt, d.h. einschließlich der Synkopen, auch wenn die ein wenig „schräg“ ausfallen..

    Die Chose ist freilich völlig belanglos, wenn einer – soweit er mir folgt – den „Schluß“ zieht:
    „Na, der Randy ist halt ein Idiot, der kann’s nicht, der versteht’s halt nicht“
    (wie in einem voran gegangenen, ähnlichen Versuch geschehen, den ich gelöscht habe)
    Quatsch. Der Mann beweist auch in diesem Stück mehr als genug rhythmisch – melodisches Auffassungsvermögen. Er nimmt vielmehr einen Zugang zu dem Stück (und seiner Attraktion), die ihm den Zugang, den Sima nimmt, den zur Kammersonatenstruktur, regelrecht versperrt,

    Das ist das Ding, das mich hier interessiert, buchstäblich, die Entität, zu der Zugang genommen wird oder eben nicht, Die ist, anders als in „klassischer“ Musik, mit Formkriterien nicht gut zu beschreiben und genauso wenig, wie in klassischer Musik, soweit sie nicht auf einfachen Gesängen, Rezitativen und Tänzen („Schlagern“) ruht, mit Formkritereien zu erfassen.

    An dieser Stelle muß man wohl zur kommunikativen Wirkung des aktiven und passiven Zugangs zu jener mysteriösen „Entität“ übergehen und ihrer ersten Form, dem Selbstgespräch der Vortragenden und Hörenden: Ich gehe jetzt nur den ersten Schritt:
    Für Randy Hansens Hörer ist die Wiedererkennung, ein Wachrufen und Beschwören vergangener Hörerinnerungen / erlebnisse das Material des Gespräches. Für Sima’s Hörer ist es eher ein „Aha“-Erlebnis, eine gelingende Antizipation, ein „Ja, genau!!“, das man auf Blues-Konzerten so oft aus dem Publikum hört, wenn einer der Solisten aus einer Reihe von erwartbaren Fortsetzungen nebst ihrem Anschluß an voran gegangene rhythmische oder melodische Motive eine Wahl trifft.

    Und damit habe ich immerhin das Interface zum Grundmotiv von Gebärden hingesagt.

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  2. tgarner9 schreibt:

    Der Autor des folgenden Videos hat Lernenden zwei einprägsame wha-modulierte Licks in „Who Knows“ vorgeführt. Es könnte euch demonstrieren, was ich im voranstehenden Kommentar „Lehrstück zu synkopischem Solospiel“ genannt habe. Die Melodik ist nur wenig komplizierter, als pentatonisches Tonleiterspiel, die Attraktion nährt sich aus der Modulation PLUS der mit ihrer Unterstützung variierten Synkopik, die Robert Renman nicht gut trifft. Seine Absicht ist hier freilich eine andere. Er würde es Schülern erschweren, auf die Modulation zu achten und sie im Geiste nachzuvollziehen, wenn er die Synkopik träfe, denn diese Bestandteile interferieren und wären in einem dem Original näheren Gestus>/i> der Licks für den Lernenden schwerer auseinander zu halten.

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  3. tgarner9 schreibt:

    Noch eine Illustration.
    Ab Min 2:55 hört ihr Randy Hansens „Who Knows“ von 1997. Bis etwa 5:00 spielt er tonal hart am Original und es ist m.E. sehr gut zu hören, wie „mechanisch“ das an ihm gemessen klingt, obwohl es ein verdammt guter Versuch einer Imitation ist. Dann geht bis Minute 6 alles Kraut und Rüben (was übrigens in fast allen Hendrix Konzerten in verschiedenen Stücken vorkam, möglicherweise mit der einzigen Ausnahme „Redhouse“), bis ihm zwischen 6:00 und 6:45 die Imitation wieder außergewöhnlich gut gelingt. Warum?
    Auch das läßt sich hören, meine ich, jedenfalls, wenn man selbst ein ganz klein wenig Gitarrenpraxis hat. Die Verwendung des Wha-Wha erzwingt in dieser Sequenz die Hendrix’sche Synkopik, die Tempi sind einfach nicht anders zu setzen, wenn man danach strebt, die originale Modulation zu reproduzieren.

    Und damit scheint mir wenigstens annähernd klar gestellt, was Hansen „kann“ und „nicht kann“. Er kann alles! Doch er hört, was er „kann“, was Hendrix und andere „konnten“, anders, als ich oder Sima. Das, was gehört wird, nenne ich Gebärde.

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