(Archiv): Recht = Pflicht am Beispiel einer Abtreibungs-Debatte

(Ein Forumstext, über den ich grad zufällig stolperte und dessen Klarheit – trotz der fehlenden Referenzpostings – mich erfreut hat.)

‚Was ist denn bitteschön am Ideal von „Menschlichkeit“, dessen mangelnde Geltung SuZiQ in „Abtreibung“ beklagt, anders als christlich?! Folgerichtig läuft sie augenblicklich damit auf, indem Politeia ihr vorrechnet, angesichts der Verfassung eines beträchtlichen Teiles der Zeitgenossen sei es doch wohl bitte ein Gebot der Menschlichkeit zu nennen, sie zu bevormunden und zu leiten.
Was nun?

Zusätzlich wird SuZiQ mit ihrem Begriff von Menschlichkeit wehrlos gegen die Aruna’s und Leute, die noch ganz anders darauf bestehen wollen, die Vernichtung eines Embryos, von „Lebenschancen“ etx. sei doch wohl bitteschön nicht eben menschlich, wenn nicht gar mörderisch.

Darauf bleibt ihr noch das Ausweichmanöver mit „Subjektivität“ und „Selbst-“ versus „Fremdbestimmung“, das ihr a) wie oben angegeben umgeleitet wird und b) ihre Agitation der katholischen und anderer „Moralkeulen“- Agitation, über die sich sich beschwert, gleichwertig macht.
Was nun?

Der „Merker“ an SuZiQ’s Rede, auf den Du todsicher in erster Linie reagiert hast, ist doch ihre Weigerung, gleich River und anderen die Beratungspflicht allenfalls für lästig zu befinden. Das ist eine dieser Inkonsistenzen. Von einem pragmatischen Standpunkt der „Selbstbestimmung“ aus betrachtet, ist Beratungspflicht genau das: lästig, nichts weiter. Doch für SuZiQ geht’s an der Stelle um’s Prinzip, was man daran bemerken kann, daß sie sich nicht einfach für einen rationelleren Umgang mit dem Thema in Öffentlichkeit und Institutionen stark macht, der den moralischen Druck von den Frauen nimmt.
Worin liegt also der Fehler, der zu diesen Widersprüchen führt?
Ganz einfach: SuZiQ hat nahezu wortlos das „mein Bauch gehört mir“ zu einem gleichsam „natürlichen“ Menschenrecht erklärt, obwohl es das nie nimmer nicht ist, bzw. richtiger gesagt, dies „Menschenrecht“ präzise in dem Untertanenstatus der Frauen besteht. Der Staat steht mit seiner Gewalt dafür ein, das Kind der Frau unter gewissen Vorbehalten als ein Privateigentum zu überantworten, z.b. ggf gegen männliche Ansprüche auf das Kind. De jure ist das ein Mündelverhältnis: Der Staat macht sich – unter Strafandrohung – zum Eigentümer jeden Kindes, das in einem Bauch steckt, welcher sich auf seinem Territorium aufhält und überantwortet die förmliche Betreuung dieses seines Eigentums unter gewissen Bedingungen den Müttern.
Diese Wahrheit löst den ganzen Knoten auf: „Mörderisch“ ist das Staatswesen, in dem Lebensverhältnisse herrschen, unter denen einer Mutter die Austragung eines Kindes gegen ihren Willen und ihr Empfinden unzumutbar erscheint und das dafür dieser Mutter das Recht einräumt, die Frucht töten zu lassen. Grausam ist ein Staatswesen, das Lebensverhältnisse herstellt und betreut, denen Mütter oder ihre Kinder oder beide regelmäßig zum Opfer fallen, sodaß der Gesetzgeber auch gegen anderslautende Überzeugungen und Widerstände ein „Recht“ der Frauen durchsetzte, die Frucht stattdessen lieber vor der Geburt zu töten.
Und schließlich das Wichtigste:

Recht = Pflicht!

Das Recht der Frauen, ein Kind abtreiben zu lassen, ist identisch mit der Verpflichtung der Mutter, die Widrigkeiten der bürgerlichen Welt und ihre stets drohenden Wechselfälle in ihre persönliche Verantwortung zu nehmen. Die Selbstbestimmung, die der Staat ihr gewährt, entläßt sie mitsamt ihren mütterlichen Emotionen in den Status einer Sachwalterin seiner Herrschaft über die Kinder, über das fügsam und tauglich zu machende Menschenmaterial seiner politischen und ökonomischen Zwecke, das er ab dem fünften Lebensjahr zunehmend unter die Fittiche zusätzlicher Büttel nimmt. Gebärende Frauen sind mit Leib und Seele zu Staatsbütteln bestellt.
Männer sind es auf diesem Feld ggf. nur über den Geldbeutel.

Das ist der Skandal, den SuZiQ bemerkt, aber nicht gescheit benennen kann, weil sie in den Idealismen von Freiheit und Selbstbestimmung befangen ist. Und daher anhand dieser Idealismen die Gleichung politisch = privat zu hintergehen trachtet, wo und wann ihr die Konsequenzen nicht in den Kram passen, oder sie sich Chancen ausrechnet, gewissen Zumutungen individuell entgehen zu können.

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