Archiv: Weiteres zur Geschichte des Syrienkrieges

(TP-Thread. Mag sein, ich hab ihn schon irgendwo im Blog archiviert, egal)

Freihändige Bemerkungen zur Vorgeschichte

Mitte August 2012 erschien ein ziemlich umfangreiches Papier mit einem „Democratic transition plan“ unter Federführung der binationalen deutsch-amerikanischen Projektgruppe „The Day After“:
https://en.wikipedia.org/wiki/The_Day_After:_Supporting_a_Democratic_Transition_in_Syria
Schirmherren der Projektgruppe waren das US Institute for Peace (USIP) und die deutsche Bundesregierung, vertreten von der „Deutschen Gesellschaft für Internationale Politik“ (DGAP). Da die Bundesregierung offenbar nicht offiziell als Schirmherr neben dem USIP auftreten wollte, das als dem Weißen Haus verpflichtetes Konkurrenzprojekt zu Think Tanks der CIA und des DoS gilt, trat der Öffentlichkeit gegenüber das SWP in die Rolle der DGAP ein. Später beteiligte sich auch die dänische Regierung an dem Projekt. „Draußen bleiben“ mußten die Killarys, das UK und Frankreich.
Schon dies ist Indiz genug, daß im Hintergrund ein Machtkampf zwischen dem Weißen Haus und DoS und CIA stand. Führt man sich das Papier zu Gemüte und vergleicht es den „Vorschlägen“, von denen Pany berichtet, wird das noch deutlicher. Auch „The Day After“ lieferte das Ergebnis eines monatelangen Sandkastenspieles aus, aber es war ein ernsthaftes Sandkastenspiel, das einige politologische Substanz ins Feld führte. Der größte Unterschied zum Zeugs des HNC besteht darin, daß „TDA“ einer zentralen Forderung säkularer syrischer Oppositioneller und der syrischen Regierung folgte:
Eine „Politische Lösung“ des Krieges dürfe und könne keinerlei auswärtige Diktate oder Vorentscheidungen enthalten, sie habe ohne Abstriche „syrisch“ zu sein.
Hören wir dazu den syrischen Vizepräsidenten Farouk Al-Sharaa:in einem Interview mit der libanesischen „Al Akhbar“ 8 Wochen nach Veröffentlichung des TDA-Papiers:

“Any logic based on the premise of rejecting dialogue indicates the desire for Syrians not to reach a solution on their own. Therefore, any settlement, whether starting with talks or agreements between Arab, regional, or foreign capitals, cannot exist without a solid Syrian foundation. The solution has to be Syrian, but through a historic settlement, which would include the main regional countries, and the members of UN Security Council. This settlement must include stopping all shapes of violence, and the creation of a national unity government with wide powers. This should be accompanied by the resolution of sensitive dossiers related to the lives of people and their legitimate demands.”

http://english.al-akhbar.com/content/exclusive-interview-syrian-vp-farouk-al-sharaa-proposes-alternative-war
Verblüffend, nicht wahr? Das ist die abstrakte Blaupause des dieses Jahr unter der Sabotage des HNC und seines Schirmherrn KSA, des DoS und der türkischen Regierung abgebrochenen „Fahrplans“ der Genfer Verhandlungen.
Ich komme auf Al-Sharaa zurück, doch zunächst muß vom KSA-Agenten an der Spitze des HNC die Rede sein, von Riyad Farid Hijab.
https://en.wikipedia.org/wiki/Riyad_Farid_Hijab
und zuvor von einem anderen, prominenten syrischen „Fahnenflüchtigen“, dem ehemaligen Botschafter im Irak, Nawaf al-Fares:
https://en.wikipedia.org/wiki/Nawaf_al-Fares
Fares war politischer Chef der syrischen Al Jarrah, eines Stammesverbandes, deren Hauptsitze in der irakischen Provinz Anbar liegen und der Teil der Egaidat tribal confederation ist, mit ca. 1,5 Mio Mitgliedern einer der bedeutensten in Syrien, mit Zentrum in Deir Ezzor.
http://www.bbc.com/news/world-middle-east-18806469
Die meisten der arabischen Stammesverbände in Syrien – mit Ausnahme der Baggara, die vorwiegend im Irak und in der Türkei präsent sind – haben politisch und ökonomisch wirksame Verbindungen nach Saudi Arabien und in die Golf-Staaten, v.a. Kuweit und Qatar. Hassan Hassan, das CIA- und Atlantic Council Asset, das meine Leser schon kennen, warb Ende Juli 2012 in einem Guardian-Artikel, der durch viele Organe der „Freunde Syriens“ durchgereicht wurde, für den „Hebel“, welche die syrischen Stammesorganisationen der „Revolution“ schon boten und weiter und verstärkt bieten sollten:
https://www.theguardian.com/commentisfree/2012/jul/25/syria-tribal-rivalries-shape-future
Fares eilte sofort nach seiner Flucht zum Interview mit der BBC, um für die offizielle Bewaffung der syrischen Opposition und bei fortgesetztem Widerstand des „Regime“ für eine Intervention zu werben. Dabei brachte er das „Leitthema“ der inneramerikanischen Auseinandersetzungen um einen Bombenkrieg gegen Damaskus auf, der die ganzen kommenden 18 Monate beherrschen sollte:

Assad regime ‚ready to use chemical weapons‘

http://www.bbc.com/news/world-middle-east-18864629
Riyad Farid Hijab, geboren in Deir Ezzor, ist offiziell kein Mitglied einer Stammesorganisation, aber er war von 2004 bis 2008 Parteichef der Baath in dieser Provinzhauptstadt, und diese Position konnte er nicht einnehmen, ohne sich mit den Stammesführern ins Benehmen zu setzen. Hijabs erste „Amtshandlung“ nach seiner Desertion, einige Wochen nach Fares, war eine Reise nach Doha (Qatar) zu „Geheimgesprächen“ über eine künftige „Vereinigung aller oppositionellen Kräfte Syriens“:
http://www.webcitation.org/6A17pveXq

Halten wir fest: Während USIP und DGAP mit „TDA“ furchtbar ernsthafte Sandkastenspiele mit im europäischen und libanesischen Exil lebenden Vertretern und Fachleuten der säkularen politischen Opposition veranstalteten, dessen Ergebnis bis heute die nominelle Blaupause für die vom Weißen Haus vorgegebene Syrienpolitik ist, haben die GCC-Staaten unter der offenen Ermunterung und Führung Killarys auf Regime-Change durch das Chaos gesetzt, das sie mit Hilfe von Al Nusra und anderen jihadistischen Banden, vielen Millionen Bestechungsgeldern und Mrd.-Summen für Bewaffnung und mit dem Einsatz der ethnischen und sektiererische Brechstange über die arabischen Stammesverbindungen stiften konnten. Vor diesem Hintergrund sind Sharaa’s vorsichtige Worte im o.zit. Interview zu lesen:

“[The militarization of the opposition] should have required a discussion of mechanisms and an attempt at a Syrian-Syrian solution. The dialogue we adopted in July 2011 aimed at solving the crisis politically from the start, by Syrian hands,” he adds.

“But things did not go in this direction,” Sharaa explains. “The crisis was Arabized. Syria, a founding member of the League of Arab States, saw its membership suspended from the league without justification or a pretext that could convince Syrian citizens.”

“There were many mistakes made by the Arab League and the [Syrian] state both, which cannot be forgotten or stepped over,” he surmises.

So erklärt sich der scheinbare Widerspruch, daß Sharaa einerseits auf einer innersyrischen Lösung bestand, andererseits die Einbeziehung des UN-Sicherheitsrates und der Großmächte, die doch für die Lage maßgeblich verantwortlich waren, einforderte: Die gestifteten und benutzten innerarabischen Fronten waren seiner Ansicht nach nicht länger ohne militärpolitisches Diktat der Großmächte zu zügeln.

Fortsetzung

Bevor ich mich den Folgen und dem Schicksal der Bemühungen Hijabs und anderer um eine „Einigung der Opposition“ widme, ist die Rolle Farouk Al-Sharaa’s selbst zu betrachten. Denn der Vizepräsident wurde in den Monaten vor dem Interview selbst als „Dissident“, „Deserteur“ und mögliches Haupt einer von den „Freuden Syriens“ akzeptierten Putsch- oder Übergangsregierung gehandelt.und die politische Statur und Vergangenheit Sharaa’s ließen auch vor seinem Interview mit Al Akhbar kaum vernünftige Zweifel zu, daß er sich vielleicht als eine Integrationsfigur für alle syrischen Fraktionen hergeben würde – obwohl er das stets bestritten hat – es aber weder mit Hijab und seinen Hinterleuten halten würde, noch ein Parteigänger der Führungsfiguren der LCC’s werden würde, die eine beträchtliche Rolle in der „TDA“-Initiative des Weißen Hauses spielten, oder sonst irgend einer syrischen Fraktion seine politische Physiognomie leihen würde.
Ibrahim al-Amin hatte dazu geschrieben:

Farouk al-Sharaa is at the heart of the action, but not in the decision-making circles. He keeps in touch with a few officials, speaks to President from time to time, and communicates with some of the leadership …he also keeps communication channels open with members of the opposition and figures who are not connected to the state or the regime … He stood by Bashar al-Assad from the very first moment, seeing in him a chance for change and moving Syria somewhere more advanced. But since the beginning of the crisis in 2011, he felt that the odds are not in his favor.

Die unzweideutige, wenngleich ein wenig versteckt geäußerte Kritik Sharaa’s an Assad lautete wie folgt:

“If anyone has the chance to meet Mister President, he would hear from him that this is a long struggle, a big conspiracy with many actors (terrorists, rabble, smugglers). He does not hide his desire for a military solution that achieves a decisive victory, and only then would the political dialogue be actually possible. Many in the [Baath] party, the [National Progressive] Front (NPF), and the military forces have been convinced from the onset of the crisis that there is no alternative to a political solution and that there is no turning back,” he adds. … “In 1970, many state institutions were built on top of the inconsistencies and conflicts of the revolutionary command council back then …These institutions started to deteriorate and were not renewed, despite multiple attempts to restructure them since president Bashar al-Assad assumed leadership in the year 2000.
“These institutions then started to function based on their own inertia. This could be partially acceptable in times of stability and … security. But how could it happen during major crises and the resulting destruction … ? “This is not to mention the detention of thousands of people who are not presented in front of the courts, as if we are still under martial law.” … “I do not deny that some of us acted as if [the dialogue] was unnecessary and whispered this to the leadership. So it distanced itself under the pretext that the internal and external opposition saw it as one of the regime’s charades. In the end, this finished off the political dialogue and opened the doors wide for the dialogue of bullets and guns. … Today, we understand that change is inevitable. If the regime does not take the initiative to achieve it with the others, it will happen through unilateral dictates from them.”

Ich mußte das u.a. deshalb so ausführlich zitieren, weil Sharaa’s Darstellung eine gähnende Lücke aufweist, die der Leser füllen muß, um seine Worte wägen zu können. Ich rede vom bis heute rätselhaften Attentat auf die militärische Führungsspitze Syriens am 18. Juli 2012, also etwa eine Woche nach der Desertion von Farouq al-Fares und einem anderen Prominenten, von dem zu reden sein wird, Manaf Tlass.
http://www.tagesspiegel.de/politik/krieg-in-syrien-anschlag-assads-schwager-und-verteidigungsminister-getoetet/6892312.html
Das Attentat räumte einige der übelsten Figuren der syrischen Militärdespotie beiseite, darunter Assads sprichwörtlich dummen, bösartigen und brutalisierten Bruder Maher, der seither nicht mehr offiziell in Erscheinung getreten ist:
https://en.wikipedia.org/wiki/Maher_al-Assad
In der Rolle des Führers der Präsidentengarde repräsentierte Maher die beständige Bedrohung des Präsidenten mit einem Putsch der Luftwaffengeneräle, die den Kern der syrischen Militärdepotie bilden.
In Spekulationen über die Urheber des Attentates will ich mich nicht einmischen, aber die „Lücke“ in Sharaa’s Darlegung besteht darin, daß Assad das Attentat nicht nutzte, die „Kräfte der Beharrung“ und der brutalen Inkompetenz, die der Vizepräsident umschreibt, maßgeblich zu schwächen. Assad ersetzte die Getöteten durch „bewährte“ Technokraten der Macht.
Und das wird mich – allerdings erst morgen, für heute wird mir das zu viel – zur vereitelten Rolle von Manaf Tlass führen, die zu würdigen nicht entbehrlich ist, wenn es um die Radikalisierung der Intervention erst mit Hilfe der Muslimbrüder, dann unter massiven Zufluss von Takfiris aller Provenienz geht.

Bis dahin lasse ich euch mit einem Interview und einer Darstellung aus dem Dunstkreis des MI6 allein, denen ihr entnehmen könnt, daß Assad’s und Sharaa’s Differenzen in keiner Weise grundsätzlicher Natur waren.
http://www.wsj.com/articles/SB10001424052748703833204576114712441122894
http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/middleeast/8857883/Syrias-President-Assad-I-live-a-normal-life-its-why-Im-popular.html

Im Vorgriff auch noch einen lakonischen Hinweis darauf, wer an vorderster Front ein Interesse daran hatte, daß sowohl die USIP-Initiative, noch andere Befriedungsversuche, an denen Leute, wie Sharaa beteiligt sein würden, scheitern sollten:

PS.: Zum letzten Punkt auch noch ein symptomatisches Beispiel für die Aufnahme, die Sharaa’s selbstverständlich strategisch gezielte Erklärung an die arabische und westliche Öffentlichkeit in den westlichen Leitmedien fand.
http://english.alarabiya.net/en/perspective/profiles/2013/07/09/Farouk-al-Sharaa-Syrian-leader-who-wanted-compromise-.html
Viel anders oder besser ging übrigens auch die russische Auslandspresse nicht damit um – nur mit entgegen gesetztem Vorzeichen.

I’m lost in my archive

Das Material, das ich für die Fortsetzung benutzen wollte, finde ich im Moment nicht, will aber auch nicht darauf verzichten. Vielleicht finde ich es heut nachmittag.
Stattdessen einstweilen zwei Splitter zu den Voraussetzungen der Rolle Manaf Tlass’s, aber auch der diversen Islamistenfraktionen.

Das eine ist ein Reuters-Artikel vom Ende April 2012, der beklagt, daß nach der Niederlage der „Homs Offensive“ Mitte April kein sonderlich taugliches Kanonenfutter mehr für den Syrienkrieg verfügbar war:
http://www.reuters.com/article/us-syria-rebels-idUSBRE83Q0S120120427
Rebel rivalry and suspicions threaten Syria revolt
Stattdessen bunte Haufen entwurzelter und versprengter Schurken – Schmuggler, Diebe, Vergewaltiger, kurz, Raubzeug aller Art, das sich jedem zu verpflichten versprach, der es mit Geld und Waffen versorgte, einschließlich den takfirischen Ideologien der Anbieter.

Die Homs – Offensive
https://en.wikipedia.org/wiki/2012_Homs_offensive
war von der Allianz Killary, Sarkozy, Cameron organisiert worden. Vor Ort, im Libanon, waren vor allem Jeffrey Feltman und Saad Hariri zuständig. Das auswärtige Personal wurde überwiegend aus Entwurzelten des Libyenkrieges rekrutiert. Der nominelle Dachverband der auswärtigen und einheimischen Banden war die Farouq-Brigade
https://en.wikipedia.org/wiki/Farouq_Brigades
die später eine maßgebliche Rolle in den Kämpfen und Rivalitäten zwischen der Türkei, Qatar und Saudi Arabien um bestimmenden Einfluß auf den Syrienkrieg spielen sollte. Ihren Frontmann spielte der blutjunge Lieutenant Abdul Razzaq Tlass, ein Cousin von Manaf Tlass, der zu dieser Zeit noch kein takfirisches Image angenommen hatte und keinen Sektenkrieg gegen die Alaviten propagierte, wie wenige Monate später.
Dieser „Gesinnungswandel“ fiel bemerkenswerterweise mit der Ende Juli, zwei Wochen nach Manaf Tlass Flucht über Beirut, Istanbul nach Paris erfolgten und verkündeten Entscheidung seines älteren Bruders und syrischen Top-Oligarchen, Firas Tlass zusammen, die Farouq-Brigade aus eigenen und qatarischen Portefeuilles mit einer gewaltigen Millionen-Summe zu sponsern, was aus ihr eine der einflussreichsten Proxy-Verbände machte, die in Zentral- und Nordsyrien saudisch gesponserten Verbänden, insbesondere Liwa al Islam und Al Nusra, die Stirn zu bieten vermochte.
————–
Ergänzend noch dies:

Mit Ausnahme der Muslimbruderschaft war und ist eine „Opposition“ am Syrienkrieg unbeteiligt
von TomGard 2012-07-01
Das bestätigte Aron Lund in einer im Mai erschienenen, für die Foundation for European Progressive Studies (FEPS) in Zusammenarbeit mit dem Olof Palme International Center erstellten Studie, die einen Überblick über die oppositionellen Kräfte in Syrien zu geben versucht.
An den dem Mythos nach „initialen“ Ereignissen in Daraa, an denen sich „die Revolution entzündet“ habe, war nur eine kleine Gruppe von Parteigängern des exilierten Oppositionspolitikers Haytham Manaa beteiligt, der im März dieses Jahres mit einem furiosen Wutausbruch an die Öffentlichkeit trat:

„Raus mit den Dschihadisten und ausländischen Killern! … Wir werden aus Syrien kein zweites Bosnien machen lassen!“

(Das Video ist natürlich nicht mehr verfügbar ..TG ’16)
Lund resümiert:

In fact, the traditional political opposition was caught unprepared by the outbreak of revolution. It has been too weak in terms of numbers, organization and resources to significantly contribute to – not to mention control – anti-regime activity on the ground. This situation generally persists in early 2012.

„Anti-regime activity“ ist folglich bis zu diesem Zeitpunkt ausschließlich ein vom Ausland gestiftetes und aufgestocktes kriminelles Bandenwesen gewesen – ganz, wie Bashar al-Assad nicht müde wird, zu behaupten.
„Übergangsregierung“, hm? Wer die wohl „machen“ soll?

(Auch die Lund-Studie ist offenbar aus dem Netz gesäubert)

[Anmerkung 2020 zur Fortsetzung unten. Das zitierte Wikileak wurde später scheinbar entwertet, indem die Autorenschaft korrigiert wurde. Nicht Killary, sondern ein Zuarbeiter (Sid) sei der Verfasser bzw. Übersender des Textes. Doch das änderte nur etwas, wenn Killarys Aktionen im Kriegsverlauf den angesprochenen Zwecken in irgend einer Weise entgegen gearbeitet hätten. Das Gegenteil ist der Fall. Eine der letzten Amtshandlungen der Frau bestand darin, eine lange vorbereitete hochrangige arabisch-israelische Konferenz mit dem Thema „Wege zu einem künftigen nuklearwaffenfreien Mittleren Osten“, ein Lieblingsprojekt Obamas, kurz nach Amtsantritt – parallel zur berühmt berüchtigten „Kairoer Rede“ – auf den Weg gebracht, abzusagen und den Rückzug des State Department aus den in der Vorbereitung geschaffenen Strukturen zu befehlen. (Auch diese Geschichte habe ich mal dokumentiert und werde sie irgend wann aus meinen verschiedenen Archiven heraus klauben.) Sie handelte exakt im Geiste des zitierten Papiers, das ich weiter unten vollständig spiegeln werde.]

Das Material, das ich ‚raussuchen wollte – und immer noch nicht wiederfand – galt der Struktur, dem Zusammenwirken und der Balance der Abteilungen der syrischen Streitkräfte in der ständischen Despotie des Militärs. Es sollte zeigen, warum jemand, der dringend nach einer „jemenitischen Lösung“ des Dilemmas suchte, in dem das Imperium steckte, nachdem Obama sich Killary’s Diagnose „Assad ist entbehrlich“ (April oder Mai ’11) mit einem „Assad muß weg“ angeschlossen hatte, die killary’sche Angriffswelle in Homs jedoch gestoppt worden war, notwendig auf Manaf Tlass als einem potentiellen Garanten für einen Fortbestand des syrischen Repressionsapparates verfallen mußte.

Auf dieser Grundlage wollte ich induktiv zeigen, wer die treibende Kraft war, eine „jemenitische Lösung“ zu vereiteln, in der Sharaa sich wahrscheinlich mehr oder minder widerwillig beteiligt hätte.
Doch bei der Suche nach verschwundenen Links merkte ich, daß das inzwischen überflüssig ist:

Bringing down Assad would not only be a massive boon to Israel’s security, it would also ease
Israel’s understandable fear of losing its nuclear monopoly. Then, Israel and the United States
might be able to develop a common view of when the Iranian program is so dangerous that
military action could be warranted. Right now, it is the combination of Iran’s strategic alliance
with Syria and the steady progress in Iran’s nuclear enrichment program that has led Israeli
leaders to contemplate a surprise attack — if necessary over the objections of Washington. With
Assad gone, and Iran no longer able to threaten Israel through its, proxies, it is possible that the
United States and Israel can agree on red lines for when Iran’s program has crossed an
unacceptable threshold. In short, the White House can ease the tension that has developed with
Israel over Iran by doing the right thing in Syria.

Killary in einer Mail an einen unbekannten Empfänger Ende April 2012:

Klicke, um auf C05794498.pdf zuzugreifen


siehe auch:
https://www.jungewelt.de/2016/07-06/021.php
Für dieses Ziel war eine Art „Regierung der nationalen Errettung“, in der arabisch – syrische Nationalisten auf der Grundlage von Programmen, wie USIP es vorschlug, eine führende Rolle eingenommen hätten, ganz und gar ungeeignet.
Siehe dazu:
Ehud Barak (auf den Clinton in der Mail Bezug nimmt) im April ’12:
AMANPOUR. Latest full-length edition: Ehud Barak
16. Mai ’12
http://www.jpost.com/Middle-East/Syrian-Kurdish-dissident-Break-Syria-into-pieces
16. Juli:
WJC ANALYSIS – Slicing Syria
https://www.worldjewishcongress.org/en/news/wjc-analysis-slicing-syria?printable=true
Amos Yadlin im Feb.’13:
http://www.israelhayom.com/site/newsletter_article.php?id=7282

Dagegen zur Offensive Obamas, zusammen mit Russland eine „jemenitische Lösung“ zu erzwingen:
NYT 26. Mai

Wie Manaf Tlass gelinkt und aus dem Weg geschafft wurde, erkennt man immerhin schemenhaft in diesen beiden Dokumenten:
http://english.aawsat.com/2012/07/article55241214/asharq-al-awsat-talks-to-general-manaf-tlass
http://www.al-monitor.com/pulse/politics/2012/07/generals-road-map.html

Danach übernahm
https://en.wikipedia.org/wiki/Hamad_bin_Khalifa_Al_Thani
Er ließ die Delegierten des SNC im November 2012 in Doha so lange von bewaffneten Bulldoggen in einem Konferenzraum einsperren, bis sie einwilligten, sich unter dem Vorsitz des Muslimbruders Moaz al-Khatib einer National Coalition for Syrian Revolutionary and Opposition Forces der qatarischen Führung zu unterwerfen.

Das Wikileak

The best way to help Israel deal with Iran’s growing nuclear capability is to help the people of
Syria overthrow the regime of Bashar Assad.
Negotiations to limit Iran’s nuclear program will not solve Israel’s security dilemma. Nor will
they stop Iran from improving the crucial part of any nuclear weapons program — the capability
to enrich uranium. At best, the talks between the world’s major powers and Iran that began in
Istanbul this April and will continue in Baghdad in May will enable Israel to postpone by a few
months a decision whether to launch an attack on Iran that could provoke a major Mideast war.
Iran’s nuclear program and Syria’s civil war may seem unconnected, but they are. For Israeli
leaders, the real threat from a nuclear-armed Iran is not the prospect of an insane Iranian leader
launching an unprovoked Iranian nuclear attack on Israel that would lead to the annihilation of
both countries. What Israeli military leaders really worry about — but cannot talk about — is
losing their nuclear monopoly. An Iranian nuclear weapons capability would not only end that
nuclear monopoly but could also prompt other adversaries, like Saudi Arabia and Egypt, to go
nuclear as well. The result would be a precarious nuclear balance in which Israel could not
respond to provocations with conventional military strikes on Syria and Lebanon, as it can today.
If Iran were to reach the threshold of a nuclear weapons state, Tehran would find it much easier
to call on its allies in Syria and Hezbollah to strike Israel, knowing that its nuclear weapons
would serve as a deterrent to Israel responding against Iran itself.
Back to Syria. It is the strategic relationship between Iran and the regime of Bashar Assad in
Syria that makes it possible for Iran to undermine Israel’s security — not through a direct attack,
which in the thirty years of hostility between Iran and Israel has never occurred, but through its
proxies in Lebanon, like Hezbollah, that are sustained, armed and trained by Iran via Syria. The
end of the Assad regime would end this dangerous alliance. Israel’s leadership understands well
why defeating Assad is now in its interests. Speaking on CNN’s Amanpour show last week,
Defense Minister Ehud Barak argued that „the toppling down of Assad will be a major blow to
the radical axis, major blow to Iran…. It’s the only kind of outpost of the Iranian influence in the
Arab world…and it will weaken dramatically both Hezbollah in Lebanon and Hamas and Islamic
Jihad in Gaza.“
Bringing down Assad would not only be a massive boon to Israel’s security, it would also ease
Israel’s understandable fear of losing its nuclear monopoly. Then, Israel and the United States
might be able to develop a common view of when the Iranian program is so dangerous that
military action could be warranted. Right now, it is the combination of Iran’s strategic alliance
with Syria and the steady progress in Iran’s nuclear enrichment program that has led Israeli
leaders to contemplate a surprise attack — if necessary over the objections of Washington. With
Assad gone, and Iran no longer able to threaten Israel through its, proxies, it is possible that the
United States and Israel can agree on red lines for when Iran’s program has crossed an
unacceptable threshold. In short, the White House can ease the tension that has developed with
Israel over Iran by doing the right thing in Syria.
The rebellion in Syria has now lasted more than a year. The opposition is not going away, nor is
the regime going to accept a diplomatic solution from the outside. With his life and his family at
risk, only the threat or use of force will change the Syrian dictator Bashar Assad’s mind.

The Obama administration has been understandably wary of engaging in an air operation in
Syria like the one conducted in Libya for three main reasons. Unlike the Libyan opposition
forces, the Syrian rebels are not unified and do not hold territory. The Arab League has not
called for outside military intervention as it did in Libya. And the Russians are opposed.
Libya was an easier case. But other than the laudable purpose of saving Libyan civilians from
likely attacks by Qaddafi’s regime, the Libyan operation had no long-lasting consequences for
the region. Syria is harder. But success in Syria would be a transformative event for the Middle
East. Not only would another ruthless dictator succumb to mass opposition on the streets, but the
region would be changed for the better as Iran would no longer have a foothold in the Middle
East from which to threaten Israel and undermine stability in the region.
Unlike in Libya, a successful intervention in Syria would require substantial diplomatic and
military leadership from the United States. Washington should start by expressing its
willingness to work with regional allies like Turkey, Saudi Arabia, and Qatar to organize, train
and arm Syrian rebel forces. The announcement of such a decision would, by itself, likely cause
substantial defections from the Syrian military. Then, using territory in Turkey and possibly
Jordan, U.S. diplomats and Pentagon officials can start strengthening the opposition. It will take
time. But the rebellion is going to go on for a long time, with or without U.S. involvement.
The second step is to develop international support for a coalition air operation. Russia will
never support such a mission, so there is no point operating through the UN Security Council.
Some argue that U.S. involvement risks a wider war with Russia. But the Kosovo example
shows otherwise. In that case, Russia had genuine ethnic and political ties to the Serbs, which
don’t exist between Russia and Syria, and even then Russia did little more than complain.
Russian officials have already acknowledged they won’t stand in the way if intervention comes.
Arming the Syrian rebels and using western air power to ground Syrian helicopters and
airplanes is a low-cost high payoff approach. As long as Washington’s political leaders stay firm
that no U.S. ground troops will be deployed, as they did in both Kosovo and Libya, the costs to
the United States will be limited. Victory may not come quickly or easily, but it will come. And
the payoff will be substantial. Iran would be strategically isolated, unable to exert its influence
in the Middle East. The resulting regime in Syria will see the United States as a friend, not an
enemy. Washington would gain substantial recognition as fighting for the people in the Arab
world, not the corrupt regimes. For Israel, the rationale for a bolt from the blue attack on Iran’s
nuclear facilities would be eased. And a new Syrian regime might well be open to early action
on the frozen peace talks with Israel. Hezbollah in Lebanon would be cut off from its Iranian
sponsor since Syria would no longer be a transit point for Iranian training, assistance and
missiles. All these strategic benefits and the prospect of saving thousands of civilians from
murder at the hands of the Assad regime (10,000 have already been killed in this first year of
civil war).
With the veil of fear lifted from the Syrian people, they seem determine to fight for their
freedom. America can and should help them — and by doing so help Israel and help reduce the
risk of a wider war.

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