Archiv: EU / USA im Ukrainekrieg 2015

(Zur Vorgeschichte des Imperiumszerfalls)

Merkels Meisterstück (lu12345)

Geostrategisches Interesse haben die USA und die EU an Gebieten der

EU-Nachbarschaftschaftsstaaten, für die eine entsprechende
Nachbarschafts-Politik  vorgesehen ist. Siehe dazu:
Groesseres Europa: Nachbarschaft – Ein neuer Rahmen fürr
die Beziehungen der EU zu ihren oestlichen und suedlichen
Nachbarn:
> http://eeas.europa.eu/enp/pdf/pdf/com03_104_de.pdf

Dabei wird in Deutschland bezüglich der strategischen Beziehungen die
Staatenwelt in Mitstreiter, Herausforderer und Störer eingeteilt:
http://www.heise.de/tp/bild/40/40913/40913_1.html

Die Staaten, die zum Einfluss- und Interessenbereich in der
„Nachbarschaftspolitik“ der EU zählen, sind damit Konfliktpunkte für
verdeckte Aktionen, Bunte Revolutionen, Destabilisierungen und
Putsche, wenn die betreffenden Regierungen nicht parieren. Der
vorgesehene EU-Einfluß- und Interessenbereich (Zitat):

“ The European Neighbourhood Policy applies to the EU’s immediate
neighbours by land or sea – Algeria, Armenia, Azerbaijan, Belarus,
Egypt,  Georgia, Israel, Jordan, Lebanon, Libya, Moldova, Morocco,
the Palestinian Authority, Syria, Tunisia and Ukraine.“
> http://www2.euromemorandum.eu/uploads/ws3_palmer_beyond_eu_enlargement._creating_a_united_european_commonwealth.pdf

Europa ist für die USA der Brückenkopf, den eurasischen Kontinent zu
dominieren. Mit dem Ausbau der EU und dem Vorrücken in seine
Nachbarschaft rückt hier auch der Einfluss der USA immer weiter vor,
– mit der  NATO und bald auch mit TTIP. Und dann auch mit der
Anhäufung von US-Truppenstützpunkten.

Die Forderung der Transatlantiker diesseits und jenseits des
Atlantiks ist, dass Russland als schwindende Macht lernen muss,
seinen Platz in der Welt zu akzeptieren (Zitat):

„A declining power must learn to accept its newfound place in the
world. Even the ancient Greeks knew that.“
> http://web.archive.org/web/20071111225727/http://www.globalpowereurope.eu/2007_08_01_archive.html

Die Machtziele von Europas Machtelite und der Machtelite der USA
überschneiden sich hier, obwohl es diesseits des Atlantiks Träume von
einer Supermacht Europa gibt (Zitat):
„The birth of a new Rome? –  […] We may even be able to build a new
Rome—a continental union projecting light onto the world.“
> http://web.archive.org/web/20070807150359/http://www.globalpowereurope.eu/2007/07/birth-of-new-rome.html

Die Ukraine soll nun Merkels Meisterstück für Europa sein (und
zugleich die Interessen der USA wahren und über diesen Konflikt den
Macht-Konkurrenten Russland marginalisieren).

Dazu wurde auch von deutscher Seite eine ganze Menge Geld investiert,
um das Assoziierungsabkommen zu ermöglichen (Zitat):

„Ganz grundsätzlich versucht die EU naturgemäß in ihrer Nachbarschaft
möglichst wenig dem Zufall zu überlassen und die „Geschicke“ dort in
ihrem Sinne zu beeinflussen. Dies gilt auch und besonders für die
Projekte in der Ukraine, die anschaulich demonstrieren, dass
imperialistische Politik lange vor der Entsendung von Kanonenbooten
ihren Anfang nimmt. Hier spielt einmal das bereits erwähnte
„Europäische Nachbarschaftsinstrument“ eine wichtige Rolle, aus dem
zwischen 2007 und 2013 fast 1 Mrd. Euro ins Land flossen. Der
Großteil davon war dafür bestimmt, die ukrainische Verwaltung „fit“
für die Implementierung des Assoziationsabkommens in nationale
Gesetzgebung zu machen und sich einen pro-europäischen Beamtenapparat
aufzubauen. [34][…]
Es kam, wie es kommen musste: Janukowitsch wurde – trotz eines zuvor
ausgehandelten Kompromisses – aufgrund massiver Gewaltandrohung Ende
Februar 2014 regelrecht aus dem Land gejagt. An der umgehend
gebildeten – und vom Westen anerkannten – Putschregierung wurden
zahlreiche faschistische Kräfte beteiligt, ohne die der Umsturz nicht
möglich gewesen wäre.[…]
Seither kämpft auch Deutschland in der Ukraine-Frage buchstäblich an
vorderster Front – diplomatisch, aber eben auch militärisch. Um nur
ein Beispiel zu nennen, übernahm Deutschland die Führung der eigens
für Militäreinsätze im unmittelbaren Umfeld Russlands ins Leben
gerufenen Schnellen Eingreiftruppe („Speerspitze“): „Deutschland
gehört dazu – und steht plötzlich auf dem Gaspedal. Seit Mitte Januar
[2015] führt das Deutsch-Niederländische Korps in Münster die
Landstreitkräfte der schon länger bestehenden Nato-Eingreiftruppe
(Nato Response Force). Sie wird nun zusätzlich das Versuchskaninchen
für die schnelle Eingreiftruppe, die ‚Speerspitze‘ der Allianz.“
> http://www.imi-online.de/2015/03/27/die-ukraine-und-europas-nachbarschaftspolitik/

siehe auch:

Merkel, Geostrategie und Klitschkos Auftrag

http://www.heise.de/tp/foren/S-Merkel-Geostrategie-und-Klitschkos-Auftrag/forum-294279/msg-26683088/read/

Deutschland ist Kriegspartei und mitverantwortlich für Rechtsextreme
der Ukraine

http://www.heise.de/tp/foren/S-Deutschland-ist-Kriegspartei-und-mitverantwortlich-fuer-Rechtsextreme-der-Ukraine/forum-284186/msg-25659051/read/

Die Kartographie des EU-Imperiums: Grand Area“

http://www.heise.de/tp/foren/S-Die-Kartografie-des-EU-Imperiums-Grand-Area/forum-294298/msg-26685562/read/

Was ist da los?

http://www.heise.de/tp/foren/S-Was-ist-da-los/forum-293919/msg-26657746/read/

lu12345 schrieb am 2. April 2015 23:42
(…)
> Die Staaten, die zum Einfluss- und Interessenbereich in der
> „Nachbarschaftspolitik“ der EU zählen, sind damit Konfliktpunkte für
> verdeckte Aktionen, Bunte Revolutionen, Destabilisierungen und
> Putsche, wenn die betreffenden Regierungen nicht parieren. Der
> vorgesehene EU-Einfluß- und Interessenbereich (Zitat):

In dieser Form ist die Behauptung schlicht absurd, wenn das

http://www2.euromemorandum.eu/uploads/ws3_palmer_beyond_eu_enlargemen
t._creating_a_united_european_commonwealth.pdf

die Berufungsinstanz sein soll.

(Es geht da) um „European
Commonwealth“ vs. „Osterweiterung“ und präzise um die Differenz
hinsichtlich der Wirkung auf Russland und der Position Russlands
darin, nämlich so, daß „European Commonwealth“ dem Urteil der Autoren
folgend keinen Antagonismus zu russischen Interessen setzen MÜSSE (im
Gegensatz zu „Osterweiterung“ ad infinitum), SO LANGE Russland sich
nicht auf eine Führungsrolle in einem konkurrierenden
„Eurasien“-Projekt versteift.

Das war die alte Taktik in einem neuen Gewand: „Masse machen“ und
Russland auf dem eurasischen Kontinent qua ökonomischem Gewicht an
den Rand drängen, aber dies als „Angebot“ formatieren, das den
Selbsterhaltungsinteressen der RF nicht zwingend zuwider laufen muß.

Mit anderen Worten: Tauziehen. Nicht Krieg!

Deshalb widerspreche ich an dieser Stelle entschieden der Deutung,
„die EU“ und insbesondere Deutschland hätten dieselben Ziele
verfolgt, wie „die NATO“ und „die USA“, nur zum Ärger in Washington
eine „Führungsrolle“ beansprucht oder gar eingenommen, die ihnen dann
bestritten wurde.

Re: Merkels Meisterstück

> In dem Punkt und Papier, das ich heraus griff,
> ging es um „European Commonwealth“ vs.
> „Osterweiterung“

Palmer ist besorgt darüber, dass die EU den Einfluss auf die von ihm
genannten EU-Interessengebiete verliert. Er sieht ein erlahmendes
Interesse an der Erweiterung in Innern, weil hier die Befürchtung
besteht, dass eine Erweiterung auf vollwertige Mitglieder zu einer
Schwächung der EU führt und es zudem Staaten gibt, die der EU keine
Beitrittsperspektive anbieten kann. Das erlahmende Interesse
innerhalb der EU und fehlende Beitrittsperspektiven sieht er als ein
fatales Signal an jene Staaten an, die ein Interesse an einer
Mitgliedschaft und auch einer Assoziierung mit der EU haben, so dass
sie sich abwenden könnten .

Daher geht es ihm, so wie ich ihn verstehe, nicht um ein „Versus“
(„vs“) bei den Möglichkeiten zur Erhaltung der Einflussshäre, sondern
um eine weitere, zusätzliche Möglichkeit, das Projekt der Erweiterung
des Einflussbereiches der EU sicherzustellen (auch mit z.B.
wirtschaftlich schwachen Interessenten und unter bestimmten
Bedingungen zur Aufnahme in ein EU-Commenwealth). Dazu hat er den
Punkt 3 auf S.9 seiner Schrift eingeführt.

> und präzise um die Differenz hinsichtlich der
> Wirkung auf Russland und der Position Russlands
> darin, nämlich so, daß „European Commonwealth“
> dem Urteil der Autoren folgend keinen Antagonismus
> zu russischen Interessen setzen MÜSSE (im Gegensatz
> zu „Osterweiterung“ ad infinitum), SO LANGE
> Russland sich nicht auf eine Führungsrolle in einem
> konkurrierenden „Eurasien“-Projekt versteift.

Ja, es ist dies auch der Vorwurf der „einzigen Weltmacht“  USA an
Russland, dass es mit Putin Weltmachtambitionen entwickelt und damit
nicht -wie vorher unter Jelzin- den ihm zugewiesenen Platz in der
Staatengemeinschaft akzeptiert .

Es ist ein alter Hut, aber ich zitiere den Brzezinski dazu, der 1997
dazu die auch heute noch von der Führungsmacht der internationalen
Staatengemeinschaft vertretenen  dsbzgl. Ansicht zum Platz Russlands
in der Staatengemeinschaft formulierte:

„In these circumstances, it should become more evident to the Russian
political elite that Russia’s first priority is to modernize itself
rather than to engage in a futile effort to regain its former status
as a global power. Giventhe enormous size and diversity of the
country, a decentralized political system, based on the free market,
would be more likely to unleash the creative potential of both the
Russian people and the country’s vast natural resources. In turn,
such a more decentralized Russia would be less susceptible to
imperial mobilization. A loosely confederated Russia—composed of a
European Russia, a Siberian Republic, and a Far Eastern Republic—
would also find it easier to cultivate closer economic relations with
Europe, with the new states of Central Asia, and with the Orient,
which would thereby accelerate Russia’s own development.“
> http://www.bibliotecapleyades.net/archivos_pdf/brzezinsk_thegrandchessboard.pdf

Palmer sieht sehr wohl die Überschneidungen der Interessengebiete und
Einflusssphären von EU und Russland und dass es dadurch zu Konflikten
kommt.  Nur Palmer formuliert das aus EU-Sicht mit imperialen
Anspruch so, dass dieser Interessenkonflikt daraus resultiert, weil
Russland sich der EU verweigert und seinen ihm zugewiesenen Platz in
der Staatengemeinschaft nicht einnehmen will:
“ The self exclusion of Russia from the remit of the EaP adds a
potentially destabilising element to the future development of EU
relations with its EaP partners. Friction with Russia over what it
sees as its legitimate interests in it’s “near abroad” could carry
the potential for a dangerous geo-political struggle for influence
between the EU and Russia in the Caucasus and elsewhere.“
> http://www2.euromemorandum.eu/uploads/ws3_palmer_beyond_eu_enlargement._creating_a_united_european_commonwealth.pdf

> Mit anderen Worten: Tauziehen. Nicht Krieg!

Grundsätzlich wird die EU auch auf die militärische Option bei Regime
Changes zurückgreifen, wie sie es auch im Falle Libyens getan hat,
das sie zu ihrem Interessen- und damit Einflussgebiet zählt. Das ist
auch in anderen Fällen nicht auszuschließen. Auf die militärische
Option  wird sie zurückgreifen, wenn es geeignet erscheint. – Gegen
Russland eignet sie sich diese Option nicht.

Und grundsätzlich sind die Staaten, die zum Einfluss- und
Interessenbereich in der „Nachbarschaftspolitik“ der EU zählen,
Konfliktpunkte für verdeckte Aktionen, „Bunte Revolutionen“,
Destabilisierungen und Putsche, wenn die betreffenden Regierungen
nicht parieren. Auf entsprechende Optionen aus diesem
Handlungskatalog hat die EU in Libyen und in der Ukraine
zurückgegriffen.

Eine „Bunte Revolution“ in Russland und seine Destabilisierung sind
Optionen auch der EU, wenn es um einen Regime-Change geht. Das wird
dann gemeinsam mit der Führungsmacht USA gemacht. Dazu zählen (für
uns gewöhnliche Menschen sichtbar) u.a. der Ukraine-Konflikt und die
Sanktionen gegen Russland.

Allerdings: Im Falle der Ukraine will Deutschland als Mitglied der EU
im Gegensatz zur westlichen Führungsmacht USA bisher ausschließlich
eine diplomatische Lösung. Damit war, wie bekannt,  Deutschland
(Steinmeier) schon bei Janukowitsch unterwegs, dann bei Minsk1+2.

> Deshalb widerspreche ich an dieser Stelle entschieden der
> Deutung, „die EU“ und insbesondere Deutschland hätten
> dieselben Ziele verfolgt, wie „die NATO“ und „die USA“,
> nur zum Ärger in Washington eine „Führungsrolle“ beansprucht
> oder gar eingenommen, die ihnen dann bestritten wurde.

Diese Deutung stammt nicht von mir. Die Rolle der USA als westliche
Führungsmacht wurde von Deutschland nie infrage gestellt. Wenn es um
die Diskussion einer Führungsrolle Deutschlands geht, dann nur in der
EU (dazu hatte ich aus der IMI-Studie von Jürgen Wagner zitiert).

Allerdings haben sich die USA in der Ukraine gegenüber der EU
durchgesetzt (die Vorherrschaft übernommen), was Vorgehensweise und
Personalauswahl zur Einsetzung der Marionettenregierung angeht. 

Re: Merkels Meisterstück

Daß die Formel „Eurasienpläne“ = „russische Großmachtambitionen“
Bullshit ist, wissen wir pikanterweise von Obama: „Russland ist eine
Regionalmacht, die sich (auf der Krim, TG) ein wenig übernimmt“ (Rede
in Brüssel). Angemessen, denn dort (in Brüssel) weiß man das in der
Tat ein wenig besser, als im Neocon-verseuchten Washington. Du
schreibst sehr viel, um am End unter Berufung auf Wagner für gegeben
zu erklären, was ich angegriffen hatte. Aber danke dennoch für Deine
Mühe.
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