Affäre Skripal, Archiv ’20

Es gibt wesentliche Neuigkeiten in der Affäre. Zur Vorbereitung einer Bearbeitung übernehme ich hier gesammelt die Einträge aus dem „Journal“.

7. März:

Das aufgeklärte Publikum hat Sergej und Julia Skripal mehrheitlich zum Geschichtsmüll sortiert

Rob Slate und John Helmer beherrschen dieses Feld, Zerohedge promoted den einen, Strategic Culture den anderen, irgendwo dazwischen RT deutsch, eine „linkezeitung“ und – wie anders – die stilistisch volltrunkene Eierei Rötzers für TP.
Ich finde das nicht erwartbar, oder gar selbstverständlich, wie es die Amateurvervielfältiger offenbar tun, die Anzahl der Retweets ist nicht so weit von denen entfernt, die meine Einträge finden – gar keine. Warum?

Weil es für einen sehr großen Teil des Publikums, das heute älter als sage 17 Jahre ist, die vielen Sätze nicht braucht, die Helmer aufwendet, den kleinbürgerlichen und legalistischen Skandal vorzustellen, den das Verschwinden der Skripals darstellen müßte, wenn dieses Staatswesen, mitsamt seinen Insassen, noch die Grundzüge einer Republik konserviert hätte; diesem Publikum hat die veröffentlichte Meinung den Fall seinerzeit mehr als ein halbes Jahr lang eingehämmert.
Aber das ist auch schon die Erklärung, warum die Skripals zum Müll geworfen wurden; ihre Nationalität – naja, sind ja bloß Russen – mag ein wenig geholfen haben, aber der wesentliche Punkt ist, die Leutz haben begriffen und hingenommen, daß Republik und Grundlagen der Rechtsstaatlichkeit zusammen mit den Skripals entsorgt worden ist. Freilich nicht ausschließlich, nicht einmal auf besondere Weise mit ihnen, aber auf eine  ikonografische und emblematische Weise.
Deshalb begrüßen sie aktuell die Gelegenheit, anhand #Coronavirus an einer Debatte um die Unausweichlichkeit und Nützlichkeit von Notstands- und Polizeirecht teilzunehmen, die eine nüchterne logistische Vorbereitung auf die Epidemie in beträchtlichem Umfang ersetzt, so erregt und entzückt, als wäre das arme Virus der TuNichtGut, der durch die Stadttore geführt wird, um ihn an öffentlichem Platze zur erbaulichen Genugtuung derer zu schinden, die Grund und Preis für ihre Demut sinnlich vorgeführt zu bekommen wünschen.

Doch solch eine Lage ist nicht der Grund, warum ich entschieden habe, was zu den Skripals zu schreiben. Wäre das nicht auch ziemlich verrückt? Nein? Egal.

Ich will Interessierten nicht abraten, sich John Helmers Buch zu Gemüte zu führen oder die Einträge auf seinem Blog zu lesen, schon deshalb nicht, weil ich gleich einen von ihnen benutzen werde, um darzustellen, warum das überflüssige Mühe sein könnte.

Es handelt sich um diesen Nachweis, daß das sogenannte „Novichok“ im Fall Skripal genau eine physische Rolle gespielt hat: Einige Proben aus und mit aussagekräftigen Spuren dieser Stoffklasse wurden von Beauftragten der ein riesiges Areal einnehmenden britischen Chemie- und Biowaffenfabrik „Porton Down“ an Beauftragte der OPCW zur Analyse in Fremdlaboren übergeben. That’s it. Ob „Novichok“ an irgend einem anderen Vorgang in der Affäre physisch beteiligt war, oder nicht, wird aller Voraussicht nach ein Geheimnis bleiben, das wenige Personen mit ins Grab nehmen.

Ein Grab, das auch die Skripals werden teilen müssen. Denn es gibt wohl keine vernünftigen Zweifel daran, daß die britische Gestapo die Skripals nachträglich mit einem „Novichok“ vergiftet hätte, um der OPCW eine Chain of Custodie präsentieren zu können, wäre das irgendwie tunlich gewesen. Da es das nicht war, tragen die Skripals in ihren Körpern den forensischen Beweis, daß sie keiner nennenswerten Menge eines starken Cholinesterase – Hemmers ausgesetzt waren, die irreversible Spuren hinterläßt.  (Siehe auch dies).

Obwohl es nicht zu meinem Thema gehört, will ich erwähnen, daß die damalige Leiterin des Hospitals, in dessen Intensivstation die Skripals isoliert waren, fast mit Sicherheit als diejenige Person zu identifizieren ist, die sich der Gestapo entgegen stellte und verhindert hat, daß die Skripals nachträglich vergiftet und dabei voraussichtlich getötet worden wären.
Am 22. März hatte ein britisches Gericht verfügt, daß der Untersuchung der OPCW frische Blutproben zur Verfügung gestellt werden dürften, was unter normalen Umständen eine schriftliche Zustimmung der Patienten erfordert hätte. Diese wurde für unerhältlich erklärt, weil der Zustand der Patienten, also Sergejs UND Julias, sie nicht zulasse.
Am 4. April präsentierte Viktoria Skripal, eine Cousine Julias, dem russischen Fernsehen die Audioaufnahme eines Telephonates mit Julia, in welchem diese sich für mental und physisch absolut fit erklärte und auch so erschien. Vgl. BBC.  Das Telephon, von dem sie anrufe, erklärte Julia, habe sie von einer hilfsbereiten Pflegeperson erhalten, die darüber in Schwierigkeiten geraten könne. Unklar, weil nicht dokumentiert, blieb, wann dies Telephonat stattgefunden hat. Es gibt ein Indiz, daß es wesentlich früher stattgefunden haben könnte, als öffentlich gemacht. Julia rät Viktoria, auf einen Einreiseantrag für das UK zu verzichten. Am 6. April teilte das UK mit, ein Einreiseantrag Viktorias sei abgewiesen worden, weil „notwendige Voraussetzungen“ fehlten. Ich denke, unter den gegebenen Umständen kann man erwarten, daß das UK einen Einreiseantrag Viktorias so lang unbeantwortet gelassen hätte, wie es ihm passte. Er könnte also schon am 22. März in London vorgelegen, und das Telephonat an diesem oder einem früheren Tag stattgefunden haben. Der schwesterliche Hilfsdienst könnte eine Rettungsaktion gewesen sein, der die Gestapo davon abhalten sollte, Julia in einen Zustand zu versetzen, der mit dem Telephonat unvereinbar war.
Just for the record.
Übrigens habe ich John Helmer den Gedanken seinerzeit in Rohform vorgelegt. Er hat die Mitteilung gelöscht – aus gutem Grund, denke ich.

Doch zurück zum eigentlichen Thema.

Julias Leib, und dann sicher auch Sergejs, ist nicht allein forensischer Beweis für die britische Geheimdienstaktion und einen relativ harmlosen Gebrauch eines chemischen Kampfmittels (Amesbury lasse ich für einen Moment außen vor). Sondern er entschiede ein vom UK mit dem militärischen Mittel des Kampfgases geführten Krieg gegen die EU zugunsten letzterer. Lest dazu dies. Wie die Dinge liegen, solange Julia und Sergej, tot oder lebendig, verschwunden bleiben, hat Porton Down, haben die Stakeholder dieser Waffenschmiede – also nicht die britische Regierung allein – eine fast uneingeschränkte Freiheit, „Novichok“ einzusetzen, wo und wann sie belieben. Es werden „die Russen“ gewesen sein, so lange die Täter sich nicht erwischen lassen, was nicht eben schwer fallen sollte.
Das entfiele, sobald dem UK bzw. den amerikanischen Stakeholdern die Leiber abhanden kommen und einer Untersuchung durch unabhängige Stellen zugänglich werden.

Das ist die Story!

8. März:

Neues zu Julia und Sergej Skripal

Dr. Christine Blanshard, medizinische Leiterin des Bezirkskrankenhaus Salisbury, die, wie ich annehme, verhindert hat, daß die Skripals fatal vergiftet wurden.

John Helmer hat in einem Blogpost von heute Zeugnisse und Dokumente vorgelegt, die konkretisieren, was ich kürzlich über die Rolle von „Novichok“ in der Affäre Skripal schrieb.
Untenstehendes faßt das Wesentliche zusammen, ohne die Kenntnisnahme der beiden Einträge zu erübrigen, die Mitteilungen zu Umgebungsbedingungen und -variablen enthalten.

Der britische Geheimdienst deklarierte die Skripals zu Opfern eines Giftanschlages, ohne daß Untersuchungsergebnisse vorlagen, die es untermauern oder bestätigen konnten.

Das geschah am Montag, den 5.3.’18, zwischen 7:30 und 10:00 Uhr, 16 -18 Std. nach Einlieferung der Skripals, gemäß öffentlicher Stellungnahme der Geschäftsführerin des Bezirkskrankenhauses Salisbury, Cara Charles-Barks. Der Zeitpunkt ist in einem Filmbeitrag der BBC Mai/18 dokumentiert. Helmer:

“We then had a briefing as a group of executives and that was by 7:30, 8 am in the morning [Monday March 5] to get an update on what was happening. And then by 10 am on that Monday morning it had been declared an external incident, and of course we started working with the multi agencies.” Charles-Barks doesn’t reveal who gave the early morning Monday briefing, nor does she acknowledge that when “it had been declared an external incident”, she meant, not the hospital staff or hospital management, but the “multi agencies” – the Secret Intelligence Service, the Ministry of Defence, and the British Government.

Aus demselben Film stammt das Zeugnis der Leitenden Schwester, Lorna Wilkinson,  erst am Dienstag, dem 6.3., sei bekannt geworden, daß man es mit einer Vergiftung durch einen Cholinesterase-Hemmer zu tun zu habe. Helmer:

Lorna Wilkinson, Director of Nursing, says in the film it wasn’t until another day later, on Tuesday March 6, that “by tests and various diagnostics that we were running, that’s where it became apparent that we were looking at acholinesterase inhibition, and therefore what did we deduce from that. And that was really when the question started to arise as to whether this was some kind of nerve agent.”

Wilkinsons Verweis auf „various diagnostics that we were running“ ist zu vage, um sie Eigenuntersuchungen sicher zuzuordnen, er kann externe Labore und selbst Porton Down einbeziehen. Dr. Blanshard lag allerdings merklich daran, fest zu halten, daß es im Rahmen der diagnostischen Möglichkeiten der Klinik lag, eine Vergiftung mit einem Cholinesterasehemmer zu ermitteln:

“Whilst a district general hospital laboratory cannot test specifically for a nerve agent, we are able to request tests for the effects of the nerve agent so we can measure acholinesterase levels and see whether they have been affected. And it was our colleagues in Porton Down that helped us with the testing.”

Die Klinik konnte feststellen, daß eine Cholinesterase-Hemmung vorlag, und sie konnte ihr Ausmaß bestimmen, was eine erste Eingrenzung der Herkunft zuläßt.
Das versteht sich übrigens von selbst. Bestimmte Rattengifte, die m.W. nicht mehr zum Verkauf stehen, aber noch zirkulieren, enthalten ein Gift aus der Gattung Cholinesterasehemmer, und es gibt eine Reihe von Agrarischen Giften, die eine solche Hemmung verursachen. Sie sind aktuell die häufigste Quelle unabsichtlicher und suizidaler Vergiftungen dieser Art.

Die Klinikärzte haben anfangs nicht in Betracht gezogen, daß eine solche Vergiftung vorliegen könnte. Warum nicht? Eine erste, nicht hinreichende Auskunft darüber gibt Oberschwester Sarah Clark, die zur Zeit der Einlieferung der Skripals Schichtleiterin der Intensivstation war:

We were led to believe, they had taken an overdose, so there was no indication of nerve agent poisoning

Warum das nicht hinreicht, und welche Zusatzauskünfte Sarah Clarks Auskunft über den weiteren Verlauf geben kann, werde ich später besprechen. Hinsichtlich des zeitlichen Ablaufes müssen wir zunächst die Frage stellen: Hat das geheimdienstliche Briefing des Klinikpersonals am ab Montag 7:30 den Anlaß gegeben, ein militärisches Nervengift in Betracht zu ziehen?
Die Antwort ist unzweideutig negativ. Der Test dauert 10 Minuten, bei der gegebenen Dringlichkeit hätte dem ärztlichen Personal ab ca. 9:30 Uhr ein Ergebnis vorliegen müssen, falls ein Test Kit vorrätig war. Falls nicht, spätestens irgendwann am Mittag, nicht erst in der Frühschicht am Dienstag.

Dieser Punkt ist ein wichtiges Glied im Ablauf, weil das Verteidigungsministerium im März 2019, in Beantwortung einer Anfrage nach dem FREEDOM OF INFORMATION ACT, nicht mehr ermitteln zu können behauptete, wann genau eine Blutprobe gezogen wurde, in der Porton Down Nervengift – und später „Novichok“ – gefunden haben will und obendrein behauptet:

The timeline lists the blood samples arriving at the main Porton Down site at approximately 1845hrs on Monday 5 March 2018.

Zur Erinnerung: Das Briefing des MI6 begann am Montag um 7:30 Uhr und „gegen 10 Uhr“ soll der medizinische Notfall zu einem Fall für den Geheimdienst deklariert worden sein:

… then by 10 am on that Monday morning it had been declared an external incident …

Neun Stunden bevor Porton Down nach Aussage des Kriegsministers eine Blutprobe zur Untersuchung erhalten hat. Mindestens 35 Std. lang, von der Einlieferung der Skripals bis 1-2 Stunden vor Beginn der Frühschicht am Dienstag, haben die Klinikärzte in Salisbury keinen Grund gefunden oder erhalten, anzunehmen, die Skripals könnten einem der einschlägigen Gifte ausgesetzt gewesen sein. Auch nicht aus Porton Down, wo man – spätestens – ab Montag 19:00 mit der Untersuchung befaßt war und obwohl es eine Sache von Minuten ist, anhand einer Blutprobe global festzustellen oder auszuschließen, ob eine solche Vergiftung vorliegt.

Daraus schließe ich:

Die Skripals sind bis zu ihrer Entfernung aus dem Bezirkskrankenhaus Salisbury nicht mit einem „Novichok“ vergiftet worden

Helmer teilt diesen strikten Schluß nur für die Zeit bis zur Frühschicht am Dienstag:

Also, it means there was no trace of ACE inhibition in the blood samples which had been taken by Clark and other nurses from the Skripals in the first 36 hours, the interval counted by Wilkinson.

Ich widerspreche ihm auf der Grundlage dessen, was ich im schon zitierten letzten Eintrag schrieb. Zusammengefasst:
Porton Down / das britische Außenministerium hätte kein Problem gehabt, der OPCW am 20. März vorhandene Proben zu übergeben, zusammen mit den eigenen Analysen, wenn es eine „Chain of Custody“ hätte vorlegen können, oder wollen, die eine Zuordnung zu den Skripals gerichtsfest zuläßt. Wir wissen faktisch und aus dem Bekenntnis der zuständigen Stellen, daß es solche Proben nicht gab, oder, falls es sie gab, sie im Sinne dieser Stellen verräterisch gewesen wären. Es mag sein, daß die Spuren des Giftes mit der Zeit degradieren, aber da sie nicht metabolisieren, wie in einem lebenden Organismus – von evtl. verabreichten Gegenmitteln zu schweigen – wären ältere Proben jedenfalls aussagekräftiger im Sinne der Anklage gewesen, als frische Proben, die man der OPCW  – angeblich oder wirklich – verschaffen wollte.
Da umgekehrt der physische und mentale Zustand Julia Skripals, dokumentiert ab dem 5. April, sicher ausschließt, daß sie kurz vor oder nach dem Gerichtsbeschluß zur Probenentnahme vom 22. 3. eine nennenswerte Attacke mit Nervengift erlitten hat, ist sie bis zu ihrer Entlassung am 9. April (und darüber hinaus, wie wir aus dem berüchtigten Geheimdienstvideo wissen) nie mit einem solchen Gift angegriffen worden, denn ein anderes Gift aus der Klasse zu nehmen, wäre zwecklos gewesen und eine vergleichsweise unschädliche Verdünnung eines „Novichok“ ist nicht erhältlich  1.

In einem zusätzlichen Strang seiner Darstellung und Argumentation untermauert Helmer die Annahme, daß die Skripals zum Beginn der OPCW – Untersuchung ab der dritten Märzwoche von dem initialen Angriff mehr oder minder genesen waren, mit Daten aus dem BBC-Film, dessen Präsentator Mark Urban ist, „an agent of influence of the Secret Intelligence Service (SIS aka MI6) employed by the state propaganda agency BBC; there, Urban is titled “Diplomatic Editor” (Helmer):

Urban has also hidden additional, if circumstantial evidence, of what medical treatment effected the recovery of the Skripals. “After a couple of weeks,” he says in the film,  counting between March 4 and March 18, “there were gradual but distinct signs of progress. The exact timing of that and details of the drugs given remains matters of medical confidentiality.” …
Acccording to Stephen Jukes, the doctor acting as the hospital’s intensive care consultant for the Skripals:  “I think we all agree we were exceptionally surprised, pleasantly suerprised to see the recovery happen, and at such a pace when it did begin to happen. That I can’t easily explain” …
In the time and event sequence of Urban’s film, the Skripals … were conscious and talking, and the hospital management was deciding what they were allowed to say.
…und zu hören, füge ich aus dem Kontext an …
Only then, according to Urban, “when international inspectors arrived in Salisbury to gather evidence of the poisoning, they needed blood samples from Yulia and Sergei Skripal. Once again, the staff decided they had to act on the patients’ behalf.”

Dann gab es die Revoltein deren Zentrum ich Dr. Blanshard vermute. Andere Beteiligte mögen den Hut, den ich davor ziehe, auf sich münzen.
Widerstand ist möglich, Leute.

Damit schließe ich für heute, ohne, wie weiter oben angekündigt, zu besprechen, welche Überlegungen und Schlüsse auf das initiale Geschehnis, das die Skripals in die Klinik beförderte, ich auf die Aussage der diensthabenden Schichtleiterin Sarah Clark gründe.

(1) In meiner zeitgleichen Berichterstattung (auf meinem Hauptblog) hatte ich vor Julias Auftritt in dem Geheimdienstvideo unterstellt, sie sei eigens für die OPCW-Untersuchung mit dem „hochreinen“ Stoff vergiftet worden, den die OPCW-Labore in den übergebenen Blutproben aufgefunden haben (wollen). Ich mochte halt nicht unterstellen, die Blutproben seien von den Beauftragten der OPCW, der auch die Russische Föderation angehört, eigenhändig gefälscht worden. Genau das ist jedoch geschehen, wie wir heute wissen, denn Proben ohne eine gültige „Chain of Custody“ anzunehmen und weiter zu reichen ist eine solche Fälschung.

10. März

Fall Skripal – Versuch, eine Lücke zu füllen

Skripal / Skripal im Reich des Absurden

Im letzten Eintrag ging es u.a. um einen Filmbeitrag der BBC vom Mai/18, den man zum Beweis nehmen könnte, die Skripals seien vor ihrer Einlieferung im Bezirkskrankenhaus Salisbury nicht mit einem Nervengift angegriffen worden, und auch nicht in den ersten ca. 36 Std. ihres Aufenthaltes dort. Mit zwei Zusatzargumenten hatte ich die Aussage auf den gesamten Zeitraum der klinischen Behandlung ausgedehnt.

Andererseits sind viele Aussagen des Klinikpersonals, die im Film dokumentiert werden, doppeldeutig, ausweichend und lückenhaft. Wäre nicht folglich die Auskunft, bis zur Frühschicht Dienstag morgen hätten die behandelnden Ärzte nicht gewußt, es mit einem Gift aus der Klasse der Cholinesterasehemmer zu tun zu habe, in Zweifel zu ziehen oder zu verwerfen?

Ich hatte mich bemüht, anhand der geringstmöglichen Anzahl an Details zu demonstrieren, die Annahme, eine Vergiftung mit „Novichok“ oder ähnlichem habe im kritischen Zeitraum gewiß nicht vorgelegen, und danach mit größter Wahrscheinlichkeit nicht, sei auf die wahrheitsgemäße Darstellung des Zeitablaufes nicht angewiesen.
Aber man muß man die Argumente nicht unbedingt teilen, und wenn man es tut, setzt das den realen Ablauf und die Vorgänge in ihm nicht zur Nebensache herab, schon gar nicht hinsichtlich der politischen und geheimdienstlichen Motive des Falles.

Jetzt will ich, wie angekündigt, demonstrieren, daß das Zeugnis von Sarah Clark – zur Zeit der Einlieferung der Skripals Schichtleiterin in der Intensivstation in Salisbury – mehr her gibt, als der Film erkennen läßt, in dem es bebildern soll, wie es zur späten Diagnosestellung am Dienstag, den 6. gekommen ist. Clark hatte gesagt:

We were … led … to believe, they had taken an overdose, so there was no indication of nerve agent poisoning

Die … stehen für Clarks merkliches Zögern bei der Wortwahl.
Were led to believe“ ist mehrdeutig. Es kann der Sache nach heißen „wir wurden irregeführt“, „wir wurden getäuscht“, „wir ließen uns irreführen/täuschen“ oder „wir haben uns von etwas“ (ohne Einwirkung Dritter) „täuschen lassen“. Kann man das näher eingrenzen?

In meinem ersten Blogeintrag zum Thema vom 10. März 2018, Neue Souvereign Facts und ein neuer britischer Giftanschlag auf Europa, hatte ich dokumentiert:

Der Guardian und Teile der britischen Lokalpresse sprachen von Fentanyl. Das ist mit Sicherheit eine Ente. Die letale Dosis dieser Anästhesie-Droge liegt vergleichsweise hoch und sie wird benutzt, weil Nebenwirkungen auf das vegetative Nervensystem, wie Erbrechen und unkontrollierter Speichelfluß, die bei den Skipals von Augenzeugen berichtet wurden, ausbleiben. Die Augenzeugen berichteten von „Zuckungen“ und „unkontrollierten Bewegungen“ Sergei Skripals, während seine Tochter bereits bewußtlos gewesen sei. Das schließt auch potentere Derivate von Fentanyl, wie Carfentanil, definitiv aus, wie z.B. hier nachzuvollziehen. Zudem gibt es das wirksame Gegenmittel Naloxone, das alle Kliniken gegen Opiat-Überdosen, einschließlich Anästhesie-Unfällen, in Vorrat halten.

Jetzt wissen wir aus Sarah Clarks Mund, die Fentanyl-Gerüchte waren keine, oder nicht nur eine Ente, denn für sie war die Annahme einer Opiatvergiftung Grundlage der Erstbehandlung der Patienten und das ist in den Empfangs- und Übergabedaten der Patienten dokumentiert. Das erledigt natürlich nicht die Begründung meiner Zurückweisung. Konkret: Wenn das Klinikpersonal von diesem Anfangsverdacht ausging, hätte es, sofern wir uns an das Kliniknarrativ halten, spätestens um Mitternacht des 4./5. an der mangelnden Wirkung des Gegenmittels erkennen müssen, daß der Anfangsverdacht nicht stimmen konnte.

Andernfalls wäre es eine Opiatvergiftung gewesen und die zeitnah zitierten Augenzeugen hätten sich geirrt, hätten übertrieben oder waren nichtexistent.
Folgen wir diesem Strang weiter, hätte MI6 schon mit dem Briefing Montag morgen ein militärisches Kommando über die Behandlung übernommen. Das können wir ausschließen.
Leser, die sich ernsthaft auf den Standpunkt stellen wollen, MI6 oder die Armee hätte die Klinik mit einem bewaffneten Rollkommando besetzt und mit Erfolg jede Seele mit Erschießung oder einer anderen Todesart bedroht, der es wage, sich der realen und medialen Gefangennahme der Skripals zu widersetzen, während diese von einer Überdosis genasen, mögen sich bitte trollen.
Zweiflern halte ich vor, daß in diesem Nebenstrang die Verzögerung der angeblich korrekten Diagnose bis Dienstag früh in der Luft hängt. Ich hatte a.a.O. – übrigens wohl kalkuliert – dokumentiert, was die englische Wikipedia am 10.März wissen lassen wollte:

On 6 March, it was agreed under the National Counter Terrorism Policing Network that the Counter Terrorism Command based within the Metropolitan Police would take over the investigation from Wiltshire Police. Assistant Commissioner Mark Rowley, head of Counter Terrorism Policing, appealed for witnesses to the incident following a COBR meeting chaired by Home Secretary Amber Rudd.[22] Rudd said the samples of the nerve agent used in the attack had been tested at the Defence Science and Technology Laboratory at Porton Down and was a „very rare“ poison.[28]

Bis zum Dienstag hatte Wiltshire Police noch das Kommando. MI6 hätte alles mit dem Fall befasste Personal einsperren, das restliche Personal am Verlassen der Klinik hindern, Telefone und Rechner vom Netz trennen und somit öffentlich gegen den Innenminister putschen müssen, um die Genesung der Skripals medial zu unterbinden. Folglich gab es keine Opiatvergiftung, jedenfalls keine „normale“.

Damit landen wir zurück bei Null, der Aussage von Frau Clark.
Wollt ihr wirklich annehmen, sie und das ärztliche Personal seien aufgrund irgend eines Hörensagen eine nennenswerte Zeit lang einem Verdacht auf Opiatvergiftung gefolgt, wenn derart viel dagegen sprach, wie im vorliegenden Fall?
Skripal / Skripal, ein russischer, ein britischer Pass,  35 Lebensjahre auseinander, werden nicht in einer halbseidenen Absteige, sondern auf einer Parkbank aufgefunden. Dort sollen sie sich gemeinsam eine Dröhnung gegeben und dabei fatal vertan haben? Wer soll das schlucken, schon gar, wenn die Symptome allenfalls schlecht auf eine Opiatvergiftung gepasst haben können?

Aber der Anfangsverdacht ist dokumentiert.
Enter: ein Gespenst.

Auftritt einer mutmaßlichen Expertin für Enhanced Interrogation Techniques

Coincidence? – Chief Nurse Of British Army Was First To Arrive At Novichoked Skripal Scene
In den 10 Monaten, die bis Jan.2019 vergangen waren, haben nicht nur Verschwörungstheoretiker, auch ein Heer ambitionierter Journalisten und Reporter der britischen Lokal- und Regionalpresse energisch und vergebens versucht, die Identität des professionellen Erstversorgers zu ermitteln, dessen Rolle Wikipedia frühzeitig benannt hatte:

… found unconscious on a public bench near a shopping center in Salisbury by a passing doctor and nurse.

Da war sie nun, Colonel Alison McCourt.
Es gibt mehr über sie festzuhalten, als ihre damalige Funktion. Sie gehörte ab etwa 1996 bis 2001 zu den aktiven britischen Kampftruppen in Bosnien, Kosovo, Irak und Sierra Leone. Den letzten Schliff, bevor sie zu einer administrativen Karriere im UK berufen wurde, hat sie 2001 in Camp Bondsteel erhalten. Die gewaltige Anlage ist unter drei Oberkommandos aufgeteilt, dem der US Army, dem NATO-Hauptquartier für die KFOR-Truppen und der CIA.

Camp Bondsteel is not open to inspections by the Committee for the Prevention of Torture (CPT), which has the right to visit all „places of detention“ of the member states of the Council of Europe. Negotiations with KFOR were underway, but they have been suspended since Kosovo’s unilateral declaration of independence was not recognized by the Council of Europe. The United States Army had been criticized for using the base as a detention facility housing the detainees who were suspected of terrorism.[4] In November 2005, Alvaro Gil-Robles, the human rights envoy of the Council of Europe, described the camp as a „smaller version of Guantanamo“ following a visit.[5][6][7] The US Army denied the accusation and stated that there were no secret detention facilities in the Camp.[8]

In Rob Slanes‘ Sammlung der „Vierzig absurdesten, unplausibelsten und schlichtweg unmöglichen Sachen, die wir glauben gemacht werden sollen“ figuriert Colonel McCourt unter Punkt 32 auf eine Weise, die mir repräsentativ für die Szene der Abweichler und Verschwörungstheoretiker zu sein scheint:

That the chief nurse of the British Army just happened to be shopping near the bench when the two Russians were on it. (ABSURD)

In welchen Pferch, in welchen County von Absurdistan führt Rob uns?! Warum, in Drei Teufels Namen, soll so ein Zufall „absurd“ sein? Ja, Frau McCourt gibt Anlaß, nicht nur einem Pfarrer als eine Ausgeburt der Hölle zu erscheinen, aber auch solche Ausgeburten müssen essen, trinken, scheißen, und sie haben sogar Kinder!
In diesem Fall eine 15-16 Jahre alte Göre, die beiläufig ausgeplaudert hat, was für sich zu behalten sie offenbar nicht mit besonderem Nachdruck vergattert worden ist.
Nach ihren Angaben hat sie den Zustand der Skripals bemerkt und ihre Mutter dazu geholt.

Andererseits verdient Colonel McCourt eine Absortierung in Normalistan so wenig, wie die Einhegung ins Reich Absurdistan, in dem sie zum Bildmaterial genommen wird, um Argumentationsketten Glaubwürdigkeit zu verschaffen, in denen sie keine Rolle spielt. Die Aussage Sarah Clarks‘ gibt keine Auskunft über McCourts Rolle, erlaubt aber, sie einzugrenzen.

Ich erfinde einen Schlußstein im Gewölbe der Skripal-Saga

Denn wir wissen, die angeblich oder tatsächlich irrige / irreführende Annahme einer Opiatvergiftung, von der wir annehmen sollen, sie habe eine korrekte Diagnose verzögert, hat nicht auf der medizinischen oder militärischen Autorität von Colonel McCourt beruht. McCourt hat wohl der Ambulanz glaubhaft machen können, sie sei „vom Fach“, ohne sich auszuweisen, andernfalls hätte es Gerüchte über ihre Identität geben müssen.

Womit wir zurück verwiesen sind auf eine Szene, in der Frau Clark und ein paar Ärzte vor den an die Beatmungsmaschinen angeschlossenen Skripals stehen und überlegen, was den Beiden zugestoßen sein könnte, und jetzt ist es egal, ob wir an den frühen Abend denken, an dem wenig oder nichts geklärt war, oder die Szene in die Nacht verlegen, in der klar wurde, Naloxon hatte nicht oder allenfalls schwach angeschlagen. Was wäre das Nächstliegende gewesen?

Elementar. Verdacht auf Lebensmittelvergiftung. Und wenn man der nachginge, käme – wir befinden uns noch im BBC-Narrativ – im bereits angegebenen Tempo die Diagnose „Cholinesterase-Hemmung“ auf den Tisch, weil eine Reihe seltene aber symptomatisch naheliegende Fischvergiftungen in denselben Stoffwechselweg eingreifen, wie „Novichok“ und seine älteren Verwandten.

Womit wir wieder aus dem Narrativ des Films hinaus geworfen sind, doch nun hängt der Anfang der Kette in der Luft, Sarah Clarks Aussage.
Sie hätte ohne Beeinträchtigung des Filmnarrativs die in all unseren Überlegungen fassbar werdende klinische Wahrheit aussprechen können und eigentlich müssen, das Personal habe es mit einem „unknown, very rare poison“ (UVRP) zu tun bekommen, wie Innenminister Amber Rudd es unter Berufung auf Porton Down irgendwann Dienstag, spätestens Mittwoch früh, öffentlich verkündet hat. Das UVRP wäre kein Novichok gewesen und brauchte bis Dienstag keines zu sein, sondern das, was es offenbar real gewesen ist, ein trivial nicht zu identifizierender Giftcocktail. Der dokumentierte Anfangsverdacht auf Opiatvergiftung brauchte nicht erwähnt zu werden, wenn er keine nennenswerte Rolle im Geschehen hatte. Da fehlt etwas.

Ich denke, ich weiß was fehlt. Frische Injektionsspuren. Sie geistern ungenannt durch das Narrativ des Filmes.

Skripal – Ende einer Verschwörungstheorie

Eine total verbockte Operation

Die im letzten Eintrag eingeführten hypothetischen Injektionsspuren müsste ich jetzt gegen alle Spuren und Vorgänge nach Einlieferung der Skripals im Bezirkskrankenhaus halten, wollte ich sie rechtfertigen. Das kann ich nicht, selbst ein ein Team würde dazu Wochen brauchen und Zugänge, die ich nicht habe.

Ich kann jedoch rechtfertigen, Ockhams Messer an der Wendung anzusetzen, die der Fall nahm, als das National Counter Terrorism Policing Network (NCTPN) ihn der MET übergab und Innenminister Amber Rudd die politische Dimension dieser Entscheidung verkündete, die seither verbindlich blieb. Ich wiederhole:

On 6 March, it was agreed under the National Counter Terrorism Policing Network that the Counter Terrorism Command based within the Metropolitan Police would take over the investigation from Wiltshire Police. (…)  Rudd said the samples of the nerve agent used in the attack had been tested at the Defence Science and Technology Laboratory at Porton Down and was a „very rare“ poison.[28]

Ab der Frühschicht des 6. März kamen der Vergiftung der Skripals mit einem „unknown, very rare poison“ (UVRP) für das Klinikpersonal hypothetische Injektionsspuren abhanden, die es zuvor gegeben haben kann.

Man darf davon ausgehen, daß der Unterschied der Versionen in der Falldokumentation unauffällig geblieben wäre. Hier kommen wieder die Verdachtsdiagnose Opiatvergiftung und die Rolle Colonel McCourts‘ ins Bild. Wenn McCourt den Verdacht mit dem Verweis auf frische Injektionsspuren untermauern konnte, hat das die Sanitäter angesichts des kritischen Zustandes der Patienten geradezu verpflichtet, verfügbare entlastende Mittel zu spritzen, von denen sie annehmen durften, daß sie nicht schaden. Darauf hätte der Versionsunterschied nurmehr in der Anzahl der Injektionsspuren bestanden, die im Papertrail händisch zu überprüfen wäre.

Was wir suchen müssen, um hypothetische Injektionen zu untermauern, sind Negativspuren; Lücken, Wahrscheinlichkeits- und Plausibilitätssenken. Ich habe in den früheren Einträgen schon etliche erwähnt, die mich auf die Hypothese führten. Unter der Hypothese führe ich jetzt eine auf, die ich strategisch ausgelassen hatte:

Mit welcher Autorität soll MI6 in den medizinischen „Fall Skripal“ hinein regiert haben können, bevor ein „Novichok“ o.ä. existierte?

Und wir haben mit politischer Rücksicht zu ergänzen: bevor Hexenkralle erschaffen wurde. Jenes Gebräu, das Theresa May erst 6 Tage später mit „highly likely Russia“ auf die Welt bringen sollte. Der Independent betonte:

It comes after Ms May was briefed in Downing Street by police and intelligence chiefs on the latest developments in the case at a meeting of the National Security Council (NSC).

Der Leser soll wissen, daß die Entscheidungen über diplomatische und außenpolitische Konsequenzen zu diesem Zeitpunkt vorlagen, doch den militärischen Instituten die Entscheidung oblag, ob und wann sie wirksam werden konnten.

Ich fürchte, ich habe mit Rücksicht auf eine notorische, vorsätzliche Ignoranz in den Kreisen der Kollegen Verschwörungstheoretiker einen Theoriesplitter einzufügen:
Es kann nicht anders laufen, als daß Entscheidungen, die über Vorgänge gebieten, zu deren Kernbestand Angelegenheiten zählen, über die militärische und geheimdienstliche Stellen administrativ verfügen, in erster Instanz von Letzteren getroffen werden. Politische Stellen können das im Konfliktfall erst an sich ziehen, nachdem sie eine militärische Verwaltung in ihrem Sinne personell und organisatorisch unterlaufen haben – das dauert.

Folglich stand eine militärpolitische Entscheidung über die Skripals am 6. März noch eine Woche aus. Wiederum: Mit welcher Autorität …?
Ja, ich weiß sehr gut, abgesehen vom peinlichen Verhör besitzen MI6 und Metropolitan Police alle Freiheiten einer Gestapo, aber im Falle internationaler Verwicklungen liegt diese Freiheit an hoher, wenn nicht oberster Stelle.

Zeit, die Frage umzudrehen: Warum hat die Klinikführung den eierköpfigen Killerdoggen nicht die Tür gewiesen?

Und wieder muß ich ein verbreitetes verschwörungstheoretisches Vorurteil zurück weisen, das in der Maxime besteht, im Zweifelsfall seien verwickelte nach- und nebengeordnete Autoritäten als Schweine ersten Grades zu betrachten, die aufgrund aller erdenklicher übler bis teuflischer Eigenschaften und Kalküle tun, was ihnen von den jeweils anvisierten Oberbösewichten gesagt wird.
Das Vorurteil führt selbstredend nicht immer in die Irre, doch ihm steht das Faktum entgegen – nebst einschlägiger historischer Erfahrung – daß, je autoritärer, militaristischer und faschistischer ein Regime wird, desto stärker Reibungsverluste zu Buche stehen, die daher rühren, daß dies jede administrative Stelle mit derselben – derselben! – autoritativen Gewaltsamkeit darauf verpflichtet, auf die eigene Dienstpflicht, und damit die eigene Autorität und Handlungsfreiheit zu halten.

Woraus für unseren Fall folgt: Gerade weil der MI6 sich zu einer Zeit einschaltete, als er erst eine spezifische und beschränkte Autorität geltend machen konnte, hat vom 5. auf den 6. März – und weniger streng noch bis zum 10. März – für sein Verhältnis zur Klinik gegolten, was für jede polizeiliche Stelle gilt, wenn einer ihrer Klienten dort landet:
Der „Fall Skripal“, den MI6 in Arbeit gehabt hatte, endete für die Verletzten mit der Einlieferung in die Klinik bis zu einem Zeitpunkt, da die medizinische Leiterin, Frau Blanshard, sie für vernehmungsfähig erklären werde.

Doch wir müssen aus dem BBC-Video schließen, dem war nicht so. Es erzählt unter Mitwirkung des medizinischen Personals von einer Art bedingter Krisenstabsrolle des MI6 oder einer anderen, ihm nebengeordneten Autorität.
An dieser Stelle setze ich meine hypothetischen Injektionsspuren ein und folgere: Diese Autorität war medizinischer Natur, sie hatte etwas zu den Injektionen zu erzählen.

Die Überlegung taucht zumindest mir die Parkbank mit den zusammen gesunkenen Skripals, vor ihnen die Gestalt der Alison McCourt, in ein Flutlicht. In dem paßt ein großer Teil dessen, was später geschah, zu dem, was da einfach zu sehen ist: Eine Nothilfe. Es kleidet eine Ausgeburt der Hölle in ein Engelsgewand. Colonel McCourt hat doch den Skripals das Leben gerettet, oder etwa nicht?

Im Licht meiner hypothetischen Injektionsspuren fallen für mich noch viel mehr Puzzlesteine an einen passenden Platz, die ich in den letzten Einträgen Ockhams Messer anheim fallen ließ. Eigens erwähnen will ich die Irrlichter der Rolle von Sgt. Bailey in der Affäre. Rob Slane hat zu Recht darauf hin gewiesen, wenn man die Lücken, Unklarheiten, Widersprüche, die sich an der Berichterstattung um seine Rolle und sein Schicksal auftun, aufklären könnte, halte man voraussichtlich den Schlüssel zum Hauptgebäude der Affäre in der Hand. Meine Darlegung sollte einiges dafür leisten, aber das zähle ich nicht mehr zu dem, was ich leisten will.

Deshalb kleide ich das Ende meines Beitrages in ein fiktives Telephonat:

Blanshard: Ja, bitte?

McCourt:
Frau Doktor, COLONEL A L MCCOURT OBE ARRC QHN spricht, verzeihen Sie, daß ich auf Förmlichkeiten verzichten muß, es handelt sich um einen Notfall, in dem ich Sie um eine diskrete Kooperation mit Armee- und Regierungsstellen bitten muß. Sie werden in wenigen Minuten einen Anruf aus dem Innenministerium erhalten, der meine Angaben stützt.
Im Vertrauen möchte ich Ihnen sagen, es ist eine schreckliche Lage entstanden, die (zensiert) völlig, absolut verbockt hat und nun haben wir eine Gefahr für die Nationale Sicherheit. Folgendes ist jetzt zwingend erforderlich … (zensiert) … So werden Sie die Patienten hoffentlich stabilisieren können. Ich werde mich wieder bei Ihnen melden, sobald ich Rücksprache mit den Leuten vom NCTPN gehalten habe.

Es sollte jedenfalls zur Aufklärung der Phase 1 der Affäre beitragen. Inwieweit es auch Belang für Phase 2 hat, die mit Hexenkralle beginnt, weiß ich nicht und mag auch nicht darüber nachdenken. Im Übergang der Phasen endet für mich die aufklärerische Funktion von Verschwörungstheorie.

 

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