Covid19 (abgekippter Kommentar)

Corona-Skeptiker und Regierungverantwortliche im Wesentlichen einig

Die Überschrift hätte ich mit einer umfänglichen Darlegung zu rechtfertigen, die ich an dieser Stelle nicht leisten kann und mit privaten Rücksichten nicht leisten will. Die nötigen Hinweise will ich immerhin geben.

Am 24. März erschien hier in TP der Artikel Angst vor dem Virus, Vertrauen auf den Staat?, in dem Renate Dillmann anhand einiger Eckpunkte schematisch die Phasen des regierungsamtlichen Krisenmanagements vorgestellt hat.
Sie hätte das weniger schematisch und entsprechend weniger angreifbar tun können, hätte sie das Strategiepapier des Innenministeriums verwenden können, das am 28.4. veröffentlicht worden ist:
https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/downloads/DE/veroeffentlichungen/2020/corona/szenarienpapier-covid-19.html

Der Leser „citizen4“, von dem ich den Hinweis auf das Papier habe, hat es unter dem Titel „Psychologie der Panik“ verlinkt und zwei kurze Ausschnitte unter Beifall zum „Beweis“ der Verschwörung der Regierenden gegen das Volk erklärt, die radikale Skeptiker, sog. „Corona-Leugner“ in den offiziellen Zahlen und Begründungen des Krisenmanagements sehen wollen.

Das Papier enthüllt tatsächlich eine „Verschwörung gegen das Volk“, aber eine ganz andere, eine, die in Dillmanns Artikel immerhin zwischen den Zeilen zum Vorschein kommt. Um das zu erkennen, mußt du das ganze Papier lesen, aber ich weise auf zwei Schlüsselpunkte hin.

Sollten die hier vorgeschlagenen Maßnahmen zur Eindämmung und Kontrolle der Covid-19-Epidemie nicht greifen, könnten (sic) im Sinne einer „Kernschmelze“ das gesamte System in Frage gestellt werden.
Es droht, dass dies die Gemeinschaft in einen völlig anderen Grundzustand bis hin zur Anarchie verändert. Dementsprechend wäre es naiv, davon auszugehen, dass ein Rückgang des BIP um eine zweistellige Prozentzahl, etwa jenseits der 20%, eine lineare Fortschreibung der Verluste aus dem Fehlen einiger Arbeitstage bedeuten und ansonsten das Gesamtsystem nicht in Frage stellen würde. Aus diesem Grund ist die – alle anderen Überlegungen dominierende – Strategie der Eindämmung mit Vorkehrungen zu verbinden, um die ökonomischen Konsequenzen so gering wie möglich zu halten.

Nach diesem Abschnitt stellt das Papier Szenarien einer mehr oder minder konsequenten und folglich mehr oder minder gelingenden Eindämmungspolitik vor und bilanziert unter „Bewertung“:

Szenario 4 („Abgrund“) wäre eine unvorstellbare wirtschaftliche Katastrophe, die gesellschaftlich zu kaum vorstellbaren Konsequenzen führen würde. Vermutlich würde eher die Behandlung der Erkrankten infrage gestellt, als das (sic) eine dauerhafte Stilllegung des Landes hingenommen würde.

… und das, siehe das erste Zitat, wäre aus Sicht des BMI entweder ein Bürgerkriegsszenario, oder eines, in dem Soldaten und Polizeiführungen unter Leitung einer faschistischen Notstandsregierung das Zepter in die Hand zu nehmen hätten, um „Anarchie“ zu unterbinden.
An dem Punkt sieht man schon, das Wesentliche, was „Corona-Leugner“, radikale Skeptiker und die Plethora der Faschos, die sich um das Thema schaart, von denjenigen Regierungsverantwortlichen unterscheidet, die das BMI mit diesem Papier zu überzeugen trachtete, also auch der Führung des BMI, ist der klinische Wahn der Vorstellung, „Corona“ sei so etwas wie eine häßliche Grippeepidemie, die nach einer Saison vergessen sein könnte.

Und genau das kommt in dem Umstand zum Ausdruck, den die mit den obigen Worten „beleidigten“ Adressaten nun sofort gegen meine Schlußfolgerung halten könnten: Das BMI argumentiert mit einem „Worst-Case“-Szenario, das auch mit Rücksicht auf den damaligen Stand der Kenntnisse über den Erreger und die Infektionsverläufe deutlich übertrieben war. Eine „Case Fatality Rate“ von 1,2%, entsprechend 1 Mio Todesopfern, hätte erkennbar nur bei völlig ungebremsten Verläufen, also auch ohne private / zivile Vorsichtsmaßnahmen eintreten können, wie die ersten Epidemiewochen in Wuhan und in Italien zeigten und später der Epidemieverlauf in New York. Ich selbst ging zu dieser Zeit von einer CFR von 0,6-0,7 aus, gestützt unter anderem auf offizielle israelische Daten und Veröffentlichungen, in die ich zu dieser Zeit einiges Vertrauen setzte, weil Israel kein kapitalistisches Gemeinwesen und seine Staatsideologie daher weniger völkisch, als tribal ist. Diese Übertreibung des BMI ist den Leugnungsmanövern der Corona-Skeptiker systemisch äquivalent, sie hat dasselbe Motiv, wenngleich von einem Flügel professionell nationalistischer Kalkulationen aus, der denen der Amateurnationalisten entgegen gesetzt ist. Schematisch: Die regierungsamtlichen Faschisten wollen mit allen Mitteln die Demokratie bewahren, als den konkurrenzlos effektiveren Modus bürgerlicher Herrschaft.

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