„Linke“ Gesinnungsethik

Zu Wolf Wetzel, Ausnahmezustände verschwinden nicht, sondern verwandeln sich in eine neue Form des Normalzustandes.

Wolf Wetzel hat eine starke Dokumentation geschrieben.

Unter dem Strich prominentester roter Faden dieser Doku ist allerdings der aparte Gegenstand „Geschichte ‚linker‘ Gesinnungsethik„. Umrissen wie folgt:

Ziel war es nicht nur, mit allen Mitteln die RAF zu schlagen. Es ging sehr augenscheinlich auch und gerade darum, jede Form der Fundamentalopposition zu schwächen und gezielt zu kriminalisieren. Die Grenze war klar gezogen: Wer den Kapitalismus besser/gerechter/schöner machen will, ist willkommen. Wer hingegen den Kapitalismus als Gesellschaftssystem grundsätzlich ablehnt, weil jeder „gezähmte“ Kapitalismus mörderische Bedingungen woanders einschließt, sollte zum Schweigen gebracht werden.

Geschichtlich wurde er zum „Schweigen“ gebracht, nämlich mit dem Ziel mentaler Verhungerung in Nischen der „demokratischen Öffentlichkeit“ abgedrängt und dort eingesperrt.
Ich bin Wolf dankbar, daß er in diesem Zusammenhang den erhellenden Beitrag der „Antideutschen“(1) heraus stellt:

All das wisse man, spiele aber jetzt keine Rolle. Denn nun gehe es darum, Israel zu verteidigen, das durch „Saddam Hussein“, durch den Irak bedroht sei. Deshalb sei „das Schreckliche, das jetzt geschieht, das jetzt richtige“. So stand es wörtlich in der Zeitschrift „Konkret“ (Ausgabe 3/1991), in einem Beitrag vom Herausgeber Hermann L. Gremliza, den er mit dem Titel überschrieb: „Richtig falsch“.


Zur Ergänzung: „Israel“ und „USA“ sollten in Gremlizas Sinne für die unter allen Umständen zu erhaltenen geschichtlich progressiven Momente des Kapitalismus stehen, die in einer zu erwartenden Phase entfesselter, mit kriegerischen Mitteln ausgetragenen Konkurrenz der imperialistischen Metropolen gegeneinander in Gefahr geraten müssten –
Umso „fataler“ könnte man es nennen, daß Wolf es am End nur zu einer gesinnungsethisch äquivalenten Gegenposition bringt: Seinen Antikonformismus gegen den „Konformismus“ in dessen verschiedenen Erscheinungsformen.

Tatsächlich ist das nicht fatal, und darin liegt das große Verdienst des Artikels. Denn er erlaubt einen klaren Blick darauf, was der Einhegung der Feindschaft gegen die politische Ökonomie des Kapitalismus allgemein zugrunde liegt: Die Politisierung der Akteure. Wolf Wetzel mag es nicht lassen, als ein politisierter 68er zu handeln, als jemand, der die politischen Institute des Kapitalismus, namentlich und irrsinnigerweise bis hinauf zu seinem Rechts-, also Gewaltapparat, für einen Kampf gegen ihn zu nutzen entschlossen ist. Jemand, der aus der Position eines Intellektuellen eine tiefe Feindschaft gegen rohen, unpolitischen Klassenkampf hegt und pflegt.

(1) Tatsächlich handelte es sich um eine CIA-Kampagne.

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