Zur Wiederbelebung der Navalny-Affäre durch die NATO (Altlantic Council, „Bellingcat“) – updated

Siehe Nowitschok und das geheime russische Chemiewaffenprogramm

Meine Kommentare:

Die einzige Information

die aus dem Zeugs zu ziehen ist: Atlantic Council, MI6, und möglicherweise die britische Regierung, drohen den Ländern Kontinentaleuropas erneut und jetzt erst recht mit „russischem“ Novichok.

Warum die Regierung Johnson nur „möglicherweise“?
Ich hatte während der Navalny-Affäre die arg überdeutliche „britische Spur“ verworfen, weil die britische Regierung mit dem Bruch des Brexit-Vertrages via „Internal Market Bill“ (IMB) parallel zur Navalny-Affäre hohe Risiken in Kauf genommen hat.
https://www.justsecurity.org/72995/crossing-the-rubicon-brexit-international-law-and-the-internal-market-bill/
Das Gesetz, sollte das Oberhaus es verabschieden, füttert erneut die schottische Sezessionsbewegung und weckt im US-Congress erwartbaren Widerstand gegen einen gegen die EU gerichteten Handelsvertrag mit dem UK.
https://ukandeu.ac.uk/uk-us-trade-deal-could-be-blocked-by-biden-presidency-and-congress/
Aktuell besonders riskant am IMB erscheint mir persönlich – ich habe dazu nichts gelesen – daß es auch die bereits in Kraft befindlichen und vorgesehenen britischen Verträge mit den EFTA-Ländern Island, Norwegen und der Schweiz zerreißt. Gemäß den EFTA-Verträgen mit der EU müßten auch diese Länder nach einem „harten“ Brexit ohne gültigen Brexit-Grundlagenvertrag ihren Verkehr mit dem UK auf WTO-Regeln zurück setzen.
https://assets.publishing.service.gov.uk/government/uploads/system/uploads/attachment_data/file/854219/WAB_Fact_Sheet_-_EEA_EFTA.pdf

So erschien es mir absurd, daß die Regierung Johnson derartige Risiken mit legalistischen Erpressungsmanövern eingeht, wenn sie entschlossen wäre, den Kontinentaleuropäern die Gewährung eines Vorzugsstatus ggf. militärisch abzunötigen. Außerdem hatte die Regierung Johnson maßgeblich Verantwortliche für die Skripal-Affäre gefeuert, darunter den MI6-Direktor.
Doch andererseits erscheint kaum etwas im britischen Politikgeschehen mehr rationell und der „Nachschlag“ der Skripal-Affäre in Amesbury trägt sehr klar die Signatur eines innenpolitischen Angriffs des MI6 und der Verantwortlichen in Porton Down. Lupenreine militärische Erpressungen sehen obendrein einem B.J. nicht eben ähnlich – dazu ist der Mann zu eingebildet – anders, als dem reinblütigen Opportunismus seiner Vorgängerin.
What the heck – man wird sehen.

Putins Stellungnahme ließ wenig an Deutlichkeit zu wünschen

Rötzer hat sie beiseite gelassen, wahrscheinlich, weil er sie nicht bemerkt hat.

Putin hat Deutschland auf dem Valdai-Forum neben China den Status einer „Supermacht in spe“ verliehen. Wie kann das sein? Ist der Mann völlig verrückt geworden? Deutschland verfügt nicht mal über eine kampffähige konventionelle Truppe, geschweige Massenvernichtungswaffen.

Aber Deutschland ist von den NATO-Generälen u.a. gerade deshalb auserkoren, die künftige NATO-Hauptmacht zu werden. Es kann keine nationale Agenda im ehemaligen Sinn militärisch unterfüttern, aber seine ökonomische Macht in Dienst zu nehmen, bietet der NATO hinreichende Hebel zu Nötigungen und Erpressungen außerhalb der militärischen Kampffelder im engeren Sinne.

Die Generalprobe wurde auf der jüngsten Tagung der NATO-Kriegsminister abermals abgenickt. Während die NATO-Generäle und ihre politische Verwaltung in Brüssel die Türkei weiterhin ermutigen, eine Hegemonie über den Mittelmeerraum zu Lasten aller Anrainer westlich Spaniens anzustreben, beauftragten sie abermals exklusiv den deutschen Außenminister und seine Kanzlerin, die Opposition anderer „Alliierter“ gegen diesen Kurs zu entmutigen und abzuwürgen. Ein griechisch-türkischer Deal zu Lasten Griechenlands soll das Gesellenstück der Bundesregierung in NATO-Diensten werden.

Die Navalny-Affäre ist nur die letzte in der langen Reihe von Episoden, die der Merkel-Regierung deutlich machen sollte, Widerstand gegen die NATO-Agenda lohne sich nicht. „Brexit“ zählt auch dazu.
(https://www.heise.de/forum/p-37661210/)

Putin teilte außerdem mit, er habe den Generalstaatsanwalt persönlich angewiesen, die Evakuierung Navalnys nach Berlin sei so schnell wie möglich umzusetzen. Inoffizell hieß es sowohl in deutschen wie russischen Quellen, ein Telephonat mit Merkel sei voraus gegangen.
Das bestätigt im Wesentlichen meine Analysen der ersten Tage:
https://www.heise.de/forum/p-37290235/
https://www.heise.de/forum/p-37293049/
https://www.heise.de/forum/p-37296302/
https://www.heise.de/forum/p-37295414/
https://www.heise.de/forum/p-37300298/
Zurück zu nehmen habe ich nur die überflüssige Annahme, in Russland sei das Gift identifiziert worden. Ansonsten: Putin hat sich im Handstreich der NATO angeschlossen, den „Fall Navalny“ zu einer Nagelprobe für die Stellung Deutschlands im atlantischen Machtgefüge auszugestalten, ob Navalny nun gezielt zu diesem Zweck vergiftet wurde – das ist eher zu bezweifeln – oder nicht.
(Kontext: http://en.kremlin.ru/events/president/news/64261)

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Eine Antwort zu Zur Wiederbelebung der Navalny-Affäre durch die NATO (Altlantic Council, „Bellingcat“) – updated

  1. tgarner9 schreibt:

    Die Putinchen fallen mir inzwischen extrem auf den Wecker. Sie werden noch leugnen, daß ihr erkorener Heilsbote ihre Träume verkauft, wenn der sich dem Irankrieg anschließt, was in Syrien ansatzweise schon seit drei Jahren geschieht.
    Wer ernsthaft prüfen will, was mit „Putin“ los ist, der vergleiche seinen diesjährigen Valdai-Auftritt (Link im Artikel) mit denen in den Jahren 2010 bis ’12, vielleicht auch noch ’13 ( so genau erinnere ich mich nicht mehr). Von dem hochfahrenden Selbstbewußtsein eines „Kulturkämpfers“ gegen das Imperium ist rein gar nichts mehr übrig. Wie könnte es nach all den Niederlagen auch anders sein, man denke nur an das Siechtum von „BRICS“ und der SCO, u.a. zerlegt von China, in dessen pazifischen Projekten Russland nicht mal eine Adresse hat. So bleibt ihm genau der regionalpolitische Opportunismus, den er in der diesjährigen Rede ausbreitete.

    Liken

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