Covid

Wie patriarchale Ideologien nicht passen und passend gemacht werden

Vor genau einem halben Jahr schrieb ich zur theoretischen Einleitung des Themas:

a) Covid-19 ist unvergleichlich mit einer etablierten, periodisch umlaufenden Infektionskrankheit, wie der Grippe, deren Risiken und Nebenwirkungen ebenso bekannt, wie allseits geduldet sind.

b) Es ist, zumindest in Deutschland, noch keine Seuche. Ein sehr hoher Anteil der Infizierten bleibt nahezu symptomlos oder erleidet nur lästigen Schaden. Der klassifizierende Begriff, der solch ein Phänomen deckt, ist „gefährliche Infektionskrankheit“ [1].

Punkt b ist der Angelpunkt aller Debatten, die entlang des widersprüchlichen Maßstabes einer ideell souveränen Gewalt über menschliches Leben geführt wird, der Staatsgewalt. Sie wird darin umso sachfremder zum obersten Maßstab medizinischer Kriterien erhoben, je weniger Kenntnisse über die Krankheit, Eigentümlichkeiten ihrer Verbreitung und Krankheitsfolgen vorliegen.

Dasselbe Bild bieten unter analogen Umständen Kalkulationen eines Nutztierhalters. Insbesondere in der Massentierhaltung finden sich mit eineinhalb Ausnahmen dieselben Verfahren und Urteilskriterien, die aktuell die Maßstäbe der Volksgesundheitspolitik bestimmen, weil eine Komponente, die in der Nutztierhaltung eine vergleichsweise untergeordnete Rolle hat („glückliche Kühe“), in den Hintergrund rückt, der Anteil des moralischen Lohns an der Volksgesundheit [2]. Es geht um Bestandserhaltung nach Maßgabe des zu erwartenden Nutzens der Herde, gehalten gegen die Kosten ihrer Gesunderhaltung.

Die eine Ausnahme: Keulen (im engen Sinne) steht nicht zur Debatte.
Die halbe Ausnahme: Vernachlässigung und Vergeudung / Verliederung ist nur im Umfang und in Fällen üblich, da dies bereits gesellschaftlich durchgesetzt und akzeptiert ist [3].

Außerhalb Chinas haben die Staatenlenker unter dem Eindruck des Punktes b initial darauf gesetztuntereinander und gegenüber ihrem Nutzvolk Vernachlässigung und Vergeudung mittels rassistischer / eugenischer Propaganda durchsetzen, erzwingen zu können.

[1] aktuelle Anmerkung:
„Long Covid“ und die zu erwartende, überaus kostenträchtige, deutliche Absenkung von Gesundheitsstatus und Lebenserwartung durch die systemische Endothelitis, welche viele Infizierte erleiden, war zu dieser Zeit in medizinischen Kreisen bekannt (und von mir dokumentiert), aber politisch und ideologisch verkanntOffiziell ist es dabei geblieben. Inoffiziell dürfte es eine maßgebliche Rolle bei aktuellen Entscheidungen spielen.

[2] „Moralischer Lohnanteil“ ist eine marxistische Kategorie, die gern mißverstanden wird, weil die Konkurrenz um Lebenschancen, als welche die bürgerliche Gesellschaft individuelle Karrieren institutionalisiert, die Bürger dazu anhält, sich im Rahmen der Strafgesetzgebung für ihre Moral und deren Maßstäbe alleinzuständig zu machen. Deshalb wird der Moralische Lohn gewöhnlich in „ideellen“ und „materiellen“ Lohn auseinander gelegt. Das ist ein Fehler.

[3] aktuelle Anmerkung:
Das betraf überaus krass die Gnadenbrotbevölkerung in Schweden, UK, Frankreich und Spanien (wahrscheinlich auch Belgien, aber habe ich nicht recherchiert), und selbstverständlich, in Spanien und dem UK überaus krass, den Bodensatz des Pauperismus.

Vier bis sechs Wochen Lockdown im Februar hätten die Sache erledigen können

Dazu schrieb ich Mitte März:

„Corona crisis“ is a result of the dismantling and demise of the labour movement.
If trade unions had the same level of organisation today they had in Germany before the Kapp Putsch, and in some other European countries ‚til the 1970s, the decisive influence of communists and radical reformists on the unions included, Covid-19 wouldn’t be a serious problem! Workers could have taken possession of the supply chains they held in their hands and reduce production to the bare minimum for three to four weeks. Army and police leaderships would hardly dare ordering to shoot them.

Einem Kommunisten, und so einer bin ich nun mal, ist es halt vor allen entsprechenden Debatten klar, daß die bürgerliche Staatsgewalt keine Adresse einer rationellen Seuchenbekämpfung sein kann. Das unterscheidet mich von Intellektuellen aus der „Gegenstandpunkts“-Redaktion und ihrem Umkreis, die seit April in TP eine Anzahl Artikel veröffentlichen durften, in denen sie den begrifflichen Zusammenhang zwischen kapitalistischer Formierung und staatlichen Maßnahmen cum grano salis korrekt vorgestellt haben.

Doch der begriffliche Zusammenhang stellt sich auf der Ebene politischer und militärpolizeilicher Verlautbarungen und Handlungen als Resultat chaotischer Verhältnisse und Prozesse her und ein, in denen sich auf der Basis des abstrakt – allgemeinen Verhältnisses von Staatsgewalt und bürgerlicher Gesellschaft, ihrer politischen Ökonomie, die Realitätsanteile der Ideologien durchsetzen, unter deren Geltung diese Herr(en)schaft hergestellt und abgewickelt wird. Und sogenannte „marxistische Theoretiker“ ignorieren traditionell, nämlich im Kern seit der biographischen Wandlung Marx’ens vom jugendlichen Revolutionär zum Wissenschaftler, den Anteil der – regional unterschiedlich – vier bis achttausend jährigen Geschichte patriarchaler Herrschaft in der Geschichte der Klassengesellschaften.

Vom „kapitalistischen Standpunkt“ – der helle Wahnsinn, was da gelaufen ist!

Kommunistisch gehärtete Gewerkschaften wären folglich die „richtige Adresse“ gewesen, „die Sache“ in den Griff zu kriegen, so gut es eben geht, vorausgesetzt man identifiziert „kapitalistisches Interesse“ abstrakt allgemein im Interesse an Fortgang und Ertrag der Betätigung von Arbeitskraft zum Zwecke der Geldvermehrung.

Wie auch anders!
Das aus individuellen Interessen summierte Interesse der Klasse der „Werktätigen“ i.o.S. hängt ja exklusiv am Interesse des Kapitals bzw der Kapitalisten an Geldvermehrung. Das ist ein Unterschied und Gegensatz zum Staatsinteresse, dessen Gegenstand erstens das widersprüchliche und gegensätzliche Zusammenwirken der Klassen ist und im generationenalten Stadium des Imperialismus zweitens die Schaffung von Voraussetzungen, dies Zusammenwirken außerhalb seiner Souveränitätsschranken für sich, für das Institut „Staat“ wirksam und ertragreich zu machen.
Differenz und Gegensatz wäre im Detail zu besprechen, was hier natürlich ausfallen muß. Deshalb schreibe ich nur das Offensichtliche hin:
Der Gegensatz des fiktiven Gewerksschaftsinteresses an einem frühzeitigen und maximal durchgreifenden „Lockdown“ gegen das Kapitalinteresse hat sich nun als ein Scheingegensatz heraus gestellt, so lange wir das Interesse der Kapitalistenklasse so formulieren, wie oben geschehen: abstrakt-allgemein. Die Schäden, die im Februar / März entstanden wären, sind ein Fliegenschiß gegen das, was insgesamt bis heute schon aufgelaufen ist zuzüglich dessen, was jetzt ins Haus steht, nicht zuletzt deshalb, weil die Gegenmaßnahmen innerhalb Europas, die Schuster teilweise aufzählt, mögliche Blütenträume der deutschen Exporteure von einem „Aufschwung nach Corona“ ins Reich der Phantasie verweisen – zumindest für längere Zeit.

Die Methode des Wahnsinns – patriarchale Schismata an allen Fronten

In der Herde

haben wir das Schisma zwischen „Covidioten“ und „Coronaleugnern“, die alle vom Standpunkt individueller Reproduktionsinteressen aus urteilen.
Was diesen Zustand modifiziert und zum Teil verschleiert, rührt von dem Umstand, daß eine Wandlung aus anderen Quellen hinein spielt, die Abwicklung der sog. „bürgerlichen Aufklärung“ zugunsten einer neuen Inquisitionsepoche im Verlauf des Zerfalls des amerikanischen Imperium. Das ist eine Quelle des Irrationalismus, mit dem individuelle Reproduktionsinteressen mehr oder weniger umwegslos in faktische Urteile über das Geschehen und mögliche oder erfundene Hintergründe übersetzt werden.
Man kann lange darüber räsonnieren, ob sich diese Lage vor, sage, drei Generationen wesentlich anders entwickelt und dargestellt hätte, oder nicht, aber das ist nicht nahrhaft.
Für nahrhaft will ich eine Kennung, und Besinnung auf die Kennung, des patriarchalen Schemas erklären, individuelle Reproduktionsinteressen realer oder vorgestellter Familienvorstände, Sippenältesten, tribaler Peers und anderer Autoritäten im reproduktiven Geschehen auf lokaler und Mikroebene in mehr oder minder abstrakt-allgemeine Urteile, Doktrinen und – ultimat – Heilslehren zu übersetzen.
Und nachdem ich dieses Faß aufgemacht habe, lasse ich es einfach offen stehen.

Unter den Herdenhaltern

sind noch viel mehr Schismata unterwegs, mit denen ich mich nun gar nicht beschäftigen will, weil es mir hier nur darauf ankommt, daß sie sich genau und ausschließlich auf der Ebene des patriarchalen Schemas mit dem Schisma in der Herde treffen. Die Herdenhalter referenzieren ja individuellen Reproduktionsinteressen – siehe den Anfang des Threads – ihr Reproduktionsinteresse trifft sich mit individuellen Interessen insofern und insoweit sie im Interesse am Bestand der Herde aufgehoben sind bzw. aufgehoben werden sollen.

Moralische Inquisition mit militärpolizeilicher Unterstützung

„Kein neuer Lockdown“ – als hätte es je einen gegeben!

Stattdessen hat es eine sektoral unterschiedliche, mehr oder auch minder radikale Einschränkung von Reproduktionsinteressen in Familien,von Werktätigen, Kleinbürgern und Kapitalisten gegeben.

Auf derselben Ebene hat sich die Staatsgewalt daran gemacht, ein „Mittelfeld“ zwischen den zur Erscheinung kommenden Reproduktionsinteressen auf beiden Seiten des Herdenschismas, bestehend aus Leuten, die das patriarchale Staatsinteresse ver-antwortungs-voll entweder auf der ängstlichen, oder der skeptischen Seite referenzieren, zum Allgemeininteresse zu erheben und dieses mit mehr oder minder militärischen Mitteln durchzusetzen.

Dies „Allgemeininteresse“ ist einerseits vom selben Zuschnitt, wie es das immer gewesen ist: Eine Zurichtung der individuellen Interessen auf ein Staatsinteresse.

Andererseits ist solches „Staatsinteresse“ eben nicht politökonomisch identifizierbar. Es fällt umständehalber zurück auf seinen patriarchalen Kern, ein Obrigkeitsinteresse. Und ist als ein solches tatsächlich in erheblichem Umfang neu auszuheben.
Den letzten Satz zu rechtfertigen, müßte ich die spezifisch bürgerlichen Modifikationen des Obrigkeitsstaates, der obendrein in verschiedenen Nationen und selbst Regionen unterschiedlich tradiert ist, besprechen. Geht nicht.
So kann ich nur die Wirkung zur Debatte stellen, nämlich die Radikalisierung moralischer Imperative, die zu verschiedenen Themen, von Kondombenutzung über Mülltrennung bis zur sexuellen Quarantäne über Heranwachsende, unterwegs sind, und sehr nennenswerte Abteilungen in der verteufelnden Kriegsmobilisierung von Saddam über Milosevic, Ahmadinejad, Gaddafi, Assad und Putin zu Trump haben, zu inquisitorischer Gewaltanwendung unter Berufung auf zu moralisch / ethischen Abweichungen deklarierte Urteile und Verhaltensweisen.

Drastische Reduktion der gesellschaftlichen Lohnsumme

Das ist das banale Resultat, das unter all dem patriarchalen Hin und Her in den Schismata und den Gegensätzen zwischen ihnen militärpolizeilich durchgesetzt werden wird und werden „muß“ – „müssen“ in einem logisch-begrifflichen Sinne verwendet.

Jedes Geschäft, das sich von der gesellschaftlichen Lohnsumme nährt, kommt im Zuge der Fahndung nach vermeidbaren Infektionsquellen und Herden auf einen Prüfstand auf Entbehrlichkeit, namentlich unter dem exportorientierten Staatsinteresse der deutschen Regierung.
Konkret zu beobachten ist das erst auf der schon zitierten moralischen Ebene und erst inkonsequent auf der Ebene der Regierungs- und Polizeitätigkeit. Das liegt in D. nicht zum Mindesten an der breiten Interessensverteilung zwischen den föderalen Regionen. In Frankreich und Spanien sieht die Sach halt anders aus, noch anders im UK, das nicht mehr unter die Industriegesellschaften zu zählen ist.

Doch die Unterschiede, das Zagen, die noch in Anschlag gebrachten Unwägbarkeiten, die Inkonsequenz, ändert nichts an dem perspektivischen Horizont der Dynamik, in welcher der materielle Anteil des moralischen Lohns, von dem im ersten Teil die Rede war, gesamtgesellschaftlich radikalisiert auf den Prüfstand gestellt werden wird, teilweise abgewickelt – das stellt sich schon über die Pleiten her – und teilweise ständisch neu definiert werden wird.

Ergänzungen

(Zum ersten, jetzt schon historischen Teil des Eintrages, stelle ich, editiert aber nicht verändert, Erweiterungen und eine Minidebatte vom 27.4. ’20. Die Angaben zur Krankheit gelten im Wesentlichen bis heute. Im Moment erscheint die Todesrate (IFR) abgesenkt, wozu nach Auskunft einiger Ärzte die bessere medizinische Vorbereitung, Entfall falscher Behandlungsmethoden und katastrophischer Zustände in einigen Kliniken nicht unerheblich beiträgt. Die Bandbreite möglicher neurologischer Schäden erscheint anhand pathologischer Resultate breiter und bedeutsamer, als damals angenommen, doch umgekehrt ist noch praktisch nichts über die Kompensation / Überwindung solcher Folgeschäden klar. „Long Covid“, wie es heute heißt, ist zwar zunehmend besser beschrieben, aber kaum verstanden. )

„Ich will nicht darüber reden oder spekulieren, warum der Standpunkt eugenischer Vernachlässigung, Vergeudung / Verliederung zugunsten eines verspäteten und inkonsequenten „Lockdown“ modifiziert worden ist. Mir kommt es hier auf einen Kernpunkt in der Art und Weise der Modifikation an:

Sie ist überaus bedingt ausgefallen, was man daran erkennt, daß sie bis auf den Tag von Kenntnissen über die Krankheit und zu erwartenden Krankheitsfolgen breit  emanzipiert worden ist.
Nachdem die Entscheidung zum „Lockdown“ mit Erscheinungsformen der Epidemie aus Italien, Spanien, Frankreich bebildert worden ist, wird sie jetzt rücksichtslos gegen ausstehende Kenntnisse in Frage gestellt. In dieser Bewegung ist die Krankheit zum Gegenstand einer Machtfrage der Herdenhalter stilisiert worden.

Ich sage „stilisiert“, weil im Hintergrund der Debatten durchaus sachgerecht herdenhalterische, aka volksgesundheitliche Kriterien eine Rolle spielen. Um diese zu umreißen komme ich auf den Punkt, was Covid-19 medizinisch ist.

a) Eine neuartige Pneumonie, die unzweideutig um eine oder mehrere Klassen hässlicher verläuft, als bislang verbreitete Formen und für die der Verdacht im Raum steht, daß Folgeschäden an der Lunge obligatorisch auftreten

b) Eine systemische Entzündung der Gefäßinnenhäute (Endothel), die ebenfalls mit Rezeptoren für CoV-2 besetzt sind. Die Minimalfolge: frühzeitige Gefäßalterung. Bei Vorschädigungen Organschäden bis zum Organausfall.

(c) Hirnstammschädigungen auf demselben Weg (noch nicht abschließend gesichert).

Infektionsverläufe, bei denen a, b und c nicht auftreten, sind KEIN „Covid-19“, sondern eine Infektion mit dem Erreger, welche die unangenehme Eigenschaft hat, Covid-19 in bislang unbekanntem Ausmaß in der Herde zu verbreiten.
Die Prävalenz von Covid-19 unter den Infizierten, d.h. der Anteil der Kranken, ist noch unklar. Im Minimum liegt er bei 2%, mit schwankender lokaler Inzidenz. Der Anteil könnte gemäß der noch unschlüssigen Daten leicht auf mindestens 5% steigen, selbst eine Verdoppelung dieses Anteils, oder mehr, in lokalen Populationen ist nicht auszuschließen, siehe den folgenden Absatz zu Immunität.
Es gibt etliche Hinweise darauf, daß die Wirt-Pathogen-Interaktion bei diesem Erreger kompliziert ist, mit der Folge, daß die Prävalenz von Covid-19 stark vom Infektionsdruck abhängt, und eine einigermaßen sichere Immunisierung allenfalls bei moderaten bis schweren Verläufen zu erwarten ist. Im Minimum hat man also zu konstatieren:

Covid 19 ist eine bis auf den Tag unbekannte Infektionskrankheit.

Das heißt: genuin volksgesundheitliche Kalküle würden eigentlich verbieten, Eindämmungsmaßnahmen fraglich zu stellen, solange man die Krankheit nicht kennt, daher auch nicht die zu erwartenden Krankheitskosten (Ausfallkosten, Versicherungskosten).
Ausnahmen wären nach diesem Maßstab zulässig, soweit man einigermaßen zuverlässige Daten über Verbreitungswege und -wahrscheinlichkeiten hat oder hätte, die erlaubten, eine substanzielle Eindämmung auch unter Lockerung einzelner Verfügungen aufrecht zu halten.

Die aktuellen Debatten um Covid-19 haben deshalb einen lupenrein eugenischen Charakter und Hintergrund.
„Wie entbehrlich sind die Alten und ein kleiner Anteil der Jungen?“
„Schätzen wir den Gewinn durch die Absenkung der Lebenserwartung und den Entfall der Behandlung für die Todesfälle als ausreichende Kompensation für unbekannte Krankheitsfolgen ein, oder nicht?“
Das sind die Leitfragen, die den Todesfetischismus der Kommentatoren auf beiden Seiten der Konfliktlinien berufen.

Im Hintergrund steht klar erkennbar die imperialistische Konkurrenz, der Druck auf die nationalen Kommandeure, Entscheidungen zu treffen, welche vermeiden, die Konkurrenzfähigkeit der jeweiligen Nationalökonomien gegenüber den „Partnern“ über die Maßen zu beeinträchtigen.

Eine weitere Komponente sollten Kritiker der aktuellen Vorgänge nicht außer Acht lassen oder unterschätzen.
Mental eingehaust in die bürgerlichen Ordnungs-, Kommando- und Gewaltverhältnisse haben sich praktisch alle Bürger in den imperialen Metropolen. Die Mehrheit der Ausnahmen lebt mit der Diagnose „psychotisch“, Abteilung „paranoid – schizophren“. Die Gestaltungen der Einhausung sind monoton unterschiedlich. In den aktuellen Debatten wird allerdings eine Klasse der Variationen prominent, die wahrscheinlich zu Recht in die Schicht des „Kleinbürgertums“ absortiert wird. Das sind Leute, die den habituellen Gehorsam, mit dem sie „ihr Leben“ zu führen, auszuhalten und auszustatten pflegen, mehr oder minder radikal zum Reich der Freiheit ausdeuten. Die Gegensätze und Widersprüche, auf die sie in dieser Lebensarbeit stoßen, legen sie konsequent und notorisch solchen Mitbürgern zur Last, denen in solchem Weltbild die Hauptlast der Beschränkungen geschuldet werden, die sie staatlicher Ordnungs- und und Kommandomacht zuschreiben wollen. Das sind in diesem Weltbild rassisch Untüchtige, Defizitäre, Loser, Kriminelle und natur- oder schicksalsgemäße  Kollateralschäden „der Freiheit“, als welche bürgerliche Individuen ihre Unterwerfung akzeptieren und goutieren.
Und das sind halt jetzt „die Alten“ und an Covid-19 gemessenen Schwachen.

Re. von „Max L.“

Covid-19 ist nicht einmal ansatzweise so mysteriös, wie du es gerne hättest. Nichts, was wir inzwischen an zahlreichen Patienten beobachten und aus zahlreichen Studien ableiten können, ist neu oder nie dagewesen. Alle Symptome und Komplikationen kennen wir von ähnlichen Virusinfektionen. Coronaviren sind lange bekannt. Der Verlauf der Epidemie ist ebenfalls ein bekannter, mit und ohne Maßnahmen.

Auch bei der Influenza werden immer wieder neue Sachen entdeckt, wenn nur entsprechend geforscht wird:
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2104525/
https://www.eurekalert.org/pub_releases/2018-02/sfn-fmi022218.php
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5359731/

Usw usf. Die Grippe ist insofern genau so wenig bekannt wie Covid-19. Neue Erkenntnisse werden aber öffentlich nicht wahrgenommen, weil die Grippe zu Unrecht als harmlos gilt. Ist sie für manche nicht, dennoch geht und ging es immer ohne irre Maßnahmen.

Es geht nullkommanull um den „Wert der Alten“. Es geht bei der alljährlichen Influenza auch nie darum, ob das jetzt als Krankheit vergleichbar ist oder nicht. Da sind sogar auch Kleinkinder betroffen, um deren Wert es auch noch nie gegangen ist. Die Alten sind nicht die Dummen. Die können sich meistens sehr gut selber schützen. Wo sie es nicht können, kann die Gesellschaft sie ohne Lockdowns, Schulschließungen, allgemeine Kontaktverbote oder Maskenzwang schützen.

Mehr gibt es dazu nach meiner Meinung nicht mehr zu sagen. Schluss mit dem Quatsch! Sofort!

„Mysteriös“ entnimmst Du nicht meiner Wortmeldung!

Sondern der veröffentlichten Meinung und deren Zahlenfetischismus / -mystizismus.

„Unbekannt“ habe ich geschrieben. Es fehlt eine genauere Eingrenzung dessen, was bekannt und unbekannt ist, als die, die ich mit meinen drei Punkten gegeben habe. Das war für Fortsetzungen vorgesehen, für die ich mich aus Dutzenden voran gegangener Darlegungen, eigener wie anderer, bedienen kann. Sie haben gemeinsam, daß sie breit ignoriert werden – auch von administrativer Seite. Deshalb hielt ich es für nötig, etwas zu den Beweggründen solcher Ignoranz zu schreiben.
Wenn man sich die Fakten unvoreingenommen anschaut, fällt auch Dein erweiterter Vergleich mit der Grippe tot um.

Außerdem sortierst Du meinen Beitrag sofort als Plädoyer für laufende und andere Zwangsmaßnahmen ab. Das steht nicht da, vielmehr ein paar Worte zu den Ursachen und Motiven solchen Grabenkampfes. (…)

Re: (gekürzt)

TomGard (1) schrieb am 27.04.2020 11:38:

Wenn man sich die Fakten unvoreingenommen anschaut, fällt auch Dein erweiterter Vergleich mit der Grippe tot um.

Ganz im Gegenteil. Du bist es, der sich nur Spekulationen zu Covid-19 anschaut – könnte, scheint, möglicherweise. Du verweigerst den unvoreingenommenen Blick auf die Influenza. Den Vergleich will ich gar nicht anstellen, was das Medizinische anbelangt. Beide Infektionen können schwere und schwerste Verläufe nehmen, beide tun das nur in den seltensten Fällen – und alleine das ist entscheidend. So viel wissen wir auch längst. Es wäre völlig seltsam, wenn Covid-19 nie Komplikationen hervorrufen würde und nie Auswirkungen auf alle möglichen anderen Organe als die respiratorischen hätte. Das ist bei keinem Erreger so, alle können bei manchen Patienten aus zumeist auch nach langer Forschung nicht vollständig verstandenen Gründen Dinge verursachen, die sie normalerweise nicht verursachen. Das betrifft z.B. Noroviren, Herpesviren etc. Meistens sind sie nur ärgerlich und lästig, manchmal aber auch tödlich. Wie immer sind Menschen mit schwachem Immunsystem und Vorerkrankungen stärker gefährdet. Diese kann man gezielt schützen.

Re: (dito)

Du verweigerst den unvoreingenommenen Blick auf die Influenza. Den Vergleich will ich gar nicht anstellen, was das Medizinische anbelangt. Beide Infektionen können schwere und schwerste Verläufe nehmen, beide tun das nur in den seltensten Fällen – und alleine das ist entscheidend.

Na, dann ist doch alles klar. Du hältst mir den seuchenpolitischen Maßstab entgegen, den ich im ersten Abschnitt, Punkt b, charakterisiert habe.

Den ergänzt Du um die fette Lüge „beide …nur in den seltensten Fällen“. Die „Komplikationen“ incl. Todesfälle liegen bei Covid 19 mindestens um den Faktor Tausend höher, das sagen schon die aktuellen Rohdaten, es weiß also ein jeder, und ich füge lediglich hinzu: Es kann auch leicht x10.000 werden.
Seuchenpolitisch ist das immer noch eine Minderheit; mit der Lüge gehst Du einen Schritt weiter, Du trittst als Seuchenpolizist auf. … ich erinnere, daß schon meine Überschrift anzeigen sollte, mein Gegenstand und Thema sei eine Kultur, die im Umgang mit Covid-19 kenntlich, realisiert und durchgesetzt wird.

Ergänzung zu China, Taiwan und einigen anderen asiatischen Staaten

Was gibts da Besonderes, daß sie der geschilderten Kultur nicht gefolgt sind?

Es gibt einen Hauptgrund und eine Reihe beitragender Ursachen, die ich auch nicht oder nicht gut kenne.
Den Hauptgrund findet man, wenn man chinesische Veröffentlichungen seit Januar, ausgehend beispielsweise von der „Global Times“, auf die Rolle hin studiert, welche die SARS-Epidemie von 2002-4 in den Darstellungen und Argumentationen spielt.
Wer englisch nicht so leicht liest, mag sich mit der deutschen Wikipedia begnügen, die Englische ist allerdings aufschlußreicher.
https://en.wikipedia.org/wiki/2002%E2%80%932004_SARS_outbreak

Es gab nur rd. 8000 erkannte Infektionen, 800 Todesfälle, und die Kontagiosität von SARS-CoV1 lag um Welten unter der, von CoV2. Dennoch war das eine fürchterliche Epidemie, die auch ökonomisch eine Menge Schäden hinterließ und einige administrative Köpfe gefordert hat.

Besonders in China und Taiwan war und blieb danach das Bewußtsein über die reelle Gefahr eines Virus mit dem SARS-Komplex und der Kontagiosität eines gewöhnlichen RNA-Virus geschärft. Wenn Cov2 nicht drastisch weniger pathogen wäre, als CoV1 – was nicht ändert, daß es drastisch pathogener als normale Grippeviren ist – dann gäbe es vermutlich weltweit 2 Mio. Corona -Tote.

Grundsätzlich gab es das Gefahrenbewußtsein auch im „Westen“, wie man an zahlreichen Regierungsprogrammen, geheimdienstlichen Worst-Case-Szenarien und der Gründung einer ganzen Reihe neuer gesundheitspolitischer Institutionen erkennt. Aber die wurden sämtlich ignoriert! Die Gründe dafür sind mir nicht klar, aber mir ist ziemlich klar, warum das in China und Taiwan nicht geschah.

In China ruht die politische Macht an der Basis auf der Armee und der Armee allein. Sie ist nicht nur Militär, sie ist die ökonomische Rumpfmacht dessen, was vom chinesischen volksstaatlichen Sozialismus noch übrig ist und im Zusammenwirken dieser beiden Momente, zuzüglich des „stinknormalen“ chinesischen Rassismus und Nationalismus, ist die Armee der patriotische Garant des Staatswesens in seiner gewaltigen Ausdehnung.
Kurz: Vorgänge, wie sie hier z.B für D., das UK und F. hinlänglich besprochen worden sind, und die man unter „malign neglect“ (WSWS) absortieren kann, müssen in China den Führungskadern der Partei den Kopf kosten. Sonst gerät dort tatsächlich die Einheit der Nation unter Streß.
Und Taiwan hat schlicht eine übergreifende Staatsraison: Ein „wahres“ und daher „besseres China“ zu repräsentieren.

Die Folge davon war, daß in China, Taiwan, aber auch anderen asiatischen Ländern, die von der SARS-Epidemie v.a. ökonomisch betroffen waren, die mörderischen seuchenpolitischen Vergleiche mit Grippen binnen Tagen zum Entfall gebracht wurden, die im „Westen“ ihren Platz bis auf den Tag wahren, wenn auch verändert, weil sie fester Bestandteil der politischen Rechtfertigungen sind, den Schaden der Epidemie UND Pandemie fahrlässig und zu beträchtlichen Teilen eugenisch mutwillig  vergrößert zu haben.
Verwirrend an dieser Lage ist halt, daß die Rechtfertigungen dieser Art weniger vom regierenden Personal kommen, als von nationalistischen Kritikern aller Couleur und Herkünfte.

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5 Antworten zu Covid

  1. tgarner9 schreibt:

    In einem Kommentar vom 30.4. in der „Revue“ (die ich neu zu konzipieren u. die Einträge zu löschen beabsichtige) schrieb ich:

    Eine Bestandsaufnahme, auf welcher Datengrundlage europäische Entscheider konkret arbeiten, könnte einschätzen helfen, inwieweit die „Machtfrage der Herdenhalter“, wie ich es im Eintrag nannte, auf Bundesebene wie auf dem Europäischen Parkett eine Bemühung um Rückgewinn staatlicher Souveränität in Volksgesundheitsfragen PLUS Kernbereichen der Aufgaben eines „ideellen Gesamtkapitalisten“ verdeckt, in der es vom epidemiologischen Standpunkt durchaus verantwortungsvoll zuginge.

    Einen Splitter dazu aus den USA:

    99% virus free after 21d quarantine vs. 95% after 14d, Marine Corps reckons. https://t.co/kyFWlbQ9wq

    — Thomas Gruen (@TomGard3) April 30, 2020

    Das Navy Corps hat es wahrlich mit überschaubaren Massen an Untergebenen zu tun und verfügt über eine unhintergehbare Kommandolinie. Dennoch hat es die Standard-Quarantäne auf 3 Wochen ausgedehnt um wenigstens zu angenommenen 99% sicher vor Spreadern zu bleiben. Das darf man getrost zum Datum für Überlegungen nehmen, wie riskant ein Hochfahren ökonomischer Aktivität unter Zwang – bei Strafe der Pleiten, die unter verunsicherten Wertschöpfungsketten sowieso hinter jeder Hausecke lauern! – aus genuin ökonomischer Sicht erscheinen muß, besonders in Europa unter der Bedingung fortbestehender Landeshoheiten und drastisch unterschiedlichen Epidemieverläufen, auch hinsichtlich der Phasenverschiebungen.

    Ich denke, heute kann man sagen, bei der Machtfrage ist es im Wesentlichen geblieben.

    Liken

  2. tgarner9 schreibt:

    Das Autorenkollektiv
    Prof. Dr. med. Matthias Schrappe (65), Hedwig François-Kettner (70), Dr. med. Matthias Gruhl (67), Prof. Dr. jur. Dieter Hart (80), Franz Knieps (64),
    Prof. Dr. Holger Pfaff (64), Prof. Dr. med. Klaus Püschel (68), Prof. Dr. rer. nat. Gerd Glaeske (75).

    Das ist das gerontokratische Patriarchat, das gern einen besonderen Schutzstatus für seine Mitglieder (und die Mehrzahl der Mitglieder der politischen Klasse, die ähnlich jung sind), während es darauf besteht, daß die verliederten Jüngeren in einer Epidemie zu verludern sind, die nicht zu stoppen und zu kontrollieren sei.

    Verdeckt wird das andererseits, und namentlich in ihrem Papier,

    https://www.monitor-versorgungsforschung.de/efirst/schrappe-etal_covid-19-Thesenpapier-3-0

    durch einen gänzlich selbstreferenziellen Kontrollwahn.
    Nicht gegen die Epidemie, aber gegen ungehörige Verhaltensweisen in ihr, Verstöße gegen auf der Basis eines zu erhebenden esotherischen Zahlenkonvoluts erlassene Vorschriften und Verhaltensmaßregeln, soll eine nach Möglichkeit umfassende soziale Kontrolle errichtet werden. Nicht mit Kriminalisierung, nein. Aus Thesen 3.0:

    „Grundlegend ist die Frage, wie die Strategie der stabilen Kontrolle
    durch ein ausgewogenes Kennzahlensystem unterstützt werden kann.
    Ein solcher „Balanced Infection Control Score“ besteht aus mehreren
    Dimensionen, die mit Kennzahlen beobachtet werden und jeweils
    mehrere relevante Problemkreise umfassen:
    • Infektionsepidemiologie
    (a) homogene Ausbreitung: Neuerkrankungen/100.000 Einwohner
    bzw. 100.000 getestete Einwohner
    (b) herdförmige Ausbreitung: Heterogenitätsfaktor (z.B. k-Wert)
    (c) Auslastung kritischer Ressourcen (z.B. der Intensivstationen)
    (d) Versorgungssituation anderer Erkrankungen (z.B. Schlaganfall)
    • Wissen und Ausbildung
    (a) Kindergartenbetreuung
    (b) Schulbildung
    (c) Berufliche Bildung
    (d) Universitäre Bildung
    • Grundrechte
    (a) Einschränkung der Freizügigkeit
    (b) Einschränkung der Berufsfreiheit
    (c) Schutz der Persönlichkeitsrechte
    • Ökonomische Folgen
    (a) Brutto-Inlands-Produkt
    (b) Arbeitslosigkeit
    (c) Kommunale Finanzen
    (d) Soziale Ungleichheit
    Dieser Vorschlag ist präliminär und in erster Linie zur Illustration gedacht. Ein solcher „Balanced Infection Control Score“ gibt zur
    besseren Orientierung für jede Kennzahl (innerhalb der einzelnen
    Dimensionen) ein Punktesystem (1 bis 10) vor. Für das Verständnis
    ist es entscheidend, dass ein solches Steuerungssystem nicht die
    Gesamtheit der Aspekte, die zur Steuerung in Frage kommen, berücksichtigen kann, sondern immer eine Auswahl darstellt (alleine schon
    um die Funktionalität zu erhalten). Grundlegend ist die Frage, wie die Strategie der stabilen Kontrolle
    durch ein ausgewogenes Kennzahlensystem unterstützt werden kann.
    Ein solcher „Balanced Infection Control Score“ besteht aus mehreren
    Dimensionen, die mit Kennzahlen beobachtet werden und jeweils
    mehrere relevante Problemkreise umfassen:
    • Infektionsepidemiologie
    (a) homogene Ausbreitung: Neuerkrankungen/100.000 Einwohner
    bzw. 100.000 getestete Einwohner
    (b) herdförmige Ausbreitung: Heterogenitätsfaktor (z.B. k-Wert)
    (c) Auslastung kritischer Ressourcen (z.B. der Intensivstationen)
    (d) Versorgungssituation anderer Erkrankungen (z.B. Schlaganfall)
    • Wissen und Ausbildung
    (a) Kindergartenbetreuung
    (b) Schulbildung
    (c) Berufliche Bildung
    (d) Universitäre Bildung
    • Grundrechte
    (a) Einschränkung der Freizügigkeit
    (b) Einschränkung der Berufsfreiheit
    (c) Schutz der Persönlichkeitsrechte
    • Ökonomische Folgen
    (a) Brutto-Inlands-Produkt
    (b) Arbeitslosigkeit
    (c) Kommunale Finanzen
    (d) Soziale Ungleichheit
    Dieser Vorschlag ist präliminär und in erster Linie zur Illustration gedacht. Ein solcher „Balanced Infection Control Score“ gibt zur
    besseren Orientierung für jede Kennzahl (innerhalb der einzelnen
    Dimensionen) ein Punktesystem (1 bis 10) vor. Für das Verständnis
    ist es entscheidend, dass ein solches Steuerungssystem nicht die
    Gesamtheit der Aspekte, die zur Steuerung in Frage kommen, berücksichtigen kann, sondern immer eine Auswahl darstellt (alleine schon
    um die Funktionalität zu erhalten). Ein mehrdimensionales Steuerungssystem dieser Art ist entscheidend auf eine adäquate öffentliche Darstellung angewiesen.

    Taugen soll dies bekennenderweise gar nichts, außer den Kontrollinstanzen. Das Punktesystem soll an sich selbst, konstruktiv, dafür einstehen, daß ein jedes gesellschaftliche Interesse, das sich im Epidemiegeschehen affiziert und obrigkeitlich bewirtschaftet sieht, sich im Kontrollsystem auch aufgehoben finden könne. Akzeptanz ist das Zauberwort. Der Gerontokratie geht es darum, daß die Obrigkeit gut da steht und aus allem gut heraus komme, nachdem die Verliederten zweckmäßig verludert worden sind.

    Ergänzung:
    Eine israelische Variante des „Punktesystems“
    Ministers back bill declaring Eilat, Red Sea area virus-free ‘tourist islands’
    https://www.timesofisrael.com/ministers-back-bill-declaring-eilat-red-sea-area-virus-free-tourist-islands/

    Danach gibt es dann ganz viele „episodische Infektionsherde“ (Var.A, in „thesen 3.0), von denen einige zu „Clustern“ werden (Var.B) die zu einer „homogenen Ausbreitung“ (Var.C) führen – natürlich unter „Stabiler Kontrolle“ des dazu berufenen Standes (2.1. Zieldefinition der Präventionsmaßnahmen).
    So wollen sie das haben.

    Liken

  3. tgarner9 schreibt:

    Wird das Sars-CoV-2-Virus viraler, aber weniger gefährlich?
    https://www.heise.de/tp/features/Wird-das-Sars-CoV-2-Virus-viraler-aber-weniger-gefaehrlich-4943156.html

    Kommentar
    Verfall der Sprache, Anbetung der Statistik und Todeskult
    „Viral“ sind Quatsch und Unfug in kommerzieller Popkultur, Viren haben Virulenzfaktoren.
    Das ist keine philologische Erbsenzählerei, denn im vorliegenden Fall – das ist beileibe nicht immer so – indiziert ein Verfall der Lexik einen der Semantik und der Denkfähigkeit.

    Wenn ein Virus, das den respiratorischen Trakt zur Eingangspforte hat [1], einen neuen Virulenzfaktor entwickelt, ist dieser in erster Instanz zugleich ein neuer Pathogenitätsfaktor. Elementare Logik. Wenn das Ding leichter an der Zelle eindockt, leichter in sie einschleust, wird es leichter tiefere Regionen des Atemwegstraktes und tiefere / zusätzliche Gewebe angreifen, die Reaktionszeit für das Immunsystem sinkt, in einer befallenen Population werden Krankheitssymptome und Krankheitsfolgen im Durchschnitt schwerwiegender, auch wenn sich an den pathogenen Eigenschaften des Dings im engen Sinne nichts geändert hat.
    Der abgesunkene Altersdurchschnitt bei symptomatischen und hospitalisierten Patienten bildet diesen verstärkten Pathogenitätsfaktor ab.

    Dies ist ein zwangsläufiger Zusammenhang, den ein Mensch mit einem funktionierenden Hirn von der Kenntnis des Virus und des Erkrankungsverlaufes weiß, dazu braucht er keine Statistik.

    Dieser Mensch weiß allerdings nicht, ob der Virulenz- und Pathogenitätsfaktor, den er kennen gelernt hat, schon mit weiteren Veränderungen vergesellschaftet ist, die bei einem solchen Symptom einer Wirt-Pathogen-Koevolution zu erwarten sind, wenn man allgemeine Kenntnisse solcher Dynamik zugrunde legt.

    Denn ein virusunabhängiger Faktor erhöhter Pathogenität vermittels höherer Virulenz ist oft – nicht immer! – die Immunantwort selbst, und daß dies bei Covid zu erwarten ist, wissen wir von den bisherigen Verläufen. Vermehrt bei jüngeren, aber auch bei schwersterkrankten älteren Patienten, ist die Immunantwort oft belastender und selbst gefährlicher und letaler, als die Schadwirkung des Virus.
    Die gesteigerte Virulenz läßt also eine stärkere Immunantwort, und einen vermehrten Anteil überschießender Reaktionen des Immunsystems erwarten, und beides wird binnen kurzer Frist einen veränderten Selektionsdruck auf die virulentere Virusvariante ausüben.
    Positiv selektiert werden unter solchen Umständen Varianten, die sich nach der Einschleusung in der Zelle mit dem Reproduktionszyklus Zeit lassen. Denn dieser Reproduktionszyklus, vermittels der Stoffwechseländerung der Zelle, beruft das Immunsystem zur Gegenreaktion.

    Hier faltet die Geschichte auf, weil es von hier an stark auf die Eigenschaften der befallenen Gewebe ankommt. Aber ich will ohne lange Argumente vermerkt haben, höhere Virulenz ist erstmal eine Katastrophe im Hinblick auf die Krankheitsverläufe, die inzwischen „Long Covid“ geheißen werden, in den USA auch MI-S und MI-C (je nach Lebensalter) und langfristige, wenn nicht irreversible Gewebeschäden verursachen. Die werden zunehmen, mehr Patienten, als bisher, vor allem in der Kohorte 40-60 Jahre, werden zusätzliche Organschäden erleiden, v.a. an Herz, Nieren, insgesamt in den Gefäßwänden (Endothelitis).

    Es wird für sie kein Trost sein, daß dies möglicherweise eine kurze Phase in der Wirt-Pathogen-Koevolution sein könnte, sodaß schon im kommenden Jahr Neupatienten weniger darunter zu leiden haben könnten.

    Vielleicht werden einige von ihnen Messer und Flinten nehmen, die Proponenten der „Herdenimmunität“ und der „Flatten The Curve“ – Strategie von Anfang des Jahres, als man noch Gelegenheit hatte, anders zu handeln, killen.
    Ach, was rede ich. Solche Leute wird es geben, auch dazu braucht es keine Statistik.

    [1] Für fast alle anderen gilt dasselbe

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  4. tgarner9 schreibt:

    @ https://www.heise.de/tp/features/Covid-19-und-die-wundersame-Reproduktionszahl-des-RKI-4960610.html

    „Corona“ wächst sich zunehmend zu einer bipolaren Geisteskrankheit aus
    Die Homburg’schen Bemühungen erinnerten mich an den Slogan der „wissenschaftlichen Materialisten“, eine aufklärerische Strömung auf den Territorien des „Deutschen Bundes“, die nachzuholen suchte, was in Frankreich und England bereits 200 Jahre lang unterwegs gewesen und zum Teil schon überwunden war, den „mechanischen Materialismus“:

    „keine Kraft ohne Stoff“

    Gemäß diesem Schema repräsentieren die Infektions- und Krankheitsfälle, die Homburgs Zahlen indizieren, die „Kraft“. Der Erreger und sein „Lebens-„zyklus entspräche dem „Stoff“.
    Dieser „Stoff“ ist in Homburgs Formeln durch genau eine Zahl repräsentiert, 4, in Worten Vier, eine angenommene Generationszeit.

    Wollte ich den Artikel iwie als Beitrag zur Aufklärung über dieses oder jenes ernst nehmen, müßte ich jetzt über die Generationszeit referieren, aber ich werde gleich erklären, warum sich das erübrigt. Nur so viel (als eine selbständige Mitteilung): Die Generationszeit, statistisch extrapoliert anhand der Kenntnisse über die Infektions- und Erkrankungsverläufe, kann man in der Tat als ein relativ enges Zeitfenster annehmen, solange man davon ausgeht, daß symptomatisch Erkrankte wenigstens halbwegs zuverlässig isoliert bleiben und rezidivierender Befall der Atemwege allenfalls in seltenen Fällen vorkommt. Andernfalls wäre „Vier“ eine magische Zahl, die selbst eine katholische Priesterschaft als Mummenschanz verworfen hätte.
    Und in den letzten Wochen gerät diese Voraussetzung zumindest bei einem Teil der Praktiker ins Wanken. Aber das wäre ein neues Thema.

    Hier geht es mir darum, daß Homburgs Verfahrens- und Schlußweise nicht nur die magische Zahl 4, sondern gleich das Virus selbst und damit den „Stoff“ zu der „Kraft“ aus der Chronosphäre seiner Berechnungen, aus der Biosphäre und damit von der Erde in irgend einen Himmel teleportieren. Wollte er sich im Resultat daran halten, müßte er entweder sagen, „CoV2 gibt es nicht, ist erfunden“, oder „Corona ist eine Grippe“, gleich den extremistischen Coronafaschos. Das will er nicht und ich will es ihm auch nicht unterstellen, aber er will auch nicht die Verbretterung bemerken, in die ihn seine Überlegungen einschließen.

    Wenn die administrativen und gesundheitspolizeilichen Maßnahmen sich in den verfügbaren Coronastatistiken nicht abgebildet finden, dann hat man halt zu schließen, daß ihre Wirkung sowohl nach der statischen wie dynamischen Seite in unberücksichtigten Faktoren, in fehlenden Parametern untergehen.
    Einen dieser Parameter hat weiter unten Frank_Drebbin genannt:
    https://www.heise.de/forum/p-37843734/
    und warum das so gelaufen ist, das kann man in erheblichem Umfang dem letzten rundum tauglichen Artikel über die „Coronakrise“ auf TP entnehmen. Renate Dillmann hat ihn am 24. März unter dem Titel „Angst vor dem Virus, Vertrauen auf den Staat?“ veröffentlicht:
    https://www.heise.de/tp/features/Angst-vor-dem-Virus-Vertrauen-auf-den-Staat-4688810.html?seite=all
    Die Angst vor dem Virus wuchs, weil das Vertrauen auf den Staat geschwächt wurde, als der von der Herdenimmunitäts-Strategie, gestützt auf eine grundlose Arroganz gegenüber dem minderbemittelten Ausland, abzurücken begann.

    Weitere Faktoren sind längst bekannt und in der Debatte. Der Paulus gewordene HI-Saulus, Drosten, trommelt beispielsweise unentwegt für die Beachtung der Cluster-Dynamik. Eine über die Republik erhobene effektive Reproduktionszahl zerfällt völlig offensichtlich in zig tausende, unterdessen hunderttausende „Cluster“ und „Senken“, und dieser Käse samt Löchern ist halt nicht allein in „Verhalten“ repräsentierbar, das entlang unaufgelöster oder auch unauflöslicher produktiver und reproduktiver Verbindungen stattfindet. Selbst einem mathematisch verbretterten Geist muß auffallen, daß die Zusammenhänge, die in Homburgs Formeln angesprochen sind, nicht-linear sind und eine zwei- bis dreidimensionale Interpretation der Daten, die sie auswerfen, allenfalls theologischer Natur.

    Und ja, richtig, das eignet den Interpretationskünsten der Apologeten des Regierungshandelns nicht weniger, als ihren Gegnern – es ist ein kollektiver Wahn, dessen Ursache – im Unterschied zu Gründen, das wäre ein zusätzlicher Schritt – in Renate Dillmanns Artikel benannt ist: der unauflösliche Gegensatz, die Antinomie, die in volksgesundheitlichen Zwecksetzungen enthalten ist, weil „Volksgesundheit“ ein kapitalistisches Institut ist.

    Zwecklos, den Zusammenhang abermals aufzufalten. Aus solchem Irrenhaus, das wissen wir von Chief Bromden, gibt es nur zwei Wege: Ins Schweigen oder durch die Wand.

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