Covid-Debatte; Eugenik, Logik, Inquisition und anderes an einem Beispiel

@ Fehlschluss-Didaktik

Leute, die Wissen und Logik durch Phantasie und Spekulation ersetzen wollen

… sind immun gegen Aufklärung über Fehler und Lügen, Detlef Georgia, weil die Immunisierung ihr mittelbarer Zweck ist. „Mittelbar“ heißt hier, er gilt einer Voraussetzung ihres Willens, nämlich der politischen Hoheit autoritativen, d. h. bewaffneten und mit Waffengewalt zur Geltung gebrachten Wissens und auf dieses Wissen gegründeter Folgerungen und Zwecksetzungen.

Anders gesagt, die Krankheit einer durch solchen Willen maßgeblich bestimmten Debatte – sie gleicht zu weiten Teilen einem Gespräch Blindgeborener über Farben, ihr Gegenstand ist nicht (mit)teilbar – liegt darin, daß die Zwecksetzungen, um die es zu tun ist, teils gar nicht mehr, teils nur noch mittelbar zur Sprache kommen. Beide Seiten tun so, als redeten sie vom Schutz vorgeblich unteilbarer Interessen und eines vorgeblich gemeinsamen Besitzstandes. Tatsächlich geht es nicht um Schutz vor den Folgen der Ausbreitung eines Virus, wie beide Seiten zu behaupten pflegen, sondern um verschiedene Verfahren und Strategien, ein beherrschtes Volk solcher Ausbreitung auszusetzen und mit den Folgen umzugehen. Im Hinblick auf die Folgen handelt es sich um alternative Opferungsstrategien. Folglich – und dies ist der erste und einzige logische Schluß, dessen ich mich in meinem Beitrag bedienen werde – geht es auf allen Seiten der Debatte um eine Teilung des vorgeblich Unteilbaren.

Fehlurteile, Lügen, Fehlschlüsse und schiere Phantasterei sind folglich – dies ist eine logische Annahme, kein Schluss i.engen oder eigentlichen Sinne – notwendigemethodische Erscheinungsformen eines veritablen Krieges, einer bewaffneten Auseinandersetzung um Zwecke und Methoden einer Opferung herrschaftlicher Besitzstände. Es ändert nichts an diesem Befund, daß – bis zur Stunde, das kann sich ändern – nur eine Seite Waffen trägt und einsetzt.
Die militärische Natur des Streites wird über seine ideologische Form hinaus zusätzlich dadurch verdeckt, daß die bewaffnete Seite ihn simuliert.

Solche Simulation ist der wahre Gegenstand Deines Kommentars, Detlef Georgia, der deshalb daran krankt, daß er ihn nicht benennt.
Der Meyerhöfer ist ein seltsamer Freund der bewaffneten Macht, wie Juli Zeh ihn nennen könnte. Er verteidigt einen herrschaftlichen Besitzstand, der in diesem Krieg nicht angegriffen ist, sondern im Gegenteil, mobilisiert und ausgebaut wird.
Diesen Besitzstand auf den Begriff zu bringen wäre das sachgerechte Thema einer Kommentierung der Meyerhöferschen Einlassungen. Das kann ich hier nicht gut leisten, also vergebe ich nur einen Namen: Völkische Eugenik. Der Umgang mit Volksteilen, die gemessen an völkischen Idealen rassisch untauglich bis entbehrlich erscheinen, zerfällt voraussetzungsgemäß in zwei  gegensätzliche  Abteilungen. Urteile dieser Kategorie gelten zu lassen ist und bleibt unter fast allen Umständen gegensätzlich zu Akten ihrer Vollstreckung – die Ausnahme ist das Pogrom – weil die Vollstreckung die Idealität zwecks Wiederherstellung erstmal vernichtet. Der Gegensatz verteilt auf praktische Weise ein komplementäres Verhältnis zweier Bestandteile derselben völkischen Urteile zwischen Herrschenden und Unterworfenen.

Dieser Praxis gelten Meyerhöfers Bemühungen und, Detlef Georgia, ich sage Dir mal ganz einfach, das merkt auch ein jeder. Verabschiede Dich mal von der elitären Illusion, die Adressaten und Claqueure der Meyerhöferschen Rhetorik würden nicht bemerken, wie ostentativ Meyerhöfer sie von ihrem sprachlichen Material emanzipiert, bzw., dasselbe anders herum gesagt, das Vokabular der Mathematik und Statistik von seinen Gegenständen emanzipiert, Gegenständen des WissensNicht einer „Welt an und für sich selbst“.

Diese Emanzipation ist die Methode und Gewinn solcher Rhetorik und Beides lebt davon, daß in der Debatte, auf die sie zielt, (noch) nicht die Waffen sprechen, obwohl es einzig um die Sprache der Waffen geht.

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9 Antworten zu Covid-Debatte; Eugenik, Logik, Inquisition und anderes an einem Beispiel

  1. tgarner9 schreibt:

    Aus Anlaß eines vorsätzlich dummen oder böswilligen Kommentars an dritter Stelle:

    „Meyerhöfer verteidigt einen herrschaftlichen Besitzstand, der in diesem Krieg nicht angegriffen ist, sondern im Gegenteil, mobilisiert und ausgebaut wird.“ Den Begriff könne ich nicht gut geben, vergäbe deshalb nur den Namen: „Völkische Eugenik“, nebst einer Beschreibung, worum es dabei m.E. zu tun ist, die so beginnt:
    „Der Umgang mit Volksteilen, die gemessen an völkischen Idealen rassisch untauglich bis entbehrlich erscheinen usw“.
    „Völkische Ideale rassischer Tauglichkeit“, was immer sich ein Leser darunter vorstellen, damit assoziieren mag, gehören definitiv einem reinrassig ideologisch / weltanschaulichen Feld an und es ist deshalb keine intellektuelle Großtat, zu bemerken, daß der Begriff „Volksgesundheit“ dann wohl ein Unterbegriff dazu sein soll, weil er im Attribut „Volk“ einen ideologischen Bestandteil davon teilt, obgleich er zugleich ein technisches und administratives Feld bürgerlicher Sozialpolitik adressiert.

    Meine Behauptung, die ich mit dem Wort „erscheinen“ fett kenntlich gemacht, oder das zumindest versucht habe, lautet folglich: Auf beiden Seiten der Gewehrläufe bestimme eine unterschiedliche bis gegensätzliche Bestimmung / Formulierung der administrativen und ideologischen Bestandteile der volksgesundheitlichen Praxis maßgeblich die Debatten und die in ihren formulierten Ziele und Zwecke. Das Ganze dieses Zusammenhangs und Vorgangs nannte ich einen herrschaftlichen Besitzstand. Gemäß meiner Begriffsbildung soll der Oberbegriff also dem Zusammenspiel von Herrschaft und Unterwerfung, von Verfügung / Zwang und Anpassung auf dem Feld der Volksgesundheit gelten – „komplementäres Verhältnis“, spezifizierte ich zusätzlich.

    Und die einfachste, soll heißen Elementarform, dieses Zusammenspiels, wie es in den Coronadebatten zum Ausdruck kommt, liegt doch bitteschön für jeden ein wenig informierten Leser auf der Hand: Die Coronafaschos manteln sich zu Anwälten der Volksgesundheit gegen deren amtliche Inhaber auf. Diese Inhaberschaft ist doch die simple Wahrheit, die in solcher Opposition zur Geltung und unmittelbarer Sichtbarkeit gelangt: Es ist, wie von mir bestimmt, ein administrativ-technischer Besitz, repräsentiert in der Gesamtheit des (Gesundheits-) Krankheitswesens einer kapitalistischen Gesellschaft incl. der Gesetze, Ver- und Gebote, die es einhegen und gleichzeitig das Material, die Gegenstände für sie aus dem Gebrauch ausheben, den Kapitalismus von Physis und „Psyche“ macht.

    Cov2 ist jetzt der „Un-“ und Sonderfall eines fälschlich zur „Naturkatastrophe“ erklärten und stilisierten Einbruches einer neuen Infektionskrankheit in den Zusammenhang bewirtschafteter Volksgesundheit. Ein Teil der Coronafaschos tritt darauf als „Coronaleugner“ auf, mit der Vorstellung und Behauptung, die Beanspruchung der Volksgesundheit durch diesen „Unfall“, mit der ihre bestallten Inhaber und deren Anwälte eine Menge hoheitlicher Zumutungen rechtfertigen, sei mehr oder minder erfunden und erlogen. Die Adepten dieses Verdachtes, der in der beobachtbaren Dynamik der Debatten – die ich hier nicht auch noch zum Gegenstand machen kann – nicht verfehlen kann, erst zum methodischen Mißtrauen und schließlich zum Glauben verdichtet zu werden, finden sich unversehens in der Position von Staatsfeinden – nicht weil sie eine willentliche oder gar begründete Staatsfeindschaft pflegten, sondern weil sie unversehens und begriffslos auf nämliche Besitzverteilung an der bürgerlich-kapitalistischen Volksgesundheit treffen.

    Der Meyerhöfer pflegt in seiner Intervention einen Horror davor, zum Staatsfeind zu werden bzw. davor, daß die völkischen Freunde der Volksgesundheit als Staatsfeinde erscheinen. Deshalb, um dem abzuhelfen, kommt er auf die buchstäblich verrückten Ideen, wie man Mathematik und Statistik notzüchtigen könne, um einen Beitrag zur „Richtigstellung“ dieser Erscheinung zu leisten, die ihn empört.
    Er ist somit ein Urbild eines Coronafaschos. Er opfert mit seinen Konstruktionen virtuell zig tausende Menschen zur Rettung einer fälschlichen Identität von Bourgeois und Citoyen, Konkurrenzsubjekt und Staatssubjekt, bonhomme und völkischem Krieger.

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  2. grünspan schreibt:

    Ich verstehe Deine komplizierte Wortbeschreibung nicht, jedenfalls nicht ohne Deine Beschreibung erläuternde Zahlenbeispiele wie sie die von Dir besprochenen Blogger verwenden.

    „(Meyerhöfer) ist somit ein Urbild eines Coronafaschos. Er opfert mit seinen Konstruktionen virtuell zig tausende Menschen zur Rettung einer fälschlichen Identität von Bourgeois und Citoyen, Konkurrenzsubjekt und Staatssubjekt, bonhomme und völkischem Krieger.“

    So habe ich Dich verstanden:
    Ein Covidiot (Coronafascho) ist jemand der zigtausend COVID-Tote in Kauf nimmt, mit der Erwartung damit den Kapitalismus (völkisch) zu stabilisieren.

    Meinst Du, dass Covidioten sich doch lieber ausrechnen sollen, dass sie statistisch eine® der 40tausend COVID-Toten unter 80 Millionen Landsleuten sein könnten und ausserdem soll sie als Ausgebeutete die Stabilisierung des Kapitalismus nicht angehen, jedenfalls wäre dies das Opfer nicht wert an Corona zu sterben.

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  3. grünspan schreibt:

    40tausend soll eigentlich wie bei Dir „zigtausend“ Corona-Tote heissen, abgesehen davon dass es bei katastrophaler exponentieller Verseuchung auch leicht eine Million Tote sein könnten.

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    • tgarner9 schreibt:

      Meinst Du, dass Covidioten sich doch lieber ausrechnen sollen, dass sie statistisch eine® der 40tausend COVID-Toten unter 80 Millionen Landsleuten sein könnten und ausserdem soll sie als Ausgebeutete die Stabilisierung des Kapitalismus nicht angehen, jedenfalls wäre dies das Opfer nicht wert an Corona zu sterben.

      Nein, diese Sicht der Sache habe ich schon in vielen voran gegangenen Kommentaren dem bürgerlichen Todeskult zugerechnet. Darin figurieren die Todesfälle als ein Statthalter des Maßstabes, der von allen Seiten angewendet, aber nicht benannt wird: Wie aushaltbar ist oder erscheint eine Prüfung der Tauglichkeit eines Volkes für die Anforderungen, welche die Ausbeutergesellschaft an die Physis und Psyche der Ausgebeuteten samt des Personals ihrer Repression stellt, wenn diese Anforderungen um einen „natürlich“ erscheinenden Faktor verstärkt oder modifiziert wird.

      Dieser Maßstab ist ideell, weil es „das Volk“ nicht anders, denn als Subjekt / Objekt der Herrschaft und also einer Ausbeutung gibt. Diese Idealität gilt übergreifend für alle Anforderungen und Zumutungen, die realiter Individuen gelten. Darin liegt die Wurzel und das übergreifende Schema des Rassismus der Tauglichkeit der bürgerlichen Gesellschaft, eines Maßstabes, der üblicherweise nur folkloristisch oder ausnahmsweise aus der Perspektive einer realen oder vorgestellten Kriegführung an auswärtige Völkerschaften angelegt wird. Im Normalfall legen ihn die unterworfenen Individuen an sich selbst an, bzw. die Institute der Volksgesundheit setzen ihn gegen die Individuen durch.

      Mein Eintrag ist notgeboren mangelhaft und ich werde noch mehr dazu sagen, aber jetzt muß ich erstmal ackern gehen. Vorab nur folgender Durchstich: Ich mache keine realen oder antizipierten Todeszahlen vorstellig, weil die Toten und ihre angenommene Anzahl im bürgerlichen Diskurs vollständig in einer symbolischen Funktion aufgehoben werden. Die Herrschaft findet sich deshalb in einer klassischen „Double Bind“ – Situation. Je höher eine angenommene Anzahl von Toten, desto mehr fällt das Symbol auf die Seite einer „Naturkatastrophe“, für welche eine Herrschaft a priori unzuständig ist. Zugleich aber ist eine herrschende Elite in der Funktion des Eigentümer eines Volkes ebenso prinzipiell mittelbar zuständig für jeden „Einbruch“ von „Naturphänomenen“ in die Gesellschaft, die sie geschaffen hat und erhält, nebst der Bewältigung ihrer Folgen. Dieses „double bound“ ist zugleich eines der Grundschemata des Patriarchates, worauf ich in voran gegangenen Einträgen hin gewiesen habe, darin ist die Archaik der gegenwärtigen Konfliktlinien begründet.

      Okay, jetzt muß ich eilen.

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    • tgarner9 schreibt:

      Im untenstehenden Kommentar bin ich immerhin schon genauer auf die erfundene Natur eingegangen, mit der praktisch alle Kommentatoren auf die eine oder andere Weise hantieren.
      Für weitere Antworten brauche ich noch Zeit – aus persönlichen Gründen, sowie, weil ich ein bißchen Aufwand treibe, das erst noch kommende Hauptthema, Impfung und Zwangsimpfung, zu beackern

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  4. tgarner9 schreibt:

    Artikel: https://www.heise.de/tp/features/Seuchenzeit-4969100.html
    Beantworteter Kommentar: https://www.heise.de/forum/p-37872837/

    Weder Begriffe noch „Theorie“ sind treffend
    archenoe schrieb am 26.11.2020 11:48:

    Noll geht mit treffenden Begriffen und treffender Theorie an den aktuellen Krisenprozess heran.

    „Aktueller Krisenprozess“ ist schon der erste und grundlegend falsche Begriff, sowohl im Artikel, der mit „Krise“ anhebt, wie bei Dir. Noll schreibt am Ende:

    Der Staat als „ideeller Gesammtkapitalist“ wird die (…) gewonnenen Herrschaftsinstrumente, seine (…) erweiterte Souveränität“ in Hinkunft noch besser nützen können, um die allgemeinen Bedingungen der kapitalistischen Produktionsweise zu gewährleisten bzw. zu „managen“

    Also wo, bitteschön, bleibt da „die Krise“? Dann muß sie wohl in Ansprüchen des Kritikers stecken, der „dem Kapitalismus“ eine ausruft, wo allenfalls eine Legitimationskrise eines Teils des Herrschaftspersonals und seiner Institutionen vorliegt.

    Er stellt berechtigt heraus, dass dieser Krisenprozess nicht der ohnehin krisenhaften Ökonomie zuzuschreiben ist, sondern einem natürlichen Prozess (Virus).

    Ich bin dankbar, daß Du das bemerkt hast, obwohl Noll diesen Standpunkt im Text einigermaßen versteckt. Noll:

    Dass der Auslöser der Krise, das Virus, naturhaften Charakter hat, ist uns zwar gewiss (…) aber „Krise“ und „Krisenbewältigung“ sind keine naturhaften Vorgänge.

    Jeder vernünftige Mensch, der einen „Sinn“ in Nolls Text auffinden will, wird dazu neigen, diesen Satz zu überlesen, es ist ein diamantener Quatschsatz. Wenn „Krise“ und „Krisenbewältigung“ nicht „naturhaft“ sind, wie in Gottes Namen soll dann ein „naturhafter Charakter“ eines Virus, was immer der Leser sich unter diesem philosophischen Konstrukt vorstellen soll, ein Auslöser derselben sein?
    Noll rechtfertigt das Konstrukt zig Absätze weiter unten mit einem Anschluß an eine pfäffischen Behauptung, die er in anderen Zusammenhängen anzugreifen vorgibt:

    Die Legitimität dieser Maßnahmen leitet sich daraus ab, dass die Pandemie an der biologischen Grundlage unserer Existenz rührt

    Was nun – „rührt“ sie, oder rührt sie nicht?
    .
    Die Frage ist doch bitteschön der ideologische Kern des absurden Streites der Fraktionen – die einen bestehen darauf, da „rühre“ nichts, oder zumindest „nicht wirklich“, die anderen behaupten das Gegenteil. Und was, um Himmels willen, soll „unsere Existenz“ sein??
    Cov-2, das Virus, ist unter den gegebenen gesellschaftlichen Umständen der imperialen Metropolen möglicherweise, wahrscheinlich geeignet, im Falle böswilliger Vernachlässigung militärisch und ordnungspolitisch abhängiger Völkerschaften durch ihre Herrschaften, ein Prozent der Bevölkerungen auszulöschen und vielleicht 15% einem mehr oder weniger unproduktiven Siechtum auszuliefern. That’s it! Gegenüber einem anständigen Krieg, den dieselben Herrschaften mit allen verfügbaren Mitteln gegen vermeintliche Konkurrenten vorbereiten, ist das eine absolut lachhafte Quote!
    Folglich stimmt die Basis der sogenannten „Analyse“ nicht, die Du kongenial so zusammenfasst:

    Er analysiert die widersprüchliche Position des bürgerlichen Staates in solch einem viral bedingten Krisenprozess richtig und erkennt auch, warum sich der überforderte Staat als ideeller Gesamtkapitalist, der Ordnungspolitik für reibungslos profitable Kapitalverwertung und Sicherung der biologischen Basis für diese Verwertung in einer Pandemie nicht gleichermaßen und gleichzeitig verfolgen kann, für die Sicherung der biologischen Basis entscheidet und mit seinen Maßnahmen den Kapitalverwertungsprozess empfindlich einschränkt.

    „Kongenial“ sage ich vor allem deshalb, weil Du den Zentralbegriff der „Krisendeutung“ Nolls aushebst und nennst, den dieser Noll auf verquaste Weise vermeidet:

    Der überforderte Staat

    Wieso „überfordert“? Wer setzt dafür das Maß? „Die Chinesen“ etwa? Die Coronafaschos? Die Anwälte der „Alten und Schwachen“? Hmm? Wer?
    Du und Noll:

    Der überforderte Staat als ideeller Gesamtkapitalist

    Unversehens – ich will Dir und Noll gern glauben, daß ihr das nicht bemerkt – nehmt ihr einen analytischen Begriff im Rahmen einer theoretischen Bestimmung, wie Herrschaft im Kapitalismus gehe und was sie sei, für ein Herrschaftsideal, an dem ihr das Staatshandeln meßt, weil „er“ sich – angeblich – daran zu messen habe.
    Das ist übrigens exakt der Übergang, den die historische Sozialdemokratie (ikonographisch mit Bernstein und Kautsky) gemacht hat, und gleich ihr, wenn auch auf andere Weise, Lenin und der von ihm geführte Flügel der Bolschewiki.

    Ganz kurz zur Sache selbst.
    Insofern die Rede vom „ideellen Gesamtkapitalisten“ ein tauglicher Bestandteil des Begriffs des bürgerlichen Staates wäre – ich will das nicht fraglich stellen, sondern nur zu einer lupenrein logischen Basis meines Argumentes machen – dann folgte daraus, das die darin angesprochene Idealität Gegenstand eines staatlichen Handelns, also der Legitimation staatlicher Gewalttätigkeit ist, mit der die Herrschaften über die unauflöslichen Gegensätze wegbügeln, die unter solcher Idealität subsummiert sind. Mit dem unvermeidlichen Resultat, daß dieselben Antagonismen in veränderter Form weiterbestehen bzw. neuerstehen.

    In der Folge argumentierst Du, archenoe, zentral mit der „biologischen Basis“, die Du, wie oben schon gesagt, schlicht erfunden hast. Nochmal anders:
    Die virale Biologie – und damit eine wie auch immer erfundene „Natur“ – hat fertig, wenn eine Person wirksam infiziert ist. Alles weitere ist ein „gesellschaftlicher Prozess“.
    Aber für Dich ist die erfundene „biologische Basis“ der Multifunktionspinukel Deiner Kapitalismuskritik:

    … dass der bürgerliche Staat die biologische Basis der Kapitalverwertung nicht zur Disposition stellen darf, weil er sich im Falle des Misserfolgs überflüssig macht(e) …
    Grotesk ist schließlich (Nolls) abschließendes Statement, in dem er den Lesern noch einmal die Unmöglichkeit seines eigenen Vorschlags vor Augen führt, indem er darauf verweist, dass der Staat als ideeller Gesamtkapitalist „weiterhin die Springquellen allen Reichtums, die Erde und den Arbeiter, untergräbt.“

    Das erscheint halt nur grotesk, wenn einer, wie Du es tust, eine „biologische Basis“ zum quasireligiösen Springpunkt einer moralistischen Kapitalismuskritik macht. Für Noll ist der Springpunkt „Demokratie“. Warum?
    Banal. Weil er ein Profi ist, ein Mitglied des politischen Standes. Und als ein Solcher ist ihm die Besserwisserei ohne, daß irgend ein „bessres Wissen“ iwie iwo fassbar würde, gleichsam in die Gene seines bürgerlichen Daseins einbeschrieben.
    Du aber bist ein Amateur, und diese Entgegensetzung ist keine Kritik.

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  5. grünspan schreibt:

    Kannst Du mal mit Beispiel einfach definieren was Du so oft unter „Todeskult“ verstehst? Wer betet was an und warum.

    Eine Herrschaftsmethode sich als Schutzmacht vor dem vorzeitigen Tod der Bevölkerung darzustellen? Schutz vor dem Tod hat einen hohen Preis – Mehrwert als „Schutzgeld“ das gerne abgetreten wird..

    Oder, eine herrschaftliche Kultur der Lust Menschen mit dem Tod zu bedrohen? Als Kultur fortdauernde vorkapitalistische Militäraristokratie mit Teilhabe am Staatsapparat, die vom Kapitalismus lebt.
    Diese Bedrohung mit dem Tod und hintenherum das Angebot gegen Mehrwertüberlassung davor zu schützen, schliessen sich eigentlich auch nicht aus.

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    • tgarner9 schreibt:

      Vorab (weil ich schon wieder weg muß): Wieso erkennst Du das oben kommentierte Konstrukt von Noll / Archenoe nicht als Exempel des Todeskultes, von dem ich spreche?

      Die Legitimität dieser Maßnahmen leitet sich daraus ab, dass die Pandemie an der biologischen Grundlage unserer Existenz rührt

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    • tgarner9 schreibt:

      Nun, vielleicht überlegst Du ja noch, oder Du hast keine Zeit, oder Dir erscheint meine Gegenfrage als Zumutung.

      Deshalb will ich Dich an folgende, einfache Wahrheit erinnern, die jeder weiß: In der Entgegensetzung von „Tod“ und „Leben“, die mehr sein oder anderes be – Deuten soll, als die schlichte Tatsache, daß ein (1!) Tod eine individuelle Lebensspanne abschließt, ist „das Leben“ als ein himmlischer Wert ausgehoben, indem der ihm zugehörige Tod von ihm abgetrennt wird. Um die religiöse Konnotation zu meiden: „Leben“ wird über dieser Operation abstraktes Leben, so gehaltlos, wie sein Ende, aber, weil dies abstrakte Leben eine ebenso abstrakte Dauer hat, im Gegensatz zum Tode, ist es eine Tabula Rasa, etwas, das gleichsam einer Beschriftung bedarf.
      Die nächstliegenden Allgemeininger solcher Beschriftung sind die, die wir aus der monotheistischen Religionsgeschichte kennen: Plage, worin Tod Erlösung, und Dienst, worin Tod Verheißung ist.
      Merke, daß dies abstrakte Leben in allen denkbaren Gestalten keine Individuen zum Subjekt hat, sondern Völker. Ein Volk von Gläubigen und/oder ein Volk von Untertanen. Weiteres zu Religion und Nationalismus hier:
      https://tomgard.blog/2018/11/06/archiv-prolegomena-zum-thema-iran-bemerkungen-zu-religion-und-nationalismus/
      Merke bitte auch, daß in den Corona-Debatten „Natur“, „Naturbasis“, „Biologie“ bzw. biologische „Basis“ notorisch auf die Seite des Todes, nicht auf die des Lebens fallen sollen.
      Also, schon in der scheinbar rein „geistigen“ oder mentalen Entgegensetzung von Tod und Leben liegt die Gießform eines Todeskultes vor, welcher „Leben“ von den Lebenden abtrennt. Das geht so: Was den Individuen nach dieser Operation zu eigen belassen bleibt, ist ihr Tod. Doch in der gleichen Bewegung ist der Tod den Individuen auch nicht zu eigen, insofern das, was abstraktes Leben sein soll, über dessen Verlauf auch sein Ende bestimmt – zumindest in beträchtlichem Maße. In der Extremform über das Menschenopfer, bes. im Krieg.

      Damit ist die Grundvoraussetzung eines Kultes geschaffen, denn dessen allgemeinste Form ist eine ritualisierte Feier einer von den Mitgliedern / Anhängern geteilten Vorstellungswelt, in der dessen Bestandteile metaphorisch, narrativ und theatralisch berufen, befestigt, ggf. auch verändert werden.

      „Anbetung“ ist die Spezialform militärisch aufgezwungener Kulte, die nach Befestigung der Herrschaft, denen sie entstammen, eine Eigendynamik in der Ausgestaltung der Unterwerfung erhalten. Das hindert natürlich nicht, daß Sekten sich dieser Spezialform eigenständig und unabhängig von Zwangsregimen bedienen, aber „Kult“ einfach mit Formen von „Anbetung“ zu identifizieren, ist eine arrogante Vorstellung, die selbst Bestandteil eines Kultes ist, nämlich der Kultur der abendländischen Nationenbildung, die sich in der Zurückweisung klerikaler Autoritäten anschaut, feiert und gefällt.

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