Zu MH 17

Seit mindestens zwei Jahren nehme ich mir immer wieder vor, meinen „Abschlußbericht“ zu diesem Thema zu schreiben und breche die Arbeit ebenso regelmäßig ab. Das liegt nur zum Teil an meiner gesundheitlichen Beeinträchtigung – auch aktuell leide ich wieder mal an einem Tinnitus-Schub und schwerer Schlafbeeinträchtigung seit etwa zwei Wochen, dies nebenher auch an „Grünspan“ – sondern an der Zwecklosigkeit eines solchen Unterfangens, die ich im folgenden Kommentar ansprechen werde, mit dem ich auf eine Bewerbung eines Artikels von Sam Bullard eingehe.

„Gnädige“ Desinformation 2.0

1) Der technische Dreh- und Angelpunkt ist die Behauptung, ein Beschuß selbst mit ca. 40kg HE-Sprengstoff, die eine Buk-Rakete trägt, würde nicht die sofortige und sichere Desintegration einer großen Passagiermaschine in der Luft zur Folge haben. Sie wird ergänzt durch die faktenwidrige Behauptung, der Absturz habe nur ca 10 sec. gedauert – tatsächlich waren es ca.25 sec, wie an originalen Karten des Trümmerfeldes zu überprüfen ist.

Mir ist schon am Abschußtag die frappierende Ähnlichkeit des Absturzverlaufes mit dem von PanAm Flug 103 (Lockerbie) aufgefallen, die man anhand der Flugunfallberichte studieren kann. Die Ursache war der Abriss des Cockpits nach wenigen Sekunden, bewirkt durch eine Aufsprengung der Außenhaut im Bereich des vorderen Frachtraums (unter dem Cockpit) nach Explosion von max. 500g (!) HE-Sprengstoff. Die Schadwirkung war eine Kombination aus explosivem Druckverlust und der zerstörerischen Wirkung des Luftwiderstandes bei etwa 900 km/Std.

Im Falle von MH17 hat die Explosion von zwei Air to Air missiles mit je ca. 8 bis 15 kg Sprengstoff nahe des Cockpits denselben Effekt erzielt. Die sogenannte „Albert Lex“-Studie aus dem Kreis des russischen Ingenieursverbandes hat anhand der Beschußspuren eindrucksvoll demonstriert – wenngleich mangels Zugang zu den Trümmern nicht bewiesen – daß diese Theorie von den Beschußspuren gedeckt wird.

2) Den Zusammenhang mit dem „Südkessel“ gibt es zweifellos, aber der wurde, wie der Autor selbst angibt, erst am 14. Juli halbwegs geschlossen. Freilich war das vorherbestimmt – nicht durch die Kampfkraft der Milizen, sondern die Dienstverweigerung großer Teile des ukrainischen Militärs. Nach meiner Erinnerung wurden die in erheblichem Umfang durch Freiwillige des Rechten Sektors aufgestockten Verbände, welche die vom Einschluß Bedrohten entsetzen bzw. freikämpfen sollten, am 10 und 11 Juli abschließend zurückgeschlagen und teilweise aufgerieben. Whatever, die Operation MH17 mußte bereits Wochen, wenn nicht Monate zuvor vorbereitet worden sein und etliche der Indizien, die dafür sprechen, hat Sam Bullard selbst genannt.

Ich bin ziemlich überzeugt, daß die Operation schon im April anvisiert wurde und die wichtigste Vorbereitung Anfang Mai abgeschlossen war: Zwei F-22 Stealth-Fighter, die zusammen mit 6 anderen in den USA zur Überführung nach Dubai starteten, „verschwanden“ über dem Atlantik. Lt. Aviation Week seien sie unterwegs umgekehrt, da nur als „Ersatz“ für mögliche Ausfälle gestartet. In der kritischen Zeit wollen Planespotter mindestens eine Maschine, die sie für eine F-22 hielten, über der Eifel, nahe der dortigen US-Luftwaffenbasis beobachtet haben. Daß nur 6 von 8 gestarteten Maschinen in Rota (Spanien) zwischenlandeten, wurde ebenfalls von Planespottern in sozialen Medien verbreitet und gab den (nominellen) Anlaß für den Bericht der Aviation Week.
Auch den eigentlichen Grund für die Operation nennt Bullard im Vorbeigehen: Der Europäische Rat weigerte sich obstinat, noch am 15. Juli, die vom DoS geforderten Sanktionen gegen Russland zu verhängen. Das geschah erst im Eilverfahren, ohne weitere Debatte, am 20. oder 21. Juli. Daß das vorgesehene Absturzfeld den Kessel öffnen sollte, ist unbestreitbar (deshalb der vor dem Abschuß vorbereitete fiktive Startort der „Buk“ in Snishne, viel zu weit entfernt vom Ort, über dem MH17 tatsächlich getroffen wurde!), aber das sollte ein Mitnahmeeffekt werden. Bullards Behauptung, die ukrainische Armee habe kurz vor einem „Verlust des Krieges“ gestanden, ist lachhaft. Die ukrainische Armee war nur zu Teilen gegen die Separatisten einsetzbar, und dies war der militärtaktische Grund für die Entscheidung der US-NATO – Luftwaffe zum Abschuss von MH17. Eine Niederlage der illoyalen ukrainischen Truppen – sie dienten nicht der Nation, sondern einer US-gesteuerten Putschregierung! – hätte den europäischen Widerstand gegen den Ukrainekrieg militärpolitisch gerechtfertigt und es ist gut möglich, daß militärische Berater des EU-Rates darauf und auf die dadurch entstehende Pattsituation im hybriden Krieg mit der von der NATO seit dem Libyenkrieg gestützten amerikanischen Fraktion der „Chaos-Vögel“ um die Formierung des Frontstaates Ukraine gesetzt haben.

3) Besonders hilfreich an Bullards Artikel, neben den vielen historiographischen Details, nenne ich den Abschnitt: Historical context part 2: a strange convergence of narratives.
Die offenkundige Beteiligung Russlands am „Cover-up“ wird fast nie besprochen, weil sie den Enthüllungsjournalisten und ihren politischen und juristischen Anwälten als ein Minenfeld erscheint, in dem sie unentwegt Gefahr laufen, die Narrative der Gegenseite zu stützen. Das wird noch verstärkt durch das Interesse eines durchschnittlichen Hinterbliebenen. Dem ist nicht gedient – ganz im Gegenteil! – wenn er zur Überzeugung kommt, die NATO decke nicht ukrainische Übeltäter, sondern sei selbst die Macht, welche einen oder mehrere Angehörige aus militärtaktischen Gründen abschlachtete. Statt den Schaden, den er erlitt, moralisch zu mildern, würde die Erkenntnis ihn auf sein ganzes Dasein als Untertan moralisch ausdehnen.

Zur Differenz der Narrative, die an dieser Stelle zur Debatte stehen:
a) Eine Bande von Verschworenen verübte den Anschlag aus militärtaktischen Gründen.
b) Eine „wild“ gewordene Clique führender Offiziere der US-NATO-Truppen verübte den Anschlag aus militärpolitischen Gründen, in einem Krieg, der gleichermaßen gegen Deutschland und die EU, wie gegen Konkurrenten um die Macht im Imperium gerichtet war, deren Vertreter im Weißen Haus saß.

Erst b) gibt der Beteiligung Russlands am Cover-up einen Grund von plausiblem Gewicht. Legte die russische Regierung ihr Wissen und ihre Schlüsse offen, würde sie die Gegner der imperialen Kriegsfraktion praktisch um jeden Einfluß bringen und zum politischen UND strafrechtlichen / militärpolizeilichen Abschuß freigeben.
Und die Mehrheit der Truther würde sie in genau die „Hölle“ befördern, die sie auf dem Feld staatsbürgerlicher Moral und Anstands unter allen Umständen meiden wollen: Eine „Welt“ in der ein obstinates Beharren auf politischen Idealen, darauf, daß nicht wahr sein könne, was nicht wahr sein dürfe, nicht länger viabel ist.

Dieser Beitrag wurde unter NATO, Ukraine abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.