Selbstkritik: (Covid19)-„Todeskult“ zählt selbst zu dem, was es anzugreifen vermeint

Ich kann das jetzt (noch) nicht ausarbeiten, will aber rasch ein paar Hinweise los werden.

Folge nicht dem Gesetz des Hammers …

Das Staatswesen und seine Verwaltungsinstanzen hat Covid, nach der initialen Entscheidung gegen eine konsequente Epidemiebekämpfung, zum Anlaß und Titel eines veritablen „Krieges gegen die eigene Bevölkerung“ genommen, hin und wieder auch mit „Krieg gegen Covid“ benannt, der als Schutzprogramm für Wirtschaft UND „Volk“ verhandelt wird und das aufgrund des kapitalistischen Klassenantagonismus eine Mehrheit der Akteure im „Gemeinwesen des Geldes“, hoheitliche wie subalterne, in mehr oder minder unauflösliche Zielkonflikte verwickelt (siehe Dillmann, Decker, TomGard)

In meiner letztgenannten Kommentarsammlung schrieb ich:

Der begriffliche Zusammenhang [zwischen kapitalistischer Formierung und staatlichen Maßnahmen] stellt sich auf der Ebene politischer und militärpolizeilicher Verlautbarungen und Handlungen als Resultat chaotischer Verhältnisse und Prozesse her und ein, in denen sich auf der Basis des abstrakt – allgemeinen Verhältnisses von Staatsgewalt und bürgerlicher Gesellschaft, ihrer politischen Ökonomie, die Realitätsanteile der Ideologien durchsetzen, unter deren Geltung diese Herr(en)schaft hergestellt und abgewickelt wird.

… und faßte diese Realtitätsanteile unter den Oberbegriff eines patriarchalen Schemas.
Daran halte ich fest, umso mehr, als von Tag zu Tag bemerklicher wurde, wie die hoheitlichen Entscheidungen und Maßnahmen von dem Anlaß, der Epidemie und ihren aktuellen und antizipierten Folgen, abgelöst und emanzipiert worden sind.
Kenntliche Triebfedern dieser Ablösung sind ganz allgemein in den Zwecksetzungen und Bedingungen der imperialistischen Konkurrenz gegeben, und auf deren Grundlage eine hoheitliche Kritik am „Zustand der Nation“, an Beständen und Funktionsweisen des Zusammenwirkens von Lohnarbeit und Kapital, die den Kritikern überlebt und unhaltbar erscheinen, namentlich im Zusammenhang mit „Industrie 4.0„.

Letzteres akzentuiert die Rückgriffe auf ideologische Titel und Fronten auf dem Feld, das ich „patriarchales Schema“ genannt habe, statt ihnen entgegen zu wirken, wie man naiv anzunehmen versucht sein könnte. Denn es bleibt dabei, daß diese Bewegung in der Form einer hoheitlichen Emanzipation vom Anlaß, dem Umgang mit der Epidemie stattfindet, und dies umso mehr, als sie, bedingt durch die imperialistische UND nationale politische Konkurrenz, im Flusse ist – für die Akteure selbst mehr oder minder schwer fassbar.

Im Verlauf dieser Bewegung wurden Fronten innerhalb der völkischen Stände, Elite und Plebs, sowie zwischen ihnen, plus Fronten innerhalb der politischen Klasse aufgemacht [^1], zwischen denen die Auseinandersetzungen voraussetzungsgemäß einen mehr oder minder rein ideologischen Charakter haben und unter den oben skizzierten Voraussetzungen bleiben sie, obwohl längst in weitem Umfang von „Covid“ emanzipiert, an diesen Dreh- und Angelpunkt der Antagonismen gebunden.

Notwendiges Resultat einer solchen Verlaufsform der unterschiedlichen Auseinandersetzungen ist die Verwandlung von „Covid“ in etwas, das Karl Jaspers vor einem knappen Jahrhundert eine „Chiffre“ [^2] genannt hat – siehe auch den literaturtheoretischen Begriff, und das Adorno kongenial – nämlich scheinkritisch – zum Bestand eines „Jargons der Eigentlichkeit“ gezählt hat.
Das Symbol, der Topos, man könnte bedingt auch sagen der Fetisch eines Diskurses der Eigentlichkeit, der mit „Covid“ angehoben hat, das Material der Chriffre, die von allen beteiligten Seiten mit unterschiedlichen und gegensätzlichen Gründen und Motiven bemüht wird, sind die Totenregister.

In meiner vorsprachlichen Begriffsbildung war die „Chiffre“ und ihr Stellenwert in der Geschichte meiner Ideologiekritik noch rudimentär vorhanden – ich las Jaspers vor 53 Jahren – aber sie fehlte als das zugehörige sprachliche Werkzeug und ließ mich darob dem Gesetz des Hammers verfallen. Wenn einer statt des Schraubendrehers einen Hammer hat, ist er halt versucht, einen Nagel in seinem Problem zu erkennen, und dieser Nagel war für mich die, gemessen am vorliegenden Vorgang überallgemeine Begrifflichkeit des „abstrakten Menschen“ (Christus), des abstrakten Individuums (Bürger), der abstrakten Subjektivität (Psyche), des abstrakten „Lebens“ bzw. allgemein:

Bürgerliche Individualität besteht daher nur subjektiv (Anm.; soll hier heißen: im Selbstempfinden der Betroffenen) in den natürlichen Eigenheiten eines Menschen, seinem Temperament und dem, was er will und tut. Sie ist objektiv (erzwungenermaßen) besondere Existenzweise der in Privateigentum, Familie und Staat verfaßten Gattung.

Von dort kam ich auf „Todeskult“.

Von „Todeskult“ zu reden ist nicht i.e.S. falsch, aber ein Fehler!

Denn unwillkürlich gerät man damit auf die Ebene der Kulturkritik der es nicht darum zu tun ist, Gründe und Zwecke ideologischer Arbeitsprozesse und -leistungen namhaft zu machen, sondern, ihren Erscheinungsformen verhaftet, das fragliche Phänomen vorzugsweise oder gar einzig nach der Seite der Befangenheit der Subjekte in ihm aufzufassen.
Das geht „in Ordnung“ in persönlichen Gesprächen, in denen solche Befangenheit unmittelbar zur Geltung kommt und in dieser Gestalt aufzunehmen ist. Im Diskurs hingegen wird sowas zum Bestandteil der Kultur, die angegriffen sein soll.

Herzlichen Dank an Grünspan, der oder die mir geholfen hat, die Sache ein wenig besser sortiert zu kriegen.

[^1]: Es spielt keine Rolle, daß die „Gegenpartei“ bereits politisch kalt gestellt ist (AfD) und in den Debatten überwiegend als Strohmann figuriert.

[^2]: Ich will das nicht bewerben, aber möglicherweise kann noch heute jemand von Karl Jaspers lernen, wie es zugeht, daß so gut wie jedes bürgerliche Individuum sein eigener „Kant“ ist …

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3 Antworten zu Selbstkritik: (Covid19)-„Todeskult“ zählt selbst zu dem, was es anzugreifen vermeint

  1. tgarner9 schreibt:

    https://www.heise.de/tp/features/Lockdown-zu-Weihnachten-4987323.html
    One last time
    Im Kapitalismus sind, ist eine Epidemie einmal da, Epidemiebekämpfung einerseits, Verludern und Keulen ausgewählter Teile der Bevölkerung andererseits, dasselbe. „Schutz der Bevölkerung, Rücksicht auf ‚die Wirtschaft'“ werden zu einer Ebene politischen Handelns, wie auf einem Möbiusband. Siehe auch [dieses Vorposting]

    „Maßnahmen“ vs. Epidemieverlauf
    Nirgendwo in Europa hat es einen „shutdown“, eine konsequente Reduktion des gesellschaftlichen Verkehrs auf den zum Erhalt seiner Mitglieder und ihres Zusammenhangs notwendige Minimum unter wirksamer Nachverfolgung und Quarantänisierung der Infektionsfälle, für die epidemiologisch minimal notwendige Zeit von etwa 4 Wochen gegeben.

    Daß sich unter einer solchen Voraussetzung die Wirkung der tatsächlich ergriffenen selektiven „Maßnahmen“ gegen private Kontakte und den Teil des gesellschaftlichen Verkehrs, welcher der immateriellen Reproduktion der Arbeitskraft, dem „Spielanteil“ an „Brot und Spielen“ gilt, vom Epidemieverlauf entkoppeln müßte, kann jedes 9jährige Kind ausrechnen, das imstande ist, das Verhalten von Flüssigkeitsspiegeln in kommunizierenden Röhren zu verstehen und zu antizipieren. Dazu braucht das Kind keine Zahlen, nur Ungleichungen bemühen.

    Folglich: Daß dieser Zusammenhang politisierten Köpfen „oben“ und „unten“ in einer gesellschaftlichen Machthierarchie entgeht, mag in zahlreichen Einzelfällen dem übergeordneten Wahnsinn des bürgerlichen Geistes geschuldet sein.
    Aber in der Mehrzahl der Fälle, behaupte ich frech, handelt es sich um entweder reflexhafte oder berechnende Heuchelei – ein gesellschaftlich breit überlappender Bereich. An der zuständigen administrativen Stelle ist es gewiß pure Berechnung. Der Coronafaschismus von unten wie oben geht seinen vorbestimmten Gang.

    Deshalb ist dies Quatsch:

    Der Vorschlag der Weisen greift alle diese Notwendigkeiten auf und entdeckt in der Weihnachtszeit den idealen Zeitraum für einen strengen Lockdown

    Aneinander relativierte „Notwendigkeiten“ sind nicht länger Notwendigkeiten. Die einzige NOT, die Staatsagenten in solch einer Situation anerkennen, ist Vermeidung von Kontrollverlust bzw. – solange sie sich an demokratische Gepflogenheiten binden wollen – Vermeidung des Anscheins von Kontrollverlust.
    Doch Letzteres enthält wiederum einen unlösbaren Konflikt, einen antagonistischen Gegensatz: Der Anschein und die Illusion, das Staatswesen sei nicht in jedem Moment und in jeder Hinsicht Herr über Leben und Tod seiner Untertanen, gleich den führenden Aristokraten antiker Despotie, will zwecks nämlicher Gepflogenheiten auch noch gewahrt sein.
    Auf diese ideologische Ebene begibt sich Cechura am Schluß ganz freiwillig:

    … die Notwendigkeiten des Geschäftslebens … tauchen dann auch nicht als ein Hindernis in der Pandemiebeschränkung auf, sondern als ein ebenso berechtigtes Anliegen wie das der Gesundheit. So gilt in diesen Abwägungen ein Menschenleben gleich viel wie das Interesse an der Vermehrung des Vermögens durch wirtschaftliche Betätigung.

    Dass dies Unfug ist, wird schon durch „Vermehrung des Vermögens“ kenntlich. Der Titel ist und lautet: Minderung der Verluste und ist ausnahmsweise keine Lüge. Vor allem aber sind die „Werte“, die NoThings, auf die „berechtigte Anliegen“ gezogen werden, in der Amalgamierung von „schützen“ und „verludern“ negiert, und diese Negation ergibt tatsächlich „thing“, nämlich „Kontrolle“ in der Gestalt ihrer monopolistischen Instanz, des Staates an und für sich selbst.

    Das wird nur deshalb nicht so sehr bemerklich, weil 95% des Staatsvolkes selbst dem Kontrollwahn verfallen sind, auf Seiten der „Covidioten“ wie der „Skeptiker“. Die Staatsdiener können sich einer soliden Gefolgschaft stets sicher sein. Mit diesem Rückhalt zerschneiden sie das Möbiusband und verwandeln die Kranken und Toten einerseits, sowie die „wirtschaftlichen Lasten“ andererseits in Chiffren, in Zeichen und Symbole einer hoheitlichen Berufung zu dieser oder jener Maßnahme, dieser oder jener Unterlassung von Maßnahmen.
    Und die Bürger tun es ihnen gleich …

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  2. tgarner9 schreibt:

    Bund investiert EU-Hilfen großteils in Klimaschutz und Digitales
    Tagesschau

    Der Bund will große Teile seines Anteils an den europäischen Corona-Hilfen in Klimaschutz und Digitalisierung investieren. Wie das Kabinett beschloss, sollen je 40 Prozent der Mittel in diese beiden Felder fließen. „Damit machen wir Deutschland fit für die Zukunft“, sagte Finanzminister Olaf Scholz. Die europäischen Vorgaben würden deutlich übertroffen. Die EU unterstützt ihre Mitgliedsstaaten mit 750 Milliarden Euro beim Kampf gegen die dramatischen wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise. Gleichzeitig soll das Geld eine klimafreundliche und digitale Modernisierung der Wirtschaft voranbringen. Dafür sollen erstmals im Namen der EU gemeinsam im großen Stil Schulden aufgenommen werden.

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  3. tgarner9 schreibt:

    Daß ich dies Thema zu Unrecht hab fallen lassen, ist an zwei heut bei TP erschienenen Artikeln zu ermessen:
    https://www.heise.de/tp/features/Corona-Was-die-Politik-der-Krise-ueber-die-Krise-der-Politik-verraet-5028705.html
    https://www.heise.de/tp/features/Tote-nach-Covid-19-Impfung-in-Norwegen-Gruendliche-Abwaegung-empfohlen-5031158.html

    Mein Kommentar zum zweiten:
    „als Sterbeursache“
    Der Kollege Hans von Fabeck („Was die Politik der Krise über die Krise der Politik verrät“) könnte dies „als Sterbeursache“ sachgerecht einen „biopolitischen Euthanasie-Diskurs nach Foucault“ nennen.
    Pfitzer (nicht BioNtech, soweit ich weiß) und die CDC haben seit November informiert und gewarnt, daß die erwünschten, ich wiederhole: erwünschten Impfnebenwirkungen schon nach der ersten Dosis sehr heftig sein könnten, so heftig, daß sie mindestens einen Krankentag junger und gesunder Probanden rechtfertigen können, und bei der zweiten Dosis noch viel heftiger werden können, im Einzelfall mit Fieberschüben deutlich über 39°.

    Wer unter dieser Voraussetzung beschließt, „die Alten“ zuerst durchzuimpfen, und zwar bevorzugt diejenigen, die NULL, absolut null Gelegenheit haben, sich dagegen zu wehren, der will, daß viele der Geimpften an der Impfung versterben, er nimmt das mindestens unter der Annahme, „die stürben sonst halt an Covid“, als „Kollateralschaden“ in Kauf.

    Übrigens fällt mir ein, daß die Russen schon seit Juli oder August vor den regulären Nebenwirkungen warnen, einschließlich Putin persönlich, der seine Tochter zum Beispiel der Nation erhoben hat, indem er mitteilte, sie habe heftige Impfsymptome „tapfer“ ertragen.
    Ich bezweifle, daß man in der russischen Praxis die breite, einer Symbolpolitik und Inquisitionskultur mit faschistischen Maximen geschuldete, brutale Rücksichtslosigkeit der westlichen Impfpolitik auch nur annähernd in der Häufigkeit beobachten kann.

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