ZBB (zirkulierende Bewegung d. Begierde) – Rohmaterial

(zur fortlaufenden Ergänzung)

(Polyamore, 2008)

KvF hat die maßgebliche Rolle biochemischer Steuerungs- und Regelungsprozesse in Affekten und für sogenannte Triebe hervorgehoben.
Nach ihrer derzeitigen, massiv abgeschwächten Definition –

Unter biologisch determiniert verstehe ich, willentlich nicht beeinflussbar.
Was nicht bedeutet, dass ich so handeln muss.

– bleibt jedoch von „biologischer Determination“ nicht mehr, als eine (ungeschickte) Namensgebung; ich nenne nur einen, für sich aber zureichenden Grund:

Nach der obigen Definition sind die stofflichen Prozesse, die nach bisheriger Erkenntnis zum Beispiel am menschlichen Orgasmus beteiligt sind – auch die vorbereitenden – lediglich hervorgehobene Prominente. Prominent sind sie aufgrund gewisser Schlüsselpositionen im Prozess, die sich bei Störungen bemerklich machen. KvF wird vielleicht wissen, daß an der Mehrzahl der klinisch bekannten Fälle von sexuellen Empfindungsstörungen die von ihr genannten stofflichen Prozesse nicht ursächlich beteiligt sind.

Das ist kein Wunder. Denn nach KvF’s oben zitierten Definition, gegen die sachlich wenig einzuwenden ist, ist die gesamte Physis eines Menschen zur „Determinante“ erklärt. Ohne Einschränkung. Man mag hier und da an Einzelprozessen „fummeln“ können – mental bspw. – doch offenkundig nur in einem Rahmen, welchen der physische Gesamtkomplex vorgibt – also „determiniert“.

Der erhellende „Witz“ an einer „Determinante“, welche direkt und indirekt die gesamte Physis eines Menschen umgreift, besteht darin, daß sie implizit den homo sapiens zum Geistwesen definiert. Ist die Physis Determinante, bleibt ein unbekanntes Geistwesen als Determiniertes.

Ein Ursprung dieses intellektuellen Kurzschlußes ist eine Idealisierung des Willens. Der Gedanke von KvF opfert das Konzept, die Erfahrung und das Selbstbewußtsein eines Freien Willens, obwohl der ein Pleonasmus ist. Ein Wille ist entweder frei, oder er ist nicht. In dieser letzten Wendung kann man erkennen, zu welchem Behuf und Nutzen KvF opfert:
Eine Unfreiheit des Willens geht überhaupt nur zu denken, wenn man ihn – abermals – zuvor von seiner Gegenständlichkeit gelöst hat. Der Reflexapparat des Menschen ist absolut armselig. Er kann kaum einen Finger krümmen, ohne Einsatz seines Willens. Doch dann ist die Willensfrage:
KRÜMMEN ODER NICHT KRÜMMEN. Nichts weiter!

Trennt man den Willen von seinem Gegenstand, trennt man die Willensentscheidung von ihren Gründen. De facto hat man den Willen eskamotiert, man „definiert“ ihn auf diese Weise „weg“. Da aber der moderne Mensch diese geschichtlich tatsächlich vorgekommene Konsequenz nicht ziehen will, verleugnet er sie einfach. Und dies geht halt auf eine einzige Weise:

Man definiert Entscheidungsgründe, zu Ur-Sachen um.

Allerdings ohne sie damit „als“ Entscheidungsgründe fallen zu lassen. Eine fatale Korruption des Denkens, eine vernichtende Kritik des selbstbewußten Willens.

Die Kritik der Rede von Determination ist damit im Prinzip fertig. Aber in dieser Form ist sie auch nutzlos, denn praktisch hindert ja die genannte Verrücktheit niemanden, sie zu begehen – folglich wird ihre theoretische Auflösung es auch nicht tun.
Deshalb ist die Frage von Belang, wieso sie überhaupt geht.

Ich habe andernorts schon den Grundwiderspruch der „Determination“ zu thematisieren begonnen, daß sie eine Freiheit behaupte, die sie zugleich leugne. Reflektieren wir diesen Gedanken in allgemeiner Form in Willensgegenstände, so ergibt sich, daß die Umdeutung der Willensgründe, und darin eingeschlossen auch der Willenszwecke in Ursachen, die Willensgegenstände in ihrer Trennung vom Willen zugleich für ihn festhält, und ebenfalls nicht fallen läßt. Denn es ist trivial wahr, daß jeder bestimmte Wille in seinem Gegenstand auch sein Hindernis und seine Schranken hat, und daß dieselben Schranken eine Ur-Sache des Willensverhältnisses sind. Ich muß halt meinen Finger bewegen, wenn ich ihn krümmen will. Mein Willensakt befördert nicht instantan meinen Finger vom gestreckten in den gekrümmten Zustand. Genau hier liegt das Reich der physikalischen Determinanten. Sie determinieren meinen Willensgegenstand, und vermittels dieses Gegenstandes meinen Willen. Aber es bleibt ein Willensverhältnis, wenn sein Inhalt gegenständlich vermittelt ist.

Die hegelsch /marxsche Fassung dieses letzten Gedankens lautet:
„Ich verwirkliche in meinem Arbeitsgegenstand meinen Zweck
Offenbar geht dies insofern und insoweit dieser Zweck im Gegenstand schon gleichsam „steckt“ und aufgefunden wird. Nichts kommt von Nichts. Das liefert den Übergang zur Form-Inhalt Dialektik:
Ich kann das Material meines Willens, meinen Arbeitsgegenstand nur um-formen. Das Material bleibt unangetastet.
Solch ein Verhältnis unterstellt, ein Wille sei in Gestalt seiner Zwecke vorweg selbst vermittelt durch seinen Gegenstand, doch ist diese Vermittlung des bestimmten Willens mit seinem Zweck offenkundig nicht identisch mir der Art und Weise, wie Gegenstände des Willens untereinander, nämlich physikalisch vermittelt sind. Andernfalls gäbe es kein Willensverhältnis, bzw die Gegenstände wären selbst auf dieselbe oder mindestens ähnliche Weise beseelt, wie der zwecksetzende Mensch es ist.

Die Verrücktheit der Willensverleugung GEHT nach alledem deshalb, weil sie sich selbst auf einer absolut abstrakten Ebene wieder aufhebt:
Sie schließt den Prozess der Vermittlung von Willensgegenstand und Zweck einfach kurz, sie vereinigt beide Seiten im Resultat: Nach vollendeter Tat erscheint der Gegenstand des Willens als Ursache des Willensverhältnisses, weil und insofern der Wille als Ursache seines Gegenstandes aufgetreten ist.

Folglich ist die Willensverleugnung eine Form, in der ein absolut gedachter Wille (etwa der abstrakte Wille zur „Naturbeherrschung„!) sich selbst SETZT. Die Verleugnung der Willensfreiheit ist eine Form der Vergöttlichung des Willens.

Arbeit – Spiel – Traum

Die Willensverhältnisse, welche zu viele Leute in der Rede von biologischer Determination und verwandten Abkömmlingen mit der eigenartig erniedrigenden Überhöhung be- und verhandeln, die ich in Teil 1 skizzierte, führten uns auf die Arbeit in einem Sinne, der nichts mit Erwerb, Pflicht und Not zu tun hat.
Dazu zitiere ich euch mal was:

„Die Kennzeichnung des Arbeitsvorganges nach seinem Verhältnis zur Natur wird durch dessen gesellschaftliche Verfassung geprägt. Würde nämlich nicht eigentlich der Mensch ausgebeutet, so könnte man sich die uneigentliche Rede von der Ausbeutung der Natur sparen. Sie verfestigt den Schein des „Wertes“, den die Rohstoffe nur durch die auf der Ausbeutung menschlicher Arbeit beruhende Produktionsordnung bekommen. Hört diese auf, so wird die Arbeit ihrerseits den Charakter der Ausbeutung der Natur durch den Menschen abstreifen.“ (Walter Benjamin, Das Passagenwerk, Beaudelaire)

Die Schwäche dieses Aphorismus ist die Versubjektivierung „der Arbeit“, als ob „die Arbeit“ was täte, statt der Arbeitenden.

(Nebenbemerkung an Kette und Interessierte: Diese Manier ist die Spur des fürchterlichen Wiesengrund Adorno- Moralismus, der leider Benjamins Denken heillos infiziert hatte. Sein methodisches Interesse ist eigentlich sofort kenntlich: Der moralische Urteilszweck bewegt Adorno und hier Benjamin mit ihm, die herrschaftliche soziologische Denkweise gegen ihren kritischen Inhalt zu bewahren. „Die Arbeit“, das ist soziologisch noch immer die Herrschaft über die Arbeitenden, gegen die sich die Heinis doch aufzumanteln scheinen. Der Standpunkt „Diese Sorte Arbeit ist schlecht, jene gut“ bewegt sie zu dieser Balance auf einem Strich für moralische Alkoholiker.)

Diese Schwäche können wir eliminieren, wenn wir Benjamins Text gegen den Schluß von Teil 1 halten:

“ …die Willensverleugnung (ist) eine Form, in der ein absolut gedachter Wille zur Naturbeherrschung sich selbst SETZT. Die Verleugnung der Willensfreiheit ist eine Form der Vergöttlichung des Willens.“

Denn was geschieht mit „der Natur“ unter einer Vergöttlichung des Willens? Richtig, sie wird komplementär vergöttlicht.
Der Wahn des herrschaftlichen Privateigentümers spaltet die Natur, die er in Besitz zu nehmen trachtet, in einen äußerlichen Bestandteil, der ihm gegenüber steht, und einen inneren, seine eigene Natur nämlich, die er verhimmelt. Auch die äußere Natur wird verhimmelt, nun aber nach dem Muster des patriachalen und königlichen Privateigentümers als Schöpfung und als REICH.
Mit diesem kritischen Zusatz versehen ist Benjamins Einlassung schlüssig: „Naturbeherrschung“ ist eine religiöse Denkform der Herrschaft von Menschen über Menschen vermittels ihres Produktes, folglich der Unterwerfung unter die Formen ihres Produkts, mithin ebenso sehr Selbstbeherrschung.

Folgen wir unter unserer Korrektur Benjamin weiter:

„Sie“ (leider wiederum „die Arbeit“) „wird (!) sich (??) dann nach dem Modell (???) des kindlichen Spiels vollziehen, das bei Fourier dem travail passionné (leidenschaftliche Arbeit, TG) … zugrunde liegt. Das Spiel als Kanon der nicht mehr ausgebeuteten Arbeit … Eine solche vom Spiel beseelte Arbeit ist nicht die Erzeugung von Werten, sondern auf eine verbesserte Natur gerichtet.“

Hoppla?! „Verbesserte Natur“ ???

Klassisch, wie der soziologische Moralismus Benjamin hier ein Bein stellt! Drei Sätze, nachdem er den bürgerlichen Naturbegriff vernichtend kritisiert hat, setzt er ihn vermittels einer fiktiven „Rettungsoperation“ selbst wieder ins Recht.
Andererseits ….
Andererseits ist sein Gedanke eigentümlich anziehend, nicht wahr?

Fragen wir mal, was es mit dem Verhältnis von Arbeit und Spiel rationell auf sich hat.

Über das Spiel ist eine absurde Zahl von Monographien veröffentlicht worden. Man möchte all den Psychologen und Pädagogen zurufen: Hey, wir wollten doch spielen (lassen), und nicht arbeiten …! Vermutlich werden unter meinen Lesern welche sein, die darüber 20 mal mehr wissen als ich; aber die Sache erscheint mir zu trivial, um mich darum zu streiten und deshalb breche ich sie über’s Knie:
Jeder weiß, daß der Übergang vom Spiel zur Arbeit fließend sein kann, nach jeder Betrachtungsweise. Folglich gibt es ganz banal in den Tätigkeiten buchstäblich mindestens einen Drehpunkt, um den sie in die eine oder andere Richtung zu wenden ist. Dementsprechend schließe ich:

Erstens:
Eine zweckbestimmte Tätigkeit, in welcher der Tätige das Verhältnis von Subjekt und Objekt der Tätigkeit so gestaltet, daß er seine Zwecke vorzüglich auf die Wirkung seiner Handlungen auf das Objekt ausrichtet und konzentriert, heißt Arbeit.

Zweitens:
Je weiter er die umgekehrte Wirkung seiner Zwecke und seiner Tätigkeit zuläßt, die Wirkung seiner Handlungen auf das Objekt zum Mittel seines subjektiven Erlebens macht, wird die Arbeit spielerisch.

Und drittens, nicht als Schluß, sondern Behauptung:
Die Scheidung und Gewichtung der Zwecke in die eine oder andere Richtung geschieht nach Maßgabe eines Genusses, der Schönheit und Nützlichkeit vereint. Genuß der Schönheit und des Nutzens der Objekte für’s Subjekt, Selbstgenuß in der Schönheit und der Kräfte des Subjektes selbst, IN den Objekten und vermittels ihrer.

Schönheit aber, das wiederhole ich hier nur nach dem in „Genitale Fetischisierung“ Gesagten, ist der Zentralbegriff einer Sexualität, die in integraler Erotik wurzelt.

Wiener werden sich möglicherweise leichter tun mit diesen Bestimmungen. Denn der Wiener sagt(e früher?) nicht: „Das Kind spielt“, sondern:
„Das Kind spielt sich!“
So ist’s genau richtig. Das Spiel ist die Selbstformung und -gestaltung der Subjekte, das gilt für spielende Katzen nicht weniger, als für Kinder.

Weiter Benjamin:

„Auch für sie (die Natur, TG) stellt die fouriersche Utopie ein Leitbild, wie man es in der Tat in den Kinderspielen verwirklicht findet. Es ist das Bild einer Erde, auf der alle Orte zu Wirtschaften geworden sind. Der Doppelsinn des Wortes blüht hierbei auf: Alle Orte sind vom Menschen bearbeitet, von ihm nutzbar und schön gemacht; alle stehen wie eine Wirtschaft am Weg, allen offen.“

Mein zynischer Kommentar: Besser wär es, alle Wirtschaften würden zu ORTEN …
Sind Benjamins Sätze noch kritisch? Oder lassen sie sich ein auf die religiöse Eschatologie? Schätzungsweise hat er das selbst offen gelassen.
Ich hoffe einfach mal, es wird für einen Leser, der mir bis hierhin einigermaßen gefolgt ist, nicht nötig sein, daß ich ihm kleinkrämerisch auseinanderfummele, wie diese Utopie logisch unüberwindlich in der negativ festgehaltenen Naturvergötterung wurzelt. Wenn ihr mal die methodisch unsaubere Operation zulaßt, daß wir uns das Privateigentum, die bürgerliche Gesellschaft einfach wegdenken, dann gibt es keine „Wirtschaften“, sondern bewohnte und unbewohnte ORTE und wo immer du hinkommst ist es DEIN Ort. DEINE Natur. Gegenstand deiner Sinne, deines Empfindens, deiner Bewegung und auch deiner Ernährung, denn anders kommst du nicht hin, ist es entweder zu kalt oder zu hoch, oder du bleibst nicht. Und selbst wenn es Orte gibt, von denen man dich wegschickt, oder von denen du weggehst, weil sie dir keinen Platz bieten, ändert das nichts. Benjamins Utopie, Fourier folgend, ist ein kindliches Abziehbild bürgerlicher Verhältnisse, geboren aus Moralismus und einer in religiöser Verkleidung geborgen gedachter Staatstheorie.
Doch Fouriers Utopismus hatte einen Bestandteil, der ein ihn sprengendes Moment enthielt, Freisetzung der Sexualität, und Benjamin folgt ihm auch dahin, indem er fortfährt:

„Eine nach solchem Bild bestellte Erde würde aufhören, eine Welt zu sein,
où l’action n’est pas une soer du rêve (Fourier). Auf ihr wäre die Tat mit dem Traum verschwistert.“

*kreisch*

… war meine Reaktion, als ich das gestern las.

(und jetzt entscheide ich mich spontan, das sacken zu lassen, ein paar Bier zu trinken und erst morgen was dazu zu sagen.)

(Anmerkung 2021: Benjamin irrte sich in der Zuschreibung des Zitates, soweit ich weiß, jedenfalls fand ich ein Original in einer Gedichtzeile aus den „Fleurs du mal“ (Beaudelaire))

(Fortsetzung)

Mir fällt auf, daß ich in Teil 3 eine Erklärung, einen Zwischenschritt ausgelassen habe, weil der mir einfach selbstverständlich erscheint, obwohl ich hier oft die Erfahrung gemacht habe, daß er es nicht ist.

Ich meine die Sache mit den „Werten“

Nun habe ich den Zusammenhang zwischen Gesetz, gut und böse, Idealisierung, dem Absoluten, Werten und „Sinn“ schon ausführlicher behandelt, als es das Forum neuerdings in einem Einzelbeitrag zuläßt:

Die Psychologie des bürgerlichen Individuums

In einem Satz zusammen gefaßt: „Werte“ sind das Produkt eines Willens, der gezwungen wird – in letzter Instanz militärisch – sein Leben als PARTIZIPATION AN DER MACHT zu gestalten und abzuwickeln. Es handelt sich um die Verschwisterung des Geistes mit der Macht mit dem Ideal der Eineiigkeit.

Dies Bemühen ist der Motor der beständigen Verabsolutierung und Relativierung von allem und jedem im Paralleluniversum der Wertewelt, mit der einer auf die Welt und sich selbst losgeht und schraubt und fummelt.
Deshalb ist Naturverachtung, wie sie im Begriff der Sündigkeit zusammengefaßt wird, über die Reflexpunkte der Vergöttlichung des Willens identisch mit dieser selbst, gleich der Naturüberhöhung. Beides Produkte des im bürgerlichen Geist abseits aller Klerikalität verankerten gespaltenen Gottesbegriffes, in den der Bürger seine gebrochenen Willen, sein gespaltenes Ich inseriert – und gegen jedermann zur Geltung zu bringen trachtet: (Verweis auf den „Gebrochenen Willen“, ist schon irgendwo im Blog dokumentiert, muß ich noch auffinden)
Die „verbesserte Natur“ ist daher genauso religiös, wie – ja, wie die „verbesserte Welt“, die „verbesserte Gesellschaft“, der „gebesserte Mensch“ usw. usf.

weiter mit: Traum          

Jeder, der regelmäßig kreativ tätig ist, und in einem Forum sind das alle regelmäßigen Autoren, wird einigermaßen deutliche Traumerfahrungen haben. Deshalb möchte ich nicht gar so viel darüber sagen, denn auf die Selbstbeobachtung und -erfahrung kommt es an. Ich habe wenig über die Traumforschung gelesen, weil ihre grundsätzlichen Resultate trivial waren und immer dann, wenn die Leut in die Feinheiten gehen wollten, wurden sie spekulativ traumwandlerisch und irrelevant im Maße, wie sie die Selbsterfahrung ihrer Probanden weder zum Gegenstand nahmen, noch zu mobilisieren trachteten.

Am Abend der vorvorletzen Nacht ging ich sehr unzufrieden mit dem, was ich in „gen.Fet“ geschrieben hatte, zu Bett und grübelte eine Weile darüber.
Als ich am folgenden Morgen aufstand und in die Küche ging, fiel mein Blick auf das „Passagenwerk“, das mir just erst wieder in die Hände gefallen war, und von dem ich nur Bruchstücke kannte – und war elektrisiert.
Nachdem ich den Espresso aufgesetzt hatte, nahm ich es zur Hand und fand, noch bevor der Kaffee fertig wurde, die Stelle, die ich oben zitiert hatte.
*kreisch*
Instantané war der Umriss eines Planes für diesen Thread fertig.
Man mag über seinen „Wert“ urteilen, wie man mag, er führt eine Menge Linien zusammen, denen ich in den vergangenen Wochen gefolgt war. Ein Produkt der Traumarbeit.

Wäre ich abergläubisch, könnte ich des „Passagenwerkes“ halber an einen „marxistischen“ Engel glauben, der mich gelenkt hat. Wie konnte ich die „Stelle“ binnen zwei Minuten finden?
Was ich von Benjamin kannte, hatte mich gelehrt, daß ich ihm in manchmal verblüffender Weise verwandt bin und in entfernterer, weniger fassbarer Weise gilt das auch für Fourier. Mit dem sich Benjamin wiederum nicht zufällig ausführlich befaßt hat, mehr als ich. Fouriers Thema ist das Geschlechterverhältnis, das er als Angelpunkt dessen verstand, was in der Geschichte „schief“ gelaufen war. Benjamin, der das „Kapital“ weitgehend verstanden hatte, war ihm darin kritisch gefolgt.
Es ist also nur ganz banal logisch gewesen, was geschah. Ich hatte mich im Spannungsfeld zwischen Soziologie, Mythologie, Naturwissenschaft und der Rolle der Sinnlichkeit und Erotik im Zusammenhang all dessen, was ich angerissen hatte, verlaufen. Also erhielt ich den Rat: Schau bei Benjamin nach. Und der Rest ist halt ein glücklicher Zufall. Eine andere „Stelle“ hätte es wahrscheinlich genauso „getan“. Die Belohnung: Ein Glücksgefühl.

Meine Erfahrungen mit der kreativen Seite der Traumarbeit sind vermutlich außergewöhnlich, denn ich war ein paar Mal als Ghostwriter für Diplomanden tätig, von deren Themen ich noch weniger Ahnung hatte, als sie selbst, die sich die Arbeit nicht zutrauten. Daher habe ich z.b. meine bohrprobenartigen Kenntnisse in Biochemie, die auf keinerlei Ausbildung beruhen. Ich hatte mir zur Aufgabe gemacht und sie gelöst, Themen mit einem zureichenden Minimum an Kenntnissen kompetent zu bearbeiten. Und ich wäre absolut verloren gewesen, hätte ich nicht die Herstellung von Verknüpfungen zwischen all den halbverstandenen Brocken, die ich mir zuführte, also die Grundlagen einer Strategie, wie ich diesen Zusammenhängen gezielt nachzugehen hätte (und sei es nur mittels Vergleich zu veröffentlichten Aussagen zu dem Thema) in die Traumarbeit hätte auslagern können. Oftmals „hing“ ich absolut, ging zielbewußt mit der Rekapitulation der Problematik zu Bett und wachte entweder mit einer Lösung oder einer Strategie der Herangehensweise im Kopf auf.
Das Außergewöhnliche besteht nun präzise darin, daß dies nicht auf der Grundlage fundierter Fachkenntnisse geschah, wie bei einem Wissenschaftler, dem das genau so geht. Was ich da mobilisierte, war das gesamte Reich meiner fachfremden Kenntnisse und Strategien.
Dazu gehören aber selbstverständlich auch all diejenigen Erwerbungen, die vordergründig nichts mit Wissenschaft, je nicht einmal unmittelbar etwas mit intellektuellen Problemstellungen zu tun haben, sondern meinem sinnlichen Erleben, meiner Erotik, meinem Schönheitsempfinden – und all der Liebesarbeit zugehörten und entstammten, die ich bis dahin geleistet hatte.
(Zum Thema „Liebesarbeit“ verweise ich auf die Suchfunktion)
In einigem Umfang muß ich in dieser Zeit also in das Stadium eines sehr jungen Jugendlichen zurück gekehrt sein, der die „Welt“ erfindet, indem er „sich“ auf der Basis seines eben erst voll gereiften mentalen Vermögens neu und weiter erfindet.

Jetzt laßt uns aber über der intellektuellen und geistigen Seite der Traumarbeit nicht ihre somatische, also psychophysische Seite vergessen.
Im Schlaf findet der Großteil all der nötigen Reparaturen, aber ebenso der erforderlichen bis erwünschten Gestaltungen bis in die DNA hinein statt, also auch diejenigen, die ohne direkte Einwirkung des ZNS, doch ganz zweifellos nicht ohne seine MITWIRKUNG vonstatten gehen.

Letztere Aussage ist hochspekulativ, sicher, doch, bitte, wie anders sollen denn beispielsweise Erwerbungen vonstatten gehen, die z.b. auf einer hoch individuellen Strukturierung von Abläufen auf der Basis zellulärer Gestaltungen des motorischen Apparates beruhen, die erforderlich sind, damit ein Jäger ein erfolgreicher Jäger werden kann. Ein Jäger, der zum Beispiel den Bogen frei führt, also imstande ist, ein 120 m entferntes bewegliches Ziel mit seinem ganzen Leib anzuvisieren und zu treffen. Übrigens: Auch Frauen können das. Und mit der Büchse, die weniger Ansprüche an die Schnellkraft stellt, hat sich schon manche Frau der Mehrzahl der Männer hoch überlegen gezeigt.

Dies beruht vorzüglich auf „Rechen“arbeit, die im Kleinhirn stattfindet, ja. Doch das Kleinhirn ist Ort der Propriozeption, unseres wichtigsten Sinnes, der doch zugleich in ständiger Wechselwirkung mit der Sinnesverarbeitung im Großhirn arbeitet. Unter Zwischenschaltung des Thalamus, der schlicht und banal das Energiereservoir all dieser Selbststeuerungen und Selbstgestaltungen darstellt, weil „er“ belohnt und bestraft.
Meiner strategischen Umdeutung der Worte „Sex“ und „Erotik“ in „gen.Fet.“ folgend handelt es sich bei allen involvierten Prozessen um SEX – ohne Wenn und Aber!

Folgt dem einfach mal – JETZT. Gedanklich, geistig, seelisch. Versucht einfach mal die genitale Fetischisierung der Sexualität theoretisch zu brechen.

PS: Und noch ein Tipp:
Für KvF ist Sexualität „freie Lebensenergie“.
Versucht mal, mit dem obigen nicht nur die schlichte Wahrheit, sondern auch die Unwahrheit dieser Kennzeichnung zu fassen.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu ZBB (zirkulierende Bewegung d. Begierde) – Rohmaterial

  1. grünspan schreibt:

    „Arbeit – Spiel – Traum“
    Gut wie Du hier diesen lehrreichen detaillierten Einblick in Deinen privaten schöpferischen Prozess preisgibst. Ich habe eine ähnliche Methode um ein Problem aus umliegenden Fachgebieten her einzukreisen, mit der Vorerwartung einer Lösung über Nacht, gerade auch in fremden Fachgebieten. Ich habe volles Vertrauen in Dein Potential. Das Homo Erectus Thema bei Dir hätte ich nicht erwartet. Ich frage mich, warum im Mainstream für die Erziehung der Kinder immer diese Serien mit bunten Dino und Säugetier-Gesellschaften laufen, aber nicht die menschliche Evolution.

    Gefällt mir

  2. grünspan schreibt:

    „Unter biologisch determiniert verstehe ich, willentlich nicht beeinflussbar.
    Was nicht bedeutet, dass ich so handeln muss.„
    – bleibt jedoch von „biologischer Determination“ nicht mehr, als eine (ungeschickte) Namensgebung; …

    Ich lade meine noch unreife Antwort einfach mal ab.
    Mein Verständnis: Meine biologische Ausstattung determiniert unabhängig von meinem Willen meine Antriebe und (Un)Fähigkeiten. Mit meinem Willen kann ich(!) diese Determiniertheit (in gewissen Grenzen) überwinden wollen, oder das auch nicht überwinden wollen.
    TomGard: „Dann bleibt jedoch von „biologischer Determination“ nicht mehr, als eine (ungeschickte) Namensgebung.“

    Jein. Solche Befreiung von biologischer Determination durch willentliches Handeln gilt wohl für das Ergebnis des Handelns eines einzelnen menschlichen Subjekts, das Ich. Das gilt jedoch nicht schlüssig für den Gesamterfolg (Outcome) des Handelns menschlicher Kollektive. Konstruieren wir z.B. 2 jeweils biologisch homogene Menschen Populationen ohne und mit Trisomie (das Determinierte), wobei die willentlichen Verhaltensweisen (das Nicht-Determinierte) der Individuen statistisch streuen.
    Dazu meine 2 folgenden Aussagen mit ad hoc stilisierten Zahlen
    – „Da langfristig 5% der Population Menschen mit Trisomie einen normalen Facharbeiterabschluss erreichten, ist eine mentale Minderleistung eines Kindes mit Trisomie nicht determiniert.“ Richtig. Aber es fehlt der komplexe statistische Vergleich von Populationen.
    Jetzt komplexer formuliert:
    – „Da langfristig 5% der Population Menschen Trisomie einen normalen Facharbeiterabschluss erreichten, ist die Wahrscheinlichkeit (!), dass ein Kind MIT Trisomie einen Facharbeiterabschluss erreichen kann(!), determiniert (!) und beträgt 5%. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind OHNE Trisomie einen Facharbeiterabschluss erreichen kann ist ebenfalls determinierte und beträgt 80%“ Ist auch richtig, denn bei statistischen Phänomenen in denen die Einzelergebnisse nicht determiniert sind, sind die Wahrscheinlichkeiten determiniert siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Determinismus .
    Beim Wurf einer Münze mit Kopf und Zahl ist das Ergebnis Kopf nicht determiniert. Determiniert ist jedoch die statistische Wahrscheinlichkeit (Erwartungswert) 50%, dass bei einer ausreichend grossen Zahl von Würfen oder Würfeln das Ergebnis Kopf eintritt.

    Gefällt mir

    • tgarner9 schreibt:

      Grünspan, ich bezweifle, daß es viele Mongos gibt, die auf die dämliche Idee kommen, einen Facharbeiterabschluß anzustreben, obwohl ich läuten hörte, daß es Mongos gibt, die Universitätsabschlüsse haben und der Fall eines weiblichen Mongos, der in Frankreich eine politische Karriere angetreten hat, zeigt, daß einigen Mongos nur wenige menschliche Dummheiten fremd bleiben.

      Folglich nehme ich an, ein Mongo kann auch so häßlich und boshaft werden, wie du dich einmal mehr zu zeigen beliebst und dazu seinen Verstand mißbrauchen, wie du es hier tust. Was hat das getriggert? Die Anknüpfung an die „Geschichte“ mit KvF? Diese Vermutung ist ein Beispiel für einen zugleich dummen und naheliegenden Gedanken …

      Andererseits habe ich zuzugeben, der Wikipedia-Eintrag zeigt denselben interessierten Irrsinn, wenngleich ohne Bosheit. Dazu werde ich einen eigenen Eintrag verfassen, heute noch, wenn ich’s hinkriege.

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.