Fragment zu „Warenform und Denkform“ – korrigiert

Der Heise- Verlag blockiert neuerdings alle meine externen und internen Links, so auch den Untenstehenden, der den Zusammenhang meines Postings herstellt.

Der Artikel, um den es in letzter Instanz ging, ist „Geschichten vom „Great Reset“, von Georg Schuster.
Das Posting, auf das ich antwortete, ist vom User „morgen Stern“ und ich zitiere jetzt den Textteil, auf den ich geantwortet hatte:

Zitat „morgen Stern“:

Nach meiner Beobachtung waren wirklich nur extrem Wenige dazu fähig, sich einen strikten Begriff von Marx‘ Fetischbegriff im Kontext seiner Gesamtanalyse der Selbstbewegung der ökonomischen Formen zu erarbeiten.

Es gibt sie aber, Joachim Bruhn z. B.

Mal als Teaser für Interessierte z. B. ein kleiner Auszug rund ums Verhältnis von objektiver und subjektiver Wertlehre aus einem eher grobschlächtigen Text von ihm, vgl. https://www.ca-ira.net/verein/positionen-und-texte/bruhn-echtzeit-gewalt/

Es hat sich also mit dem “Verhältnis von Basis und Überbau”, und vielmehr ist der “Überbau” eine unmittelbare Konstitutionsbedingung der “Basis” selbst; ihm eignet keineswegs ein höherer Freiheitsgrad als dieser. Für die FAZ ist natürlich die Kapitulation vor der Sache des Geldes die ultimative Enderlösung des Kapitalsubjekts durch den Souverän. Das zeigt sich im heillosen Schwanken der Geldbestimmung: denn einerseits soll dem Geld, genauer und richtiger: der Währung, die Funktion eignen, den Wert als mit sich identischen darzustellen. [ 10 ] Das Geld ist in seiner unausweichlich notwendigen Bestimmung und Erscheinung als Münze und als Währung unmittelbar durch den Souverän konstituiert, erst in dieser zugleich politischen Qualität auch nur ein ökonomischer Gegenstand. Wenn der Währung die sog. “Funktion” eignen soll, den Wert als mit sich identischen darzustellen, dann fällt er, wie in der Rede vom “sicheren Hafen”, in den Bereich der politischen Nautik oder anderer Wissenschaften vom Fetisch. Geld ist Gold – c’est ça! Aber andererseits ist das Geld eine Funktion der Selbstverwertung des Werts. Um überhaupt nur Geld sein zu können, den Wert aufzubewahren, darf es um keinen Preis der Welt mit sich identisch sein, sonst: rien ne va plus! Was nun? Der zwanglose Zwang des besseren Arguments konfrontiert die Fans der objektiven Wertlehre mit denen der subjektiven. Die Diskussion ist eröffnet, das Geschwätz bricht los. Jeder hat seine Meinung nach Kräften zu logifizieren, bevor sie in ihr gerades Gegenteil umschlägt. Wenn schon die Nationalökonomie als Wissenschaft nichts anderes ist als die zu Kopf gestiegene Alltagsreligion, d.h. die “Metaphysik des Pokerspielers” [ 11 ] , wie Tucholsky 1929 meinte, so ist es die deutsche Volkswirtschaft erst recht.

Daß aber der Wert keine sog. “Funktionen” hat, sondern das ebenso dingliche wie prozessierende Verhältnis der falschen Gesellschaft zu sich selbst darstellt, d.h. die permanente Vermittlung des Unglücks, das geht über die Hutschnur und bringt alle Diskutanten, die Intellektuellen besonders, systematisch um den Verstand. Denn die Ideologie des Geldes schließt das Dritte der Vermittlung systematisch aus. Der Denkzwang des Verstands kollabiert an sich selbst. Die Antinomie des Denkens, die aus dem “Geldrätsel” (Marx) folgt, muß unbedingt gedacht werden, kann dies aber überhaupt gar nicht: daß der erscheinende Wert, daß diese Selbstidentifikation als ein Verhältnis der unmittelbaren Gleichzeitigkeit von These und Antithese, von “sowohl als auch” einerseits, von “weder – noch” andererseits erscheint; daß der Wert die Logik in einem konstituiert wie zugleich überschreitet, das läßt noch das scharfsinnigste Rindvieh und den gewitzigsten Idioten am Denkzwang kirre werden; und deshalb übergibt es sich letzten Endes der letzten Instanz: dem Souverän. Kann man das verstehen? Vielleicht eben dann, wenn der Begriff der Ideologie nicht als objektiv notwendiges falsches Bewußtsein gefaßt wird, d.h. als widerzuspiegelndes und zu bekennendes Dogma, sondern eben als die spontaneistische Oszillation der Meinung in der Antinomie. Der Begriff der Sache wäre dann die Abschaffung der Sache, d.h.: die Befreiung vom manischen Zwang, das Undenkbare verstehen und theoretisieren zu wollen. Das heißt nichts anderes als: “Die gefährlichste Sorte von Dummheit ist ein scharfer Verstand.” [ 12 ]

Zitat Ende

Blödsinnige Verrätselung

Geld ist Vergegenständlichung eines spezifischen Gewaltverhältnisses zwischen und über gesellschaftlichen Produzenten und deshalb zugleich Erscheinungsform desselben, c’est tout.

Deshalb sind, anders herum, historische Erscheinungsformen des Geldes und des Geldverkehrs Erscheinungsformen der spezifischen Eigenheiten der zugrundeliegenden Gewaltverhältnisse (Plural! Denn das für den Kapitalismus identifizierte Gewaltverhältnis „Privateigentum“ ist nur eine unter diversen historischen und aktualen Gestaltungen einer Trennung der Produzenten von ihrem Produkt)
Man muß sich das schon im Einzelnen angucken, um zu wissen, was da vorgeht. Das wäre die erste, harsche Kritik an Schusters weitgehend indiskutablem Beitrag.

Andererseits trifft die Kritik des Moralismus, die Schuster als Fazit seines Beitrages vorstellt, obgleich er sie durch das voran gegangene kaum ansatzweise, geschweige zureichen begründet hat, „Kritiker“ wie zum Beispiel Bruhn und Adorno, die sich vorsätzlich und systematisch darüber verrückt werden lassen, daß Kapitalismuskritik eine vernichtende Kritik des doktrinären Geisteslebens nicht nur des Bürgertums, auch anderer Klassenherrschaft einschließt. Senkrechte Kapitalismuskritik setzt dem reinrassig theologischen Wahn, über gesellschaftliche Herrschaftsverhältnisse, d.h. über die Praxis und das Resultat konstitutioneller, institutioneller, kinetischer und tödlicher Gewalttätigkeit theoretisch gebieten zu können, ein Ende. (Merke: „Gebieten“ ist nach allen denkbaren Seiten etwas anderes, als „Erscheinungsformen und Folgen begreifen können„) Das ist die Wahrheit und zugleich der Irrsinn des Bruhn’schen Satzes:

Der Begriff der Sache wäre dann die Abschaffung der Sache, d.h.: die Befreiung vom manischen Zwang, das Undenkbare verstehen und theoretisieren zu wollen.

Den Gegenstand, Kapitalismus, hat Bruhn auf diese Weise vernichtet, denn das ist es, was geschieht, wenn das Verhältnis von Subjekt und Objekt ins Subjekt hinein aufgelöst wird, wie es Adorno dem Bruhn vorgeplappert hat, d. h. eine Identität von Subjekt und Objekt zur Wahnidee vor und jenseits begrifflicher Auf-Hebung der Differenz gemacht ist. Das ist, ich wiederhole, dieselbe Methode, die bei der Verdoppelung des Gattungswesens in „Gott“ und „Mensch“ zur Anwendung kommt, wenngleich das Verfahren buchstäblich um „Welten“ komplizierter ist.

Praktisch – das sei der Vollständigkeit halber erwähnt – bleibt vom „Kapitalismuskritiker“ hernach in der Tat sowas wie:

… die spontaneistische Oszillation der Meinung in der Antinomie …

nämlich eine mehr oder weniger grün-bunte Befreiungstheologie, zu der sich Robert Kurz letztlich bekannt hat, nachdem er sich in derselben „Antinomie der Antinomie“ verfangen hatte, in welcher der „Kapitalismuskritiker“ nur noch ein Problem hat und wälzt: Sich selbst. Seine werte Subjektivität als eine Geistesgröße:

“Die gefährlichste Sorte von Dummheit ist ein scharfer Verstand.”

Wenn „Denkform“ mit „Warenform“ rumvögelt, straft sie sich mit Sterilität.

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7 Antworten zu Fragment zu „Warenform und Denkform“ – korrigiert

  1. Berengar schreibt:

    Der erste Punkt ist zweifelsohne jedem noch bekannt, der mal vor einer alten West-Wechselstube stand und sich fragte, wieso man ebendort problemfrei Franc, Pfund Sterling oder Dollar, nicht aber Ostmark umtauschen konnte.

    Aber hat denn der Jochen nicht schon a weng, wennzwar auch in verquerer Form, recht? Der „Begriff“ hat da nichts zu suchen, keine Frage. Aber ist nicht die Abschaffung des zugrundeliegenden Gewaltverhältnisses und also des Gemeinwesens der Privateigentümer die schlagende Konsequenz gemäß dem alten Schlauberger-Satz „die Praxis der Theorie ist ihre Entfaltung in die Tat“?

    Freilich, das kann man auch viel einfacher haben – zum Beispiel mit dem alten Mozart, der einmal in der Wiener Hofburg einen Trupp kaiserlicher Gardisten üben sah und bemerkte, das beste wäre doch, wenn die Gardisten sich umdrehten und in den Palast hineinschössen …

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  2. tgarner9 schreibt:

    Zitat „morgen Stern“:

    Ähm, Klärungswille treibt mich zu dieser Frage: Haben wir denn Einigkeit hinsichtlich eines der schillerndsten Begriffe in Hegels Wissenschaft der Logik, den der Grenze? Also gehst du zumindest im Kern mit seiner Argumentation hier mit?:

    Die andere Bestimmung ist die Unruhe des Etwas in seiner Grenze, in der es immanent ist, der Widersprach zu sein, der es über sich selbst hinausschickt. So ist der Punkt diese Dialektik seiner selbst, zur Linie zu werden, die Linie die Dialektik, zur Fläche, die Fläche die, zum totalen Räume zu werden. Von Linie, Fläche und ganzem Raum wird eine zweite Definition so gegeben, daß durch die Bewegung des Punktes die Linie, durch die Bewegung der Linie die Fläche entsteht usf. Diese Bewegung des Punktes, der Linie usf. wird aber als etwas Zufälliges oder nur so Vorgestelltes angesehen. Dies ist jedoch eigentlich darin zurückgenommen, daß die Bestimmungen, aus denen Linie usf. entstehen sollen, ihre Elemente und Prinzipien seien, und diese sind nichts anderes als zugleich ihre Grenzen; das Entstehen wird so nicht für zufällig oder nur so vorgestellt betrachtet. Daß Punkt, Linie, Fläche, für sich, sich widersprechend, Anfänge sind, welche selbst sich von sich abstoßen, und der Punkt somit aus sich durch seinen Begriff in die Linie übergeht, sich an sich bewegt und sie entstehen macht usf., – liegt in dem Begriffe der dem Etwas immanenten Grenze. Die Anwendung jedoch selbst gehört in die Betrachtung des Raums; um[138] sie hier anzudeuten, so ist der Punkt die ganz abstrakte Grenze, aber in einem Dasein, dieses ist noch ganz unbestimmt genommen, es ist der sogenannte absolute, d.h. abstrakte Raum, das schlechthin kontinuierliche Außereinandersein. Damit, daß die Grenze nicht abstrakte Negation, sondern in diesem Dasein, daß sie räumliche Bestimmtheit ist, ist der Punkt räumlich, der Widerspruch der abstrakten Negation und der Kontinuität und damit das Übergehen und Übergegangensein in Linie usf., wie es denn keinen Punkt gibt, wie auch nicht eine Linie und Fläche.

    Etwas mit seiner immanenten Grenze gesetzt als der Widerspruch seiner selbst, durch den es über sich hinausgewiesen und getrieben wird, ist das Endliche.

    (zitiert nach http://www.zeno.org/Philosophie/M/Hegel,+Georg+Wilhelm+Friedrich/Wissenschaft+der+Logik/Erster+Teil.+Die+objektive+Logik/Erstes+Buch%3A+Die+Lehre+vom+Sein/Erster+Abschnitt%3A+Bestimmtheit+(Qualität)/Zweites+Kapitel%3A+Das+Dasein/B.+Die+Endlichkeit/b.+Bestimmung,+Beschaffenheit+und+Grenze)

    Meine Deutung wäre gerade: Du begibst dich aus der Immanenz des endlich Eingegrenzten unmittelbar aus deinem höheren Einsichtsvermögen in die Transzendenz voluntaristischer Unendlichkeit, willst den gordischen Knoten einfach zerschlagen, weil du ja nur zu gut weißt, wie unentwirrbar er geknotet wurde. Fehlen halt bloß die Massen, die dir beim Hieb helfen. Wo sind die mit Blick auf den Grenzbegriff steckengeblieben? Das ist ja die eine Frage, die uns permanent beschäftigt, nicht wahr? Wo sind die bloß steckengeblieben?

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    • tgarner9 schreibt:

      Teil 1
      Ich will zunächst etwas zum letzten Absatz sagen, zu Hegel später.

      Meine Deutung wäre gerade: Du begibst dich aus der Immanenz des endlich Eingegrenzten unmittelbar aus deinem höheren Einsichtsvermögen in die Transzendenz voluntaristischer Unendlichkeit, willst den gordischen Knoten einfach zerschlagen, weil du ja nur zu gut weißt, wie unentwirrbar er geknotet wurde. Fehlen halt bloß die Massen, die dir beim Hieb helfen. Wo sind die mit Blick auf den Grenzbegriff steckengeblieben? Das ist ja die eine Frage, die uns permanent beschäftigt, nicht wahr? Wo sind die bloß steckengeblieben?

      Deine „Deutung“ ist einigermaßen bekennend eine poetische Analogie zum Hegel-Text, nicht wahr? Ich tu Dir keinen Tort, wenn ich das so sage, oder?
      Ich schicke diese rhetorische Frage voraus, weil ich den Inhalt / diese Teildebatte auf das semantische Schindluder begrenzen will, das Du mit den Substantiven „Grenze“ und „Schranke“ treibst.

      Weil an den Schulen noch Physik gelehrt wird, weiß ich, jedes Kind wird daran erinnert, daß „Grenze“ und „Schranke“ keine synonymen Designate haben. Ich sage „erinnert“, weil das jedes gesunde Kind spätestens mit Vollendung des 3. Lebensjahres gelernt hat, dazu muß es die Signifikanten (die Worte) gar nicht kennen. Die Unterscheidung ist Teil der Konstruktion dessen, was Piaget „permanenten Gegenstand“ genannt hat. Dazu im zweiten Teil mehr. Die Kinder vergessen das größtenteils im Rahmen ihrer moralischen Zurichtung, welche den Unterschied und Gegensatz zwischen „Schranke“ und „Grenze“ für das Feld des gesellschaftlichen Verkehrs verwischt bis auslöscht.

      In der Physik und Mathematik aber bestimmen / konstruieren „Grenzlinien“ und „Grenzflächen“ eineindeutig einen integralen Gegenstand bestehend aus zwei Teilen. Der Referent von „Grenze“ ist das Ganze dessen, was durch eine Grenzfläche geteilt ist. Im Unterschied und Gegensatz dazu ist der Referent von „Schranke“ nur ein Diesseits der Schranke. „Schranke“ ist also genau genommen ein Unterbegriff von „Grenze“, obwohl seine Verwendung nicht zwingend präjudiziert, daß ein gegenständlicher Oberbegriff dazu bereits vorliegt, also das Ganze bereits bestimmt ist, welches eine Grenzfläche einschließt, dessen jeweiliges „Diesseits“ als Schranke zu bestimmen ist.

      Der Gewinn Deines Schindluders ist der feierlich anmaßende Unfug von

      … aus deinem höheren Einsichtsvermögen …

      Weder ich noch Du haben ein „höheres“ oder „tieferes“ „Einsichtsvermögen“, Freundchen. Du und ich, wir glauben, gewisse Zusammenhänge begriffen zu haben (offenkundig sind es nicht dieselben Zusammenhänge) und wissen Begründungen dafür herzusagen. So, wie jeder andere Dödel in den von Dir sollizitierten „Massen“ es auch kann und tut. Die Begriffe unterscheiden und widersprechen sich. Und ich weiß aus Deinen früheren Postings, daß Du eine Menge der Konstrukte, die andere Dödel zwischen das setzen, was Du „Immanenz“ und „Transzendenz“ zu nennen beliebst, kennst und zu benennen imstande bist. Oben adressierst Du sie mittelbar und argumentlos als eine fiktionale (poetische) Schranke dafür, daß Deine und meine „höhere Einsicht“ massenhaft Raum gewinne.

      Um das abzukürzen, mache ich jetzt einen kleinen Sprung.
      Was will denn, bitteschön, „morgen Stern“ mit der „höheren“ oder „tieferen“ Einsicht?
      Er – ich trenne Dich jetzt bewußt von Deinem Avatar – verrät und benennt das im Attribut seiner „Transzendenz“: voluntaristisch in „voluntaristische Unendlichkeit“. „Morgen Stern“ möchte keine Differenz, geschweige Gegensätze, zwischen „höheren Einsichten“ und Beschlüssen, Willensentscheiden, die auf sie gegründet werden, zulassen. Er will, daß eine Revolution („Transzendenz“) in „höherer Einsicht“ bereits vollendet vorliege, daß sie immerhin theoretisch schon vollendet sei, bevor sie überhaupt begonnen würde. Er will, um es mit Lenin zu sagen, für seine fiktive Reise zur Revolution eine Bahnsteigkarte lösen können – es soll alles seine Ordnung haben und behalten. Fuck you, „Morgen Stern“, er ist ein „Simulant“, wie Marlon Grohn sagen würde. Er weiß eine „Grenze“ zu der oder den „Schranken“, die er konstruiert, genauso gut anzugeben, wie jeder Dödel, der seinen Widerstand gegen praktisch ernst zu nehmende und möglicherweise wirksam werdende Kapitalismuskritik zu benennen und zu begründen weiß, wie albern die Begründung auch ausfalle. Es ist nämlich dieselbe Klasse von Begründungen: Der Wille der lieben Mitmenschen, ihr Vermögen zur Willensbildung, fungiert nicht als Gegenstand und Grenze, sondern Schranke für jeden bürgerlichen Dödel.

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    • tgarner9 schreibt:

      Teil 2
      Zu:

      „Daß Punkt, Linie, Fläche, für sich, sich widersprechend, Anfänge sind, welche selbst sich von sich abstoßen, und der Punkt somit aus sich durch seinen Begriff in die Linie übergeht, sich an sich bewegt und sie entstehen macht usf., – liegt in dem Begriffe der dem Etwas immanenten Grenze.“ (Hegel, Logik)

      Aus meinen Prolegomena (Verlinkung führt voraussichtlich zur Löschung), die ich heute etwas anders formulieren würde, aber für jetzt genügt es:

      Natürliche Zahlen
      (1). Die Zahl (= 1) hat mit Dingen absolut nichts zu tun, sie ist ein Gattungsbegriff. Der Witz an der Eins: sie ist der oberste Gattungsbegriff, ein Name jeder Gattung getrennt von allen bestimmten Gattungen.

      (2). Ein Gattungsbegriff hat kein Quantum, nur ein Quale. Es gibt nur das Eine und Nicht-Eine = Null.

      Bemerkungen zum Gattungsbegriff:

      Wenn Aristoteles sinngemäß mitteilt, bei Dingen, die wir identisch setzten, bestehe die Differenz darin, ob ihnen ein Sein zukomme oder nicht zukomme, ist dies „Sein“ getrost naiv als Dasein zu verstehen. So ist der Identitätssatz, dasselbe könne nicht zur gleichen
      Zeit am selben Ort zweimal dasein, positiv gewendet. (Heute kennen wir das in der Gestalt des Pauli-Prinzips, das besagt, identische Elementarteilchen können nicht in allen Quantenzuständen übereinstimmen.)
      „Dasein“ ist damit bezüglich der Identität als Akzidenz gesetzt, denn es ändert nichts an den (positiven) Bestimmungen der Identität, zugleich ist es als dasjenige „Wesen“ eines Identischen gesetzt, das jedes ‚Ding‘ zum Unikat macht. Es braucht keinen Hegel oder Pauli um aus dieser logischen Ordnung der Gedankenführung zu folgern, ein ‚Ding‘ sei begrifflich als ein subjektives Konstrukt gesetzt – eine Abstraktion.

      Wenn man will, kann man an der Stelle zu Piagets Untersuchungen übergehen, wie es zugehe, daß der Wahrnehmungsapparat nicht Instrument, sondern
      integraler Bestandteil des Begriffsapparates wird, es bei Menschen (und vielen anderen Tieren) nicht dabei bleibt, daß Wahrnehmungen mit Speichern verknüpft werden, die gemäß mehr oder minder verwickelter präformierter und ausgeprägter Reiz-Reaktionsschemata „Verhalten“ konstituieren – wiewohl sich solche Muster auch in unserem Begriffsapparat auffinden lasssen, also „aufgehoben“ sind. Man kommt über Piagets Untersuchungen zu dem Befund, das Urbild der Identität, also der „Eins“, ist das Ichbewußtsein, wie es aus der sensomotorischen Stufe der Entwicklung der Hirnfunktionen herausgesetzt wird, also nicht das „Selbstbewußtsein“ des Erwachsenen, sondern das Organ, welches erlaubt, Objekten das Attibut Permanenz zuzuordnen und – nota bene – auch wieder zu entziehen. In dieser Tätigkeit wird das arbeitende Ichbewußtsein zum kategorialen Ding, das es aus sich selbst heraus setzt. Dies Ding ist kein Teil einer Gattung anderer Unikate, es ist die einzige Gattung, die erste Abstraktion. Alle anderen Abstraktionen, die wir als Gattungsbegriffe kennen bzw. setzen, sind davon abgeleitet. So erscheint es dann auch in der logischen Deduktion.

      (3). Jede Zahl entstammt einer einfachen oder mehrfachen Anwendung des Urteils, das den Gattungsbegriff setzt und negiert.

      Bemerkung:
      Dieses Urteil kann Wahrnehmungen etx assoziiert sein, oder getrennt von
      ihnen statthaben: Während das ‚erste‘ Gattungsurteil (Ding) das Dasein
      zum Wesen hat, wird unvermeidlicherweise bei jeder Ableitung desselben
      das Dasein zum Akzidenz der Bestimmungen, zu denen es nur Voraussetzung
      ist. Dieser Übergang ist Leistung und Gewinn der Eins.

      (4). Daher bleibt das unter 1-3 Gesagte erhalten, wenn man Einsen vermehrt
      und mit Hilfe der Vermehrungen rechnet.

      Zusatz heute:
      Vor vielen Jahren hatte ich geometrische Begriffe auf dieselbe spekulative Weise „abgeleitet“, wie Hegel, ohne diese Abschnitte der „Logik“ zu kennen oder jedenfalls, ohne mich an sie zu erinnern (hatte die „Logik“ vor vielen Jahrzehnten zu Teilen quergelesen). Dann fiel mir auf (vielleicht mit Erinnerung an Marx Diss, die ich auch quergelesen hatte), daß der dimensionslose Punkt den Begriff der Grenze zur Schranke zusammenzieht. Das bestimmt ihn zum Resultat, nicht Ausgangspunkt des begrifflichen Zusammenhangs, in welchen ihn jeder Dödel spekulativ / introspektiv zu stellen vermag, wenn er sich des Themas annimmt.
      Und damit ist man bei den Untersuchungen Piagets zur „sensomotorischen Stufe“ der intellektuellen Entwicklung / Reifung, deren Geltung übrigens getrost auf fast das gesamte Tierreich zu erstrecken ist, weil auch beim „Sapiens“ offenkundig ein Zusammenwirken von neurologischer „Reifung“ und intelligenter Konstruktion vorliegt, ohne daß jemand einen Schimmer hätte, wie das funzt.
      Ich kann und will kein Buch darüber schreiben, aber in Bezug auf Hegel teile ich das einfache Resultat mit, daß der „dimensionslose Punkt“ ein abstraktes Derivat der Konstruktion des „Permanenten Gegenstandes“ ist, welche ein „Ichbewußtsein“ aushebt, das in späteren Abschnitten zum „Selbstbewußtsein“ fortentwickelt wird. Hier soll dies „Ichbewußtsein“ zunächst für nichts weiter stehen, als die abstrakte Scheidung von „Außenwelt“ und „Innenwelt“, welche die Basis für weitergehende Leistungen von Wahrnehmung, Erinnerung und Vorstellung legt. Von dort bis zur Anschauung sind noch viele Schritte zu gehen, will ich angemerkt haben, ohne anzugeben, was ich unter Anschauung verstehe, das werd‘ ich irgendwann in diesem Leben noch auf meinen Blog stellen.

      Hier kommt es mir darauf an, daß die Konstruktion von Raum, Zeit, Dinglichkeit, Kausalität, sensomotorisch auf ziemlich genau dem dem umgekehrten Weg verläuft, den Hegel spekulativ vom Resultat her re-konstruiert. Sie entstammt der „Dialektik“ (und an dem Punkt wird diese Bezeichnung absurd, soll hier durchscheinen) des Mit- und Gegeneinanders von Propriozeption und („Außen“-) Wahrnehmung i.e.S., dessen erste Schritte beim Menschen nachweislich vorgeburtlich stattfinden (was ich, ganz nebenbei, als Quelle von „Autismus“ vermute, wenn da etwas schief läuft). Das „Ichbewußtsein“ wird aus den Körperachsen heraus auf den dimensionslosen Punkt zusammengeschnurrt. Dies „Ich“ hat nichts mit dem „Ego“ zu tun, sei sicherheitsnadelhalber noch einmal betont. Eine entfernte Verwandtschaft hat es offenkundig zum „Stockbewußtsein“, das Bienen die Konstruktion und Benutzung eines arteigenen Konstruktes von „Polarkoordinaten“ erlaubt, vergleiche
      https://www.heise.de/tp/features/Die-Symbolische-Kommunikation-der-Bienen-3370588.html?seite=all

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      • Berengar schreibt:

        Würdest Du sagen, dass man in der Bahn dieser Überlegungen auch Antworten auf das berüchtigte „Horizontproblem“ in der Physik/Kosmologie findet?

        Das ist nämlich eine recht dringende und aktuelle Frage: Ist etwa ein schwarzes Loch tatsächlich eine (Punkt-)Singularität, deren Grenzfläche (der Erignishorizont) zwei Mannigfaltigkeiten voneinder scheidet, deren eine ein vom metrischen Tensor definierter Minkowski-Raum ist (der „Außenraum“), während die andere (der „Innenraum“) dessen Komponenten dreht und folglich zeitartige und raumartige Vektoren vertauscht.

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      • tgarner9 schreibt:

        Antwort von Morgenstern:

        Re: Teil 1

        TomGard (1) schrieb am 24.04.2021 08:06:

        „Deine „Deutung“ ist einigermaßen bekennend eine poetische Analogie zum Hegel-Text, nicht wahr? Ich tu Dir keinen Tort, wenn ich das so sage, oder?“

        Tust du nicht, eher tust du mir da zu viel der Ehre. Selten bin ich ja tatsächlich einmal poetisch unterwegs, manchmal mache ich hier sogar mühsame Begriffsarbeit. In diesem Fall hast du aber schon recht, wobei ich eher noch härter als du von „vage assoziativ“ sprechen würde. Lax war das schon deshalb, weil ich mir inhaltlich eigentlich noch einmal hätte vergegenwärtigen müssen, wie die Verhältnisse des Grenzbegriffs aus Hegels Seinslogik in seiner Wesenslogik wieder erscheinen, vermutlich wäre der Übergang vom Einzelnen zum Urteil näher in Betracht zu ziehen. Die Verhältnisse der Wesenslogik sind aber so kompliziert und ich nicht ausreichend fähig, die mal eben aus dem Handgelenk zu schütteln. Laxheit reichte mir daher – und auch, weil ich tp an den Hegelschen Grenzbegriff als Ergänzung zu Dingen erinnern wollte, die ich letztens im Kontext Schleimscher Artikel schrieb.

        „Die Kinder vergessen das größtenteils im Rahmen ihrer moralischen Zurichtung, welche den Unterschied und Gegensatz zwischen „Schranke“ und „Grenze“ für das Feld des gesellschaftlichen Verkehrs verwischt bis auslöscht.“

        „Vergessen“ finde ich da sehr harmlos formuliert – aber gut, mit „Zurichtung“ und „verwischen bis auslöschen“ kommt schon rüber, wie du dir das denkst.

        Der Gewinn Deines Schindluders ist der feierlich anmaßende Unfug von

        … aus deinem höheren Einsichtsvermögen …

        Weder ich noch Du haben ein „höheres“ oder „tieferes“ „Einsichtsvermögen“, Freundchen. Du und ich, wir glauben, gewisse Zusammenhänge begriffen zu haben (offenkundig sind es nicht dieselben Zusammenhänge) und wissen Begründungen dafür herzusagen. So, wie jeder andere Dödel in den von Dir sollizitierten „Massen“ es auch kann und tut. Die Begriffe unterscheiden und widersprechen sich. Und ich weiß aus Deinen früheren Postings, daß Du eine Menge der Konstrukte, die andere Dödel zwischen das setzen, was Du „Immanenz“ und „Transzendenz“ zu nennen beliebst, kennst und zu benennen imstande bist. Oben adressierst Du sie mittelbar und argumentlos als eine fiktionale (poetische) Schranke dafür, daß Deine und meine „höhere Einsicht“ massenhaft Raum gewinne.

        Schon beim Schreiben hatte ich das vage Gefühl, dass dir mein Honig-um-den-Bart-Schmieren zehn Meilen gegen den Wind stinken wird.

        Ich hatte während meines Zivildienstes mit eher noch halbwegs funktionsfähigen geistig Behinderten zu tun und kenne auch sonst aus meiner sozialen Umwelt so viele Abstufungen von Einsichtsvermögen, dass ich deine Aversionen hier gegen diesen Begriff etwas irre finde. Du willst vermutlich darauf bestehen, dass Begreifen im Kern egalitär bleibt, niemand unfähig sei, das zu begreifen, was auch andere begreifen – und wir ja alle auch eh falsch liegend bleiben können. Finde ich gut, gehe ich sofort mit. Andererseits streichst du damit aber auch durch, dass z. B. auf den Skalen von „Wissen ist Macht“, „Glück aus Erkenntnis“, „Mut zur Nutzung des eigenen Verstandes“ etc. einige privilegierter sind als andere. Ich scheiß auf Privilegien (z. B. erschienen mir einige der Leute mit Down-Syndrom, die ich als Zivi ein wenig betüdelte, zwar nicht in jeder Situation, aber doch in ihrem Alltagsflow unvergleichlich viel seliger und glücklicher als Normalos, Privilegierte ihrer ganz eigenen Art, übrigens auch sehr freigiebig damit, ihr Glück mit anderen zu teilen), nicht aber auf die Verantwortung, die – ich Moralsäufer, ich – mit Privilegien m. E. einhergeht. Ein Buch, das ich nie las, dessen Titel mir aber unmittelbar einleuchtet: Why „A“ Students Work for „C“ Students and Why „B“ Students Work for the Government.

        Um das abzukürzen, mache ich jetzt einen kleinen Sprung.
        Was will denn, bitteschön, „morgen Stern“ mit der „höheren“ oder „tieferen“ Einsicht?
        Er – ich trenne Dich jetzt bewußt von Deinem Avatar – verrät und benennt das im Attribut seiner „Transzendenz“: voluntaristisch in „voluntaristische Unendlichkeit“. „Morgen Stern“ möchte keine Differenz, geschweige Gegensätze, zwischen „höheren Einsichten“ und Beschlüssen, Willensentscheiden, die auf sie gegründet werden, zulassen. Er will, daß eine Revolution („Transzendenz“) in „höherer Einsicht“ bereits vollendet vorliege, daß sie immerhin theoretisch schon vollendet sei, bevor sie überhaupt begonnen würde. Er will, um es mit Lenin zu sagen, für seine fiktive Reise zur Revolution eine Bahnsteigkarte lösen können – es soll alles seine Ordnung haben und behalten. Fuck you, „Morgen Stern“, er ist ein „Simulant“, wie Marlon Grohn sagen würde. Er weiß eine „Grenze“ zu der oder den „Schranken“, die er konstruiert, genauso gut anzugeben, wie jeder Dödel, der seinen Widerstand gegen praktisch ernst zu nehmende und möglicherweise wirksam werdende Kapitalismuskritik zu benennen und zu begründen weiß, wie albern die Begründung auch ausfalle. Es ist nämlich dieselbe Klasse von Begründungen: Der Wille der lieben Mitmenschen, ihr Vermögen zur Willensbildung, fungiert nicht als Gegenstand und Grenze, sondern Schranke für jeden bürgerlichen Dödel.“

        Klingen da denunziatorische Untertöne an? Lese ich da zwischen den Zeilen so Vorwurfsvolles wie „lächerlich“, „Renegat“ oder „Zersetzung von revolutionärer Kampfeskraft“?

        Aus anderen Beiträgen von dir im Streit mit anderen weiß ich, dass du hinsichtlich beinharter Verbalaggression weit mehr auf dem Kasten hast, mich hier also deutlich schonst. Irgenwie magst du mich dann wohl doch. Gelegentlich war mir ja fast so, als könnte ich den Duft der Rose riechen, die aus deinem steinharten Herzen wächst – zu Gesicht darf sie aber kaum jemand bekommen, oder? (Gut, kitschig abgegriffelt, aber dennoch: Das war jetzt ein wenig poetisch, oder?)

        Ich find’s in der Sache nicht völlig falsch: Ich wünschte tatsächlich, dass Revolution vor meiner Geburt stattgefunden und mir die Auseinandersetzung mit falscher Gesellschaftlichkeit erspart geblieben wäre. Betörend finde ich auch den bei Adorno irgendwo der jüdischen Religiösität zugeschriebene Gedanke, dass, erschiene dereinst der echte Messias, alles genauso wäre wie jetzt, aber doch vollkommen anders. Ich würde mir wünschen, dass das dann auch für Vergangenes gelte. Wünsche.

        Realiter weißt du denke ich schon, dass wir vielleicht nicht im gleichen Bataillon, aber schon auf der selben Seite der Barrikaden kämpfen würden, wenn’s zu so einer Situation käme. Wobei ich in so einem Fall wahrscheinlich bloß für Logistik zu gebrauchen wäre, mit einer Waffe in der Hand und in bewaffneten Auseinandersetzungen wäre mein erstes Opfer im Zweifelsfall wohl eher ich. Pazifismus und Weltekel sind vermutlich zu groß in mir für eine andere Auflösung – wobei ich gelegentlich auch anders kann, wenn mir die Hutschnur reißt … nicht gänzlich auszuschließen, dass ich Bodycount-Ehrgeiz entwickeln könnte, wenn ich mir sicher genug wäre, dass ich da wirklich bloß die Verbohrt-Bösartigsten zähle …

        Mal davon abgesehen, dass die Massen ja nicht bereit zu sein scheinen (was sich ja aber jeden Augenblick ändern könnte, wenn der Funke nur richtig einschlägt, mit Covid und Ukraine/chinesischem Meer sind da ja z. B. gerade zwei Themen auf der Agenda, die so ein Zündeln schon in drei Stunden bewirken könnten), sehe ich zwei grundsätzlich Probleme: 1) Der atomare Patt ist auch einer für die Revolution. Es bedürfte schon außergewöhnlichen taktischen Glücks, um die Schalthebel der Macht allüberall schneller zu übernehmen als die Gegenseite sich entscheiden könnte, dann lieber tabula rasa zu ziehen. 2) Ich habe keine Lust, mich mit Bonzen rumzuschlagen und finde es relativ egal, ob das jetzt Kapital- oder Parteibonzen sind. Wie will mich denn irgendwer davon überzeugen, dass eine gelingende Revolution nicht wieder bloß solche Leute wie Stalin hochspült?

        Es gibt ja ein sehr reichhaltiges Spektrum an Strategien der Kritik im Handgemenge. Pomrehn hier z. B. bläst ja mit Blick auf Ökologie im Prinzip immer – wie wir mehr oder weniger ja alle – ins Horn, die drückenden Verhältnisse noch drückender durch Hinzufügung von Bewusstsein des Drucks zu machen. MG z. B. scheint mir in der Hoffnung, dass steter Tropfen den Stein höhlt und unaufhörliches Aufzeigen der Verhältnisse und ihres Widerspruchs zu den Interessen der Leute doch irgendwann mal ein Umkippen ihrer Interessen in revolutionäre Tat bewirken könnte. Etc. pp., bloß Beispiele, was haben nicht die Punks alles ausprobiert z. B.? Ich finde das alles sehr redlich, analytisch lerne ich daraus auch immer wieder Neues. Mich allerdings treibt im Zweifelsfall experimentierfreudig die Hoffnung, dass es irgendwo in der kulturellen Identität einen Code geben könnte, den wir so hacken könnten, dass es keiner Gewalt mehr für einen Übergang bedürfte, Adornos Hoffnung auf das Wort, dass den Bann lösen möge. Mag ja sein, dass ich da aufs falsche Pferd setze – aber gibt’s denn irgendwo eine Sicherheit, dass irgendwer anders aufs richtige setzt?

        Ich würde mir wiederum wünschen, dass wir alle respektvoller mit den unterschiedlichen Ansätzen umgehen und das Heckmeck von Volksfront von Judäa vs. Judäische Volksfront deutlich runterfahren, wenn nicht ad acta legen könnten. Du kannst dir allerdings wohl kaum vorstellen, wie oft mir insbesondere von Ex-Partnerinnen Hamoniesucht vorgeworfen wurde – deine Vorwürfe in die Richtung sind dagegen echt harmlos. Ich frage mich gelegentlich, ob Stutenbissigkeit und Eifer um das schönste Nest nicht verheerender sind als die verschiedenen Abarten der Konkurrenz um Schwanzlängen und Zählritzern im Bettgestell …

        Zu deinem zweiten Teil: Sehr interessant, kann ich im Wesentlichen auch so wegnicken. Allerdings wundert mich, dass Außen und Innen so sonderbar stehen bleiben als sowohl vermittelt sich ineinander ausdifferenzierend wie unvermittelt vorausgesetzt. Parmenides-Fan, du: Der eine logische Punkt des Egos, aber der in zahllosen Bio-Einzelwesen auf je unterschiedlichste Weise angelegt. Wir sind anscheinend noch nicht an dem Punkt, an dem wir Idealismus und Materialismus versöhnen können – Block within and Block outside halt.

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  3. tgarner9 schreibt:

    Außenwelt und Innenwelt

    morgen Stern:
    Allerdings wundert mich, dass Außen und Innen so sonderbar stehen bleiben als sowohl vermittelt sich ineinander ausdifferenzierend wie unvermittelt vorausgesetzt.

    Ohne Besserwisserei will ich nochmal auf dies hier verweisen:

    „… das Urbild der Identität, also der „Eins“, ist das Ichbewußtsein, wie es aus der sensomotorischen Stufe der Entwicklung der Hirnfunktionen herausgesetzt wird, also nicht das „Selbstbewußtsein“ des Erwachsenen, sondern das Organ, welches erlaubt, Objekten das Attibut Permanenz zuzuordnen und – nota bene – auch wieder zu entziehen. In dieser Tätigkeit wird das arbeitende Ichbewußtsein zum kategorialen Ding, das es aus sich selbst heraus setzt. Dies Ding ist kein Teil einer Gattung anderer Unikate, es ist die einzige Gattung, die erste Abstraktion. Alle anderen Abstraktionen, die wir als Gattungsbegriffe kennen bzw. setzen, sind davon abgeleitet.“

    Da ist die Vermittlung „Außen“ / „Innen“ benannt, aber nicht angegeben.
    Offen gestanden hatte und habe ich nie Lust, sie anzugeben, denn ich will gern glauben, daß mit der Hilfestellung meiner Bemerkungen jedermann imstande ist, sich zu erinnern!
    Einfach hingesagt: Das Kind lernt nach der sensomotorischen Stufe, welche zunächst die „Instrumente“ – gemeint ist „Sinnliche Wahrnehmung“, „Erinnerung“, „Vorstellung“ – schärft, die Widerstände, welche die nach dem Bilde der eigenen Dinglichkeit identifizierten Dinge der Wahrnehmung und Vorstellung leisten, in das Ichbewußtsein zu reflektieren. Resultat: „Ich kann Dinge unterscheiden, weil sie, die Dinge, sich unterscheiden“.
    Der verhunzte Erwachsene unserer Zeit schlägt das „sich unterscheiden“ im Gegensatz zum Kind intuitiv auf exklusive Weise seiner Subjektivität zu und bekommt dann oft ernstlich Probleme, wenn ihn die Naturwissenschaften zurück zu dem Umstand rufen, daß dies „sich unterscheiden“ ein vollgültiges Attribut der Dinge selbst ist. Die Hilfskonstruktion, die der verhunzte Verstand bemüht, um damit klar zu kommen, lautet „Determination“, die umgekehrt exklusiv der Objektwelt zugesprochen wird, was in der übergeordneten Reflexion dann wieder alles aufhebt und auf die kantischen Antinomien führt.
    Tatsächlich sind – rein logisch betrachtet – „determiniert sein“ und „Ding sein“ identisch. Ein Ding ist entweder „wohlbestimmt“, oder es ist keines = nicht identifiziert. Die Kehrseite davon ist die Erkenntnis: Ich kann es nur leisten, Dinge zu unterscheiden, weil sie SICH – unabhängig von meiner Leistung – voneinander scheiden, d.h., daß die Eigenschaften, die ich an ihnen wahr nehme, Resultat ihrer aktiven Scheidung voneinander sind, sie tun das, ich vollziehe dies tun nach, falls ich keinen Fehler mache. Philosophisch ist das im „Prinzip der Attraktion und Repulsion“ enthalten, das Du kürzlich aus Marx Diss zitiert hast, falls ich mich recht erinnere.
    Bei Kindern ist das Übergangsprodukt das sogenannte „magische Denken“, das nicht selten bis an die Schwelle zur Adoleszenz eine Rolle behält, und das geht vollkommen „in Ordung“, daran ist nichts „falsch“. Das sogenannte „magische Denken“ kann erst aufgegeben werden, wenn das Kind zureichend für sich geklärt hat, weshalb und worin es sich – als das Ding, das es ist – in seinem Subjektsein vom Wirken der Dinge auf sich und andere Dinge unterscheidet. Die Annahme, die Dinge seien „iwie“ auch in ihrem Subjektsein dem wahrnehmenden Subjekt gleichartig, ist ja korrekt – nur unvollständig und unzureichend vom praktischen Standpunkt tätigen Lebens.

    Umgekehrt heißt das, erst mit der Auflösung des magischen Denkens wird die Scheidung von „Innenwelt“ und „Außenwelt“ abgeschlossen. Und für das bürgerliche Denken, nämlich den systematischen Skeptizismus und den epistemischen Antinomien, die nicht wahr haben wollen, daß ein Erkanntes subjektive Form eines Gegenstandes ist, heißt das: Die Unterscheidung wird nie abgeschlossen. Das bürgerliche Denken „glänzt“ durch einen hochgradig vermittelten Fortbestand magischen Denkens – zum Beispiel in den Debatten um den „freien Willen“.

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