Sinn und Form. Zum intellektuellen Verfallsprozess ehemaliger Marxisten inklusive meines Verstummens.

Mein Anlaß ist „Können uns Politiker eigentlich alles erzählen„, von Johannes Schillo.

Ariel Scharons Machtinstinkt

Vom verblichenen israelischen General und Ministerpräsidenten ist folgende Rechtfertigung überliefert, nachdem ein hoch vierstelliges Massaker an palästinensischen und schiitischen Zivilisten, das er mit Billigung oder Auftrag von Menachim Begin angerichtet hatte, auch in den eigenen Reihen auf Mißbilligung, vielleicht ergänzt um einigen Abscheu traf:

„Ich werde alles dafür tun, daß die Araber dereinst wie Zombies über ihr eigenes Land torkeln.“

Selbstverständlich ist dies Zitat umstritten und, verehrte Zensoren, ich bestehe nicht auf seiner Originalität. Ich verwende es, weil es zu Scharons Lebenszeit und einige Jahre danach ein taugliches Narrativ zun Mann gewesen ist, dessen maßgebliche Urheberschaft des Sabra and Shatila massacre nicht (mehr) umstritten ist. Es geht mir folglich nicht um Scharon, sondern sein Wirkungsfeld, das diesem Zitat, ob original oder nicht, auf welches Scharon obendrein in Interviews seines Biographen selbst Bezug genommen hat, zum Leben und Überleben verholfen hat.

Jetzt laßt uns die Sach‘ befragen, wie einst mein Freund Muammar al-Gaddafi

Libya's ousted leader Muammar Gaddafi was killed in gun battles On Oct.20, in his hometown, Sirte. Acting Prime Minister of the National Transitional Council (NTC), Mahmoud Jibril, confirmed his death at a press conference held in Tripoli.[Sina.com.cn]

gefragt hätte.

Hat das nämliche Massaker das im Zitat angegebene Ziel befördert? Nein, hat es nicht.
Im Gegenteil, es ist für Generationen zum Fanal der Resistance gegen die jüdischen bzw. zionistischen Macht- und Herrschaftsansprüche in der Levante geworden.
Hat das Narrativ des Zitates nämliches Ziel befördert? Ja, gewiß.
Zusammen mit anderen herrschaftlichen Narrativen wurde es emblematisch für Zweck und Form des „Langsamen Genozids„, den die regierenden Zionisten und ihre Parteigänger unternommen und betrieben haben, auf eine Weise, die von Jahrzehnt zu Jahrzehnt brutaler und grausamer geworden ist, scheinbar im Gleichschritt mit der anscheinenden Zweck- und Erfolglosigkeit des Unterfangens.

Achtung! (und aufgemerkt, Zensoren), der „langsame Genozid“ ist auch ein Narrativ, nämlich ein komplementäres, weil unterwürfiges Narrativ zum selben Vorgang. Unterwürfig nenne ich es seiner Appellationsinstanz halber, einem vermeintlichen übergreifenden herrschaftlichen Ethos, welches dergleichen angeblich ächten soll.
Tut es das? Nein, tut es nicht.
Im Gegenteil, es gibt den genozidalen Schlächtereien verschiedener Art, ihren Verläufen, Rechtfertigungen und Narrativen eine Form – unter anderen. In diese Formengestalten paßt Gaddafis Ende auf bezeichnende Weise, wenngleich das eher eine Randerscheinung ist, doch deshalb das Bild.
Weil das so läuft, ist auch die Rede vom „Langsamen Genozid“ nicht geächtet. Nein, noch immer nicht, obwohl sektorale Bannflüche über ihr liegen, auf dieses Phänomen komme ich vielleicht später einmal zurück.

Doch zunächst einmal komme ich zu meinem Grund, diese Geschichte scheinbar abseitigerweise in den Zusammenhang von Schillo’s Artikel zu ziehen.

Der gebundene Wille

Der gebundene Wille ist die Schwester des Gebrochenen Willens, von dem in diesem Blog verschiedentlich die Rede gewesen ist, wer mag, kann das aufsuchen.

Aus historischen Gründen kommt der Gebundene Wille im Narrativ um das Scharonzitat besonders schlagend zur Erscheinung. Es gäbe einfachere, weniger kontroverse Beispiele, aber ich habe keine Lust, welche zu suchen – dieses kam mir spontan in Erinnerung.
Das Zitat sagt, was Scharon will (wollte), nämlich Erez Israel von den Arabern befreien, und es illustriert zugleich den Umstand, daß Scharon sich daran gehindert sah, dies Ziel auf direkte Weise zu verfolgen, durch Schlachtung einer fünf- bis sechsstelligen Zahl Araber zwecks Vertreibung des Restes in die Wüste.

Nebenbei: Dies sagt nichts über die Person Ariel Scharon, aber das verfolge ich hier nicht weiter. So wenig, wie ich die Hinderungsgründe debattieren will; es genügt hier zu sagen, daß die Gesamtheit des US-Imperialismus jener Zeit, als dessen Kettenhund Ariel Scharon unwillkürlich bestallt gewesen ist – das Narrativ spricht Bände über diese Unwillkürlichkeit – der Hinderungsgrund gewesen ist.

Und das nehme ich jetzt ohne weiteres Argument zum Beispiel für den Basiszusammenhang jedes Narratives der Klasse, von der Schillo redet: Es verbindet seine Bestandteile auf eine Weise, welche die Adressaten nach dem Willen des Absenders über eine hübsche Form in Kenntnis setzten soll, welche ihre Gegensätzlichkeit oder Unvereinbarkeit überwinden (helfen) soll.

Eher nebenbei – nämlich für ehemalige Marxisten, die ihren Verstand noch beisammen haben – will ich vermerken, ein Narrativ dieser Art ist ein ästhetisierter Idealismus. Er bedient sich ehrwürdiger Techniken tribaler Mythologisierung einschließlich des üblicherweise (aber nicht notwendig zu ihm gehörigen) Wunschdenkens, um im gesellschaftlichen Bewußtsein sedimentierte Idealismen zu kanalisieren bzw. zu steuern, ggf auch umzusteuern. Sind diese Idealismen nicht sedimentiert, handelt es sich um eine andere Klasse von Narrativen, von der ich hier nur sagen will, daß ihr Erzählhorizont mehr oder minder zielbewußt beschränkt ist und daher – mathematisch geredet – genau irgendzwei Personen einschließt.
So viel zu Schillo’s Titel und Erzählgestus.

Folglich verrät die Sedimentierung, welche Teile, welche Art Material im Narrativ die nämliche hübsche Form erhält bzw. erhalten soll.
Es handelt sich ohne Wenn und Aber um Waffen. Die narrativen Gestaltungen sollen Formen der Führung dieser Waffen und der Durchsetzung ihrer Gewalt (mit-)bestimmen.
Allein: Waffen haben keine Gewalt, vielmehr diejenigen, die sie führen.
Woraus wiederum folgt, daß nämliche Sedimentierung ein historisches Resultat ist, welches mindestens mehr als drei Generationen alt ist, andernfalls hätten wir wiederum eine andere Klasse von Narrativen am Wickel, nämlich diejenigen, die überwiegend dem Generationenzusammenhang gelten.
Selbstredend sind diese beiden Klassen notwendig verknüpft, es müßte diese Bestandteile aus den Erzählungen heraus destillieren, wer so bescheuert wäre, das leisten zu wollen.

Herrschaft und Unterwerfung

Wer mir bis hierhin gefolgt ist, kann das Gesagte zum induktiven Argument für die Abstraktion nehmen, die sagt: Der allgemeine Gegenstand der Narrative der beiden Klassen, von denen zuletzt die Rede war, sei der Reflexionszusammenhang von Herrschaft und Unterwerfung.
Dieser Umstand war nebenbei mein Grund, den im letzten Abschnitt genannten Basiszusammenhang argumentlos vorzustellen. Das Argument ist Waffengewalt und daher kennt jederman ihn. Das ist die Grundlage, auf der und derenthalber Narrative arbeiten.

Der Reflexionszusammenhang von Herrschaft und Unterwerfung ist, anders, als der eine oder andere Hegelianer verkennen könnte, nicht bloß formell, wie sich der Alte ausgedrückt hätte, nicht einer, welcher der Form und nur daher und eben so den Inhalten solcher Formen gilt. Man muß schließen, Schillo sei solch ein Hegelianer, anders machte sein Geschreibsel nicht mal recht „Sinn“ in Form von Verdienststreben. Die Sinnstiftung, die solch einen formellen Zusammenhang anspricht, ist in Schillos Beispielen nur im Nebenprodukt ein Angebot an den Pöbel, wie einige Kommentatoren richtig erkannt haben, wenngleich sie allesamt die Gründe dafür verkennen. Sie gilt der (Neu-) Formierung der Eliten und das ist Schillos Beispielen derart unverstellt zu entnehmen, daß ich behaupten will, der Mann ist buchstäblich irre geworden, indem er das nicht aufgenommen und zum Hauptthema gemacht hat.
Und diese Formierung der Elite hat erkennbar nicht die Fakten des Machtzusammenhangs zu Grundlage und Gegenstand, die sind ja nicht umstritten, handelt es sich doch im Kern um nichts als Personalien.

Nein, Gegenstand ist der sachliche Reflexionszusammenhang von Herrschaft und Unterwerfung, dessen Grundlage darin besteht, daß ein Herrschaftspersonal unweigerlich Bestandteil der gesellschaftlichen Arbeitsteilung ist, aus der es seine Bestimmungsmacht und seine Gewaltmittel bezieht. Dies Personal verschafft sich, je nach Stellung abgestuft, ein Privileg, diesen arbeitsteiligen Zusammenhang zu verändern, was nur bekräftigt, daß es ihm nicht weniger, nur anders unterworfen ist, als der Geringste unter den Untertanen.

Umgekehrt hat noch der Geringste derjenigen Untertanen, die in der gesellschaftlichen Arbeitsteilung aktiv sind, dieselbe Macht, sie zu verändern, selbst wenn er im Extremfall sämtlicher Machtmittel beraubt sei, sie geltend zu machen.
Just dieser Umstand bestimmt maßgeblich die ästhetischen Formen der narrativen Gestaltungen im Wege ihrer Verbreitung. Diese Ästhetik, ausschließlich sie, ist mehr oder weniger bewußt an den Pöbel adressiert, der sie zum Material individueller Sinnstiftung und Unterwerfung nehmen soll und regelmäßig nimmt, sei es in Gestalt ironischer Distanzierung und Verlachung, sei es mit einem mehr oder auch weniger militanten Willen zur Partizipation in der veränderten Herrschaft.

Titelschöpfung vs. Sinnstiftung

Wie und warum Schillo und der „Gegenstandpunkt“, auf den er sich beruft, dieses Angebot zur Partizipation nur scheinbar zurück weisen, tatsächlich kooptiert werden, wäre ein neues Thema. Vielleicht ein andermal. Doch ich will wenigstens die Anknüpfungspunkte im oben Gesagten näher bestimmen, die mich auf dieses Urteil führen.

Der Titel „Sinnstiftung“ verfehlt Inhalt und Arbeitsweise der nämlichen Klasse von Narrativen komplett, nicht etwa teilweise oder gar bedingt.
Die angesprochene Form von Sinnstiftung geht den Narrativen notwendig voraus, andernfalls arbeiten sie nicht und wären insofern nicht der Rede wert. Insofern und insoweit sie nicht voraus geht, tatsächlich „neuer Sinn“ gestiftet wird, hängt der nicht an den Narrativen sondern einer Deutungshoheit über sie und sind folglich allenfalls Resultat einer Konkurrenz um solche Deutungshoheit in der sich beliebiger „Sinn“ nach Bedarf einstellt, nämlich im Maße, wie eine solche Konkurrenz mit institutioneller Macht, also Waffengewalt, auf ihre Form verpflichtet und festgelegt wird. Wem das zu abgehoben klingt, ich komme gleich darauf zurück.

Indem der „Gegenstandpunkt“ und mit ihm Schillo „Sinnstiftung“ zum Begriff der angesprochenen Narrative erklären, ohne dies wirklich zu tun und tun zu können, geschieht etwas, das einer gewöhnlichen Herrschaftstechnik äquivalent ist – ich meine hier den mathematischen Begriff! – sie heben einen Titel für die Narrative aus.Titel werden ursprünglich und gewöhnlich von Herrschern oder deren Bürokratien ausgehoben und verliehen um die damit Geehrten und Geschlagenen auf ihre Funktion zu verpflichten und gewissermaßen festzunageln. Der Titel mitsamt einigen Gebrauchsanleitungen erklärt sie zum Bestandteil der Arbeitsteilung, in die sie eingebunden werden, die sie ggf auch verändern sollen, bevor sie realiter ein solcher Bestandteil sind. Der erste Auftrag der Titelnehmer besteht folglich darin, sich all die vorgefundenen Abhängigkeiten und Notwendigkeiten, die mit ihrer Funktion einher gehen, zu eigen zu machen.

Ganz analog geht es mit Titeln auf der Ebene schöngeistiger Produktion, namentlich beim Umgang mit Ideologemen und metaphysischem (Un-)Fug aller Art zu. Dem Zeug geht halt immer ein eigenartiger Zusammenhang voraus (wie immer einer die „Eigenheit“ im einzelnen bestimmen will) und so wußte schon der alte Schlawiner:

Denn eben wo Begriffe fehlen, da stellt ein Wort zur rechten Zeit sich ein.

(Goethe, Faust)

99,8% der Faust-Leser dürften „Wort“ an dieser Stelle mit „Geschwätz“ übersetzt haben und lagen damit ebenso richtig wie falsch. Gemeint ist ein Titel, oder mehrere von ihnen, und „Geschwätz“ ist das Wort für auf Titel gezogene Ansprüche, die der Sprecher sich zu indossieren weigert und weigern zu können /dürfen glaubt. Es ist übrigens wurscht, was sich der alte Schlawiner bei der Textzeile gedacht hat, die Antithese von „Begriff“ und „Wort“ beruft den Konkurrenzzusammenhang, der auf einen Herrschaftszusammenhang zurück geht, deshalb arbeiten solche Sinnsprüche ewig und drei Tage.

Das Wort Gottes

… ist die ebenso elementare wie ultimative Form dieses Zusammenhangs. TomGard-Kenner werden sich erinnern.

Warum, glaubt ihr, hat es seinerzeit praktisch in sehr beträchtlichem Umfang ausgereicht, massenhaft Leute zu zerstückeln, die sich nicht taufen lassen wollten, und die übrig Gebliebenen nass zu machen, um ein „Heiliges Römisches Reich“ zu errichten (deutsch wie fränkisch)?
Richtig. Weil das „Römische Reich“ den Bewohnern des größten Teils der angesprochenen Territorien „in der DNA“ steckte, wie ihr es heute ausdrücken wollt. Es bestimmte, wenngleich in Zerfallsprodukten, ihren arbeitsteiligen Zusammenhang außerhalb der Umkreise einer Tagesreise und daher auch innerhalb solcher Tagesreisen je nach Dichte ihrer Netzwerke.
Was in der südwestlichen Levante der heiligen Schrift nach Jahrtausende genozidaler Schlächtereien bedurfte (tatsächlich ging es a weng schneller) ging in Westeuropa ratzfatz – wenngleich wohlmöglich blutiger und brutaler – vonstatten, weil der monotheistische Machttitel bereits einmal mit Waffengewalt durchgesetzt ward und immer noch im Lebenszusammenhang der nachfolgenden Generationen weste.
Was dann noch fehlte, besorgten und bestimmten in sehr beträchtlichem Umfang die bereits vorher und erst recht nachher errichteten Klöster. Sie kooptierten die mehr oder minder patriarchal gestrickte Bevölkerung mittels arbeitsreicher Gestaltung der neuen, alten generativen und nicht-generativen Arbeitszusammenhänge und vielerorts hat es dafür kaum mehr Qualifikation bedurft, als eine mäßige Beherrschung einer Schrift und der Grundrechenarten.
Doch der unverzichtbare und allgegenwärtige Titel für solches Tun war, wie jeder weiß, die Berufung auf die schauerlichsten Quälereien der bekannten Geschichte unter dem Namen des Einzigen Gottes.

Was jetzt statt hat und Schillo bespricht ist nichts anderes. Nur a weng vermittelter und unblutiger, was nicht an „Zivilisiertheit“ liegt, oder vielmehr doch an ihr liegt, wenn man darunter die mehrtausendjährige Unterwerfungstradition versteht.

Naja, nun habe ich die Antwort auf die Frage, die ich heute nicht beantworten wollte, in allgemeiner Form vorweg genommen, aber mehr gibs dazu jetzt nicht.

Wie mein Verstummen damit zusammen hängt

Schillo, den „Gegenstandpunktlern“, vielen anderen Leuten, und eben auch mir ist vor Jahrzehnten geschehen – und alle Betroffenen haben es mehr oder minder geschehen lassen – was in Artikeln, wie den vorliegenden, zu Erscheinung und Ausdruck kommt. Jana könnte sagen: Wir haben unsere Körper verloren. Wir verloren jede Verankerung in einem konkreten, d.h. zugleich materiellen und immateriellen Krieg um gesellschaftliche Bestimmungsmacht.

Ja, ich weiß, was ihr denkt, und ihr habt nicht recht.

Gemeint ist weder die Abstandnahme von der politischen Konkurrenz, noch die Abstandnahme von etwas, das einst „bewaffneter Widerstand“ hieß. Keine Ahnung, was ihr heute unter solchem Widerstand verstehen wollt. Ich meine eine bewaffnete Machtergreifung, und nein, ihr habt abermals Unrecht, wenn ihr jetzt an Stalin, Pol Pot oder andere Titel denkt. Und wurscht, ich werde euch nicht korrigieren.

Denn ich will auf einen geistigen Verlust hinaus – um nicht zwiespältig treffender von geistLich zu sprechen – der darin besteht, daß Leute sich nurmehr in Diskurse einmischen können, die von bürgerlichen / imperialistischen Titelschöpfungen ins Werk gesetzt sind, ohne je noch imstande zu werden, Diskurse selbst auszuheben, oder vorfindliche zu bestimmen, nämlich außerhalb schwindender Kreise, welche primär von der elitär – rassistischen Konkurrenz um Köpfe und intellektuelle Anerkennung gestiftet worden sind, bevor ernsthafte Anstrengungen diesen immanenten Zusammenhang vielleicht ein wenig aufzulösen vermögen.

Gegen das unvermeidliche Schicksal, als der Geist, der ich einmal gewesen bin – der hockt nicht in der Neuronensuppe in meinem Schädel, dort kommt er nur persönlich zur Erscheinung – zu verrecken, hatte ich mich jahrzehntelang gestemmt, das war „TomGard“. All die Zeit jagte er wissentlich der Einbildung hinterher, er könne an den vorfindlichen Diskursen noch auf eine Weise teilnehmen, die erwünschte Spuren in anderen Neuronensuppen hinterläßt. Und sei es nur vermittelt über seine Sprechweise. Sag niemals nie. Was weiß denn ich.

Wenn meiner einer das nicht mehr tun kann, die Einbildung einer nurmehr realistischen Wahrnehmung der Diskurse, ihrer Form, ihrer Abfolge, ihrer beschleunigten Fortschritte weicht, und dennoch nicht schweigen mag, verfaßt er unvermeidlich Artikel, wie Schillo es neuerlich tut.
Nun ist derjenige, von dem hier die Rede ist, ja durchaus nicht übel. Wer sagt, Farcen seien übel? Obgleich ich Schillo nicht kenne, bin ich ziemlich sicher, es ist eine Farce, eine Reminiszenz an mehrfach durchmessene Kreisläufe, aber falls nicht – tant pis.

Ich nicht. Ums verrecken nicht, und jetzt, da ich physisch verrecke – wenn auch noch langsam, wie es ausschaut – gerate ich physisch außerstande, noch anderes, als biographische Notizen an mich selbst zu verfassen.
Warum? Weil mir die Weise abhanden gekommen ist, Adressaten ins Nirgendwo des Ungefähren meiner eigenen Zukunft zu phantasieren. Ich hätte vielleicht einigen jungen Menschen noch was zu sagen, in Gesprächen, in dem ich erkunden könnte, was sie in der Birne haben, um darüber befinden zu können, woran ich möglicherweise anknüpfen will, ergänzend zu dem, woran sie möglicherweise in meiner Rede anknüpfen wollten. Und bitte, ihr alten Knacker, männlich / weiblich, die ihr hier noch lest, entblödet euch bitte, euch verkleidet hier auslassen zu wollen, falls ihr auf diese Idee kommt, auch solche Episoden will ich nicht als Farce durchleben.

Ich wiederhole, Schillos Artikel ist nicht übel. Er verdirbt nichts, nicht bei den Leuten, an denen mir noch (theoretisch) liegt, allenfalls beschleunigt er das Verderben der o.a. Zombies, falls diese nicht auf ihre Weise „tomgardisch“ damit verfahren können. Die anderen werden Schillos Zeug mit ihrem Instrumentarium in die unterwürfigen Diskurse einbringen, die er anspricht. Dem dürfte er nichts hinzufügen. Andersherum ist es selbstverständlich möglich, daß in diesem Zusammenhang irgendwo Spalten und Brüche entstehen, die der Befassung wert sind, auch darauf nimmt Schillo keinen Einfluß.
Damit zurück zum letzten Absatz. Falls jemand eine konkret formulierte Frage zu einem Sachverhalt oder Zusammenhang stellen mag, der in diesem Blog angesprochen ist, soll er das tun. Ich werde anders damit umgehen, als in der Vergangenheit.

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6 Antworten zu Sinn und Form. Zum intellektuellen Verfallsprozess ehemaliger Marxisten inklusive meines Verstummens.

  1. tgarner9 schreibt:

    Ich hatte vergessen, daß TomGard das Thema „Narrativ“ schon mal zureichend behandelt hatte, in Kurzform nämlich, in der Vorrede zum Eintrag „Fall Skripal – Zusätze und Nachträge“ 2018, aber Google „erinnerte“ es natürlich.
    Die Kurzform war angemessen, weil der zählende Inhalt nichts als eine semantische Verallgemeinerung der Vorgänge gewesen ist, die ich besprochen hatte. Dies Verhältnis von „konkretem“ zu „abstrakt-allgemeinem“ ist das Moment am „Verfall“, das an Sachverhalte gebunden ist, alles andere ist es nicht. Ich zitiere nämliche Vorrede:

    Ein „russischer Einsatz einer Massenvernichtungswaffe auf britischem Boden“ ist, ich wiederhole mich, ein Sovereign Fact, an den die Regierung des UK und die Regierungen weiterer 16 imperialer Hauptstädte, sowie Institute des Imperiums, wie EU und NATO, ihre Autorität und, in einem erst noch zu bestimmenden Umfang, auch ihr Dasein gebunden haben. Er ist im Kern unumstößlich, kraft der militärischen Hoheit der genannten Institute über ihre Funktionäre und Bevölkerungen. Zu diesem Kern kann es folglich keine zweckmäßige Debatte geben, er ist zur künftigen Geschichte gemacht, Militärgeschichte, wie alle Geschichte, die nicht bloß akademischer und lithurgischer Pflege der Tradition der Sklaverei der letzten Jahrtausende dient.
    Ich würde am liebsten jedem, der dies Faktum nicht akzeptieren, nicht fressen mag, verbieten, den Rest des Eintrages zu lesen, er könnte ihn nur mißbrauchen. In jenem Kernbestand kommt es auf eine „Wahrheit über …“ nicht an, solche Wahrheit wird buchstäblich totgemacht werden.

    Aber die Narrative zum angeblichen und wirklichen Geschehen, die werden, unter der Bedingung der fortdauernden Konkurrenz der Metropolen und ihrer Institute, aus den oben genannten Gründen, für eine unbestimmte Zeit und in einem unklaren Umfang umstritten bleiben. Ich deutete das oben in dem Halbsatz an, die Autoritäten hätten ihr Dasein „in einem erst noch zu bestimmenden Umfang“ an diese Narrative gebunden. Sie werden, wie immer, um ihre Handlungsfreiheit und Deutungshoheit ringen. Deshalb ist es von einem theoretischen Standort aus nicht völlig daneben oder irre, sich mit diesen Narrativen weiter zu befassen.
    Von einem praktischen Standpunkt außerhalb der imperialen Konkurrenz aus, ist es total irre, capito?

    Zitat Ende …

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  2. tgarner9 schreibt:

    Eine grundsätzlichere Bemerkung zu bürgerlicher Ästhetik, angelehnt an eine Bemerkung Hegels zur „Aufklärung“, habe ich als Fußnote in „Grüß Dich, Franziska“

    Grüß Dich, Franziska

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  3. grünspan schreibt:

    Ja ich hätte da eine Frage zu https://tomgard.blog/2021/03/02/zbb-teil-0-begriffsklarungen/ „Dazu komme ich nicht mehr, noch weniger zu der Erklärung, warum ich folgende Definition im Wikipedia-Eintrag zu „Determinismus“ doppelt korrupt nenne:…“ „…die minimale Chance, daß jemand die gegebenen Links nutzt und die verlangte Eigenarbeit leistet …“

    Ich habe dort mit 2 Kommentaren geantwortet. Meine Frage lautet, warum Du meine seminalen Kommentare zum statistischen Determinismus nicht zugelassen hast?

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    • tgarner9 schreibt:

      Weil ich außerstande war, darauf einzugehen, Grünspan. Das gilt immer noch und liegt letztendlich daran, daß mein Ansatz daneben war / ist. Wenn ich nicht ganz weit zurückgehe, fast buchstäblich zu „Adam und Eva“, nämlich zum Subjektbegriff, kann er, denke ich, nur zu Grabenkämpfen entlang der Bruchlinien dieses Subjektbegriffs in den Kategorien führen, die essentiell die kant’schen sind, aber halt in der Form, wie sie im Alltagsbewußtsein vorkommen.
      Vulgo, für mich waren Deine Kommentare nicht wegweisend, sondern „zu ville“.
      Gut, daß Du mich erinnerst, ich werde den Eintrag übermorgen zurück setzen.

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    • tgarner9 schreibt:

      Hab mich anders besonnen, Grünspan. Werde den Eintrag nicht depublizieren. Bin so frech zu fordern, jemand der etwas dazu sagen will, soll die Wiki – Definition entweder verteidigen oder angreifen, ich wiederhole sie nochmal:

      Der Determinismus (von lateinisch determinare ‚festlegen‘, ‚Grenzen setzen‘, ‚begrenzen‘) ist die Auffassung, dass alle – insbesondere auch zukünftige – Ereignisse durch Vorbedingungen eindeutig festgelegt sind

      …und zwar mit der Vorgabe, das Ereignis sei:

      [Grünspan] fängt einen Dorsch

      … weil mit Rücksicht auf das im Eintrag zu Definitionen, Klassifikationen, Kladistik Gesagte bzw. Verlinkte. Vielleicht mit ein paar Nachsätzen dazu, ob es einen Unterschied macht, wenn der Dorsch stattdessen von einem Hai gefressen wird.

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  4. Pingback: Herrschaft, Benevolenz, Inquisition | Themen & Essays

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