„The NAZIS are back“

Dieser gefälschte NYT-Titel zirkulierte einige Tage in den sozialen Medien. Die Fälschung ist kreuzdoof: Ausgerechnet die „linken“ US-Faschisten zu Kronzeugen gegen die scheinbare oder tatsächliche Wiederkehr nationalsozialistischer Haltungen in den deutschsprachigen Eliten zu berufen, ist eine Idee, die sowohl von historischen wie ideologiekritischen Kenntnissen freigemacht wurde. Doch ein gewisses „menschliches“ Verständnis kann ich den Autoren nicht versagen.

„Linke“ und „rechte“ „Nazis“ oder Nazis

Ich erhebe mal Prof. Dr. Günter Kampf zum Kronzeugen.

Schon im ersten dokumentierten Interview zum Thema mit dpa vom 4.3.’20 zeigte der Professor seine volksgesundheitlichen Instinkte vor: Bekennend nichts Genaues nicht wissen, aber eben drum abwiegeln, nämlich gegebenenfalls zu Lasten einzelner Volksglieder zu Gunsten einer völkischen Lebensader, als welche solch ein Modell sich und anderen Geld vorstellt.

Nahezu militant diente sich der Kampf im „Alsterkast“ Ende Juni ’20 Sind und waren die Corona-Maßnahmen übertrieben? Prof. Dr. Günter Kampf im Gespräch einer einschlägig gepolten Moderation an.
Natürlich war der Professor zu diesem Zeitpunkt aus der Gnade des publizistischen Regierungsgefolges gefallen, dokumentiert in seinem unsäglichen eugenischen RUBIKON – Artikel aus derselben Zeit, den ich nicht verlinke.

Mehr als ein Jahr später verzeichnen wir in den „Nachdenkseiten“ den Artikel Söders Märchenstunde, anhand dessen ein naiver Leser eine „Wandlung vom Saulus zum Paulus“ unterstellen könnte. Maximal nüchtern referenziert der Kampf da Ausschnitte aus einer Fülle internationaler Studienergebnisse, welche der pogromartigen Propaganda gegen die ungeimpfte Minderheit den vorgeblichen medizinisch / wissenschaftlichen Boden entzieht und v.a. ihre Lügenhaftigkeit entlarvt.
Hervorheben will ich daran jetzt nur die Unzweideutigkeit, mit der gezeigt wurde, daß mit der Delta-Variante infizierte Geimpfte regelmäßig (nicht „immer“) Viruslasten zeigen, die denen ungeimpfter Infizierter äquivalent sind.

Doch damit fällt er jetzt erst recht „aus der Gnade“, und dies, obwohl „The Lancet“ es für angebracht hielt, Kampfs Aufruf COVID-19: stigmatising the unvaccinated is not justified“ zu veröffentlichen, der dieselben Quellen anführt, wie „Söders Märchenstunde“; vielleicht deshalb, weil die da zitierten Veröffentlichungen in der veröffentlichten Meinung Deutschlands, Östereichs UND des UK ebenso ignoriert werden, wie andere, die Kampf im Lancet-Brief The epidemiological relevance of the COVID-19-vaccinated population is increasing zitiert hat.

Ist aus dem „Saulus“ ein „Paulus“ geworden? Hat der Kampf seine völkischen Instinkte verloren?
Nö, im Gegenteil, nur sind die jetzt anders an das Konzept völkischer Einheit geheftet, als die seiner regierungsamtlichen Gesinnungsgenossen.
Bis März 2020 war die Regierung im wesentlichen demselben Instinkt gefolgt, wie der Kampf:
Ein gesunder Volkskörper, ausgestattet mit einem kampfkräftigen Gesundheitssystem, habe sich in seiner Konkurrenzfähigkeit, seiner Resilienz gegen ausbeuterische Zumutungen, gefälligst von einem China- oder Itaker-Virus nicht beeinträchtigen oder gar beschädigen zu lassen, ein „Gedanke“, der die Covid-Opfer automatisch zu Untüchtigen und Entbehrlichen deklarierte, so „tragisch“ das auch für einzelne Volksglieder sein möge. Die Einheit des Volkes ALS ein Mittel ihrer Herrschaft ist das Ideal dieser Gesinnung, sie stellt es in ihrer Propaganda im Wesentlichen nur auf den Kopf, indem sie die Herrschaft ALS Mittel des Volkes vorstellt und die „Volksgenossen“ praktisch (nicht „mental“) zwingt, diese Vorstellung zu teilen, nämlich mit Hilfe von Revolvern, Maschinenpistolen und Knästen; weshalb aktuell die oberste Maxime lautet: „Das Gesundheitssystem schützen“ – vor den Kranken nämlich …

Der Professor Dr. Kampf ist also ganz „auf Linie“, nur ist er so doof, es nicht zu wissen, genausowenig, wie seine regierungsamtlichen Gegner es aktuell wahr haben wollen.

Die NAZIS sind demokratische HUNDE, die in der Pfanne verrückt werden – und genau so nützlich werden

Scientists warn of new Covid variant with high number of mutations titelte der Guardian gestern mit Blick auf die Variante B.1.1.529, die heute in aller Munde ist. Die Kernbotschaft: Es könne gut sein, daß diese Variante im Falle ihrer Verbreitung die verfügbaren Impfungen noch weiter entwertet, als die Delta-Variante das schon getan hat, siehe die Mitteilungen vom Kampf oben.

Die einzige Nebenbotschaft des Artikels zitiere ich:

Prof Francois Balloux, the director of the UCL Genetics Institute, said the large number of mutations in the variant apparently accumulated in a “single burst”, suggesting it may have evolved during a chronic infection in a person with a weakened immune system, possibly an untreated HIV/Aids patient.

Ja, das entspricht dem unreflektierten Standardwissen über virale Mutationsquellen und auch die Spekulation eines Zusammenhangs mit HIV ist nicht aus der Luft gegriffen.
Ich will aber genauso spekulativ (und mit gewiß geringeren Kenntnissen, als der Balloux sie hat) etwas anderes anmerken.
Über CoV-2 ist nun wahrlich hinlänglich bekannt, daß es chronische Infektionen verursachen kann, ohne daß das Immunsystem des Patienten geschwächt ist. Das Virus „überlebt“ unter Umständen, d.h. repliziert, in kleinen Gefäßen, spezifischen Organen, ähnlich, wie Herpes-Viren das tun, besonders, wenn das Immunsystem des Patienten gestört ist, wie das in vielen (nicht allen) Fällen von „Long Covid“ vorkommt, aber letzteres ist keine notwendige Bedingung. Es sind Einzelfälle bekannt, in denen symptomarme, zeitweise auch symptomlose Patienten über viele Monate hinweg befallen blieben und teilweise – nicht immer – dabei auch wiederholt infektiös wurden.
Ein Infektionsweg in solchen Fällen ist halt der Geschlechtsverkehr, neben anderem Austausch von Körperflüssigkeiten, namentlich Tränenflüssigkeit.

Eine Besonderheit vieler afrikanischer Gesellschaften ist der Umstand, daß Metropolen mit gewaltigen Slumgürteln von kleinen, relativ weit voneinander entfernten Kommunen umgeben sind, die Verkehr mit der Stadt haben, aber wenig untereinander. Solche Kommunen werden genau dann zu Brutstätten von Mutationen, wenn Infektionen durchlaufen, die ihre Opfer fordern, und dann symptomlose oder symptomarme chronisch Befallene in einer ansonsten zeitweise immunen, Population hinterlassen. Denn dann werden halt neue Varianten in ihrer Entstehungsphase statistisch nicht von Reinfektionen mit älteren und hinreichend erfolgreichen Varianten dominiert.

Aber das ist in meinem Zusammenhang nur ein Nebengedanke. Es geht mir beispielsweise um Madhukar Pai, Professor & Canada Research Chair of Epidemiology & Global Health @McGillU. Associate Director, @McGill_TB. Editor-in-Chief @PLOSGPH (Twitter-Profile)

(Nehmt bitte auch die Antworten zur Kenntnis – wenigstens teilweise.)

Dieser Mann kann mit üblichen Maßstäben absolut nicht als „Nazi“, gelten, guckt ihr hier:
Will global health survive its decolonisation? (Nov. 2020). Aber er ignoriert zwecks Parteinahme für das „demokratische“ Ziel einer global gerechten Verteilung der Impfstoffe sein Wissen über Virus und Zusammenhänge, unter Benutzung seiner elitären Autorität; und wird so zum Büttel der regierungsamtlichen Nazis oder „Nazis“ von „links“ und „rechts“.

Derweil in Deutschland:

https://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-952161.html

Die Nazi-Kronzeugin lügt und betrügt, was das Zeug hält. Life-Ticker-Text:

Umgeimpfte sind laut Immunologen die Treiber der aktuellen vierten Welle in Deutschland. Christine Falk, Präsidentin der Deutsche Gesellschaft für Immunologie, sagte im ARD-Morgenmagazin, dass es dabei vor allem die Jüngeren seien, die einem hohen Ansteckungsrisiko ausgesetzt sind. Laut Robert Koch-Institut gab es bislang 262.000 Impfdurchbrüche – das sei aber angesichts von 57 Millionen Geimpften in Deutschland ein sehr sehr kleiner Anteil, so Falk. Er liege bei unter 0,5 Prozent. Geimpfte, die sich anstecken, seien im Vergleich zu Ungeimpften darüber hinaus über einen deutlich kürzeren Zeitraum infektiös – auch hier sei der Vorteil der Impfung „riesengroß“ im Vergleich zu Ungeimpften.

Aber sie tut das, nach allem, was wir mit Fug sagen können, WEIL ihre Kernbotschaft, technisch gesehen, KORREKT ist. Die Kinder und Jugendlichen waren in den vergangenen Wochen deutlich die Treiber der Inzidenz. Die altersspezifischen Rohdaten lassen erkennen, daß das Virus in einem großen Teil der Infektionsketten von Kindern und / oder Jugendlichen erst untereinander, dann auf die Elterngeneration, dann erst auf Großeltern überging. Aber der GRUND – im Unterschied zu URSACHE, vgl. diesen Kommentar – dafür ist nicht der Umstand, daß die Jüngeren ungeimpft sind (das sind sie überwiegend unwillkürlich), sondern daß die hohe Durchimpfungsquote der Erwachsenen sie nicht schützt.

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Eine Antwort zu „The NAZIS are back“

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