CoV-2 Mutanten

Im Eintrag „The NAZIS are back“ hatte ich ein paar Zitate und Bemerkungen zur Variante B.1.1.529. Jetzt klaue ich mir einen Kommentar des TP-Users „In der Sache“, der das Gesagte erheblich ausbaut und verfeinert.

Ein guter Teil der Spike-Mutationen macht den Eindruck, daß die typischen und effektiven Mutationen von anderen Variants-of-Concern hier zusammengerührt wurden. Alleine wegen Art und Zahl der Austausche in der RBD habe ich schon geschluckt.
Hier mal ein etwas anders gestricktes Szenario, wie es zu einer solchen vielfach mutierten Variante kommen kann, die zwar unabhängig entstanden ist, aber doch viele Merkmale anderer Mutanten in Spike reproduziert.
Ausgangspunkt ist die klinische Beobachtung, daß nach Genesung von mittelschweren hospitalisierten Fällen ein gewisser Stand von mutierten Antikörpern erreicht ist, die zum Entlassungszeitpunkt rund 6 Wochen nach Infektion nicht alle wichtigen Virusvarianten neutralisieren. Überraschend wurde festgestellt, daß die gleichen Personen 6 Monate nach Erkrankung eine andere Antikörperzusammensetzung hatten, die so aussah, als ob die Immunantwort nicht lehrbuchmäßig abgeschaltet wurde, sondern weitere 4 1/2 Monate gelaufen ist, und dann Antikörpermutanten aufwies, die jetzt praktisch alle wichtigen Virusvarianten neutralisieren konnten (Autoren u.a. Labor Nussenzweig). Man könnte schon zu einem Bild kommen, daß der evolutionäre Wettlauf zwischen Immunsystem + hypermutierenden Antikörpern einerseits und dem mutierenden Virus andererseits ein Dauerwettbewerb ist, bei dem routinemäßig der Virus sein Variantenrepertoire durchspielt, um dem darauf reagierenden Immunsystem wegzulaufen. So ein Modell macht weitgehende Veränderungen des Virus in jedem einzelnen Individuum zum Regelfall: die „bösen“ Varianten, die als „Fluchtmutationen“ im Sinne der Impfkritiker des Teufels sind, sind keine seltenen Ereignisse (und deshalb weiß ich schon wie gegen dieses Modell hier gespuckt werden wird), sondern entstehen recht normal und können recht normal bei guter Immunabwehr eliminiert werden. Selten ist dann höchstens ihre zufällige Weitergabe, die dann zu einer sich lokal und darüber hinaus etablierenden Verbreitung führt, bzw. die Weitergabe ist nicht mehr so selten wenn die Erkrankung in einem immunkompromittierten Patienten passiert (in der Literatur gibt es so einen über fast 4 Monate verfolgten Fall, mit atemberaubendem Hin und Her der Virusmutation versus Antikörper-Reaktion darauf) und dann ein Übertragungs-Herausspringen aus dieser Person wahrscheinlicher ist. Man darf jetzt auch sehr vorurteilsfrei 1 + 1 + 1 oder Südafrika + HIV + Immunkompromittiert zusammenzählen.
Bei einem solchen Modell kann dann auch ein Virus wie B.1.1.529 entstehen und in die allgemeine Population entkommen: eine individuell neu entstandene Kombination von einer Vielzahl Mutationen, die sich schon in anderen Virus-Varianten für die Verbesserung der Infektiosität bewährt haben, plus etliches an individueller Mutationslast, das letztlich neutrales „Rauschen“ des Mutationsprozesses anzeigt und nicht immer unbedingt eine positiv selektionierte Veränderung ist.

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