„Falsches Bewußtsein“; Besitz & Eigentum; Verstaatlichung der Leiber

Prolog

Anläßlich des Prostitutionsverbotes in Schweden 2013 hatte ich eine kurze Debatte geführt, die ich jetzt zufällig wieder aufgefunden habe. Meinen untenstehenden Beitrag dazu habe ich redigiert und, in Klammern gesetzt, ergänzt. Ich gebe also kein Abbild des Diskurses und habe deshalb die Teilnehmerin, Rahab, vor dem Eindruck in Schutz zu nehmen, sie käme darin schlecht weg. Ich hatte mich viel zu undeutlich ausgedrückt, u.a. deshalb, weil meine elliptische Redeweise auf den Debattentext verwies, eine an Berichte, Reflektionen und Erfahrungen Prostituierter angelehnte Darstellung der professionellen Realitäten des Geschäftes und dessen gesellschaftlicher Rolle und Funktion. Hier die alten Verweise, die noch arbeiten:
Leib ohne Trieb – von der Prostitution zur Sexarbeit
Theodora Becker (audiofile)
Zusätzlich ein Textsplitter zu Magnus Klaue:

Magnus Klaue, der in einigen Wochen im Ca-Ira Verlag ein neues Buch veröffentlichen wird, kritisiert die Verwandlung von Sexualität in „Arbeit“, wie sie sich exemplarisch an den Werken von Beatriz Preciado studieren lässt, die keinen Unterschied zwischen Sexualität und Prostitution kennen und das inkommensurable Moment des Triebs durch totale Technifizierung des Sexus zu tilgen suchen. Klaue versucht zu zeigen, inwiefern die „postfeministische“ Körperpolitik Emanzipation nur noch als restlose Selbstzurichtung subjektloser Subjekte kennt, denen Unbewusstes, Trieb und Leib nichts anderes sind als Objekt und Resultat von Wahlentscheidungen und „Einschreibungen“, mithin Ausdruck totaler Vergesellschaftung.

Ich verwende mein Fragment, weil darin wie in einer Gemmensammlung Grundmuster der im Titel adressierten Zusammenhänge aufscheinen, besonders deutlich das Verständnis bzw. Mißverständnisse zu den Kategorien „Besitz“ und „Eigentum“ nebst ihrem Verhältnis. Dazu schreibe ich in einem Epilog noch was.
Zugleich ist der Zusammenhang dieser Gemmen oder Muster zumindest für mich deutlich in dem kurzen Gespräch repräsentiert. Sie fließen zusammen in den bürgerlichen Kardinaltugenden – also deren Praxis – und den zugehörigen Ideologien.
Das hat ein eigenes Grundmuster, das ihr, wennn ihr wolltet, in dem uralten und elend langen Text Menôn, von Plato, studieren könntet. Um das Muster wenigstens ansatzweise namhaft zu machen, zitiere ich daraus einfach die Einleitung und den Schluß:

Menon: Kannst du mir sagen, Sokrates, ist die Tugend lehrbar? Oder ist sie nicht lehrbar, sondern eine Sache der Übung? Oder ist sie weder Sache der Übung noch des Lernens, sondern etwas, das den Menschen von Natur oder auf irgend eine Weise sonst zuteil wird?

Stunden später:

Sokrates: Gemäß unserem Schlüsse also, Menon, scheint es uns, daß die Tugend denen, welchen sie zuteil wird, durch ein göttliches Geschick zuteil werde. Das Sichere hierüber aber werden wir erst dann erkennen, wenn wir, statt zuerst zu fragen, auf welche Weise den Menschen die Tugend zuteil werde, zuvor zu untersuchen unternehmen, was die Tugend an und für sich sei.

Auch dazu mehr im Epilog

Ehrbarkeit

Wenn zweie Dasselbe tun, soll es nicht dasselbe sein. Der Dienst der Hure, die Hure selbst, wird herab gesetzt gegen sexuelle Dienste und/oder Spielchen, bei denen kein Geld fließt.

Ich unterstelle, das erscheint euch nicht als eine zwingende Konsequenz des Phänomens Prostitution. (Anm.: Geschichtlich war es das nicht)

Das herab Gesetzte ist nicht materiell. Nicht der Geldfluss, nicht geldwerte Dienstleistungen abstrakt allgemein werden herab gesetzt, und die vergoltenen Leistungen werden nicht – zumindest nicht in erster Instanz – an sich selbst unterschieden. Die Ehrbarkeit – resp.. die Unehrenhaftigkeit – ist also eine gesellschaftliche Qualität.

Die Gesellschaftlichkeit der verglichenen Handlungen ist sowohl ökonomisch, wie politisch bestimmt (Familie!), sie werden also über das Binnenverhältnis des politischen zum kommerziellen Anteil des jeweiligen gesellschaftlichen Vorgangs verglichen und beurteilt.

Dann ist das gesuchte Dritte (Anm.: gemeint ist das Mass für Ehrenhaftigkeit UND Unehrenhaftigkeit) keine Qualität, sondern eine Quantität, die mittelbar (weil immateriell) über das genannte Verhältnis indiziert bzw. skaliert ist, und wir können sie jetzt bestimmen zum Ideellen Gesellschaftlichen Nutzen (IGN), der historisch am weiblichen Leib und seiner sexuellen Funktion fixiert worden ist.

Das Gesuchte ist der Volkskörper, wie er im faschistischen Ideal des Citoyen einerseits, und im demokratischen Ideal der Volksgesundheit andererseits figuriert. (Anm.: … und das weiß „eigentlich“ ein jeder – die Idealität des Maßes IGN ist der Altar über einer Gruft mit den Knochen gezüchtigter und gefesselter Frauen- und Männerleiber, über welche sich der Postmoderne erhaben dünkt) Die „Ehrbarkeit der Gesponse“ (egal, ob amtlich / kirchlich gebunden, oder nicht) ist heute ein völkischer Charakter in „demokratischer“ Gestalt, d.h. vorgestellt emanzipiert von dessen ständischen und tribalen Vorläufern. So erscheint dieser ideelle Volkskörper vor der Emanzipation der Herrschaft aus ständischen und tribalen Schranken im theologischen Menschenbild des Christentums, im „Kult des abstrakten Menschen“ (Marx), also des Unterworfenen „sans phrase“.

So lang die Prostitution mittelbar ein staatliches Institut war (soll heißen vor einem Verbot, in welchem ein Staat sie sich zur eigenen Sache aneignet) blieb der sexuelle Volkskörper Gegenstand und Eigentum sekundärer Instanzen. In erster Instanz war dies das Rechtssubjekt, das seinen sexuellen Leib in den Schranken allgemeiner strafrechtlicher Regeln zu führen hatte. (In zweiter Instanz waren es Familien, vertreten durch ihre Patriarchen (männlich / weiblich), Familienverbände (vertreten durch Sippenchefs und Dorfvorsteher, einschließlich der Pfaffen.)
Es erscheint paradox, aber das gilt just für die alten bundesrepublikanischen Unzuchtsparagraphen.
Die Rechtsbrüche, die sie schufen, blieben von beliebigen anderen kriminellen Handlungen ungeschieden, sie sollten dem gesellschaftlichen Verkehr gemäß einem abstrakt-allgemeinen Sittlichkeitsbegriff Schranken auferlegen, (worin sie der urbanen Zerlegung und Zerstörung der o.g. Autoritäten Rechnung trugen.) In diesen Gesetzen figurierte der sexuelle Volkskörper nicht als ein gesonderter Leib, als welchen das Verbot den Leib einer Hure bzw. eines Freiers setzt. Der sexuelle Leib figurierte in der „Unzucht“ als derselbe, der vermittels oder im Verlauf jeder anderen Form von Entäußerung Gegenstand von Verletzung und Nötigung werden kann, (nur war der Maßstab von Verletzung und Nötigung nicht auf den handelnden Willen und leidenden Leib, sondern auf einen ihm ideell übergestülpten sittlichen Leib und Willen bezogen.) Daß dieser Maßstab vorbürgerlichen Normen folgte, war schlicht eine Erscheinungsform der Kontinuität ordnungspolitischer Volkszucht in bürgerlicher Volksgesundheit.

(Folglich:) Nach der Legalisierung der Prostitution, durch die sie ein gesondertes Institut wurde, ist ein Verbot etwas anderes, als es das (in voran gegangenen Sittlichkeitsgesetzen) war. Es setzt eine Enteignung und Verstaatlichung des Volkskörpers, weil es den sexuellen Leib gesondert zum Gegenstand nimmt, nicht mehr nur als einen Bestandteil des Leibes als des veräußerlichen und (gemäß der Eigentumsordnung) zwingend zu veräußernden Eigentums eines Individuums, dessen sexuelle Ent- und Veräußerung eine unter vielen anderen Tätigkeiten und Geschicken des gesellschaftlichen Verkehrs ist.

(Anders gesagt: Das Verbot der bereits institutionalisierten Prostitution setzt sexuellen Verkehr, sexuelle Entäußerung abstrakt – allgemein unter einen staatlichen Vorbehalt, es setzt ein Rechtsverhältnis, in welchem die Individuen Treuhänder eines sexuellen Leibes werden, der dem Staat gehört. Im sexuellen Verkehr der Individuen wird auf diese Weise ein Übergang gesetzt: Je nach Nachbarschaft und Nähe sexueller Handlungen zum Tatbestand, zu welchen das Gesetz „Prostitution“ erhebt, findet infolgedessen ein Besitzwechsel an den sexuellen Leibern der Betroffenen statt – sie gehen von der Treuhandschaft in Staatseigentum über.)
Auf diesem Wege wird die „Ehrbarkeit“ der Ehefrauen und Gesponse am individuellen Körper materialisiert, freilich ohne deshalb ihren immateriellen Charakter einzubüßen: der demokratisch enteignete sexuelle Volkskörper wird identisch mit seinem Fetisch.

TomGard„… welches manche dazu bringt, prostitution mit organhandel zu verwechseln.“ Was meinst Du ?

rahab ich meine die rede von sich oder den körper verkaufen.
genau das geschieht ja nicht!

TomGard Quatsch. Das geschieht immer, ob Du putzen gehst, oder in einer geisteswissenschaftlichen Fakultät Seminare abhältst. Aber ich sollte wohl besser die Frage ‚Was ist „Eigentum“‘ als Kardinalfrage verstehen.

rahab nein. nach ende von putz- wie seminararbeit nehme ich meinen körper wieder mit nachhause.
mir scheint, es scheine so, als sei putz- wie seminararbeit besser zu berechnen. oder die empfänger dieser arbeit/dienstleistung haben den eindruck, sie behielten tatsächlich etwas zurück, nachdem ich wieder nachhause gewackelt bin. oder beides.

TomGard Was ist mit der Sklavin, die ein/e Herr/in zur Be-Lustigung benutzt?

rahab die sklavin of all three+x sexes ist in der sexarbeit eher nicht der regelfall.
und wo ja, hat der sklavenhalter in aller regel ein interesse daran, sie an einem stück und lebend zu erhalten/ zurückzubekommen.
im übrigen: auch die sklavin kann sich selbst ent-leiben – und dann ist sie tot. nur noch für nekrophile zu gebrauchen.
war’s das mit dem exkurs?

TomGard „nur noch für nekrophile zu gebrauchen.“ Das „Eigentum“ der Sklavin an ihrem Leib besteht folglich darin, ihn in der Funktion des Knechtes ihres Herrn zu kommandieren, so wie der Knecht die Magd und das Vieh kommandiert?

rahab kennst du http://www.gedichte-fuer-alle-faelle.de/allegedichte/gedicht_2129.html ?
ein selbstläufer ist das mit der funktion nicht. ein bißchen was muß der herr Knecht schon noch selbst tun.
und was genau kommandiert der freier an der sexarbeiterin?

TomGard Der Punkt ist doch unter dem Link ausführlichst beschrieben und auch benannt. Nicht der Freier kommandiert, die Hure tut es in seinem Dienst.
Der Preis des Geldes ist Abstrakte Arbeit, sei es in dinglicher (Waren)Form veräußerlich, oder im Arbeitsprozess ent- und veräußert. Die Hure, wie jeder andere dem Produktionsprozess des Kapitals eingegliederte Produzent, folgt unweigerlich den Formwandlungen der Warenproduktion, indem sie ihren Leib und alles, was sonst noch dazu gehören soll oder mag, zum Organ abstrakter Arbeit gestaltet. Dann IST er das auch. Alle theologischen Vorbehalte gegen diese Gestaltung sind eben das: theologische Vorbehalte, die aus Sicht des Kapitals allenfalls Ausblicke auf RESSURCEN der ihm einverleibten Lebensprozesse erlaubt, die noch zu erschließen wären. Oder schlicht:
Warenproduktion im Kapitalismus ist Umwandlung von Lebenszeit in Arbeitszeit, Full Stop.
Das beliebte Mißverständnis, das hier zugrunde liegt, und in vielfältigen Formen vorkommt, beruht technisch gesprochen darauf, daß die Einverleibten, die zugleich Akteure der Einverleibung sind, in ihrem Lebensprozess das Verhältnis dessen, was sie in Warenform entäußern, und dessen, was sie zum Zwecke der Pflege und Gestaltung des warenförmigen Leibes an Ressourcen direkt für sich verwenden müssen und dürfen (!), gemäß den Widersprüchen des Klassengegensatzes und des Klassenkampfes bewirtschaften.
Diese Widersprüche folgen ebenfalls der Warenform: Da steht das Kommando über die Arbeits- und Lebensprozesse als relative Wertform gegen die Geldform, „Preis des Geldes“. Über das historische Schicksal beider Formen in der Hurenbranche, berichtet Magnus Klaue in dem Text, den er Theodora Becker verlesen läßt, umfangreich und wahrscheinlich, trotz der moralisierenden Abstraktionen, einigermaßen treffend. An den Stellen, an denen der verlesene Text pathetisch wird, und an den anderen, an denen Becker ihn emphatisch kommentiert, bricht er aus der Form aus, die er darstellt, präsentiert als „widerständigen Rest“, was subjektive Form der Bewegung des Klassengegensatzes ist..
Auch diese Deutung ist not-wendig, und in diesem Sinne „nicht falsch“ – Zum Fehler wird sie erst, wenn der „widerständige Rest“ zur selbständigen Kategorie eines iwie „Menschlichen“ substantiviert wird, gemäß des Grundmusters der naturalisierenden Theologie oder der theologischen Naturalisierung. Und das ist der „Hauptwiderspruch“ zwischen uns beiden, Rahab, nicht wahr? Du haßt die Kategorien der politischen Ökonomie und fliehst sie, wie der Teufel das Weihwasser. Aber zugleich bilden sie, wie Du wohl weißt, die VERACHTETEN Grundlagen Deiner „höheren“ Weisheiten und Beweihräucherungen von Diesem oder Jenem. Ist es nicht so?

rahab SO ist es nun mal nicht.
allerdings interessiert mich gemeinhin der „widerständige Rest“ mehr als dem TomGard zum plaisir stundenlang die warenform runterzubeten.
und der witz ist: andere interessiert der auch. weshalb ja so viele fantasien dran gehängt werden.ganz am rande: im CH fand ich „§ 129 Gesetzt, die Gattin eines Mannes ist ertappt worden, wie sie bei einem anderen Manne gelegen hat, so wird man sie (beide) binden und ins Wasser werfen. Gesetzt, der Gatte will seine Gattin leben lassen, so wird der König seinen Sklaven (auch) am Leben lassen.“
auch so geht umgang mit dem „widerständigen Rest“.
da war der olle Hammurapi wesentlich freizügiger als der staat Schweden, welcher sich sämtlicher frauenkörper bemächtigt hat.

TomGard So sei es. Nur mag ich mich der Gelegenheit halber nicht enthalten, mit dem Finger darauf zu zeigen, wie Dich Dein Standpunkt in Verwirrung stürzt.
Freizügiger als der staat Schweden, welcher sich sämtlicher frauenkörper bemächtigt hat, schreibst Du, und (scheinbar) urplötzlich hast DU in einem metaphysichen Handstreich den „widerständigen Rest“, den Du einen Atemzug vorher noch gefeiert hast, dem Orkus überantwortet.
Der „sexuelle Leib“, der FETISCH, den der schwedische Staat rechtsförmlich enteignet, existiert dann halt auch nur in DIESER FORM.
Deshalb brauchts doch die zugehörige Gewaltätigkeit. Zwar müssen die Frauen (und Männer) ihre Leiber gemäß den Vorgaben dieses Instituts und der weiter oben besprochenen, direkt oder mittelbar dazugehörigen Institute bewirtschaften und dieser Form gemäß machen, aber solches Tun schafft keine „Identität“. Es sind also nicht „die Frauenkörper“, die da verstaatlicht werden, die Leiber von Individuen, sondern ein, bzw. der Frauenkörper, wie er ideeller Bestandteil eines doch bitteschön nicht weniger ideellen, vorgestellten „Volkskörpers“ ist. Doch diese Vorstellung ist halt in strafbewehrten Normen des Gesetzes und der Sittlichkeit fixiert und in dieser Gestalt ist dieser bloß vorgestellte Leib ein reales Ding in den Verkehrsverhältnissen der Leut, folglich ihres Verhaltens zum eigenen Leib.

Die Verwechslung hat zum Ziel, daß Du im nächsten Schritt – nicht hier, sondern in einem folgenden Gedanken oder Posting – das „Uneingelöste“ der Identität, der Enteignung, wieder als „Uneinlösbares“ feiern kannst.
Das Verfahren erbringt neben der begrifflichen Verwirrung nur pfäffische Emphase (sorry), in immer neue belletristische Figuren gekleidet.

rahab irgendwie lustig. ich stelle – wie du auch – fest, da gibt es etwas, das kann man „widerständiger Rest“ nennen. und flugs krieg ich von dir ein feiern untergeschoben.ich vermute mal: dass du so wütig wirst, das liegt am „widerständigen Rest“. also an dem, worüber dritte keine gewalt haben. und das im preis auch nicht inbegriffen ist.wesentlich freizüger trifft es nicht richtig. klüger vielleicht. dem ollen Hammurapi war wohl klar, dass es dinge gibt, welche er den leutz selbst überlassen muß. dinge, die er nicht unter ein allgemeines gesetz zwingen kann.
anders hingegen glaubt man im allerchristlichsten Schweden.

TomGard… “widerständigen Rest”. also an dem, worüber dritte keine gewalt haben. und das im preis auch nicht inbegriffen ist.
Jetzt bin ich baff. Ich ging davon aus, daß der verlesene Becker / Klaue – Text eine gemeinsame Grundlage ist. Da wird ausführlich, und nicht bloß abstrakt, anhand der Dynamik des Hurengeschäftes in den vergangenen Jahren, beschrieben, wie der GESAMTprozess der Produktion des Kapitals (deshalb führte ich den anfangs gleich als übergreifendes Datum ein) die Warenform des sexualisierten Leibes und damit die relative Wertform und Äquivalentform des Geschäftes REGIERT. REGIERT! Die dazugehörige Gewalt tun sich die Leut bei konstanter Gesetzeslage selbst an, und die Entwicklung ist im Preis nicht nur inbegriffen, sie IST für die Individuen Bestandteil des Preises der Arbeit, wie der Lust.

rahab herzelchen, am ende bleibt: wer ficken will, muß freundlich sein.

Epilog

Hinsichtlich Besitz und Eigentum kann man merken, wie ich oben implizit auf dem marxistischen Eigentumsbegriff bestehe. Ich mag nicht zum 120sten Mal die „Grundrisse“ zitieren, also in meinen Worten:

„Eigentum“ ist das leibliche plus außerleibliche Inventar des Lebensprozesses eines Individuums. Das erste und übergreifende Eigentum eines Individuums ist daher das Gemeinwesen, in welchem und vermittels dessen er sein leibliches Dasein abwickelt und gestaltet. „Übergreifend“ nenne ich dies Eigentum in dem Sinne, daß vermittels der Verkehrsverhältnisse des Gemeinwesens jedes einzelne Element des Eigentums eines Individuums ein Aggregat dieser Verhältnisse ist, was Art und Umfang der Aggregierung selbstredend nicht vorweg nimmt – die ist Resultat der Beschaffenheit der Zusammenhänge individueller Verkehrsverhältnisse im und also vermittels eines Gemeinwesens.

Hält man sich an diese Begriffsbestimmung, heißt „Besitz“ diejenige Phase gesellschaftlicher Eigentumsverhältnisse, in der die Aggregierung der Elemente des Eigentums stattfindet, in marxistischer Redeweise heißt diese Phase „Aneignung“, und ich will der Betonung halber hinzu fügen, daß diese „Aneignung“ selbstredend ein Zueignungsprozess ist.
(Anm.: Die Bewegung von An- und Zueignung adressierte Piaget in seinem epistemisch – entwicklungspsychologischen Schema von „assimilation et adaption“, das bis heute von fast allen Rezipienten mutwillig mißverstanden wird)
Zueignung soll hier heißen: Die „gesellschaftliche“ Qualität, die der bürgerliche, wie der theologische Verstand überhaupt, vom Begriff des individuellen Eigentums im Moment der Aneignung abzutrennen pflegt (um sie dem individuellen Eigentum bei Bedarf sekundär wieder anzuhängen, dann gemäß individueller „Interessen“), ist von vornherein nichts anderes, als das individuelle Eigentum. Jenes hat kein anderes Dasein, als dieses.
Für Leute, die intellektuellen Unarten anhängen, wichtig an diesem Zusammenhang: „Gesellschaftlichkeit“ ist keine Formbestimmung von etwas, das substanziell den Individuen angehöre, sondern das „Individuelle“ und das „Gesellschaftliche“ sind fallweise zu unterscheidende Formbestimmungen der o.a. An- und Zueignungsprozesse.

Zum „Menon“ wollte ich eigentlich viel mehr schreiben, als ich jetzt einlöse, denn der bisherige Text erscheint mir wert, ihn nicht mutwillig zu überladen. Daher nur ein methodischer Hinweis.
Zwischen den im Prolog zitierten Absätzen steht eine elend lange „Debatte“ von Elementen, die abstrakt allgemein den eben skizzierten An- und Zueignungsprozessen angehört. Platon will das Debattierte zugunsten eines ideellen „An und Für Sich“ durchgestrichen wissen, und diese Bewegung ist dieselbe, wie Aristoteles sie im Gleichnis von „Achill und der Schildkröte“ aufnimmt und in seiner ganzen „Physik“ weiter führt, ganz genau so, wie das am feierlichen End fast jeder Wissenschaftler UND Pfaff bis auf den Tag tut: „Der Mensch“ – ob als Beobachter oder Teilnehmer – wird in eine Phänomenologie auf eine Weise hinein gerechnet, die erlauben soll, „ihn“ wieder „heraus zu rechnen“, sodaß eine „Objektivität“, ein „an und für sich“, eine „Substanz“ verbleibe. Was tatsächlich bleibt, sind Artefakte eines „Uneingelösten“, „Uneinlösbaren“, „inkommensurablen“ und eben auch, wie oben, jenes wahrhaft theologischen, „irreduzibel“ gedachten, „widerständigen Restes“.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu „Falsches Bewußtsein“; Besitz & Eigentum; Verstaatlichung der Leiber

  1. tgarner9 schreibt:

    Ich park hier mal einen nebenbelagerten Beitrag von Meinhard Creyd. Streicht die letzten beiden Absätze und das Ding geht einigermaßen in Ordnung:
    https://www.heise.de/tp/features/Individuelle-Machtspiele-und-der-Gefallen-am-Gefaelle-6298448.html?seite=all

    (PS.: Ganz kurz die fällige Kritik: Implizit tut Creyd so, als sei es iwie erzwungen oder unvermeidlich, daß Leute sich zu den Charaktermasken der Konkurrenz, die sie zu bedienen, anzunehmen und auszufüllen mehr oder minder gezwungen sind, identitär verhalten (wie man das heute wohl nennt). So daß umgekehrt ein kausaler Zwangszusammenhang zwischen Eigentums-/ Staatsordnung und ihn angehöriger Subjektivität bestünde. Das ist nicht der Fall, dafür steht mein Eintrag.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.