Nach den russischen Ultimaten tut sich was

Ratlosigkeit und Gegacker

Die Reaktionen auf die russische „Tough Diplomacy“ – das ist die Übersetzung der Bezeichnung, mit der Konstatin Gavrikow, russischer Verhandlungsführer in Genf, gestern das häßliche Wort „Ultimatum“ zurück wies – beschreibe ich aktuell vielleicht am Besten mit zwei emojii: 😲 😶

(Es folgt ein Rumpfeintrag, auf den ich zurück kommen will)

Da hat man „Putin“ oder „das System Putin“ Jahrzehnte mit unschmeichelhaften Attributen und Vergleichen belegt und jetzt, da der Kreml sich gegenüber dem „Westen“ erstmals auf eine Weise aufführt, die den Invektiven entgegen kommt, ist man von den Socken.

Machtpolitik – sowas ist man vom Kreml seit einer Episode im Jahr 2008 nicht mehr gewohnt und diese Episode wurde schnell verdrängt, weil sie eine unangenehme Erinnerung beruft; an die fetten Niederlagen nämlich, welche die amerikanischen Putschisten kassierten, als ihre Radikalen in Außenministerium, Pentagon und auf dem Sessel des Vizepräsidenten, den Gegenputsch der Wall Street und ihres designierten Regenten, Obama, mit katastrophischen Kriegen gegen den Iran und gegen Russland in Georgien zu vereiteln trachteten. Robert Gates ist wahrscheinlich die Schlüsselfigur gewesen, die beides verhinderte. Ein gewisser Saakaschwili führte die georgische Armee in eine vernichtende Niederlage gegen eine von Putin entschlossen und rücksichtslos geführte Gegenoffensive nach tagelangem georgischen Artilleriebeschuss südossetischer Zivilisten und der russischen Friedenstruppe, welche sie gemäß einem georgisch-russischen Vertrag von 1992 beschützen sollte.

Seither haben sich Putin und das diplomatische Corps Russlands auf internationaler Bühne nahezu mustergültig aufgeführt. Insbesondere winkten sie in der UN den NATO-Angriff auf Libyen durch, der mit der Entstaatlichung weiter Teile Nordafrikas endete und vom State Department und CIA , gestützt durch israelische, britische, französische, katarische, später auch saudische und türkische Kollaborateure, direkt in den andauernden Syrienkrieg übergeleitet wurde, dessen erste Phase ein Libanon- und daher Irankrieg gewesen ist.
Putin hat dies seither mehrfach als schlimmste Fehlentscheidung des Jahrhunderts bezeichnet, geleitet von dem Wunsch, den „Reset“ nicht zu gefährden, den Obama mit Blick auf seinen „Pacific Pivot“ für die amerikanisch-russischen Beziehungen angekündigt hatte.

Ja, so verständnisvoll, um nicht von mitfühlend zu reden, hat die Mannschaft Putin 2010/11 das amerikanische Interesse an einem Containment der aufstrebenden chinesischen Großmacht beurteilt. Ob Putin das persönlich geteilt hat, wage ich zu bezweifeln, doch der Frontmann war damals Medvedev, namentlich in den transnationalen westlichen Gremien, in die Russland trotz oder wegen der georgischen „Episode“ huldvolle Aufnahme fand, versehen mit lukrativen Pfründen für die russische Oligarchie.
Ich weiß, daß im Kreml bekannt war, Hillary „We came, we saw, he died“* Clinton und David Cameron hatten eine andere Agenda, als simplen „Regime Change“ gegen unliebsame libysche Projekte in Afrika, die mit der Person Gaddafis standen und fielen, und der nach französischem Willen etwa Ende Juni 2011 mit einer Aufteilung des Landes zwischen Bengazi und Tripoli, entlang einer Bezirksgrenze bei Ras Lanouf, hätte enden können und sollen. Doch so wenig, wie im Élysée-Palast, rechnete man im Kreml mit der Macht und Eigenständigkeit eines „Geistes aus der Flasche„, der nicht mehr zu bannen war: Mit einer Souveränität der NATO-Generäle, namentlich der amerikanischen und britischen, basiert auf die von Clinton eingeforderte Illoyalität namentlich Admiral Stavridis und General James Mattis, beide Parteigänger der Putschisten von 9/11, gegenüber Kongress und Weißem Haus bei Kriegsbeginn.
Beide haben das im Nachhinein bedauert.
Den Rest erledigte eine überwältigende Greuelpropaganda der „Drei Harphyen“ Clinton, Rice und Powers, die in „sicheren Geheimdienstquellen“ dafür gipfelte, daß Gaddafi persönlich wöchentlich ein halbes Dutzend weiblicher Kinder „vernasche“ und an libysche Soldaten Viagra ausgeteilt habe, um Massenvergewaltigungen zu fördern.
Unter den Links findet ihr nichts davon, aber sehr wohl Hinweise darauf, warum diese Taktik, die manchem Jüngeren heute völlig gaga vorkommen mag, überwältigend wirksam gewesen ist. Obama, das Weiße Haus, „besonnene Kräfte“ aller Couleur, waren von diesem offensiven Irrsinn schachmatt gesetzt, weil sie ihn nicht hätten angreifen können, ohne den Präsidenten seiner Machtbasis zu berauben. Es war dasselbe Schema, das Killary ermächtigt hat, seit ihrer Stellung als Präsidentengattin in spe mutmaßlich ein Dutzend Morde aus mehr oder minder persönlichen Gründen in Auftrag zu geben und damit durch zu kommen. Und in letzter Instanz hatte Clinton noch eine ultimative Drohung im Köcher: Sie war als Gouverneurin von New York intim vertraut mit Einzelheiten des Inside Job von 9/11 und hatte persönlich den Befehl gegeben, einen wesentlichen Teil der Beweismittel zu vernichten, indem sie, im Zusammenwirken mit Rudy Giuliani, der Clintons Beteiligung ostentativ der Presse auf die Nase band, die Stahltrümmer des WTC umgehend nach China verschiffen ließ. Ein Kapitalverbrechen nach den Buchstaben der US-Gesetze.

Wie soll man als rechtschaffener russischer Nationalist mit einem solchen Imperiumszentrum umgehen, das überhaupt nicht zufällig die grotesken Hallmarks aufweist, die vom römischen Imperium zu seiner Verfallszeit – vor Einschreiten der „Soldatenkaiser“ – überliefert sind?

Im nächsten Abschnitt soll es um die Krim gehen und auch um ein paar Details des Syrienkrieges, aber ich habe mich verquatscht und viel Zeit verloren, ein paar Dinge nachzusehen. Jetzt brauch ich was zu essen.

(*) Alle Videos, die den Bezug zu Gaddafi und das Ausmaß der Clinton’schen Psychopathologie im Kontext des Interviews dokumentieren, sind gelöscht!

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